Da liegt er, wie gemalt auf dem hebstlichen Waldweg, wie immer "stockbewehrt", immer seinem Hobby nachgehend.

Aber der Weg bis dahin war für ihn ein steiniger...

 

Dabei fing alles so gut an! Seine erste Heimat war ein Atelier, denn er wurde von einem Fotografen erworben - und Janko war nicht nur ein hervorragendes Fotomodell, er verstand sich auch prächtig mit seinem Herrchen und eigentlich schienen alle seine Aussichten hervorragend zu sein.

 

Bis, ja bis ein neues weibliches Wesen das Parkett betrat. Dann hiess es: Mensch oder Hund.

Die Entscheidung fiel gegen den Hund aus und so kam er in eine neue Familie, diesmal mit Kindern. Was er nicht gewohnt war und letztendlich passte das Gesamtpaket einfach nicht.

 

Nun wurde ein Neuanfang bei einem Schäfer gemacht, da sich mittlerweile einige "Macken" eingeschlichen hatten und eine Vermittlung zunehmend schwerer fiel.

Aber auch hier war ihm leider kein dauerhaftes Zuhause beschieden und so kehrte er ein weiteres Mal zu seiner Züchterin zurück.

 

Diese erinnerte sich an meine Begeisterung bezüglich Janko.

Mit acht Wochen hatten wir, mein damaliger Freund und jetziger Mann, den J-Wurf besucht und von den drei Rüdenwelpen hatte es mir Janko sofort angetan. Was schien das für ein vielversprechender Welpe!!! Am liebsten hätte ich ihn damals gleich eingepackt...Ein toller Körperbau, ungemein typvoll, hervorragende Haarqualität, ein geborener Charmeur - und da ich noch nie den Vorurteilen gegenüber hellgeborenen Hunden aufgesessen bin, auch in der Farbe perfekt.

 

Ein Anruf und die Frage: "Sybille, möchtest Du ihn haben? Dann komm und hole ihn bei mir ab!"

Diese Frage musste man mir bestimmt nicht zweimal stellen!!!!!! Da wurde mir die Gelegenheit geboten, meinen Traumhund zu holen - wie könnte ich da NEIN sagen?

Ich holte ihn (wieder einmal) mit der Bahn und mein erster Eindruck von ihm war ein "verhungerter" - und das, obgleich er von seiner Züchterin bereits eine Woche aufgepäppelt war.

Wo war er nur geblieben, mein stolzer, schöner Kromirüde?

Abgemagert, der Körper mit neuen und alten Wunden übersät, im Halsbandbereich komplett kahl, das alte, überständige Haar verzottelt vom Körper abstehend - nichts liess erkennen, was sich einst darunter verbarg. Es war zum Heulen.

 

Die Zugfahrt verlief ohne Probeme, aber zuhause angekommen, mussten wir nicht allzulange auf diese warten.

Das Halsband auszuziehen ging gerade noch, das Anziehen war unmöglich zu bewerkstelligen. Sobald man den Verschluß vom Halsband schliessen wollte, schnappte sein Maul nach hinten und sein Gesichtsausdruck machte uns schnell klar: "Das meine ich ernst!" Also, Halsband anlegen funktioniert nicht. Wir mussten uns da etwas anderes einfallen lassen. (Geschirr klappte natürlich genauso wenig)

 

Was sich allerdings auch schnell herausstellte: er hatte einen tollen Grundgehorsam. Hier konnte man die Arbeit seines ersten Herrchens gut erkennen, der mit ihm offensichtlich regelmässig die Hundeschule besucht hatte.

Es war also kein Problem, ihn ohne Halsband mitzunehmen, denn an seiner Folgsamkeit gab es rein gar nichts zu bemängeln.

So konnte ihn mein Freund/Mann zu seinem gerade stattfindenden Forstpraktikum problemlos mitnehmen, da er grundsätzlich in seiner Nähe blieb, Wild ihn in keinster Weise verlocken konnte und er brav folgte - solange man ihm seine Freiheit liess und ihn keinem Zwang unterwarf. Was sich unter diesen Umständen händeln liess. Dankenswerterweise war er auch ein guter Autofahrer, was die Sache ausserdem vereinfachte - er fand es klasse, im Auto mitgenommen zu werden.

 

Die nächste Hürde bildete das Schlafzimmer. Alle unsere Hunde (und Katzen) dürfen bei uns im Schlafzimmer schlafen - wenn man Janko aufforderte herein zu kommen, knurrte er.

Eindeutig war das Schlafzimmer für ihn eine Tabuzone und unsere Aufforderung, zu uns zu kommen, brachte ihn in eine echte Zwickmühle, welche er nur mit Knurren zu beantworten wusste.

Aber auch Zeit und Geduld änderten nichts an seinem Verhalten und so mussten wir uns etwas einfallen lassen, wollten wir ihn in unser Familienleben komplett integrieren.

Die Lösung bestand in einer kurzfristigen Verlagerung unseres Schlafortes.

Wir bauten im Wohnzimmer ein Bettenlager auf und siehe da - hier griff das Tabu nicht mehr und er näherte sich zusehends den Betten, ohne negative Übersprungshandlungen zu zeigen.

 

Sein Vertrauen in uns stieg täglich, aber auch wir erfuhren täglich ein bisschen mehr über ihn und was ihm ungefähr alles wiederfahren sein musste. Und da liess sich doch eine ziemlich lange Liste aufstellen:

Er hasste schwarze, grosse Hunde - egal ob Rüde oder Hündin - möglicherweise ausgelöst durch die Hunde des Schäfer´s?

