Kromfohrländer
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Zwinger von der Holderheide

die Eckdaten:

Sybille Nass und Marcus Schaub, mit Konstantin und Torsten,

dazu Samuel, Semiramis, Rosine, Ashoka, Lucretia, 4 Hühner und 1 Hahn,

und: Katla, Sucre, Maggie,

wir alle zusammen sind das "Team Holderheide"

wer's gerne ein wenig ausführlicher möchte, der lese weiter...

 

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Geschichte, Werdegang und Weg

zur Gründung der IGRK

Interessengemeinschaft Rauhaarige Kromfohrländer


Um den Schritt, die Gründung einer Interessengemeinschaft des rauhaarigen Kromfohrländers zu verstehen, muss man einiges über unsere Zucht- und Zwingergeschichte wissen. Dann kann man vielleicht die Hintergründe besser einschätzen.

Wer sich dafür wirklich interessiert, möge hier weiterlesen...

Als ich vor 25 Jahren meinen ersten Kromi von Frau von Westarp erworben hatte, wusste ich noch nichts von meiner immerwährenden Liebe zu speziell dieser Rasse. Ich wollte einfach nur einen Hund ausschliesslich für mich und speziell als Reitbegleithund. (Ich lebte zu diesem Zeitpunkt als Jugendliche noch zu Hause, meine Mutter hatte ihren eigenen Hund, einen Kleinspitz). Penny (Ruma vom Weddern) hat jedoch einen Grundstein für eine wirkliche Liebe zu den - und ich betone das hier bewusst- rauhaarigen Kromis gelegt.

Meine Züchterin schaffte es auch, mich sowohl von einer überzeugten Anti-Ausstellerin und zuchtuninteressierten Nur-Kromfohrländerbesitzerin zu einer Ausstellerin und schlussendlich Züchterin zu reformieren. Dies gelang ihr durch Sachargumente und beispielhaftes Vorgehen in bezug auf die Zucht.

Meine Penny hat insgesamt drei Würfe aufgezogen; obwohl ich mich sehr für den Nachwuchs interessierte, war das wissenschaftliche Interesse an der Rasse dazumal noch nicht geweckt. Vielmehr interessierte mich zu hören, wie es "meinen" Hunden ging und ich traf mich immer wieder einmal mit „meinen“ Kromis und deren Besitzern zu einem gemeinsamen Spaziergang.

Auch dass aus der Nachzucht von Penny einige Hunde erkrankt waren, beunruhigte mich nicht wirklich; weiss doch jeder, dass es immer wieder einmal zu Erkrankungen bei Rassehunden kommen kann. Und da es sich beim Kromi nicht um eine Modehunderasse handelte, schien mir auch das Manifestieren von Erbkrankheiten zu diesem Zeitpunkt fern.

Noch schienen wir eine grosse, glückliche Familie zu sein und obwohl es bereits auf den Ausstellungen bösartige Anfeindungen zwischen den Besitzern von langhaarigen (bartlos mit langem Haar) und rauhaarigen Besitzern gab, so belastete mich das nicht wirklich.

Zur Information sollte an dieser Stelle jedoch für Kromfohrländerbesitzer, die diese Rasse noch nicht so lange kennen, angemerkt sein, dass zum damaligen Zeitpunkt (um 1980), überwiegend langhaarige Kromfohrländer anzutreffen waren und die rauhaarigen Vertreter DEUTLICH in der Minderheit waren.


Der viel zu frühe Tod meiner Kromfohrländerhündin "Penny" brachte mich seelisch vollkommen aus dem Gleichgewicht - ich hatte eine Begleiterin verloren, die mich nach dem Auszug aus dem Elternhaus und auf vielen, neuen Wegen jahrelang treu begleitet hatte und praktisch stets bei mir gewesen war.

Familie Thee erkannte mein Leid und dank ihres Engagements bekam ich durch sie eine Kromfohrländerin, die die Lücke, die Penny hinterlassen hatte, füllte.

Enkeltochter "Aennchen" (Aennchen von der Blutenburg) bewies mir, dass es zwar keinen Ersatz für einen verlorenen Hund gibt, aber sie zeigte mir, dass die geschenkte Liebe von Penny durch sie weiterleben kann.

Es war schnell klar, dass ich nie mehr nur einen Hunde werde haben können, da mich der Verlust von Penny zu tief getroffen hatte.
Die Chance, durch einen zweiten Hund den Verlust eines Hundes besser zu kompensieren, schien mir reell. Im folgenden Jahr gesellte sich zum rauhaarigen Aennchen die kurzhaarige (bartlos, kurzes Haar) Kyra vom Weddern.

Beide verstanden sich prächtig, und mit beiden Hündinnen wurden wir (wir, damit meine ich mich und meinen damaligen Lebensgefährten und jetzigen Ehemann Marcus Schaub) wieder aktiv: mit Aennchen besuchten wir Ausstellungen und mit beiden beabsichtigten wir zu züchten.
(Für den, der sich wundert, warum wir Kyra nicht ausgestellt haben, ist es sinnvoll zu wissen, dass wir Kyra vom Wesen her für ausgezeichnet hielten, ihre Formwertbeurteilung bei "sehr gut" lag und es deshalb für uns nicht wirklich Sinn machte, sie zu melden.)

Vereinstechnisch hatten wir übrigens gerade die Phase hinter uns gebracht, in der vom RZV Vorstand an alle Verlage Bilder von langhaarigen (bartlos mit langem Haar) Kromfohrländern gesandt wurden - mit der Bemerkung, dies sei der moderne Kromfohrländer, rauhaarige würden nicht mehr gezüchtet...

Für meinen Mann begann seine Zuchtlaufbahn mit Aennchen und wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre sie damals auch mit seinem ersten Wurf beendet gewesen. Ausschliesslich mein Beharren, mit dieser wundervollen Rasse weiterzumachen, hat ihn zu einem Weitermachen veranlasst.

Was war bei Aennchen passiert?

Sie hatte den 63. Tag der Trächtigkeit schon weit überschritten und es zeichneten sich Probleme bei der Geburt ab.
Mit den Presswehen für den ersten Welpen blutete sie mit jeder Wehe aus der Scheide, bis zur Geburt des ersten Welpen zeigte sie bereits erste anämische Anzeichen. Es erfolgte tierärztliche Hilfe, ein weiterer Welpe, leider ein toter Rüde wurde geboren, und danach eine Hündin: macht zusammen den A-Wurf von der Holderheide: Alaska und Annabell (1990).

