Kromfohrländer

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Einkreuzprojekt:

Einkreuzen mit dem Smoushondje

 

Wie im Artikel in der Zeitschrift "Der Hund" 9/2011 "Reinrassigkeit bei Hunden - was Einkreuzungen bringen"
von Hellmuth Wachtel getitelt, stellt auch der VRK sein Einkreuzprojekt nicht nur auf eine Basis
eines einzigen Rassehundes, sondern kreuzt so breit gefächert wie möglich
ein, um einen gesunden Genpool zu bekommen.



Wachtel schreibt:" ... Die einzukreuzende Rasse oder Rassen und die Ausgangsrasse sollen einander ähnlich sein, um den Zeitbedarf für die Rückkreuzungen zur Wiedererlangung des Ausgangsphänotyps zu verkürzen"..... und: " Damit über die fremde Rasse nicht zu viele Gendefekte eingeschleppt werden, ist es günstiger, mit zwei oder mehr verwandten Rassen Kreuzungslinien zu schaffen, die jede auf den Phänotyp der Ausgangsrasse selektiert wird."....

Im Rahmen der Suche nach einer zum Einkreuzen für rauhaarige Kromfohrländer geeigneten Rasse, stiessen wir auch auf die Rasse des holländischen Smousehondjes, welcher sich möglicherweise zum Einkreuzen eignen könnte.
Nun, es stellte sich bald heraus, daß der Wille allein hier uns nicht weiterhelfen würde, denn direkte Anfragen ergaben, daß Vertreter dieser Rasse für deutsche Interessenten nicht zu haben sind und auch Rüden nicht zur Verfügung gestellt werden.
Lisette Feldmeier fand dann das "Unmögliche" heraus und konnte nach langer Recherche im Internet mit der Adresse einer Rüdenbesitzerin in Deutschland aufwarten - ein absoluter Glücksfall!

Mit unendlicher Geduld klemmte sich dann Diana Stangl mit dem Zwinger "vom Lobenstein" hinter die "Adresse" , da ihre "Maya" für diese Verpaarung die aussichtsreichste Verbindung darstellte. Der Kontakt konnte hergestellt werden und die Eigentümerin stimmte einem Einsatz ihres Rüden zu.

Immer wieder sassen wir in der Folge vor dem Internet und sahen uns die Verbandshomepage der Smousehondje´s an - die Rasse schien ideal, alle gezeigten Hunde waren rauhaarig und beim Durchclicken der Welpenbilder konnte man in einigen Würfen sogar gescheckte Welpen entdecken.
Das war für uns deshalb von besonderem Interesse, da aus einer ersten Generation "bunt" x "einfarbig" immer sogenannte "Mantelschecken" zur Welt kommen (im Grunde einfarbige Tiere, welche jedoch in aller Regel über weisse "Söckchen" an den Pfoten, einem unterschiedlich grossen weissen Brustfleck, manchmal über eine weisse Schwanzspitze und selten auch über eine Blesse verfügen), NIE fallen in der ersten Generation gescheckte Welpen, selbst wenn, wie in unserem Fall, es sich bei der Mutter um eine gescheckte Hündin handelt.
Die auf der homepage der holländischen Smoushondje´s gefundenen Bilder von gescheckten Welpen liessen jedoch die Hoffnung aufkeimen, daß der Deckrüde möglicherweise bereits über einen Scheckungsfaktor verfügt und eine klitzekleine Hoffnung offen liess, daß vielleicht doch ein einzelner Scheckenwelpe fallen könnte.......

Da alle auf der homepage aufgeführten Hunde rauhaarig waren, gingen wir davon aus, daß die Rasse sich für das Einkreuzprojekt eignet, da in dieser Verbindung - ähnlich des Einsatzes eines Irish-Terrier´s - im Wurf nur bärtige Welpen auftreten können. (Kurze Anmerkung dazu: rauhaarige Hunderassen sind, im Gegensatz zu den bartlosen Rassen und Varietäten, weitaus schwieriger zu züchten und zu erhalten, wer sich in dieses Thema einlesen möchte, sei auf den Artikel "Vererbung der Haarvarianten" unter der Rubrik "Für Wissbegierige" verwiesen.)

