Kromfohrländer

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Innenansichten und Aussenansichten -
Einkreuzen und VDH –

ein Gedankenspiel

 

Beim Einkreuzen spielen – wie überall – zwei Aspekte eine Rolle:
Zum einen der Wunsch verschiedener Rassevertreter, einkreuzen zu können –
und zum anderen die Sicht, welcher der VDH diesem Vorhaben gegenüber haben könnte.

Über Ersteres wurde schon viel geschrieben, in diversen Foren heiß diskutiert
und in der IGRK wurde der Gedanke des Einkreuzens bereits in die Tat umgesetzt.
Welche Gründe für den VDH eine Rolle spielen könnten, ein Einkreuzprogramm
NICHT zu befürworten, damit wurde sich auf sachlicher Ebene noch nicht auseinandergesetzt.

Dass es dafür Gründe – und durchaus berechtigte - geben kann,
möchte ich ausführen, um eine andere, weitere Sicht der Dinge zu ermöglichen.

Dazu würde es sich als Erstes anbieten zu fragen, nach welchen Kriterien der VDH einen Verein beurteilt, welcher ein Einkreuzprojekt beantragt – d.h. bestimmte Bedingungen sind idealer weise zu erfüllen, um für den Dachverband absehbar zu machen, dass ein solcherart vom VDH unterstütztes Projekt auch von Erfolg gekrönt ist:

Ein schneller Weg ist das Studium des Zuchtbuches – ich ziehe hier die Daten von den letzen fünf Jahren heran.

Die letzen fünf Jahre, denn ein Einkreuzprojekt ist ein Langzeitprojekt, d.h. um mit diesem Projekt Erfolg zu haben, ist die Voraussetzung ein bestimmtes Klientel an langjährigen Züchtern, da sie bereits ihr „Stehvermögen“ bewiesen haben, d.h. auch die schwierigen Zeiten in der Zucht gemeistert haben. Es gilt also: ein solider Sockel an Züchtern ist für so ein Projekt unabdingbar.

Als Anhalt dient in diesem Fall die Zahl der langjährigen Züchter gegenüber denen der frisch angefangenen Züchtern (der Züchter, welche mit einem A bis C-Wurf im Zuchtbuch eingetragen sind).

2005 stehen 14 A-Würfen, 8 B-Würfen und 5 C-Würfen - sieben D-Würfe, 2 E-Würfe, einem F-Wurf, zwei G-Würfe und einem H-Wurf gegenüber.
Vier Zwinger können in diesem Jahr als langjährige Züchter gelten: Zwinger „vom Isarflimmern“, „von der Napoleonsnase“ , „vom Treuter“ und „von der Holderheide“.

2006 stehen 12 A-Würfen, 8 B-Würfen und 6 C-Würfen - 3 D-Würfe, 3 E-Würfe, 3 F-Würfe und jeweils einem G,-H und I-Wurf gegenüber.
Als langjährige Zwinger kann man in diesem Jahr den Zwinger „vom rauen Stein“ und den Zwinger „vom Treuter“ benennen.

2007 stehen 16 A-Würfen, 6 B-Würfen und 3 C-Würfen - 3 D-Würfe und jeweils einem E, F, G, H, I und J-Wurf gegenüber.
Langjährige Züchter sind in diesem Jahr der Zwinger „vom Treuter“ und „vom Isarflimmern“.

2008 stehen 16 A-Würfen, 6 B-Würfen und 2 C-Würfen - 2 E-Würfe, 2 G-.Würfe und jeweils einen H- und I-Wurf gegenüber.
Langjährige Züchter sind der Zwinger „vom Treuter“, „vom Isarflimmern“, „vom rauen Stein“ und „vom Springhorst See“.

2009 stehen 23 A-Würfen, 5 B-Würfen und 4 C-Würfen - 3 D-Würfe und jeweils einen E, F, G, H und I-Wurf entgegen. Als langjährige Züchter gelten in diesem Jahr der Zwinger „vom rauen Stein“ und „vom Treuter“.

Von den langjährigen Züchtern sind mehrer Zwinger jedoch nicht mehr im RZV aktiv:
der Zwinger „von der Napoleonsnase“ (man darf vermuten, dass in dieser Zuchtstätte in Zukunft Schapendoes gezüchtet werden), der Zwinger „vom Isarflimmern“ (aus dem RZV ausgetreten) und der Zwinger „von der Holderheide“ (Züchter in der IGRK).

Es fallen - für jeden Aussenstehenden leicht ablesbar – im RZV überwiegend A- Würfe, ein grosser Sprung findet statt in eine deutlich geringere Zahl von B-Würfen und diese Stagnation wiederholt sich jährlich ebenso wie die Eintragungszahlen bei den hinteren Buchstaben des Alphabetes komplett ausdünnen.