(zur Info: Pennys drei Würfe liefen unter dem Zwingernamen ihrer eigenen Züchterin)

Kyra machte bei der nächsten Geburt dann wieder alles wett und bewies, was ich meinem Mann bereits beim A-Wurf gerne vermittelt hätte:
Eine Geburt ist das Wunder des Lebens. Uneingeschränkt!


Unmut unter den Rauhaarzüchtern über die Vereinspolitik ("nur Langhaar ist modern") führte nun auch bei uns zu erhöhter Vereinsaktivität – bis anhin hatten wir einfach nur aktiv an den Mitgliederversammlungen teilgenommen, jetzt wurden wir aber aktiv, um "unsere" Varietät vor dem vom Verein propagierten Untergang zu bewahren.
Dieses eine Mal solidarisierten sich wirklich alle Rauhaarzüchter!

Mit der Wahl eines neuen Vorstandes wurde eine "Rauhaar-Ära" eingeläutet, nunmehr waren auch wir aktiv durch ehrenamtliche Vereinsarbeit beteiligt. (In Kürze: Vorstandsmitglied-Schriftführerin, WUFF-Redakteurin und Zuchtwartin, mein Mann Zuchtwart.)

Für die Rauhaarigen schien alles bestens, dafür lief es mit Aennchen immer schlechter. Wir diskutierten lange und ausführlich mit dem Tierarzt über die Probleme beim ersten Wurf und machten verschiedene Abklärungen; danach entschieden wir uns für einen weiteren Versuch.

Unsere Gründe für einen weiteren Wurf lagen vornehmlich in dem einfach tollen Wesen von Aennchen begründet (wir haben nun über zwanzig Hunde besessen, Aennchens Wesen haben wir in dieser Form bei keinem weiteren Hund angetroffen, sie hatte ein unübertroffenes Sozialverhalten, gepaart mit enormer Souveränität; und natürlich auch in ihrem dem Standard in hohem Masse entsprechendem Typ).

Wir setzten auf die Theorie des Tierarztes, dass sich ein Blutgefäss bei der ersten Geburt geöffnet hatte und zu diesem Desaster führte. Natürlich war für uns schon im Vorfeld klar, dass es keine Experimente geben wird, aber die "zweite Chance" zumindest wollten wir bei so einer tollen Hündin nutzen.

So entspannt wir bei Kyras Deckakt und Geburt auch waren - bei Aennchen wurden unsere Nerven wirklich strapaziert. Das fing beim Decken an und endete bei der Geburt: wieder die gleichen Symptome. Diesmal sofort eine Wehenspritze und schon nach dieser einen Spritze lag sie eine halbe Stunde später unterm Messer. Fünf Welpen wären es gewesen, drei davon haben überlebt. Dass Aennchen bei der OP kastriert wird, hatten wir schon im Vorfeld abgesprochen.
Zwei Gründe waren dabei von Bedeutung - der für uns wichtigste natürlich, wir wollten auf keinen Fall das Leben der Hündin noch einmal riskieren; der zweite Grund war die mögliche Vererbbarkeit der Geburtsprobleme.

Es mag paradox klingen - aber natürlich behielten wir die einzige Hündin in diesem Wurf.
Die Linie dieser unserer Hündin(nen) wollten wir in den Töchtern unbedingt fortführen. Und hier setzt eben das menschliche (natürlich und selbstverständlich) Denken bei der Zucht ein. Inzwischen hatten wir so viele vom Wesen aggressive, überaus ängstliche und nervöse Kromfohrländer kennengelernt, dass uns das gute Wesen immer mehr züchterisch am Herzen lag.


Hier ist vielleicht ein kleiner Exkurs zum Thema Wesen notwendig

Als ich Penny gekauft habe (von meinem Konfirmationsgeld übrigens) hatte mich besonders das mangelnde Jagdverhalten (als Reitbegleithund eine prima Voraussetzung), die mittlere Grösse und der starke Personenbezug mit Zurückhaltung gegenüber Fremden fasziniert.
Da ich noch zu Hause lebte und Penny ja mein Hund werden sollte, wollte ich natürlich auch eine Abgrenzung zum Rest der Familie, immerhin war Penny allein mein Hund und es war klar, dass sie mich auch nach dem Auszug aus dem Elternhaus begleiten würde.

Pennys Charme erlag man allerdings erst auf dem zweiten Blick und man musste sie dazu selbstverständlich kennen - vom Aussehen her allein machte dieser Hund nun einmal nicht wirklich viel her - eine hellgeborene, kurzrauhaarige Hündin mit wenig anderen Interessen als die der Besitzerin und das Mitlaufen am Pferd.

Anfangs zeigte sie sich ziemlich ängstlich, nach entsprechendem Training und der Aufzucht des ersten Wurfes zeigte sie konstant steigende Souveränität. Jedoch fiel bei vielen Treffen auf, dass sich unter den geliebten Hunden viele echte Kläffer befanden und auch mit der vielgepriesenen Beisshemmung war es bei weitem nicht so gut bestellt. Das ausgeprägte Territorialverhalten bereitete besonders Rüdenbesitzern heftige Probleme und führte im Extremfall zu ziemlicher Vereinsamung, wenn nicht sogar der Hund aus diesen Gründen abgeschafft wurde.

Viele Kromfohrländer duldeten es gar überhaupt nicht, angefasst zu werden, was besonders bei Zahnkontrollen (gerade bei Ausstellungen) zu Problemen führte.
Nicht Zurückhaltung Fremden gegenüber (ein Anfassen durch fremde Menschen "erdulden") sondern übermässige Angst, gekoppelt mit Aggression, trat hier zum Vorschein.

Das Wesen wurde für unsere Zucht zu einem zentralem Thema: für unsere Umwelt, die immer Menschen in der Nähe beinhaltet, wollten wir einen eher freundlichen Kromfohrländer züchten, mit genügend Selbstvertrauen, um den modernen Anforderungen an unsere heutige Umwelt gerecht zu werden. Aber es sollte sich die Gesundheit als ebenso wichtig herausstellen.


Im Rahmen meiner Arbeit als WUFF-Redakteurin lernte ich Anne Larson kennen.
Sie fragte bei mir an, ob sie bei Kostenübernahme ein Exemplar des WUFFs bekommen könnte. Es stellte sich heraus, dass sie bereits zwei Kromfohrländer besessen hatte und sich aufgrund gesundheitlicher Probleme mit den für eine andere Rasse entschieden hatte.

