Elgin wurde er gerufen, Minimaxin lautet der Zwingername, welcher vorgestellt ist und sein eingetragener Eigenname "Saturnus", da es ein S-Wurf war, in welchen er hineingeboren wurde.

Nachdem unsere finnischen Kontakte gut funktionierten, hatten wir recht früh die Möglichkeit einen finnischen Rüden zu erwerben und nachdem es seinerzeit nicht möglich war, einen anderen züchterischen Austausch mit Finnland zu pflegen - der Fahrt nach Finnland mit einer eigenen Hündin, um einen finnischen Rüden einzusetzen wurden seitens des RZV mehr als nur einige Wackersteine in den Weg gelegt - nutzten wir die sich uns bietende Möglichkeit sofort und suchten Elgin nur aufgrund der von ihm gemachten und uns zugesandten Bilder aus, da ein Besuch zu dieser Zeit nicht möglich war.

Was bei ihm sofort auffiel, als er dann endlich bei uns zu Hause angekommen war: er hatte riesige Ohren! Wunderbar, endlich ein Kromfohrländer, bei welchem man nicht mit den leidigen Ohrenproblemen zu kämpfen hatte. Wird dieses Problem bei anderen Rassen ganz offen zu Markte getragen, so wurde in Kromfohrländerkreisen zu dieser Zeit (wie es jetzt ist weiß ich nicht, aber ich lasse mir gerne davon berichten) der Schleier der Heimlichkeit über das Kleben der Ohren gelegt - daß sich geklebte Ohren nicht vererben, dürfte hierbei jedermann/frau klar sein.

Er war ein Charmeur, der zu überzeugen wusste, und sich gut in unser Rudel einfügte. Er wusste, was er wollte und zeigte dies auch, aber stets war er kooperativ, war man bereit zu Teamwork.

Spannend die Haltung von Zuchtrüden und Zuchthündinnen in einem Haushalt, da wurde man nun wirklich gefordert - Terrier und Kromfohrländer unter einem Dach und zuweilen mittendrin eine läufige Hündin. Hier teilt sich sicher die Spreu vom Weizen, denn so ein Rudel zu führen, da musste man wissen, wie hier zu agieren ist. Jeder der Hunde ein eigener Charakter und alle zusammen mussten harmonieren, denn das war unser Grundsatz, welchen wir für uns als Richtung vorgaben: Streit unter unseren Hunden wird nicht geduldet. Ich hatte die heftigen Auseinandersetzungen des gemischten Hunderudel´s einer anderen Züchterin lebhaft vor Augen, in welchem die Hunde untereinander ausmachen durften, wer Chef vom Rudel ist und wir wollten definitiv keine Stammkundschaft beim Tierarzt werden, mit Blessuren, welche sich unsere Hunde selbst zugefügt haben.

 

Elgin wurde ausgesprochen erfolgreich ausgestellt. Er gehört aufgrund seiner Titel nach wie vor zu den erfolgreichsten Kromfohrländern in Deutschland, und seinen grössten Erfolg feierten wir mit ihm sicherlich in der Schweiz an der Jubiläums- Spezialzuchtschau mit über dreissig (die genaue Zahl müsste ich erst wieder herausfinden) gemeldeten Kromfohrländern. Er wurde Rassebester und was waren wir  und seine Züchterin stolz auf ihn.

Aber wir wollten ihn züchterisch nur vorsichtig nutzen und nach zwei Deckakten erst einmal sehen, wie sich seine Nachzucht entwickeln würde.

In der Zwischenzeit war auch er unter den Betroffenen unseres damaligen Unglückes und musste für eine Zeit fremdbetreut werden, worüber wir auf der einen Seite sehr traurig waren, jedoch froh darüber, daß alle unsere Hunde während unseres Krankenhausaufenthaltes gut versorgt waren.

