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Autoimmun-Erkrankungen (AI)
Wir befassen uns seit über dreissig Jahren mit
Kromfohrländern und in diesem Zusammenhang kamen und kommen wir auch
immer wieder mit dem Thema „AI“ in Berührung. Wir setzen
uns in Praxis und Theorie intensiv mit diesen vielschichtigen Krankheitsbildern
auseinander.
Dieser Bericht basiert deshalb auf unseren ureigensten
Erfahrungen und den Kenntnissen, die wir uns über das Sammeln von
Daten, Symptomen und derer Auswertung erworben haben.
Neben den bekannten autosomal-rezessiven Erkrankungen, existieren unter
den Krankheiten der Kromfohrländer auch die des Autoimmunsystems.
Ganz wichtig ist es zu wissen, dass es nicht DIE Autoimmunerkrankung gibt
– bei den Kromfohrländern treten unterschiedliche Erkrankungen
des Immunsystems auf.
Bedauerlicherweise ist hier aus der einschlägigen Literatur über
die Erblichkeit nichts bekannt, und auch wenn ein polygener Erbgang vermutet
werden darf, so macht diese Tatsache weder die Bekämpfung noch die
Zucht einfacher – im Gegenteil.
Es beginnt schon damit, dass bereits in der Diagnostik eine Autoimmunerkrankung
auf unendliche Probleme in der differenzierten Erkennung stößt
und die unterschiedlichen Verfahren in der Regel erst „abgearbeitet“
werden müssen (z. Bsp. Biopsie, ANA-Test, Coombstest, usw.), damit
ein eindeutiges Ergebnis vorliegt und leider ist es auch in vielen Fällen
eine Tatsache, dass ein Kromfohrländer stirbt und keinerlei gesicherte
Diagnose über seine Erkrankung vorliegt.
Auch können Autoimmunerkrankungen durchaus mit bekannten anderen
Erkrankungen verwechselt werden, die prominenteste dürfte hier die
Borreliose sein.
Allein das Sammeln von Daten und Symptomen kann eine gewisse Hilfe in
der Voraussage über das Auftreten einer Erkrankung für den Züchter
sein, und er bewegt sich damit in nicht wissenschaftlich abgesicherten
Kreisen, und alles was „nicht nachweisbar“ ist, kann jederzeit
von jedermann-oder Frau in Frage gestellt werden und damit gehören
Autoimmunerkrankungen zu den frustrierendsten Erkrankungen für den
an der Gesundheit interessierten Züchter.
Im Folgenden werde ich die uns bekannten Autoimmunerkrankungen beschreiben,
wie wir sie selbst bei unseren Kromfohrländern erlebt haben und ich
erzähle Ihnen von den Schlüssen, welche wir nach Beschäftigung
in Theorie und Praxis gezogen haben. Diese Berichte haben deshalb kein
Anrecht auf Vollständigkeit und sie geben ausschliesslich unsere
Ergebnisse wieder.
Wichtig ist noch anzumerken, dass ich ganz bewusst nachfolgend von unseren
Holderheide-Hunden erzähle. Ich könnte für beliebig auch
andere Hunde aus anderen Zwingern konkret benennen, was ich aber bewusst
nicht tun möchte.
Fangen wir mit der „harmlosesten“ Form an, der
Lupoiden Onychodystrophie (LO)
Diese Form konnten wir in unserer Zucht bei mehreren Kromfohrländern
beobachten. Sie beginnt damit, dass die Hunde eine Kralle verlieren, im
Laufe der Zeit (das kann sich über Monate hinziehen) mehrt sich der
Krallenverlust und greift auf die Krallen aller Pfoten über.

Die Hunde zeigen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit an der betroffenen
Kralle, sobald diese jedoch entfernt oder verloren ist, hört der
Schmerz sofort auf.
Der Verlauf der Erkrankung ist unterschiedlich. Im günstigsten Fall
bleibt es bei einem Krallenverlust und es muss nur eine mehr oder weniger
häufige Krallenbehandlung durchgeführt werden. Dies war zum
Beispiel bei „Jossele von der Holderheide“ der Fall. Er wurde
behandelt, konnte aber mit seinem Besitzer dennoch alle möglichen
Titel im Turnierhundesport erringen, da ihn diese Erkrankung nur wenig
beeinträchtigte.