Aber nach wie vor zeigte sie sich sehr an den Kromis interessiert und mich als Liebhaber der Kromis interessierte natürlich auch deren Vergangenheit. Frau Larson erwies sich als informationsreiche Quelle, nicht nur, dass sie gerade angehende Tierärztin wurde, nein, sie hatte sich bei den Kromis auch sehr in das Thema Gesundheit vertieft.(und wenn wir auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, wie sehr wir ihre Informationen noch schätzen lernen sollten- menschlich verstanden wir uns praktisch auf Anhieb).


Es dauerte nicht lange, bis wir uns persönlich kennenlernen sollten. Eine Ausstellung führte zu diesem Kontakt. Da wir in der Stadt ihrer Ausstellungsmeldung wohnten, luden wir sie ein bei uns zu nächtigen - mit ihrem Hund selbstverständlich.

Und so machten wir die folgenreiche Bekanntschaft mit den Irish-Terriern.

Folgenreich deshalb, weil uns einige Zeit später erst ein Irish-Terrier Rüde sozusagen "ins Haus flog" (er stammte aus Finnland) und danach eine Irishhündin unsere Hundeschar bereicherte.
Mein Mann liebte die Irish-Terrier sofort, es war „seine“ Rasse. Er hatte anfänglich mit der grossen Sensibilität der Kromfohrländer so seine Schwierigkeiten, dazu hatte er nie wirklich die Wahl zu "seiner" Rasse, gab es mich doch beim Kennen- und Liebenlernen nur im Doppelpack.
Wir bereuten die Irish-Terrier-Zeit nie, denn nur so wurde es für uns möglich, wirklich und wahrhaftig "über den Gartenzaun" der "eigenen" Rasse zu schauen und die Kromfohrländer einmal unter einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten.


Aber noch bin ich eigentlich bei Aennchen und unserem C-Wurf (1992).

Die behaltene Ciska entwickelte sich zu einer würdigen Vertreterin ihrer Mutter und nicht selten wurden wir auf unsere "Zwillinge" angesprochen. Aber nicht nur äusserlich glichen die beiden sich sehr, auch wesensmässig waren wenig Unterschiede vorhanden. Zwar hatte Ciska nicht Aennchens souveräne Führernatur, aber sie war dafür entschieden noch menschenfreundlicher als ihre Mutter, was wir hoch schätzten. Allerdings machte uns Aennchens Gesundheit immer mehr zu schaffen.

Einige Zeit nach ihrem ersten Wurf konnten wir an ihr eine blutige Rutenspitze feststellen.

Ehrlich gesagt, dachten wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht viel dabei. Wir banden die Rutenspitze immer wieder ein, behandelten die "Verletzung" wie angewiesen und waren ansonsten der festen Überzeugung, dass die Ursache in ihrer wilden Begrüssung zu suchen war, bei der sie immer wieder heftig mit der Rute an die diversen Türrahmen schlug.

Um mich nicht in Details zu verlieren... wir gaben eine Unsumme an Geld für Untersuchungen und Behandlungen aus, mit dem Ergebnis, dass sie fünfjährig unter unseren Händen wegstarb.
Offizielle Diagnose: Lungenentzündung.
(Heute stellen sich uns die Nackenhaare auf, wenn wir einen Kromfohrländer mit kahler Rutenspitze sehen, für uns absolutes Alarmzeichen in bezug auf Autoimmunerkrankungen.)

Glücklicherweise hatten wir nach Aennchens Tod noch Ciska und unsere anderen Hunde.

Kyra brachte Ende 1992 einen problemlosen D-Wurf zur Welt.
Aber es hatte sich still und heimlich bei uns etwas verändert. Viel hellhöriger wurden wir, wenn es um Symptome von Krankheiten bei Kromfohrländern ging, noch eifriger wälzten wir Literatur zu Zucht und Vererbung und wir versuchten aus dem Angebot des VDH so viele Vorträge über Gesundheit "mitzunehmen" wie möglich.

Bei Gesprächen mit Kromfohrländerbesitzern und Ex-Besitzern fingen wir an, konstant gesundheitlich relevante Punkte zu sammeln, zu vergleichen und auszuwerten.


Dann wurde unser E-Wurf geboren (6/94).
Sechs Welpen, davon mussten zwei Welpen am nächsten Tag wegen Gaumenspalten eingeschläfert werden.
Wir suchten die Ursache im massiven Gifteinsatz, den wir geführt hatten, weil uns ein Besuchshund Flöhe als Souvenir zurückgelassen hatten.

Die Besitzerin von "Baerli" (B-Wurf) besuchte uns- sie ist Tierärztin und ihr fällt ein abnormes Verhalten bei Esmeralda auf. Eine Hündin, die wir gerne behalten hätten.
Mit sieben Wochen wird sie in der Uniklinik München auf unseren Wunsch hin eingeschläfert, die Augen extrahiert und nach Giessen zur Untersuchung eingeschickt.
Das Ergebnis: Keine Sehnerven angelegt.

Uns war zum Heulen zumute.
Unsere Zucht, die wir mit so grossem Engagement betrieben hatten, drohte an Krankheiten zu scheitern. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen...

Von den drei übriggebliebenen Welpen erkrankten zwei schwer.
Ein Welpe wurde mit rund einem halben Jahr eingeschläfert, der andere Welpe brachte es dank innigster Versorgung auf ein Jahr trauriges Leben.

Heute wissen wir, dass es mit diesem Wurf zum ersten akuten Ausbruch von Autoimmunerkrankungen in unserem Zwinger kam.

Aber noch waren wir nicht bereit den Tatsachen in die Augen zu blicken.
Die Flohbehandlung schien uns zu einleuchtend als Erklärung und noch waren unsere Erkenntnisse auf dem Sektor Autoimmunerkrankungen nicht ausreichend.

Und Ciskas nächster Wurf schien unsere erste Theorie zu bestätigen, denn im F-Wurf (10/95) traten keinerlei Probleme auf.

Gelernt hatten wir allerdings, bei unserer Rüdenrecherche soweit möglich und im speziellen Fall von Ciska, auf ältere Rüden zu setzen - uns schien das höhere Alter von Deckrüden immerhin die Sicherheit zu bieten, dass der Rüde selbst noch im höheren Alter gesund ist.