Bei jeglicher schlagähnlich ausgeführter Handbewegung griff er ohne Vorwarnung an - für uns ein klarer Rückschluss darauf, daß er geschlagen worden war.

Er hatte eine Halsband - Aversion - kein Wunder für uns, wenn man seinen Hals sah, als wir ihn abgeholt hatten.

Auf menschliche Schmerzlaute griff er die betreffende Person umgehend in aggressiver Form an - dieses Verhalten konnten wir bis zu seinem Ende nicht endgültig klären.

Wir vermuten eine Koppelung, aber wir werden wohl nie herausfinden, wie es dazu kommen konnte.

Körperpflege: Für Janko ein Fremdwort!

 

Und dann meine hochfliegenden Pläne mit ihm: Ich wollte ihn unbedingt ausstellen!

Und um es spanndend zu machen, hatten wir auch einen Termin fix gemacht. Ein halbes Jahr später sollte er auf einer Dortmunder Ausstellung (heute weiss ich nicht mehr, ob es sich um eine Bundessierger - oder Europasiegerausstellung handelte) in der offenen Klasse ausgestellt werden - auch wenn mein Mann sich es nicht vorstellen konnte, als er zu uns kam: ich wusste, unter diesem verzottelten und verstörten Hund versteckte sich ein wunderbarer Kromfohrländer.

Es galt nur, ihn wieder hervorzulocken....

 

Und die Zeit, die Liebe und die passende Umgebung heilt viele Wunden. Immer zutraulicher wurde er uns gegenüber und peu á peu konnten wir ihn von seinen Zotteln befreien.

Auch sein Halsbandproblem bekamen wir in den Griff. Statt des normalen Verschlusses hatten wir uns für ihn ein Überstreif-Halsband besorgt, welches locker um seinen Hals hing und damit waren er und wir zufrieden. Dieses liess er sich ohne Probleme an und abziehen und da es locker um seinen Hals lag, war auch das Anleinen kein Problem mehr..

Hatte man verstanden, daß bei ihm mit Druck und Gewalt nichts, aber auch wirklich gar nichts zu erreichen war, hatte man mit Janko bereits die "halbe Miete".

Der andere Teil der "Miete" bestand nun darin, herauszufinden, mit welchen Mitteln man ihn zu etwas bewegen konnte, ohne ihm das Gefühl zu geben, daß man ihn zu etwas zwingen wollte. Ein gangbarer Weg, welchen wir einschlugen und das Ergebnis liess sich sehen.

Ein halbes Jahr nach der Übernahme präsentierte sich Janko in wunderbarer Verfassung und gewann auf Anhieb die offene Klasse in Dortmund - unser Etappenziel war erreicht.

 

Hatten wir uns stets mit unseren Hündinnenn gegen die Haltung eines Rüden entschieden, so ergab sich mit der Übernahme von Janko dieses Thema von selbst und wir stellten fest, daß uns die Haltung von einem gemischten Rudel keine Probleme bereitete, was natürlich weitreichende Folgen hatte, denn damit wurde die Grundlage gelegt, für den weiteren Zuwachs in Form unseres Irish-Terrier-Rüden "Flynn".

 

Erstaunlicherweise bereitete Janko dieser Zuwachs keinerlei Schwierigkeiten und es war immer wieder schön zu beobachten, wie das Rudel untereinander funktionierte und welche Freude ein Rudel bzw die Haltung bereiten kann.

 

Allerdings herrschte nicht immer eitel Sonnenschein, dazu waren Janko´s Verhaltensstörungen doch zu manifest. Besuch musste stets darauf hingewiesen werden, bestimmte Handbewegungen zu unterlassen und häufig genug hatten wir mehr mit den Menschen als mit dem Hund zu "kämpfen". Janko war im Laufe der Zeit in seinem Verhalten bei uns so unauffällig geworden, daß Fremde sich einfach nicht vorstellen konnten, daß unsere Warnungen ernst gemeint waren.

Tatsächlich machte er einen so verführerisch "einfachen" Eindruck, daß gerade dadurch immer wieder einmal schwierige Situationen ausgelöst wurden.

Aber bis auf einen einzigen unbelehrbaren Interessenten, welcher sich partout nichts sagen lassen wollte und dies mit einem Ratscher im Finger bezahlen musste, kam es nie zu problematischen Vorfällen.

 

Was er allerdings sein ganzes langes Hundeleben nie ablegte, war seine Aggression gegnüber menschlichen Schmerzlauten. Mit ihm lernten wir also schnell, jegliche Schmerzäusserungen zu vermeiden und als ich einmal auf der Terrasse ausrutschte und so "granatenmässig"  schmerzhaft auf das Knie fiel, daß ich einen Aufschrei nicht unterdrücken konnte, war ich heilfroh, daß mich festes Glas von Janko trennte, denn er sah und hörte mich und ging sofort wie eine Rakete in meine Richtung los.

 

Es ist sicher kein Zufall, daß wir Janko in unserer kinderlosen Zeit hatten, andernfalls hätte er für diese eine echte Gefahr dargestellt. So konnte er bis zum Schluss ein sehr zufriedenes Hundeleben führen, mit viel Auslauf, einem eigenen Rudel, den Vorzügen eines Deckrüden und einer ihm entsprechenden Haltung.

 

 

 

 

 

 

 

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