In anderen Fällen ist die lupoide Onychodystrophie nur eine „Zwischenstation“
und damit Symptom einer Form z. Bsp. des systemischen Lupus erythematodes.
Hier das Beispiel von „Goya von der Holderheide“: Er zeigte
sich von Anfang an als agiler und unkomplizierter Hund, der seiner Besitzerin
sehr viel Freude bereitete. Dies fand ein Ende, als Goya von einem Auto
angefahren wurde. Nach der Ausheilung seiner Verletzungen blieb sich immer
wieder vereiternde Krallen zurück. Seine Besitzerin konnte diese
Vereiterungen später bereits an der Pfote geruchlich feststellen
und wurde diese Kralle geöffnet und der Eiter konnte ablaufen, war
die Schmerzempfindlichkeit sofort vorbei und Goya konnte wieder ungehindert
laufen. Leider blieb es nicht bei den vereiterten Krallen. Im Gaumen zeigte
sich im weiteren Verlauf ein kleines Loch und die Gaumenriffelung nahm
kontinuierlich ab. Trotz aller Bemühungen konnte Goya nicht erfolgreich
behandelt werden und seine Besitzerin musste sich von ihm viel zu früh
trennen.
Auch „Oona von der Holderheide“ zeigt dieser Symptomatik.
Leider findet auch hier die Erkrankung einen schlechten Verlauf und den
Bericht ihrer Besitzerin haben wir im Anhang separat zu diesem Thema eingestellt.
Zur Behandlung sei noch gesagt, dass unterschiedlichste Methoden zur
Anwendung kamen, Hilfe beziehungsweise Erleichterung fanden die Hunde
jedoch stets nur, wenn die Kralle sich endgültig verabschiedet hatte.
Wer möchte, kann einen sehr guten Fallbericht nachlesen im Heft
„Kleintierpraxis 48, Heft 9, Seiten 529-588), Lupoide Onychodystrophie
bei einem Grosspudel“
Epidermolysis bullosa (EB)
Mit einzelnen Kindern von “Ciska von der Holderheide“ kam
es bei den Erstsymptomen zu leichten Haarausfall im Bereich der Augen
und leichten Verkrustungen am Übergang Nasenschwamm zur angrenzenden
Hautregion. Diese Symptome verstärkten sich dann und wurden gefolgt
von Entzündungen der Krallen, der Schleimhäute und einer lichter
werdenden Rutenspitze. Auffallend veränderte sich der Atem der Hunde,
er roch richtiggehend „faulig“, was die Vermutung nahe legte,
dass die Erkrankung sich auf innere Organe ausgebreitet hatte.
Alle gängigen Tests brachten kein Ergebnis, das Vorliegen einer Autoimmunerkrankung
konnte nicht nachgewiesen werden, leider konnte auch von den Tierärzten
trotz intensiver Suche keine spezifische Diagnose erstellt werden.
Bei „Eumel von der Holderheide“ konnte im späteren Verlauf
der Erkrankung ein Befall mit Demodexmilben festgestellt werden (als Zeichen
der Schwächung des Immunsystems), die aber wieder verschwand. Nach
einem Jahr musst Eumel trotz intensivster medizinscher Betreuung und Pflege
( die Besitzer waren jeweils Krankenpfleger) eingeschläfert werden.
„Irrwisch“ zeigte ähnliche Symptome und hier wurde naturheilkundlich
jedes Mittel ausgeschöpft, auch hier leider ohne jeglichen Erfolg,
allerdings wurde dieser Hund bereits vor dem ersten Lebensjahr von seinem
Leiden erlöst.
Nach ausführlichen Recherchen unsererseits kamen wir zu der begründeten
Vermutung, dass es sich hier um die Erkrankung „Epidermolysis bullosa“
handeln müsste, also KEINE Autoimmunerkrankung vorliegt, sondern
eine erbliche Hauterkrankung.
(Bei der EB wird als Ursache eine Überproduktion von Enzymen oder
einem Fehler in der Kontrolle von Enzymen vermutet. Eine Folge ist im
Regelfall die Zellauflösung der Epidermis)
Diese Erkrankung an dieser Stelle aufzuführen ist uns deshalb so
wichtig, da sie von ihrer Histologie gerne auch mit den nachfolgend aufgeführten
Autoimmunerkrankungen verwechselt werden kann, und zwar dem :
Lupus Erythematodes (LE)
Dies ist eine Erkrankung, welche mit EB verwechselt werden kann. EB ist
hierbei eine Hautkrankheit erblichen Ursprungs - bei LE handelt es sich
um eine immunologische Hauterkrankung.