Dennoch kann man natürlich nicht ausschliessen, dass auch solche Rüden Träger von Gendefekten sind – Gewissheit hat man leider nur durch aktiven Zuchteinsatz.

Da uns mittlerweile auch "Bewegungsstörungen" bei Kromfohrländern Sorgen bereiteten, war es für uns auch ein gutes Zeichen, wenn ein älterer Rüde den Deckakt problemlos absolvierte- sprach das doch mindestens für eine funktionierende Hinterhand...

Aber, ein Unglück kommt selten allein...

Im Verein hatte sich die Besitzerin eines Kromfohrländers öffentlich geoutet und das Thema Epilepsie aufs Tapet gebracht.

Allein vier von fünf Geschwistern ihres eigenen, auch an Epilepsie erkrankten Kromis waren an Epilepsie erkrankt und ihre Nachforschungen lösten eine wahre Epilepsie-Erkrankungs-Offenlegungslawine aus.


Zunächst schienen nur die langhaarigen (bartlos mit langem Haar) betroffen, bald stellte sich jedoch heraus, dass es genauso ein Problem der Rauhaarigen war.
(Bei einem Inzuchtkoeffizienten von 50% ja auch nicht wirklich ein Wunder.)

Und warum sollten auch wir nicht davon verschont bleiben? Man muss offensichtlich, wenn man sich der Gesundheit verschrieben hat, alles auch persönlich kennenlernen....

Nach ihrem zweiten Wurf erkrankte Kyra an Epilepsie, glücklicherweise nur an einer leichten Form, aber einer unserer Hunde aus dem Rudel griff sie während eines Anfalls an.
Wir gaben beide Hunde in gute Hände ab.
Kyra, weil der Stress im Rudel ihr ganz offensichtlich mehr gesundheitliche Probleme bereitete und Mücke wegen ihres unsozialen Verhaltens, das wir als einzige ausführende Vertreterin im Rudel nicht dulden mochten. (Es versteht sich hoffentlich ganz von selbst, dass wir unsere Hunde nicht "einfach abgeben" - aus verschiedenen Gründen muss man sich als Züchter auch von Hunden trennen. Diese Hunde bekommen natürlich ganz spezielle Plätze bei Leuten, die wir kennen - und unter kennen meine ich wirklich: kennen!)

Von Kyras Kindern bekommen einige ebenfalls Epilepsie, aber anders als bei anderen bei den Kromfohrländern uns bekanntgewordenen Erkrankungen wird über Epilepsie im Verein ganz offiziell informiert und die Bereitschaft auch darüber zu sprechen, ist da.

Unsere offensive Art, mit anderen Züchtern und Interessenten über die uns bekannten Erkrankungen zu sprechen, wird vom Verein jedoch missbilligt, gar soll es verboten werden, in Zusammenhang mit Erkrankungen das Wort Erbkrankheiten gar in den Mund zu nehmen.

Der G- und I-Wurf (3/97 + 6/98) machen dann unser Leidensmass voll:

Goya erkrankt nach einem Autounfall schwer - die schlummernde Autoimmunerkrankung wird ausgelöst und im I-Wurf wiederholt sich praktisch der E-Wurf.

Der I-Wurf wird in grosser Hoffnung alternativ-medizinisch betreut, nachdem die konventionelle Behandlung beim E-Wurf nicht anschlug, aber alle erkrankten Welpen müssen eingeschläfert werden.

Im Zusammenhang mit vielen persönlichen Recherchen und dazu abgestimmter Literatur kann man um den heissen Brei einfach nicht mehr herumreden:

Die Kromfohrländer haben ganz grosse Schwierigkeiten mit Autoimmunerkrankungen.

(unsere Recherchen haben zuviel an gleichen Symptomen erkrankte Hunde erbracht; auch in anderen Zwingern werden solche geboren)

Wir fielen seinerzeit endgültig in ein Loch und begannen, uns konkret mit einer anderen Hunderasse zu beschäftigen.
Offiziell gab es bei den Kromis ausser Epilepsie keine Erkrankungen; wir waren über unsere doch so gut gemeinten Zucht vollkommen frustriert.

Nur Irish alleine wollen wir nicht züchten, da besonders mir die Sensibilität und Intelligenz der Kromis gefiel und ich gerne eine Alternativrasse dazu gezüchtet hätte.


Kurzum, die Suche brachte kein verwertbares Ergebnis, wir kamen zum Schluss, dass es besser sei, mit unserem Wissen Kromis weiterzuzüchten, als aufzuhören und nichts zu sagen.
Die Rasse profitiert von kritischen Züchtern letztendlich mehr als von Aussteigern
.
Meine Naivität bezüglich Vereinsarbeit (da kann man direkt vor Ort etwas verändern) hatte ich verloren, meinen Idealismus jedoch behalten. Aber zugunsten meiner Gesundheit musste ich aufhören, im Verein offiziell mitzuwirken (Migränepatientin, leider!).

Nun mussten die Karten neu gemischt werden und der Besuch der Hundeausstellung in Ingolstadt schien dafür geradezu ein Fingerzeig. Beim Durchblättern des Kataloges fanden wir unter den Kromiausstellern eine finnische Adresse.
Damit schien die Möglichkeit einer genetischen Vergrösserung unserer kleinen Basis in erreichbare Nähe gerückt!
Und tatsächlich: der Kontakt stellte sich als ausgesprochen glücklich heraus, auch wenn auf den ersten Blick erst einmal die finnische Seite davon zu profitieren schien. Aber dadurch lernten wir Teija kennen, die mit uns einen Tausch vornahm: Hündin gegen Rüden.

Samba (Kümmel von der Holderheide) trat die grosse Reise nach Finnland an, dafür bekamen wir Katla (Jazzmo Acapella) - eine Hündin mit Traum-Inzuchtkoeffizienten - und unsere neue Hoffnungsträgerin.

Katla erfüllt ( und tut es noch!) alle unsere Träume: sie sprang wildfremden Menschen auf den Schoss, war also überaus freundlich, entwickelte sich zu einer absolut standardgerechten Kromfohrländerhündin und hatte alle Qualitäten einer Herzensbrecherin.
Mit ihr machte die Zucht wieder so richtig Spass.