Probleme machte von unseren Hunden dabei nur Elgin und sie wurden so massiv, daß wir ihn schnellstmöglich wieder zu uns holten. Er zeigte sich beim Tierarzt unbehandelbar und hatte angefangen, Menschen und Hunde anzugreifen.

Wir vermuten heute, daß er Opfer einer falschen Betreuung wurde und sein Fehlverhalten mit Druck versucht wurde, ihm abzugewöhnen. Und an ihm erkannten wir, wie empfindlich die Kromfohrländerseele auf Traumata und Druck reagiert und wie schwierig es ist, so einen Hund wieder zu seinem ursprünglichen Wesen zu verhelfen.

Den folgenden Tierarztbesuch unternahmen wir wieder mit ihm selbst und ich wusste den Tierarzt davon zu überzeugen, daß Elgin sich in meinem Beisein vollkommen unaggressiv verhalten würde. Na ja, ein skeptischer Blick ist sicherlich geblieben, aber unser Prachtstück verhielt sich mustergültig und der Tierarzt war fassungslos, den sich vorher furchtbar aufführenden und nur mit Maulkorb zu behandelnden Hund auf einmal so brav zu erleben. Aber so sind Kromfohrländer. Falsche Behandlung zeihen sie nicht und reagieren häufig mit zunehmender Aggression, auch im Zweifelsfall gegen die eigenen Besitzer....

War Besuch vorher sehr unkompliziert, so mussten wir ihn fortan gut beobachten und bei einem bestimmten Menschentyp, lernten wir, musste man bei ihm ganz gezielt aufpassen. Besonders Menschen, welche ihn nicht ernst nahmen, hatte er auf dem Kieker und hier funktionierte der Kontakt nur dann, wenn sich diese Menschen einsichtig zeigten und ihm die adäquate Behandlung zukommen liessen. Dann war er wiederum sehr unkompliziert und anpassungsfähig.

 

Überhaupt war er immer bereit, das auszuführen, was wir ihm vorgaben. Ich werde nie einen Kromfohrländer-Spaziergang vergessen, bei welchem wir einen Rüden trafen, der sich sofort mit Elgin anlegen wollte und auch umgehend auf ihn los ging. Elgin lief frei, es kam sofort zu einem Kontakt und der Besitzer des anderen Rüden meinte ganz lässig, daß die zwei Rüden das schon untereinander ausmachen würden - das sei so in der Natur!

Na ja, der kannte ja unseren Elgin nicht. Und wenn wir eines wussten, dann, daß unser Elgin so etwas nur ein einziges Mal ausmacht - das dann aber so, daß der andere Hund zum Tierarzt muss, weshalb ich generell gegen das "Ausmachen untereinander" bin. Auf so einem Spaziergang sollen alle, Zweibeiner wie Vierbeiner Freude haben, Freude an einer gemeinsamen Wanderung, Freude am geselligen Beisammensein, aber ganz sicher nicht, daß Rüden untereinander raufen und sich diese Spannung dann in der Hundegruppe fortsetzt und womöglich weitere Raufereien ausgelöst werden. Kein Wunder übrigens, wenn auf vielen Spaziergängen die über zweijährigen Kromfohrländerrüden so massiv in der Unterzahl sind - viele Kromfohrländer-Rüdenbesitzer gehen diesem Problem lieber aus dem Weg und vermeiden eine Teilnahme an solchen Spaziergängen.

Elgin liess sich sofort von seinem "Feind" abrufen und auch wenn dieser ihn im Verlauf des Spazierganges immer wieder versuchte "anzumachen", so genügte doch ein Blick von Elgin zu uns, und er wusste, daß er ins Meideverhalten zu gehen hatte.