Ein Einkreuzprogramm ist jedoch mindestens auf 15 Jahre ausgelegt, d.h. ein Verein MUSS über eine seriöse Zahl von Züchtern verfügen, welche dieses Programm auch über Jahre züchterisch begleiten und unterstützen können!
Allein das Studium des Zuchtbuches mit den Eintragungen der letzen fünf Jahre lässt hier den Rückschluss zu, dass langjährige Züchter praktisch nicht vorhanden sind – sieht man vom Zwinger „vom rauen Stein“ ab, welcher postuliert, ein Einkreuzen nicht unterstützten zu wollen.

Ein weiterer Aspekt wird einem außenstehenden Kynologen gewährt, wenn er sich die seit 1955 von der FCI genehmigten Rassestandards des Kromfohrländers zu Gemüte führt.
Im ersten Standard ist ausschließlich eine einzige Varietät beschrieben, die des rauhaarigen Vertreters dieser Rasse. Die folgende Standardänderung hatte auf den Typ keinerlei Einfluss, sondern beinhaltete nur Änderungen, wie die Zulassung einer geschlossenen Blesse gegenüber der durchgehenden und das Tragen der Rute von rechts (oder linksweisend) in beidseitig mögliches Tragen, entweder rechts oder nach links weisend.

Die nächste Standardänderung veränderte ihn in einem überaus wesentlichen Punkt, welcher auch einer Vereinheitlichung und Festigung des Rassebildes kontraproduktiv entgegenstand: es wurde nun neben dem rauhaarigen Vertreter auch eine kurz- bzw. langhaarige Variante des Kromfohrländers zugelassen.

Eine darauf folgende Standardänderung ließ neben der weiss-braunen (roten) Farbvariante nun auch eine oberflächlich schwarz-weisse Färbung zu.
Der Kopftyp wurde verändert von „Stop angedeutet“ in „gut angedeutet“, was eine komplett veränderte Schädelform implizierte.
Bedenkt man, dass diese Standardänderungen in sehr kurzer Zeit erfolgten – der Kromfohrländer wurde erst 1955 anerkannt – so liegt der Verdacht nahe, dass hier nicht eine Rasse nach dem Standard gezüchtet wurde, sondern der Standard dem jeweiligen gerade vorherrschenden Erscheinungsbildes des Kromfohrländers angepasst wurde.

In noch nicht einmal sechzig Jahren Kromfohrländerzucht wurden so mittlerweile sechs Standardänderungen hinterlegt – ein kynologischer Rekord, welcher bestenfalls zu Nachdenklichkeit anregt, Lorbeeren lassen sich in offiziellen Kreisen damit nicht ernten.

Wurde vom VDH/FCI der erste Standard mit dem rauhaarigen Vertreter des Kromfohrländers anerkannt, so bildete sich in den 70er Jahren und den frühen Achtzigern im Vorstand des RZV eine Vorstandschaft heraus, welche dem VDH gegenüber den langhaarigen Kromfohrländer als modernen und zukunftsweisenden Rassetyp vorstellte, er liess diese Vorstellung auch über die entsprechenden Medien verbreiten.
Erwartungsgemäß wehrten sich die Rauhaarzüchter dagegen und schalteten sich daraufhin in den Achtzigern zu einem Netzwerk zusammen und im folgenden Jahrzehnt konsolidierte sich die Rauhaarzucht deutlich, nachdem sie vorher beträchtlich „zusammengeschrumpft“ war und bildet eine bis heute beständige Zuchtbasis.

Auf den Ausstellungen wurden in den Neunzigern dann sehr gepflegte und überwiegend rauhaarige Kromfohrländer vorgestellt, welche ein einheitliches und ausgewogenes Rassebild in der Öffentlichkeit repräsentierten.

Der Jahrtausendwechsel wiederum wartete mit einer sehr bunten Mischung von Kromfohrländern in allen Varietäten auf, welche eine bekannte und erfahrene finnische Züchterin zu der Bemerkung hinreissen liess, dass sie den „typischen rauhharigen Kromfohrländer“ vermisse. Die lakonische Antwort aus Vorstandskreisen wurde ihr in Form von“ Das ist der alte Typ“ beschieden.

Nun sind nicht nur erfahrene finnische Kromfohrländerzüchter in der Lage, diese Entwicklungen zu beobachten, auch die hiesigen Richter tun dies auf den Ausstellungen zahlreich – und verfolgen diese uneinheitliche, über die Jahrzehnte andauernde Entwicklung interessiert, aber in ihrer Haltung kritisch und – verständlicherweise – eher ablehnend.
Und die Kritik der Richter macht natürlich auch nicht vor den Türen des VDH-Vorstandes halt…..