Natürlich gab es auch hier wieder Wermutstropfen: von Vereinsseite wurde die Zusammenarbeit mit Finnland blockiert durch Auflagen, wie sie nur von finnischen Hunden, jedoch NICHT von Hunden aus der Schweiz gefordert wurden.
Schade, viel genetisches "Material" ist dadurch verlorengegangen, aber interessanterweise bestand der massgebliche Vorstand des Vereines zu dieser Zeit wieder aus überwiegend Langhaar- (bartlos mit langem Haar) Vertretern und in Finnland wurde und wird aussschliesslich die rauhaarige Varietät gezüchtet.

Ist es bösartig zu vermuten, was geschehen wäre, wenn es in Finnland auch die langhaarige Varietät in der Zucht gegeben hätte????

Nun, wir besitzen zwei Hunde aus Finnland, Katla und Elgin (Minimaxin Saturnus) und haben unser Bestes getan.

Übrigens, in einer Hinsicht bin ich dem Verein überaus dankbar: ich hatte während meiner Zeit im RZV die Möglichkeit, alle menschlichen Höhen und Tiefen kennenzulernen, dabei konnte ich viel über mich und meine Mitmenschen lernen - ohne den Verein wäre dies nie in dieser Form möglich gewesen! (vielleicht zu einer anderen Zeit, in einem anderen Verein, unter anderen Umständen, was aber reine Spekulation bedeutet...)


Zurück zu unseren ach so geliebten Krankheiten.

Bei den Irish-Terrier hatten wir die Erkrankung "Digitale Hyperkeratose" kennengelernt und unsere Forschungen bei den Kromfohrländern zeigen genau das gleiche Bild wie bei den Irish.

Intensive Diskussionen bei gesprächsoffenen Irish-Züchtern bestätigen die gleiche Erkrankung, wie wohl Unterschiede festzustellen sind:

Im Gegensatz zu den Irish muss kein Kromfohrländer aufgrund der Erkrankung an Digitaler Hyperkeratose (im Volksmund auch "corny feet“ – CF) eingeschläfert werden, wie es wohl in schlimmen Fällen bei den Irish vorgekommen ist.

Zum Zeitpunkt unserer Anfragen wurde CF bei den Irish jedoch schon lange gezielt züchterisch bekämpft, indem bei allen Hunden, die einer Zuchtzulassung vorgeführt wurden, die Ballen geprüft wurden und die CF- Diskussion bei den Irish nicht wirklich Aktualität aufwies.

Auch das bei Kromis für CF typische Persianerfell beim neugeborenen Welpen wurde beim Irish durch ihre Züchter nicht festgestellt (meinen Quellen war zumindest davon nichts bekannt, es handelte sich durchweg um langjährige, erfahrende Züchter) und auch die typischen stumpfen, wie abgehackt aussehenden Krallen, konnten beim Irish nicht wirklich bestätigt werden.
(Seit dem Tod von unserem Flynn (Lurvendhalis Finnred) mit über 14 Jahren, haben wir keinen Irish mehr und befinden uns nicht mehr in der "Szene", allerdings wäre es mit den Krallen wirklich interessant zu wissen, ob dem bei den Irish wirklich so ist (dass sie keine stumpfen Krallen haben).

Die Folge einer solchen Diskussion war übrigens ein Anruf von Dr. Schelling aus der Schweiz bei uns privat. Er untersuchte gerade CF beim Irish-Terrier und zeigte sich interessiert, die Kromfohrländer mit ins Programm zu nehmen. Nach einem längeren Gespräch, auch hinsichtlich des Gedankens, Blutproben am Holderheidetreffen zu nehmen, besprachen wir eine Kontaktaufnahme mit dem Verein (hier Dr. Becker), da möglicherweise "nur"-Holderheidehunde und "Verwandte" zu wenig aussagekräftig wären.

Und dennoch scheiterte das Projekt gerade daran, dass aufgrund der hohen Verwandtschaft aller Tiere untereinander keine verwertbaren Ergebnisse zu erzielen waren.

In einem Punkt waren wir jedoch vom Ergebnis (der Irish-Studie) angetan: es untermauerte unsere These, die wir anhand unseres Datenmaterials aufgestellt hatten, dass es sich um einen autosomal-rezessiven Erbgang handeln muss.

Jedoch- eine entscheidende Veränderung hatte in den Köpfen des Vereines stattgefunden!

Eine Fragebogenaktion an alle Mitglieder wurde gestartet, in der die Gesundheitsdaten abgefragt wurden.
Die Rücklaufquote war hoch, was zeigt, wie gross auch das Interesse der Kromfohrländerbesitzer an der Gesundheit war und ist. Die Fragebogenaktion wird ab da alle drei Jahre stattfinden und nun lässt sich auch nicht mehr von offizieller Seite leugnen, dass grosse gesundheitliche Probleme in der Rasse auftreten.


Zu einem Umdenken führte das Ergebnis allerdings erst einmal nicht, wie entsprechende Veröffentlichungen im WUFF zeigen. Mit Aufnahme des Kontaktes nach Finnland wurden wir mit dem Auftreten des grauen Stars (heriditärer Katarakt - HC) bei Kromfohrländern konfrontiert.

Durch Erfahrung klüger geworden beschlossen wir ab sofort, alle unsere Hunde einer Kataraktuntersuchung zu unterziehen, damit das "finnische" Problem nicht auch noch in Deutschland Fuss fasst.

„Wenn schon, denn schon!“ - das beinhaltete in Zukunft auch die Untersuchung der eigenen "deutschen" Kromis samt des avisierten Wunschrüden für die Weiterzucht der Holderheide.

Tja, und was soll ich sagen?
Nicht Katla, wie man es hätte erwarten können - nein, die ganz und gar deutsche Nauka (Anauka von der Napoleonsnase) offenbarte das erste Kataraktproblem in unserer Zucht.
Der Verein wurde informiert.
Was tat sich? Nichts. Und so ist es bislang geblieben.

Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen - ausser, dass wir ja schon vor Jahren uns versprochen hatten, nach unserem "Tief" nur solange weiterzuzüchten, wie es wirklich noch zu vertreten ist.

Ein interessantes Studienobjekt bot dazu ein „Unfall“ in unserem Zwinger.

Mit unserer Irish-Hündin Brandy waren wir zu einem Rüden nach Norddeutschland gefahren, (nicht verwandtes Pedigree, hervorragendes Wesen, Hund vorher selbst kennengelernt) und der Deckakt klappte, wenn auch unter Mühen.