In unserem Zwinger lag bei keinem unserer erkrankten Hunde eine Diagnose
auf LE vor. Allerdings sind Fälle von diagnostizierter LE offiziell
bekannt, wobei wir nicht wissen, ob es sich um die diskoide oder systemische
LE handelte.
Bei der systemischen LE ist mehr als ein Organ betroffen, andere klinische
Zeichen sind hämolytische Anämie, Thrombozytopenie, Nierenentzündung,
Lähmungen, Anorexie und Lethargie.
Die diskuide Form wird als eine gutartige Variante des systemischen LE
mit auf die Haut begrenzten Schäden betrachtet.
Pemphigus foliaceus (PF)
Hierbei handelt es sich um eine schuppende, pustelnbildende, krustige
Dermatitis. Vor allem im Gesicht, an den Ohren und Pfotenballen, manchmal
auch im inneren Teil der Ohren und auf den Pfoten.
Der PF schreitet weniger rasch fort als der ähnliche Pemphigus vulgaris,
bei dem zusätzlich Entzündungen in der Mundhöhle auftreten.
Alle aufgeführten AI´s konnten mehr oder weniger bei Kromfohrländern
beobachtet und/oder diagnostiziert werden.
Polyarthritis
Hier soll stellvertretend unser aus Finnland importierte Kromfohrländerrüde
„Minimaxin Saturnus“ , „Elgin“ als Beispiel genannt
werden.
Folgenden Verlauf nahm seine Erkrankung:
Elgin wurde 1996 in Finnland geboren und von uns zur Blutauffrischung
nach Deutschland importiert. Mit ihm hegten wir die Hoffnung, sowohl gesundheitlich
als auch genetisch die Rasse zu verbessern – dass es ganz anders
kommen sollte, ließ sich zu dieser Zeit weder erahnen noch prognostizieren.
Er kam zu uns als gesunder, aufgeweckter Kromirüde, ausgesprochen
sensibel in seinem Verhalten und gegenüber „Druck“ (hier
harte Ausbildung mit überholten Erziehungsmethoden) äußerst
empfindlich.
Bei uns gliederte er sich problemlos in das aus Deckrüden und Zuchthündinnen
bestehende Hunderudel ein und zeigte sich als freundlicher Hund zu Vierbeiner
und Zweibeiner, der jedoch nachtragend auf Angriffe anderer Hunde reagierte.
Er wurde bei uns ab dem zweiten Lebensjahr vorsichtig in der Zucht eingesetzt
und von uns nur begrenzt zur Zucht zur Verfügung gestellt, um nicht
wieder schnell eine genetische Verarmung zu verursachen. Wie sinnvoll
diese Handhabung war, stellte sich später heraus, allerdings nicht
im genetischen Sinne, sondern im gesundheitlichen Bereich.
Insgesamt deckte er in seinem Leben viermal, jeweils einmal „Ciska
von der Holderheide“, „Franka von der Holderheide“ und
„Laska von der Holderheide“, sowie „Daquira vom Buchbach“.
Im Jahr 2000 ereilte uns dann ein schweres Schicksal, was auch Elgin direkt
betraf, denn er hatte, nachdem unser Haus durch einen Brand unbewohnbar
geworden war, zeitweilig einen Pflegeplatz und durch den Brand einen schweren
Lungenschaden erlitten.
Seiner Psyche bekam der Pflegeplatz nicht, er wurde innerhalb weniger
Tage so aggressiv, dass er beim Tierarzt nicht mehr ohne Zwangsmittel
behandelbar war. Wir übernahmen nach unserer Entlassung aus dem Krankenhaus
und dem Umzug in unser vorübergehendes neues Zuhause Elgin sofort
wieder selbst. Elgin zeigte sich schwer traumatisiert, ließ sich
jedoch in unserem Beisein bei allen weiteren Tierarztbesuchen –
und unfassbar für den behandelnden Tierarzt, welcher ihn extrem aggressiv
erlebt hatte - ohne Probleme und ungehindert, das heisst ohne Maulkorb
und Fesseln, behandeln.