Keine Rauferei trübte also diese Wanderung und ganz ehrlich: nützt dieses "Ausmachen" untereinander etwas? Wie oft habe ich schon Besitzer gehört, die sich inbrünstig wünschen, daß ihr Kromirüde einmal ordentlich von einem sozial intakten Rüden reglementiert wird, in dem frommen Wunsch, dann einen "geheilten" Rüden zu besitzen. Aber wir leben mit sehr klugen Hunden zusammen, und wenn unser Kromi auch von einem Rüden mal zusammengefaltet wurde - warum sollte ihn das davon abhalten, nicht den Nächsten wieder zu attackieren? Nur weil er einmal nicht "gewonnen" hat? Kromi´s können laufen wie der Wind und beim nächsten Versuch sind sie einfach noch schneller auf und davon, wenn sie wieder einmal auf einen Rüden losgegangen sind. Und die Gefahr, daß bei diesem "Ausmachen untereinander" ein Ungleichgewicht an Größe und Gewicht besteht ist nicht unerheblich und Verlierer wird im direkten Kontakt oft der kleinere und leichtere Hund sein, ein nicht zu kalkulierendes Risiko und deshalb gut und gerne verzichtbar.

 

"Lassen Sie unter keinen Umständen ihren Hund/ ihre Hunde mit einem Baby oder Kleinkind unbeaufsichtigt allein" - so lautet eine berechtigte allgemeine Empfehlung beim Umgang von Hund und Kind.

Wir legten für alle unsere Hunde die Hand ins Feuer, als sich Torsten ankündigte - bis auf Elgin. Nach seinem Trauma waren wir uns in ihm in Bezug auf ein Baby/Kleinkind nicht wirklich sicher und es war für uns klar, wenn es nicht klappen sollte mit Baby/Kleinkind, bräuchte Elgin ein neues Zuhause. Bei den anderen Hunden hatten wir vollständiges Urvertrauen, welches absolut berechtigt war und nie von unseren Hunden je in Frage gestellt wurde.

Wie aber würde Elgin auf unseren zweibeinigen Nachwuchs reagieren?

Eine bange Zeit folgte, in welcher wir hofften, daß wir nicht zu so einem endgültigen Schritt würden gezwungen sein - nicht bei Elgin, welcher nicht mehr unbelastet eine neue Beziehung eingehen konnte und um den wir uns wirklich Sorgen machten.

Aber ein erstes Aufatmen: Elgin akzeptierte das kleine Menschenkind sofort, beschnupperte Torsten und nahm ihn in den Kreis "seiner" Familie auf.

Nun mussten wir abwarten, wie er reagieren würde, wenn Torsten die Welt erkunden wollte und krabbelnd und unbeholfen sich seine Umgebung erfahrbar machen würde.

Elgin kannte keine Kleinkinder und mit Kindern ganz allgemein konnte er nichts anfangen, ausser sie warfen ihm seinen heissgeliebten Ball! Als echter Balljunkie machte er bei den Werfern keinerlei Unterschiede, Hauptsache der Ball flog.

Aber egal wo Torsten auch hinkrabbelte, sei es in sein Körbchen neben ihn, sich auf das Bett neben ihn legte, ihn verfolgte und beim Fressen störte - Elgin ertrug es mit stoischer Gelassenheit. Ungezählte Steine sind uns vom Herzen gefallen und als später Konstantin folgte wussten wir, das auch dieser Zuwachs für ihn kein Problem werden wird. Und so war es. Das über ihm schwebende Damoklesschwert hatte sich erledigt und wie froh waren wir darüber!

 

Circa sechsjährig begann er immer wieder einmal leicht zu hinken. Das von ihm heissgeliebte Ballspiel wurde eingeschränkt und es folgten diverse Untersuchungen, aber keine der Untersuchungen brachte einen klaren Befund, woher das Hinken an den Vorderläufen kam - keine Absplitterungen waren auf dem Röntgenbild sichtbar, keine Veränderungen an den Ellenbogen, an allen dafür prädestinierten Stellen wurde geforscht und keine Ursache gefunden. Es war zum Verzweifeln und so folgte nun eine Zeit, in der es auf und ab mit ihm ging. Mal hinkte er mehr, mal weniger, dann wieder gar nicht, mal auf einem Bein, dann auf dem anderen Bein, dann wieder auf Beiden, es war zum Mäuse melken. Sichtbare Schmerzen? Fehlanzeige!