Nachdem unsere eigenen Rüden bei Brandy nichts mehr anzeigten, liessen wir die Hunde wieder zusammen laufen. Und ich höre es noch, als sei es erst gestern passiert:
Wir sassen im Wohnzimmer und aus dem Garten kam ein für Züchter bekannter "Quietschlaut". Spurt hinaus - alles zu spät, unser Kromirüde Elgin hatte Brandy "nachgedeckt".

Nun wurde es spannend. Hat der Wurf nun zwei Väter oder nur einen?
Das Ergebnis liess nicht lange auf sich warten, ca. 60 Tage...

Brandy brachte acht Welpen zu Welt, davon waren sieben Mantelschecken.
(Das, was bei einer Paarung einfarbig x Schecke auch genetisch fallen muss).

Ein Irish-Terrier und sieben Mischlinge lagen nun zusammen in einem Wurf. Wie geht man damit um?
Da der Nachweis der Vaterschaft bei neugeborenen Welpen offensichtlich eine zu hohe Blutentnahme erforderlich machte, entschlossen wir uns, den Wurf nicht zu melden und alle Welpen als Mischlinge zu deklarieren.

(Welch Glück für den Käufer des einzigen Irish-Welpen, der musste nämlich auch nur den Mischlingspreis bezahlen! Wenn man bedenkt, dass man die volle Decktaxe beim Irish sofort beim Sprung bezahlt und wir keinen Unterschied in der Aufzucht von Mischlingen und Rassehunden machen, dann kann man sich sehr leicht ausrechnen, dass mit Hundezucht einfach kein Geld zu verdienen ist... vorausgesetzt, man betreibt es unter diesen Grundvoraussetzungen... dies nur als Hinweis für diejenigen, die der Meinung sind, wir verdienen unser Geld mit unserer Hundezucht).

Der Gedanke des Einkreuzens war uns natürlich nicht fremd und gerade war das Buch "Hundezucht 2000" von Hellmuth Wachtel erschienen. Wir lasen es mit grossem Interesse.

Das Einkreuzen eines einzelnen anderen Hundes reicht aus, um eine Rasse massgeblich zu verändern, das war für uns die Quintessenz dieses Buches; hatten wir doch schon vorher alle der angesprochenen Möglichkeiten bei den Kromfohrländern ausgeschöpft.

Sei es durch den Einsatz von exotischen Rüden (was die Abstammung betrifft), den Einsatz von alten Rüden, der Einsatz ausländischer Hunde (Schweiz und Finnland ), Hunden, die im Aussehen nicht wirklich dem Standard entsprachen (zu langes Rauhaar), schlicht: wir waren mit unserem Latein am Ende und Wachtel erschien uns wie ein Geschenk des Himmels!

Er offenbarte uns einen neuen gangbaren Weg.

Wir informierten uns über alle offiziellen Möglichkeiten, aber es war schnell klar, dass der Verein in punkto Einkreuzen mauern würde - das ergaben vorsichtige Anfragen zum Thema Einkreuzen bei Zuchtwarten eindeutig. ("Haben wir nicht nötig" um nur ein Zitat zu nennen)

Unsere Mischlingswelpen waren nun aber auch nicht "wegzudenken" und mit dem, was einem geschenkt wird, gedachten wir auch zu arbeiten.

Alle Käufer zeigten sich begeistert, besonders weil die Verbindung dieser beider Wesensarten eine wirklich gelungene Kombination geworden schien: das Ängstliche vom Kromi wurde vom neugierigen Terrierwesen kompensiert und die kinderliebende Natur des Irish war vordergründig.
Dafür zeigten sich die Hunde überaus intelligent, sensibel und personentreu.

Diese "Welpen" zu betreuen machte Freude. Etwa zeitgleich kam es kurioserweise zu einer Verbindung Kromi x (vermutlich) Tibetterrier und beide Mischlingsverbindungen konnten wir in ihrer Entwicklung vollständig verfolgen.

Die F1-Generation entwickelte sich gesundheitlich gut, einzig eine der Irishmischlinge hatte Probleme mit Krallenverlust (da sind wir wieder beim Thema, man muss als Züchter wirklich alles mitmachen, auch wenn man das vielleicht gar nicht will...).

Die F2-Generation trat in die Planungsphase, bei den Irish mit bislang keinen gesundheitlichen bekannt gewordenen Katastrophen (obschon das Rüdenmachoverhalten einen typischen Kromi erkennen lässt) dafür jedoch in der F2 Generation Kromi x TT.
Von sieben Welpen drei an AI erkrankt, davon bereits einer tot.
Also ganz so einfach wie es sich bei Wachtel liest, schien das mit dem Einkreuzen doch nicht zu sein.

Falsche Hunde eingesetzt? Gerade aus dem AI-erkrankten Wurf war über die Grossmutter nichts in Richtung AI zum Zeitpunkt des Deckens bekannt, neuere Erkenntnisse relativierten dies später.

So geht das, wenn man Jahre später zufällig die Besitzer eines Bruders auf der Ausstellung trifft, bei diesem Hund lag den Symptomen nach eine AI vor.

Wir wissen übrigens von der Vielfalt von Autoimmunerkrankungen, nur falls ein geneigter Leser auf den Gedanken kommt, uns darüber aufklären zu wollen.
Und wir wissen ganz bestimmt aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, dagegen anzukämpfen.


Ein recht aktuelles Beispiel: ein Ciska-Enkel soll in der Schweiz decken.

Ich setze mich mit der Besitzerin der Hündin und zukünftigen Züchterin in Verbindung, um sie über die Risiken dieser Verbindung aufzuklären.
Erkläre ihr alle Zusammenhänge in einem langen Auslandsgespräch; auf unsere Kosten natürlich.
Warne sie eindringlich bezüglich der Autoimmunerkrankungen in dieser Linie.

Was lese ich einige Zeit später?

Die Züchterin ist der Empfehlung des Schweizer Zuchtwartes bezüglich des Rüden aus unserem Zwinger gefolgt, die Paarung wurde wie vorher geplant durchgeführt.

Kein Interesse an Gesundheit seitens der Züchterin?
Ich vermag es nicht zu glauben, sondern suche die Gründe - besser gesagt: Abgründe, auf der menschlichen Seite - und verstehen kann sich sie noch dazu.

Sie kennt mich nicht und die Empfehlung kam von Schweizer Zuchtleiter - warum sollte sie dem denn auch nicht trauen?