Ganz im Zeichen von Internet und schnellen Verbindungen, lässt sich mittlerweile jedes Thema in diesen „neuen“ Medien recherchieren – und so kann es auch nicht ausbleiben, dass diverse Foren und websites als sogenannte „Meinungsbildner“ auftreten, und es ist interessant , anhand der vorliegenden Materialien sich ein Bild über die Struktur, das Innenleben und die Meinungen von Kromfohrländerbesitzern – und Züchtern zu schaffen.

Hinsichtlich einer so einschneidenden Thematik wie das Einkreuzen, lässt sich jedoch auch ein kleiner „cross-check“ hinsichtlich der züchterischen Beschlagenheit in diesen zur Verfügung stehenden Medien betreiben, was das genetische Wissen, die Sattelfestigkeit in Belangen des Standards oder Veränderungen im Gebäude betreffen.

Gefragt ist hier nicht nur das Wissen über Vererbung des Scheckungsfaktores und das Wissen, wie eine gute Ober- oder Unterlinie auszusehen hat, über Fellqualitäten und Haarstrukturen, wie sich der Bart bei den Rauhaarigen vererbt, sondern auch, in welcher Form eingekreuzt werden kann, mit welcher Varietät und wie sinnvoll bei einer Rasse eingekreuzt werden kann, die sich nach außen hin sichtbar als ausgesprochen uneinheitlich darstellt.

Da fällt es nun schwer, züchterische Beschlagenheit herauszufiltern, wird beispielsweise in Kromfohrländerforen kritiklos jeder Hund als „süß, „der hübscheste Hund“ oder zukünftige Champion ausgelobt, unabhängig von seinen vorhandenen rassespezifischen Merkmalen, welche für die Zucht eine so große Rolle spielen.

Nun ist es das natürliche Recht jedes einzelnen Hundebesitzers, seinen eigenen Hund als den Schönsten der Welt zu empfinden – und das ist auch richtig so, zeugt es doch von der Zufriedenheit des Eigentümers über seinen geliebten Vierbeiner.

Als Züchter haben jedoch ganz andere Maßstäbe zu gelten: Hier ist kritische Betrachtung, ein Schauen über den eigenen Gartenzaun hinaus, Verbesserungswillen in der eigenen Rasse und vorausschauende Zuchtplanung unter Berücksichtigung der Vorzüge und der zu verbessernden Punkte in der eigenen Zucht gefragt - auch unter Mithilfe fruchtbarer Diskussionen unter Seinesgleichen wie auch mit VDH-Beauftragten.

Erfahrung in Zuchtbelangen, intensive Auseinandersetzung mit dem Standard und den genetischen Belangen der Hundezucht entwickelt sich im Laufe der Zucht – und auch nur dort, wo ein Interesse an diesen Aspekten vorhanden ist. So hoch der Wille von A-Züchtern auch sein wird – es fehlt ihm ein essentieller Baustein, um einem Einkreuzprojekt zum Erfolg zu verhelfen: die Erfahrung!
Nur – ohne Grundwissen ist keinerlei Diskussion möglich. Und woraus soll dieses Grundwissen erwachsen????

Möge als Beispiel ein aktueller Artikel in der Zeitschrift „Partner Hund“ dienen: Auch in ihm wird wieder in aller Öffentlichkeit darauf hingewiesen, dass Kromfohrländer weder geschoren noch GETRIMMT werden müssen (dieser Text wurde übrigens von einem Vorstandsmitglied des RZV in dieser Form „abgesegnet“, aber dies nur am Rande…)

Wobei mit gutem Gewissen den Richtern des VDH unterstellt werden darf, dass sie auf jeden Fall wissen, dass es sich beim rauhaarigen Kromfohrländer ganz eindeutig um einen Trimmhund handelt – welcher immer noch bedenkenlos und mit grosser Unwissenheit in teilweise katastrophalem Pflegezustand auf Ausstellungen vorgeführt wird.
Da wundert es nicht, wenn Richter, welche Kromfohrländer in Finnland gerichtet haben, mit dem Finger auf dieses Land zeigen, welches bewiesen hat, dass man den Kromfohrländer kompetent und einheitlich als Rasse präsentieren kann.

Für jeden Lehrling ist der Weg zum Meister weit, er ist steinig und bedarf in hohem Maß Lernwillen und Stehvermögen – warum sollten in der Hundezucht andere Werte gelten?

Wird ein Antrag auf Einkreuzen vom VDH geprüft, da bin ich sicher, fließen all die angesprochenen Punkte in eine Bewertung ein.

In Kenntnis dieser Zusammenhänge war es für die für „die Holderheide“ und die IGRK eine logische Konsequenz, das Einkreuzen der Rasse zuliebe schnellstmöglichst durchzuführen, dass dies unter den Bedingungen des VDH momentan nicht möglich ist, sollte seriöse Züchter jedoch nicht daran hindern, notwendige Veränderungen, die der Gesundheit ihrer Rasse dienen, durchzuführen.

©Sybille Nass, 23. Juni 2010