Bald darauf ließen wir ihn aufgrund einer Lahmheit vorne rechts
untersuchen, das Röntgenbild ließ keine sichere Diagnose zu
und so wurde unserem „Ball-Junkie“ fortan das Ballspielen
weitgehendst untersagt. Auch sein „Pfeifen“ aus der Lunge
gefiel uns nicht, wurde jedoch tierärztlich als Folge der Rauchvergiftung
gedeutet.
2004 waren alle Gelenke von massiver Lahmheit betroffen, ohne dass eine
exakte Diagnose gestellt werden konnte. Da er als Zuchtrüde mit unseren
Hündinnen zusammenlebte und dies für ihn einen weiteren Stressor
zur Folge hatte, ließen wir ihn kastrieren, um weiteren Stress zu
vermeiden. Die Kastration überlebte er knapp, wir denken heute, dass
zu dieser Zeit sein Immunsystem schon sehr geschwächt war und er
fing in der Folge an, sich im Lendenbereich bis auf die Haut aufzunagen.
Zeitweilig konnte er nur noch mit Halskrause leben, mit der er jedoch
vollkommen problemlos zurechtkam und welche erfolgreich das Benagen verhinderte.
Weitere Untersuchungen erfolgten, ohne dass eine Diagnose gestellt werden
konnte.
Wir entschieden uns, Elgin von seinem Leiden zu erlösen, als ich
ihn ohne seine Hündinnen anlässlich eines Besuches bei meinem
Vater auf der Schwäbischen Alb dabei hatte. Er schaffte es ohne den
Antrieb seiner Hündinnen zum Beinchen heben nur auf die direkt neben
der Tür liegende Terrasse, seine Schmerzen hielten ihn von weiteren
Schritten ab.
Zu Hause, wieder bei seinen Hündinnen angekommen, spielte er wieder
den grossen „Zampano“ und lief wieder herum.
Aus leidiger Erfahrung wissen wir jedoch, wie sehr Kromfohrländer
Schmerzen „herunterspielen“ können und nachdem er als
Einzelhund seine wahren Schmerzen offenbart hatte, fassten wir den schweren,
aber für ihn erlösenden Beschluss, ihn einschläfern zu
lassen.
Wir setzten nun alle Hoffnung auf die von uns veranlasste und in der Uniklinik
München durchgeführte Autopsie, auf die wir aufgrund seines
Einsatzes als Zuchtrüde Wert gelegt haben, aber auch hier brachten
die Ergebnisse keinen konkreten Hinweis auf eine vorgelegene Erkrankung
– allein anhand seiner Nachkommenschaft lässt sich ein autoimmunes
Geschehen rückschließen:
Bei „Ciska von der Holderheide“ erkrankten in unserem „I-Wurf
von der Holderheide“ von sechs Welpen drei, alle drei mussten vor
Erreichen des ersten Lebensjahres eingeschläfert werden. Alle drei
zeigten die beschriebenen Hautsymptome, das heißt, offene Stellen
am Übergang Nasenschwamm zur Haut, kahle Rutenspitze, Entzündungen
im Krallen/Pfotenbereich sowie Entzündungen in der Maulhöhle
mit Verlust der Gaumenriffelung einhergehend.
Bei „Laska von der Holderheide“ (Fremdzwinger) starben zwei
Welpen bereits in den ersten zwei Wochen an einer Lungenentzündung,
bei der Hündin „Berenice“ zeigte sich als erstes Anzeichen
einer autoimmunen Erkrankung geschwollene Lymphdrüsen unter den Achseln
der Vorderläufe.
Im Vergleich mit dem im gleichen Haushalt lebenden Kromfohrländerrüden
erschien Berenice sehr matt und es dauerte nicht lange, bis weitere Symptome
dazukamen, die den Verdacht einer AI bestätigten. Halbjährig
musste Berenice dann eingeschläfert werden.
Bei „Franka von der Holderheide“ starb im J-Wurf von der Holderheide
der erste Hund mit sieben Jahren – an einem Tumor. Der zweite Hund,
„Jossele“, wurde elf Jahre alt, die sechs Geschwister leben
noch.