Er ist ein offizielles Vereins-Organ mit allen daran verbundenen Erwartungen, die sich an einen Zuchtleiter knüpfen.
Aber daran sieht man, warum es unter anderem Krankheiten in den Rassen gibt - viele Dinge müssen Menschen - ganz allgemein gesagt- erst am eigenen Leib erfahren, bevor sie "glauben".
Traurig daran ist nur, dass so viele Hunde und ihre Besitzer unter diesen "Neuerfahrungen" leiden müssen.

Natürlich können wir einen nicht in unserem Besitz stehenden Rüden theoretisch aus der Zucht nehmen, aber auch wir verkaufen unsere Hunde an Menschen, wohlgemerkt! Und erklären Sie bitte einem Besitzer eines geliebten Hundes, dieser sei nicht zuchttauglich, obwohl dies vereinsseitig ganz offiziell bestätigt wurde. Und der Tierarzt den Hund für gesund erklärt...
Erfahrungsaustausch wird gerne angenommen!!!!


Und wieder brüteten wir über Abstammungs-Listen.

Mehrere Züchter gingen zusammen das Zuchtbuch penibel durch, um noch irgendwo interessante Rüden herauszuziehen. Die Ergebnisse waren niederschmetternd. Viele alte Rüden (viel zu viele) waren erkrankt und für die Zucht dadurch nicht verwendbar.

Das Machoverhalten der Rüden, oft in Kombination mit Territorialverhalten, führt vielfach zur (wenig bei dieser Problematik hilfreichen) Kastration potentiell interessanter Rüden.


Und die offiziell zur Verfügung stehenden Rüden?

Unter Berücksichtigung der Punkte Gesundheit und Wesen und den Belangen der Rauhaarzucht bleibt auch hier das Ergebnis niederschmetternd.


Die Belange der Rauhaarzucht?

Auch hinter dieser Bemerkung steht jahrelange Erfahrung und ist nicht nur eine unbedachte Äusserung. Sie erinnern sich an Kyra, unsere Kurzhaarhündin (bartlos mit kurzem Haar)? Sie hat in unserem Zwinger zwei Würfe hinterlassen.
(Als Einschub mag ich die Bemerkung voranstellen, dass ich gerade unsere Kurzhaarigen besonders ins Herz geschlossen habe und dass die Liebe zu dieser Varietät nichts mit unserer Zucht zu tun hat.)

Fängt man an, sich mit Genetik zu beschäftigen, weitet man sein Interesse zwangsläufig nicht nur auf die Bereiche Wesen und Gesundheit aus, sondern beschäftigt sich auch mit der Genetik der Varietät, die man selbst züchtet.
Ohne explizit näher darauf eingehen zu wollen - zu diesem Thema steht ausreichend Literatur zur Verfügung- vererbt sich das bartlose Haarkleid rezessiv und das rauhaarige Haarkleid dominant.

Im praktischen Züchten bedeutet dies ganz einfach, dass der bartlose Hund nur vererbt, was er selbst im Aussehen zeigt, während der bärtige Hund als dominanter Vertreter neben seinem eigenen Aussehen andere Varietäten, nämlich bartlose in jeder Haarlänge, vererben kann.

Bitte denken Sie in diesem Zusammenhang daran, dass wir Rauhaarzüchter sind und aktive Aussteller.

Wie oft mussten wir uns von den Richtern vorwerfen lassen, dass wir den Rassehundestatus überhaupt nicht verdient hätten, bei diesen vielen Mischungen, die auf Ausstellungen gezeigt werden!
Und damit meine ich nicht nur unsere drei vorhandenen Varietäten, sondern auch alle gezeigten Längen bei den Rauhen, von kurz bis bodenlang, die unterschiedliche Haarstruktur, die von rau bis seidenweich bei allen drei Varietäten vorhanden war.

Kann man es einem Richter verübeln, von den Kromis als „Mischlinge“ zu sprechen?
Hat dieses "Herumzüchten" etwas mit seriöser Zucht zu tun? Und ist das häufige Ändern des Standards mit der Anpassung an die gerade vorherrschende Varietät ein Indiz für eine seriöse "Rassehundezucht"?

Um es ganz klar zu verdeutlichen und jenen Stimmen zuvorzukommen, die in der Buntheit der Rasse "das Salz in der Suppe" sehen, wie es ein alter Züchter zu nennen pflegte oder die den Charme der Rasse gerade in ihrer Vielfalt erkennen wollen –

Rassehundezucht ist eine eindeutig definierte Angelegenheit!

Wenn die Idee einer Rasse geboren wird, beschreibt der Standard ihr Ideal - der Standard ist das schriftliche Ergebnis einer Idee.
Gäbe es diese nicht (die Idee natürlich...), gäbe es auch keine Rassehundezucht.

D.h. würde jeder nach seinem Geschmack züchten (und dafür ist der Kromfohrländer als Rasse beispielhaft), gäbe es eben ein Sammelsurium von mehr oder weniger netten und gesunden Hunden (beim Kromfohrländer eher weniger gesunden Hunden).


Fakt ist, dass es sehr schwer ist, genetisch reinerbige rauhaarige Hunde zu züchten und dass rauhaarige Hunde ausserdem sehr leicht züchterisch von bartlosen verdrängt werden. (Wer Trumler´s "Langnasen" kennt, kann dies sehr gut nachvollziehen.)

Und ist es als Züchter rauhaariger Kromfohrländer wirklich wünschenswert, dass man Interessenten keinerlei Auskunft und Sicherheit darüber geben kann, welche Varietät er als Käufer später bekommen wird?

Sicherlich lieben viele später den Hund, den sie bekommen, unabhängig von ihrer Varietät.

Aber in 25 Jahren Kromfohrländerzucht sind mir genügend Fälle von unglücklichen Hunden und Besitzern zu Ohren gekommen, weil sie NICHT die gewünschte Varietät erhalten haben. Und unsere sensiblen Kromfohrländer reagieren auf "nicht 100% Haben-Wollen" sehr empfindlich!

Was passiert bei einer "Durchmischung der Varietäten" im Extremfall?

In allen rauhaarigen Würfen fallen alle Varietäten, von kurz über rauhaarig in allen Varianten bis langhaarig (bartlos), d.h. konkret bei einer Weiterzucht in dieser Form wird sukzessive den Rauhaarigen Zuchtpotential genommen - denn interessanterweise züchten die meisten Käufer ,so sie denn züchten- in "ihrer" Sparte weiter - verständlicherweise, sie haben den Typus des Haarkleides ja liebgewonnen.