Maya fand ihren Bräutigam äusserst symphatisch und nach einer harmonischen Bedeckung hiess es nun zwei Monate warten. Aber auch diese zwei Monate sind irgendwann vorbei und der mit Spannung erwartete Wurf erblickte das Licht der Welt: vier Rüden und leider nur eine Hündin, alle jedoch sehr vital und munter und wie erwartet: Mantelschecken!
Da war sie dahin, die klitzekleine Hoffnung!
Aber na ja, Hauptsache gesund und für die Scheckung zeichnet sich nun die zweite Generation verantwortlich...(abhängig vom Deckpartner, er muss natürlich auch ein Schecke sein:-)))

Die Kleinen wuchsen und gediehen, was mich jedoch stutzig machte, allerdings noch nicht sehr beunruhigte, war die Tatsache, daß im Alter von sechs Wochen nur bei einem Welpen ein munterer Bart spross.
Die Geschwister sahen so glatt aus, wie der vielgepriesene Babypopo. Auch mit acht Wochen bot sich noch das gleiche Bild, allerdings verfügt Maya selbst nur über die Sparversion eines Bartes und hielt ihre Besitzer lange unter Spannung, bis sich bei ihr ein Bartwuchs zeigte - von daher: die Hoffnung stirbt zuletzt und abgesehen davon: was nicht sein kann, kann nicht sein!
Alle Bilder von den Smoushondjes im Internet zeigten bärtige Tiere, was den Schluss zulässt, daß es sich bezüglich des Bartes durchaus um eine in dieser Beziehung reinerbigen Rasse handelt.

Mit zwölf Wochen zeigt immer noch nur ein Welpe ein Rauhaarkleid und die Gesichter werden lang und immer länger.
Nun setzten wir uns erneut vor den Computer und surften im Internet auf die Seite der Smousies und siehe da: bei der genauen Analyse der Welpenbilder finden wir tatsächlich bartlose Welpen - die NIE erwachsen zu sehen sind und schlicht und ergreifend einfach "unter den Teppich" gekehrt werden.
Also wieder etwas dazugelernt - jeder Schein kann trügen und wir sind darauf hereingefallen!

Fälschlicherweise gingen wir davon aus, daß die Smoushondjes reinerbige Bartvererber sind, was den "Nachteil" der "Einfarbigkeit" kompensiert. Nun stellte sich in der Praxis heraus, daß der Smoushond eben NICHT reinerbig bezüglich des Bartes ist und so sind weitere Einsätze nicht mehr wirklich zielführend, sowieso, nachdem letztendlich zwei Rüden aus diesem Wurf bärtig sind und der Zucht zur Verfügung stehen.

So ist auch die Arbeit im VRK immer wieder von neuen Erkenntnissen geprägt, und obwohl die Welpen aus dieser Verbindung ihren Besitzern eine grosse Freude bereiten und in dieser Hinsicht ein echter Gewinn sind, ist eine Wiederholung einer Smousie - Verpaarung kontraproduktiv, da nicht die eigentliche Zielsetzung erreicht werden kann.

Um meinen geneigten, aber auch sehr kritischen Lesern etwas vorwegzunehmen, möchte ich an dieser Stelle noch einen kurzen Kommentar zum Einsatz von Mischlingen im VRK mit unbekannter Herkunft (im Gegensatz zu Mischlingen mit bekannter Herkunft wie zum Beispiel "Kessi" aus dem Zwinger "von Lobenstein" oder von "Maggie" aus der Holderheide) abgeben:

Der Einsatz von Mischlingen unbekannter Herkunft ist ein sehr begrenztes Lotteriespiel, denn auch die Mischlinge halten sich an die bekannten Gesetze der Vererbung und können deshalb problemlos für die Ziele des VRK eingesetzt werden - hier sei als Beispiel die Stammhündin aus dem Zwinger "von den Rotenbeker Vierpfötern" , die rauhaarige Terriermixhündin "Jule" genannt:

Der reinrassige und rauhaarige Kromfohrländerrüde "Lux" ist beim ersten Wurf von Jule der Vater, alle Welpen werden bärtig bis auf einen - er blieb bartlos.
Dies liess den Rückschluss zu, daß beide Elterntiere nicht reinerbig Bart vererben, weder der reinrassige Kromfohrländer-Vater, noch die Mischlingsmutter. Bei ihrer unbekannten Abstammung konnte man aber nun festhalten, dass in ihrer Abstammung ein bartloser Hund in ihrer Ahnentafel "Pate" gestanden haben musste.
Und noch etwas enthüllten Jules Kinder: einige Welpen waren deutlich gestromt. Eine Stromung findet sich nur in einer sehr begrenzten Anzahl von Rassen und sieht man sich das erwachsene Bild des bartlosen Vertreters aus dem ersten Wurf an, dann deutet die Abstammung von Jule ganz klar auf einer Seite in Windhunderichtung - welchen Typ dieser Rüde ganz klar verkörpert.

