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Distel – Hunde können wirklich sprechen

Selten ist uns das Abschiednehmen so schwer gefallen wie bei Distel.

Waren wir schon bei ihrer Geburt dabei und konnten den Wurf immer wieder besuchen, hatten wir auch die Möglichkeit, für uns die passendste Hündin auszusuchen.
Nachdem ihre Züchter in dieser Zeit auch nach Ägypten umzogen, nahmen wir mit Distel noch zwei weitere Geschwister zu uns, die dann von uns an ihre neuen Besitzer abgegeben wurden.

Distel fügte sich nahtlos in unser Rudel ein und entwickelte sich zu einer bildhübschen Hündin, der man, hatte man einmal in ihre schwarzen Augen gesehen, nicht mehr widerstehen konnte. Sie zeigte sich im Wesen ungemein charmant und wir liebten es, sie auszustellen und zu präsentieren. Besonders beeindruckend war ihre Souveränität, die sich besonders dann zeigte, wenn sie vollkommen gelassen ohne Halsband und Leine an meiner Seite durch die Ausstellungshallen streifte, fremde Hunde, gleich welcher Couleur ignorierte und sich willig von allen Fremden anfassen liess.

Ein Traumhund – mit einem entscheidenden Makel: Sie redete. Und wie!

Wundern Sie sich nicht, wenn ich ganz bewusst „reden“ schreibe und nicht bellen oder kläffen. Kläffen oder Bellen kann man abstellen, im schlimmsten Fall bietet die Industrie elektronische Hilfe in Form eines „Kläff-Ex“-Halsbandes an und es herrscht Ruhe. (Ich persönlich mag allerdings diese Dinger überhaupt nicht und halte sie eher für kontraproduktiv)

Aber Distel bellte oder kläffte in dieser Form nicht. Sie äusserte sich einfach laut – und egal wie man es anpackte, durfte sie sich nicht äussern, wurde sie regelrecht depressiv. Sie lief nur noch mit hängender Rute herum, ein Bild des Jammers und nicht anzusehen, wusste man um ihre unbeschwerte Fröhlichkeit, die sie sonst an den Tag legte.
Und was für sie nur eine persönliche Eigenschaft war, animierte die anderen Rudelmitglieder zu wahrhaftem echtem Kläffen. Und sie taten es ausgiebig – zu unserem Leidwesen und zum Leidwesen unserer Nachbarn….

Wieder einmal in Dortmund auf der Ausstellung legten wir einen Besuch bei Familie Thomas ein, die aus dem gleichen Heim Bruno vom Buchbach besassen – und schon länger mit einer Hündin liebäugelten.

Distel kam, sah – und blieb. Bruno zeigte so offensichtlich seine Zuneigung zu ihr, und für seine Besitzer kam nur eine Hündin in Frage, die ihm seine Stellung nicht streitig machen würde.

Distel zog um und kam für eine kurze Zeit wieder zu uns, um den L-Wurf von der Holderheide aufzuziehen. Auch hier wieder der einzige Wurf dieser Hündin, was nicht das Schlechteste war, denn insgesamt kann man den Wurf durchaus unter der Rubrik „was man hätte lassen können“ abhaken. Rein gesundheitlich gesehen natürlich!

Im Gegensatz zu ihrem „Bruder“ geht es ihr gesundheitlich sehr schlecht, eine fortschreitende Arthrose macht ihr zunehmend beim Laufen Schwierigkeiten und es stimmt einen nicht nur ausgesprochen traurig, sondern auch sehr nachdenklich, wenn man diese einst so lustige Hündin so schwerfällig laufend sieht.

Eine positive Kataraktdiagnose sowie eine leichte Form von epileptischen Anfällen machen das Leidensmass voll und man kann eigentlich nur von Glück reden, dass Distel sich so „beredt“ zeigte, unvorstellbar, wenn sie noch öfter in der Zucht eingesetzt worden wäre…