Dann traten massive Probleme mit der Prostata auf, immer wieder Blut im Urin, trotz Behandlung immer wieder erneutes Blut, andere Medikamente und nach einiger Zeit wieder Blut im Urin. Endlich eine Diagnose: Struvitsteine.

Es folgte die Kastration und das Bangen um ihn. Die Operation, eigentlich eine Routineangelegenheit, führte bei ihm zu heftigen Blutungen und zwei Tage lang wussten wir nicht, ob er diesen Eingriff überleben würde. Aber er hatte ein Kämpferherz. Er überlebte.

Er überlebte, um die nächste Baustelle in Angriff zu nehmen, es war ein Schrecken ohne Ende. Nun fing er an sich zu benagen. Immer in der Flanken/Nierengegend und wieder folgte ein Untersuchungsmarathon. Das Ergebnis: Nichts!

Dieser Hund war einfach nicht krank. Laut Diagnose der Tierärzte. In der Realität sah es mittlerweile so aus, daß er nur noch mit Halskragen herumlaufen konnte, nicht einmal zum Füttern konnten wir ihn später noch abnehmen, so massiv versuchte er sich zu beissen.

An Bälle werfen war überhaupt nicht mehr zu denken, sein Bewegungsapparat hatte sichtlich gelitten, ohne daß irgendetwas befundet werden konnte.

Tabletten halfen nur kurzfristig und im Wechsel und jeden Tag litten wir mit unserem "gesunden" Hund.

Eines Tages nahm ich ihn alleine zu meinem Vater mit auf die Schwäbische Alb. Es war der Horror. Ohne seine Mädels hatte ihn aller Lebensmut verlassen und es zeigte sich, daß er eigentlich gar nicht mehr Laufen konnte - nur für seine Hündinnen hatte er geschauspielert und einen noch bewegungsfreudigen Hund vorgegaukelt.

Was Kromfohrländer an Schmerzen aushalten können, kommentarlos und überspielend, wie schlecht es ihnen in Wirklichkeit geht, ist unvorstellbar, es sei denn, man ist mit so einem Hund selbst konfrontiert und kennt ihn in- und auswendig.

 

Wieder zu Hause setzte mein Mann die in Indelhausen getroffene Entscheidung umgehend um und wir ließen ihn vom Tierarzt erlösen - kein Hund hat ohne Hoffnung auf Linderung die Erduldung solcher Schmerzen verdient.

 

Eine an der tiermedizinischen Universität München durchgeführte Obduktion brachte keinerlei Aufschlüsse über seine Leiden, er starb durch und durch "gesund", so wie er auch "gesund" zum Ende hin gelebt hatte.

Für uns lässt dies nur eine Schlussfolgerung zu: Elgin litt an einer Autoimmunerkrankung, an welcher auch immer - wir werden es nie erfahren.

Viel zu viele seiner Kinder und Kindeskinder sind ebenfalls von einer Autoimmunerkrankung betroffen und so sind wir noch im Nachhinein froh über unseren weisen Entschluss, ihm nur eine begrenzte Zahl an Deckakten ermöglicht und sein Potential nicht ausgereizt zu haben. Jeder autoimmunerkrankte Kromfohrländer ist ein Hund zu viel, ein Hund zu viel, welcher Leid und Schmerz erdulden muss und deren Besitzer eine Achterbahnfahrt an Hoffnung und Depression erleben und immer nur hoffen können, mit den gegebenen Möglichkeiten ihren Hund wenigstens einigermaßen stabil halten zu können.

 

Elgin war ein ganz besonderer Kromfohrländer - und kein Hund für jedermann. Aber für uns war er perfekt und es macht uns unendlich traurig, dass ihm ein so schreckliches Ende beschieden war......

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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