Kromfohrländer

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Warum Rassehunde krank werden können:

Fallbeispiel "Cystinurie" beim Kromfohrländer

 

Dass Rassehunde "krank" und Mischlinge viel "gesünder" sind, ist eine wohlmeinende Binsenweisheit, deren Wahrheitsgehalt noch nie wissenschaftlich belegt werden konnte.

WARUM jedoch Rassehunde erkranken, dies lässt sich anhand von Fallbeispielen sehr gut erklären, hier möchte ich die Cystinurie beim Kromfohrländer heranziehen:

Der Kromfohrländer ist eine sehr junge Rasse, ihre Entstehungsgeschichte deckt kein Jahrhundert ab und ihre Hauptzuchtgrundlage befindet sich in Deutschland.
Engagiert, aber in deutlich geringerem Umfang werden sie in Finnland gezüchtet und wenige Züchter existieren in Schweden, der Schweiz, Österreich und Dänemark.
Da die Population überschaubar ist, lässt sich mit relativ wenig Aufwand viel über den gesundheitlichen Zustand der Rasse erfahren und etliche Erkrankungen sind in der Rasse manifest und bekannt.

Unter den auftretenden Erkrankungen noch gering bekannt ist das Auftreten der "Cystinurie" in dieser Rasse - denn noch sind wenige Fälle bekannt, aber man kann anhand dieser Erkrankung wunderbar nachvollziehen, warum die Cystinurie in Gefahr gerät, sich als feste Erkrankung unter den Kromfohrländern zu etablieren, denn hier zeigt sich, wie massgeblich die menschliche Komponente für die Manifestierung von Krankheiten in einer Rasse ist:

Kromfohrländer werden ganz allgemein auf einer Basis von Liebhabern gezüchtet, welche durchschnittlich ein- bis drei Würfe in ihrem Zwinger aufziehen. Demzufolge ist die spezifische Kenntnis über die Stärken und die Schwächen der Rasse entsprechend gering ausgeprägt und langjährige kynologische Erfahrungen und Kenntnisse fehlen.

Auch in unserem Beispiel stammt der erkrankte Rüde aus einer Zuchtstätte, welche ihren ersten Wurf aufgezogen hatte und deshalb weder Erfahrung noch Wissen über die Rasse vorausgesetzt werden kann.
Der Hund muss im Alter von nur 7 Monaten fast drei Stunden notoperiert und ein Jahr später kastriert werden.
Wäre die Besitzerin nicht geistesgegenwärtig umgehend in eine Kleintierklinik gefahren, der Hund wäre wenige Stunden später qualvoll verendet.

Die Besitzerin setzt sich intensiv mit der Erkrankung ihres Hundes auseinander und recherchiert im Folgenden sehr umfangreich im Internet. Sie findet heraus, dass es sich um eine erbliche Erkrankung mit rezessivem Erbgang handelt und informiert als verantwortungsbewusste Hundehalterin ihre Züchterin sehr frühzeitig über Erkrankung und den erblichen Zusammenhang, im Hinterkopf den Gedanken, der Züchterin die Möglichkeit zu bieten, ihre Hündin sowie einem potentiellen Rüden einem sogenannten COLA-Test zu unterziehen. Ausserdem bittet sie die Züchterin, auch die Geschwister-Besitzer darüber zu informieren, um einerseits potentielles Leid von den Geschwistern fernzuhalten, andererseits, um als zuchthygienische Massnahme Vorsorge zu treffen, daß nicht mit erkrankten Tieren weitergezüchtet wird.
Da es sich bei der Mutter um eine Trägerin handelt, ist es ungemein wichtig, sie bei einer weiteren Anpaarung unbedingt mit einem nachweislich unbelasteten Rüden anzupaaren und auch bei den Geschwistern des erkrankten Rüden, welche in der Zucht eingesetzt werden sollen, ist als zuchthygienische Massnahme ein COLA-Test angezeigt.

Die Besitzerin hat jedoch nicht nur die Züchterin über die Erkrankung umfangreich informiert, auch dem zuständigen Zuchtverband wurde diese Erkrankung mitgeteilt, damit er adäquat darauf reagieren kann.
Der Vater des betroffenen Rüden hat noch weitere Nachkommen mit anderen Hündinnen, und möchte man verhindern, daß "Cystinurie" sich innerhalb der reinrassigen Kromfohrländer weiter verbreitet, müssen betroffene Elterntiere und deren Nachkommen bei einer weiteren Zuchtverwendung anhand eines COLA-Testes nachweisen, daß sie unbelastet sind, um eine weitere pyramidenartige Verbreitung dieser Erkrankung in der Gesamtpopulation zu verhindern.
Ausserdem dürfen nachgewiesene Trägertiere nur mit Rüden angepaart werden, welche über den COLA-Test "frei" belegen können.

Eine zentrale Information an die betroffenen Halter von Nachkommen kann jedoch nur über den Zuchtverband erfolgen, da nur er über die Adressen aller betroffenen Hunde verfügt, weshalb dem Zuchtverband hier eine entscheidende Funktion im zuchthygienischen Bereich obliegt.

So würde eine verantwortungsbewusste Zuchtstrategie aussehen, die verhindert, dass sich Cystinurie als Erbkrankheit in der Rasse manifestiert:

• Information an alle Züchter zum Beispiel an Erstzüchterveranstaltungen über das Auftreten von Cystinurie
• Rundschreiben an alle Züchter
• Einsatz betroffenener Hundefamilien nur mit Nachweis des COLA-Testes und freiem Ergebnis
• Direkte Information an alle Besitzer der Nachkommen von Trägertieren
• Zuchtzulassung familiär betroffener Hunde nur mit entsprechendem COLA-Ergebnis
• Empfehlung des Zuchtverbandes, bei Zuchthunden (mindestens den Rüden) den COLA-Test durchführen zu lassen

'Sie als Leser/Interessent können nun selbst den Informationsfluss bezüglich der "Cystinurie" beobachten, einerseits durch Nachfragen direkt beim Züchter, ob er bei seinen Hunden den COLA-Test hat durchführen lassen, bzw. ob er über Cystinurie informiert ist, andererseits durch direkte Nachfragen über den zuständigen VDH-Verein, in welcher Form er Handlungsbedarf sieht und wie im Weiteren mit dieser Erkrankung umgegangen wird.

Die Folge an Handlungen ist entscheidend darüber, ob "Cystinurie" eine Chance hat, sich bei den reinrassigen Kromfohrländern weiter zu etablieren, oder ob diese Erkrankung von Anfang an konsequent und erfolgreich bekämpft wird und sie nicht ein weiteres Beispiel dafür geben kann, warum Rassehunde krank werden.....

 

© Sybille Nass 2011

 

Cystinurie?