Der nachhaltigste und schwierigste Wurf insofern, als dass „Franka“
selbst noch heute eine besonders für ihr Alter sehr vitale und gesunde
Hündin ist. Sie zählt mittlerweile fünfzehneinhalb Jahre
und ihr zur Seite gestellt ist inzwischen ihr ebenfalls gesunder Bruder
„Flicflac“ und auch die Geschwister zeigten keinerlei Krankheitssymptome
und erreichten ein hohes Alter. Womit der F-Wurf als vollkommen gesunder
Wurf gewertet werden durfte, aber:
Zwei Söhne von Franka wurden in der Zucht eingesetzt, „Jockey“
und „Jossele“ von der Holderheide.
„Jossele“ deckte dabei ein einziges Mal, musste aber später
wegen akuter Prostataprobleme kastriert werden. In seinem einzigen Wurf
erkrankte eine Hündin an einer AI schwer, zwei weitere Hunde zeigen
typische Symptome einer Autoimmunerkrankung. ( wie kahle Rutenspitze)
„Jockey“ deckte mehrfach und bei fast allen seinen Würfen
finden sich Kinder mit den Symptomen einer Autoimmunerkrankung, wobei
hinzugefügt werden sollte, dass offizielle Listen nach unserer Erfahrung
kein Anrecht auf Vollständigkeit haben.
Der Wurf mit „Daquira vom Buchbach“ brachte sieben Welpen,
wobei eine Hündin in unseren Haushalt einzog, „Bastia“.
Ein Bruder von ihr erkrankte mit Symptomen aber ohne Diagnose.
Bastia selbst hat bei uns den „S“-Wurf von der Holderheide
aufgezogen. Bei ihrer neuen Besitzerin brachte sie ihren zweiten Wurf
zur Welt, bedauerlicherweise entwickelte Bastia in der Trächtigkeit
eine kahle Rutenspitze, was sie und ihre Nachzucht von einer weiteren
Zuchtverwendung ausschloss.
Bislang ist uns interessanterweise kein Nachkomme von „Elgin“
bekannt geworden, welcher die von ihm gezeigten Gelenksbeschwerden gezeigt
hat.
Auch in „Floris“ Nachwuchs setzte sich die Erkrankung fort,
er selbst starb zwölfjährig an einer Vergiftung und kam nie
mit Symptomen der AI in Berührung.
Um in unserem Zwinger, und damit bei der Namensnennung bleiben zu können,
beschreibt ein weiterer Erkrankungsbereich die Linie von „Aennchen
von der Blutenburg“.
Sie starb fünfjährig mit der offiziellen Diagnose „Lungenentzündung“.
Was vorausging war ein langer versuchter Diagnose- und Behandlungsprozess,
welcher letztendlich ohne Erfolg blieb.
Allerdings hatte sie schon sehr früh eine kahle Rutenspitze, welche
wir in stetiger Behandlung hielten. Auch uns wurde von „Fachleuten“
seinerzeit die Erklärung des „Anschlagens am Türrahmen
ob ihrer freudigen Begrüssung“ nahegelegt und nur die jahrelangen
Beobachtungen, Gespräche und Literatur ließen uns auf eine
andere Spur kommen.
Mit „Aennchen“ kamen wir zum allerersten Mal mit AI in Berührung,
da sie selbst das Symptom „kahle Rutenspitze“ zeigte.
Ihr Einsatz in der Zucht beschränkte sich auf zwei Würfe, im
ersten Wurf fielen zwei Welpen, „Alaska“ und „Annabell“,
beide wurden in der Zucht eingesetzt. „Annabell“ war nach
Finnland verkauft worden und bekam epileptische Anfälle, weshalb
sie nur einen Wurf aufgezogen hatte, „Alaska“ wurde über
12 Jahre alt und hatte mehrere Würfe.
Aus dem zweiten Wurf behielten wir „Ciska“, denn da „Aennchen“
über ein außergewöhnlich schönes Wesen verfügte,
welches in unserem Zwinger ein maßgebliches Zuchtkriterium ist,
wollten wir mit ihr unsere Zucht fortführen, um diese freundliche
Wesen zu erhalten.
Der E, F, G und I-Wurf gehen auf ihr Konto und nur im F-Wurf traten keinerlei
gesundheitliche Störungen auf, die auf AI-Hintergrund schließen
ließen.
Aber welch fatale Folgen die Verbindung von Franka mit Elgin hatte, ließ
sich nicht in der ersten Generation, des J-Wurfes, feststellen, sondern,
wie oben bereits erwähnt, schlugen sie sich in den nachfolgenden
Generationen nieder.