Den bartlosen ist ein enormer Zugewinn an Hunden erwachsen, denn diese, unabhängig ihrer Haarlänge und "rauhaariger" Abstammung, bringen in der Weiterzucht mit bartlos angepaart, keine rauhaarigen Vertreter mehr.

Wir haben uns dank unserer "Kyra" über Mischpaarungen unterschiedlicher Varietäten ernsthaft Gedanken gemacht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass diese für die rauhaarige Variante keinerlei Vorteil bringen - ausser man will für die bartlosen Kromfohrländer Zuarbeit leisten.
Das ist lobenswert, aber für die Rauhaarigen nicht wirklich hilfreich, zumal die Zucht schon genug Probleme bereitet.

Und so sehen wir uns als seriöse Züchter EINER Varietät, eben die der Rauhaarigen.

Ist es wirklich so schlimm, sich einer Varietät zu widmen und sich hier ein Zuchtziel zu setzen?

Am Ende unserer "Ausstellungkarriere" habe ich zufällig den Richter getroffen, der auch schon Penny seinerzeit beurteilt hatte und mich schon lange kannte. Er stand den Kromfohrländern sehr, sehr kritisch gegenüber und es war mein innerer Reichsparteitag, von ihm zu hören, dass unsere Kromfohrländer eine sichtbar positive Entwicklung hinsichtlich Wesen und Aussehen gemacht haben. Für uns ein persönlicher Erfolg, achteten wir doch sehr darauf, dass alle von uns betreuten Kromfohrländer rassegerecht gepflegt und mit anfassbaren Wesen vernünftig vorgestellt wurden.
(Mit der Geburt unseres ersten Kindes -von zweien- endete die Ausstellerei auf "natürliche" Weise, auch Kindern muss man gerecht werden...)


Wir nähern uns mit Lichtgeschwindigkeit der Gründung der IGRK...


Nach Prüfung aller Möglichkeiten haben wir ehrlich gesagt bei diesen verheerenden Aussichten keine Möglichkeit mehr gesehen, die Rasse der Kromfohrländer innerhalb des Vereinsrahmens für uns vertretbar zu züchten.


Es ist nicht fünf vor zwölf, bei den Kromis ist es leider fünf nach zwölf.

Da aber die Kromfohrländer eine ganz besondere Rasse sind und wir um ihren Erhalt "kämpfen" wollen; nicht an einer Vereinsfront, sondern unbürokratisch und effizient etwas positives für unsere Varietät erreichen wollen, haben wir uns zu einem einschneidenden Schritt entschieden.

(Schon vor Jahren postulierten wir: erst dann, wenn wir für die Rasse keinen gangbaren Weg mehr erkennen, hören wir auf. )

Noch sehen wir eine Möglichkeit- aber diese liegt für uns und unsere Mitstreiter ausserhalb des offiziellen Kromfohrländervereines.

Und die Arbeit schreckt nicht wirklich ab, nehmen wir uns Frau Schleifenbaum (die ich noch persönlich kennengelernt habe, und deren Herz eindeutig für die kurzrauhaarige Variante schlug - Zitat von ihr selbst im privaten Kreis) zum Vorbild, die praktisch aus dem nichts die Rasse geschaffen hat.

Warum sollte man es also nicht schaffen, aus dem vorhandenen Potential ein neues Ziel zu verwirklichen?

Engagement und Wissen gehört dazu, das Eine ist Grundvoraussetzung und das Andere muss man sich erarbeiten - keine unüberwindbare Aufgabe, oder?

Fünfundzwanzig Jahre Zucht-Entwicklungsgeschichte lassen sich nicht so schnell abhandeln, so soll dieser Bericht auch nur ein kurzer Abriss unserer Zwingergeschichte darstellen.

So kann, wer möchte, die Geschichte der Entstehung der IGRK verstehen und nachvollziehen.

Viele Fragen sind sicherlich noch offen und können gestellt werden.

Mit Sicherheit wissen wir, dass in der Zucht nichts sicher ist, aber wir sind bestrebt dazuzulernen, von Erfahrungen zu profitieren, uns ständig weiterzubilden und auch unser Wissen weiterzugeben.


Gerne erweitern wir bei Bedarf unsere homepage um eine Rubrik "FAQ´s", in der wir noch offene Fragen für alle interessierten Leser beantworten.

Wir beantworten auch gerne e-mails mit sachlichem Inhalt, bedenken Sie jedoch bitte, dass wir in der Hauptsache eine 4-köpfige Familie mit zwei aktiven Lausbuben sind, beide berufstätig sind und unser Hobby sich sehr zeitaufwändig gestaltet.
Seien Sie deshalb nicht böse, wenn Sie erfolglos versuchen, mit uns zu telefonieren - wir haben allgemein regen Telefonkontakt und Tag und Nacht haben zusammen leider nur vierundzwanzig Stunden.

Via email ist es momentan leichter, uns zu erreichen; diese können wir auch noch spätabends beantworten.

Eine Bemerkung muss ich am Schluss noch anbringen:


Mein Zeitgedächtnis ist ein schreckliches, zwar habe ich keine Probleme, ellenlange Abstammungsnachweise aus dem Effeff zu rezitieren, es bereitet mir salopp gesagt jedoch schon Mühe, mir die Geburtstage meiner Kinder zu merken, geschweige denn, dass ich auswendig weiss, wann unsere Würfe im einzelnen geboren wurden.

Die Daten werden sich aus diesen Gründen im zeitlichen Ablauf möglicherweise von den faktisch korrekten Zeitabläufen unterscheiden, was aber rein inhaltlich keine Relevanz zeigt.

Sollten Sie als Leser also tatsächlich feststellen, dass eine zwingertechnische Entwicklung sich zeitlich nicht ganz mit der von der Vereinsgeschichte deckt, so werde ich das gerne korrigieren und in den richtigen zeitlichen Zusammenhang bringen.

Mir ging es in dieser Zusammenstellung NICHT um eine korrekte chronologische Darstellung, sondern darum, eine ENTWICKLUNG aufzuzeigen.

Mein ausgesprochen umfangreiches Kromfohrländer Archiv (über 100 Leitz-Ordner) nach den exakten Daten zu durchsuchen würde einen unverhältnismässig hohen Arbeitsaufwand bedeuten, der nicht im Verhältnis steht zu den Bedürfnissen meiner Familie (Zwei- und Vierbeiner!)

© Sybille Nass/lfw, Oktober 2007