Nun werden Sie sich fragen, wenn sowohl Jule als auch der Smoushund nun Bartlosigkeit vererben - warum sollte dann mit Jule weitergezüchtet werden und mit einem Smoushondje nicht?????

Und genau dies sind die Fragen, deren Beantwortung in der IGRK von so essentieller Bedeutung sind, will das Ziel, rauhaarige Kromfohrländer mit robusterer Gesundheit und sozialerem Wesen sowie einem deutlich grösserem Genpool erfolgreich umgesetzt werden!

Sie konnten diese Frage nach einem aufmerksamen Lesen dieses Artikels sicherlich schon erfolgreich beantworten - aber für alle Anderen beantworte ich die Frage gerne direkt auch an dieser Stelle:
bei Jule handelt es sich bereits um eine gescheckte Hündin, ein "Umweg" über zwei Generationen aufgrund einer Einfarbigkeit muss bei ihr nicht mehr gemacht werden, wohingegen das holländische Smoushondje einfarbig und NICHT reinerbig in Bezug auf den Bart ist und es in der Zucht damit zu einer Zeitverzögerung kommt und nur ein viel geringerer Anteil an Welpen sinnvoll in der Zucht eingesetzt werden kann.

 

Als grundsätzlichen Nachsatz zu diesem Thema möchte ich noch folgendes anmerken:



Einsatz von unterschiedlichen Rassen und Mischlingen
im Rahmen des Einkreuzens bei den Kromfohrländern

 

Im Rahmen des Einkreuzprojektes wurden sowohl auf Mischlinge als auch auf Hunde anderer passender Rassen Zugriff genommen, exemplarisch dargestellt am Beispiel des Smoushondjes; unter der Rubrik "Viva Vanilla" wird das Ergebnis mit einer Grand Basset Griffon Hündin beschrieben.

Diese Beispiele zeigen aber auch den enormen Vorteil auf, den ein Projekt geniesst, welches nicht an die Vorgabe geknebelt ist, ausschliesslich mit einer Rasse einkreuzen zu dürfen, wie es momentan im VDH Fakt ist und von Hellmuth Wachtel in dem oben zitierten Artikel auch kritisiert wird.

Hätte man sich von Anfang an auf eine einzige Rasse festlegen müssen, so hätte die Praxis im Falle des Einkreuzens eines Smoushondjes erfahren, daß die Rasse so ideal wie sie erschien, in der Praxis nicht ist.

So kann man mit den gemachten Erfahrungen entsprechend umgehen und mit dem besten Rüden aus dieser Verbindung "weiterarbeiten", aber ist nicht darauf angwiesen, damit arbeiten zu "müssen", sondern kann offen für die Alternativen sein.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem Gedanken, nur mit einer Rasse einzukreuzen: setzt man zum Beispiel einen Parson Russel zum Einkreuzen ein und würde ausschliesslich diese Rasse dazu verwenden, bliebe es über lang oder kurz nicht aus, daß zu viele Parson-Russel-Merkmale übernommen werden gepaart mit der Gefahr, daß die zwei Rassen, die sich oft bereits schon äusserlich sehr ähnlich sind, keine eigenständigen Typus mehr herausbilden können und durch den mehrfachen Einsatz das Wesen des Kromfohrländers in seinen Grundzügen starken Veränderungen unterliegt - sieht der Kromfohrländer in der rauhaarigen Variante oft einem Parson ähnlich, so hat er doch nicht unbedingt etwas mit seinem Wesen gemein.

Rassen aus dem Hütehundekomplex eignen sich in vielerlei Hinsicht deshalb besser, da sie den grösseren Willen tragen, in der Nähe ihrer "Herde" zu bleiben, sie weisen im Allgemeinen keinen bis nur einen sehr geringen Jagdtrieb auf, ein Punkt, den es bei einer Einkreuzung unbedingt zu beachten gilt, zeichnet den Kromfohrländer gerade mangelndes Jagdverhalten besonders aus.

Flexiblilität in der Auswahl der Rassen bzw. Mischlinge ist eine Grundvoraussetzung für unser Projekt!
Daraus entstehende Verpaarungen haben einen grossen zur Verfügung stehenden Genpool -
verfolgen wir so die gesetzten Ziele, hat das Einkreuzprojekt des VRK
beste Chancen, von Erfolg gekrönt zu werden.

 

18. August 2011
©Sybille Nass