Zwei Probleme beschäftigen den Züchter: Wer nun meint, mit dem
Entfernen dieser Tiere aus der Zucht sei das Problem gelöst, muss
zum Einen beim Studium der Stammbäume feststellen, dass alle rauhaarigen
Tiere in den Neunzigern auf drei rauhaarige Rüden zurückzuführen
sind und zum Anderen, dass in unserem Zwinger auf eine breite Streuung
der Zuchttiere Wert gelegt wurde und dadurch viele unterschiedliche Linien
vertreten sind. Was den Schluss zulässt, dass es sich hier nicht
um ein „Holderheide“-Problem handelt, sondern sich in der
gesamten Population diese gesundheitliche Problematik finden lässt
– was unser Datenmaterial auch untermauert.
Das zweite Problem betrifft die Einsicht der Besitzer: eine Verbesserung
der Situation ist nur herbeizuführen, wenn allen Züchtern bewusst
ist, dass diese Problematik besteht, und dass zu erkennende Symptome auf
eine AI Rückschlüsse zulassen.
Zur Verdeutlichung ein Beispiel: „Jossele“ und „Jockey
von der Holderheide“ sollten, nachdem uns klar war, was für
ein gefährliches Potential sie bargen, nicht in der Zucht eingesetzt
werden. Da beide angekört waren, gestaltete sich das Verhindern ihres
Einsatzes erstaunlich schwer.
Bei „Jossele“ fragte der Besitzer nach unseren Hinweis der
gesundheitlichen Bedenken im Zuchteinsatz bei der Tierärztin nach,
welche „Jossele“ wegen seiner Erkrankung (Krallenverlust)
behandelte. Sie versicherte dem Besitzer glaubhaft, dass hier keine Störung
des Immunsystems vorliegen würde und er unbedenklich in die Zucht
eingesetzt werden könne.
Da der Besitzer von „Jockey“ uns stets informierte, wenn ein
Deckeinsatz von ihm anstand, informierten wir jeweils die Hündinnenbesitzer
über unsere gesundheitlichen Bedenken.
Es war für uns unfassbar – aber unsere Bedenken wurden vollständig
ignoriert. Auf Nachfrage von uns hiess es dann, man hätte sie andernorts
darüber informiert, dass unsere Aussage nicht nachweisbar sei und
dadurch unsere Bedenken irrelevant für ihre Zucht seien.
Was mich selbst stets an eine häufig von „Fachleuten“
auf´s Tapet gebrachte Redewendung erinnerte, „man solle doch
von der Erfahrung der langjährigen Züchter profitieren“.
Im Laufe der Zeit bekamen wir einige tierärztliche Atteste zu sehen,
in welchen den Besitzern versichert wurde, eine autoimmune Erkrankung
sei auszuschließen – fatal für die Zucht und für
die in der Materie befasste Menschen durchaus zu wiederlegen, als Einzeldiagnose
verständlicherweise jedoch auch für den Tierarzt oft nicht in
das autoimmune Geschehen einzuordnen, da hierüber viel zu wenig Literatur
vorliegt.
Erschreckend für uns, die wir die alle Verpaarungen unter Kromfohrländern
verfolgen, ist die Tatsache, wie häufig nach wie vor Risikoverpaarungen
durchgeführt werden, was die Gefahr des Ausbrechens einer AI betrifft
und nicht umsonst sind wir froh, durch das Einkreuzprojekt dem Damoklesschwert
der zu engen Inzucht, welche Mitverursacher des Ausbrechens von AI ist,
entkommen zu sein.
(hohe Inzucht – erhöhte Erkrankungsgefahr: wer sich dazu ausführlicher
informieren möchte, sei auf die website von Frau
Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur verwiesen, auf dieser Seite finden
sich alle relevanten Artikel und der Besuch der website lohnt sich für
jeden Züchter, der sich mit Zucht auseinander setzten möchte!)
Wer sich in Buchform informieren möchte, dem sei das Buch „Hundezucht“
– Therapie Genetik für Tierärzte und Züchter am Beispiel
Collie“ von der Autorin Dr. Sharon Lynn Vanderlip ans Herz gelegt.
Das Buch ist ein wahrer Fundus in Bezug der beim Kromfohrländer auftretenden
Erkrankungen und auch noch hochinteressant, für den an Fell,- Farb-
Scheckungsvererbung interessierten Leser.
©Sybille Nass, 30. Mai 2010

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