Mit ihr hat mein Kromfohrländer-Werdegang begonnen.

Mittelgross, nicht jagend und kein "Jedermann´s Hund" - so sah meine jugendliche Vorstellung "meines Hundes" aus.

Nicht jagend, da ohne Zaun um´s Haus lebend. Hinter meinem Elternhaus begann gleich die freie Natur und nicht jagend, da ich für meine Ausritte auf meinen Isländer "Leiftri" vierbeinige Begleitung suchte.

Mittelgross, da meine Eltern keinen grossen Hund im Haus halten wollten.

Nicht "jedermann´s Hund" - vorige Voraussetzungen hätten auch ein Pudel erfüllt, aber den wollte ich eben nicht:-)

In der seinerzeit groß herausgekommenen Stern-Artikelserie "Du armer Hund" von Heiko Gebhardt wurde ich sozusagen mit der Nase auf die Rasse der Kromfohrländer gestossen, denn in einer Folge dieser Serie stellte er auch die "jüngste Hunderasse Deutschland´s" vor: Den Kromfohrländer!

Die Beschreibung klang perfekt...

 

Das "Wollen" war aber die eine Sache, das "Bekommen" die Andere...

 

Das Internet war noch Lichtjahre entfernt, es dauerte einige Briefe hin- und her bis die ersten Verbindungen zustande kamen.

"Erie vom Antareshof" hiess dann mein erster Kromfohrländerkontakt in natura und sie bezauberte mich sofort! Tricolor, rauhaarig, wunderschön mit ungemein netten Besitzern - mehr brauchte es nicht als Bestätigung.

Aber leider - kein Kromfohrländerwelpe weit und breit in Süddeutschland.

Erfolgreich entwickelte sich allerdings der schriftliche Kontakt nach Norddeutschland zu Gräfin Westarp und tatsächlich, wir bekamen die Zusage für einen Welpen.

 

Länger kann keine Zeit sein, als die, bis es endlich soweit war und ich als Jugendliche, noch ohne Führerschein, mit meinem Vater im Auto die Reise nach Norddeutschland antreten durfte, um meine "Penny", Ruma vom Weddern, abzuholen.

Eine Reise mit Hindernissen, denn kurz vor Frankfurt verliess uns das Glück.Trotz sorgfältiger Wartung und geringen Alter´s muckte der Alfa an diesem Tag und verweigerte kurz vor Frankfurt seinen Dienst. Das Schicksal meinte es dennoch gut mit mir, denn das liebe Auto hatte seinen Geist praktisch in "Rufnähe" des Frankfurter Bahnhofes aufgegeben. Also schnell nachgesehen, wann der nächste Zug Richtung Karthaus fährt und da blieb nicht einmal eine Viertelsstunde, welche genau ausreichte um ein Ticket zu kaufen und nicht mehr. Im Zug sass ich dann, die Fahrkarte in der Hand, mutterseelenallein, kein Handy, - Korb, Halsband und Leine im Kofferraum des Auto´s - und setze die Fahrt unverdrossen mit der Bahn fort.

Wir hatten ausgemacht, daß mein Vater Frau von Westarp über die Planänderung informieren wird und ich dann am Bahnhof sehen werde, wie es weitergeht.

So sass ich dann im Zug, abwechselnd in Gedanken bei meinem Vater und wie es ihm ergeht und den Gedanken daran, wie es wohl am Zielbahnhof für mich weitergehen wird.

Aber ich hätte mir keine Gedanken machen müssen, ich wurde von Westarp´s am Bahnhof schon erwartet und abgeholt. Aber nicht nur das, auch ein Mittagessen wartete bereits auf meinen knurrenden Magen - aber nicht so sehr, als daß ich nicht mit fiebernder Erwartung zuerst einen Blick auf die Welpen werfen mochte.

Ganz gebannt beobachtete ich das Welpengewusel und mein Blick folgte wie ein Magnet der einzigen tricolor-Hündin im Wurf. Verständlicherweise, erinnerte sie mich doch sehr an "Erie", welche so schnell mein Herz gewonnen hatte.

Nie werde ich die Worte "meiner" Züchterin vergessen: "Aber Sybille, deine Hündin läuft dir doch schon die ganze Zeit hinterher!"

Na, aber auf DIE unscheinbare Hündin hatte ich gar nicht geachtet - auch wenn sie mir tatsächlich die ganze Zeit hinterherlief. Aber egal, Hauptsache Hund! Also die helle Hündin in den Arm geschlossen und die Liebe war perfekt.

Hin- und Rückfahrt waren gebucht, allzuviel Zeit um den "Papierkram" zu erledigen blieb nicht und schon wurde ich wieder zur Bahn chauffiert und mit Tuch, Halsband und Leine von Westarp´s in den Zug gesetzt. Welch ein Abenteuer: mein erster eigener Hund und dann gleich ab ins kalte Wasser. Aber Penny machte das ganz souverän und gegen Mitternacht wurden wir dann von meinem Vater wieder am Bahnhof Ulm abgeholt.

Die Familie hatte sich erwartungsvoll versammelt, um das neue vierbeinige Familiemitglied zu begutachten und besonders gespannt waren wir natürlich, wie die schwarze Kleinspitzhündin meiner Mutter auf den Zuwachs reagieren würde.

Aber es war spät, "Cora" war müde, schnuffelte die Kleine also nur ab und da Penny keine Rechte an "ihrem" Frauchen einforderte, vertrugen sich die Beiden von Anfang an.

 

So sehr Cora meine Penny links liegen liess, so sehr freute sich unser Kater über den kleinen Welpen. Und diese Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit. Nach kurzer Zeit hatten "Kater" und "Penny" innigste Freundschaft geschlossen: sie frassen gemeinsam aus einem Napf, sie schliefen zusammen im Körbchen oder auf dem Teppich und zur Begrüßung umarmten sie sich regelrecht. Es war eine wunderbare Freundschaft, die nach einigen Jahren leider jäh ein Ende fand, als unser lieber "Kater" einer bösartigen Infektion zum Opfer fiel. "Penny" trauerte regelrecht um ihren Freund und wir alle fanden den unerwarteten Tod schrecklich. So dauerte es nicht lange, bis ein kleines, blaues Bauernhofkätzchen wieder einzog, welches mit grosser Liebe von Penny angenommen wurde. Und ersetzte es auch nicht ihren "Kater", so verband auch diese Zwei eine wunderbare Freundschaft, die bis zum Auszug von Penny und mir andauerte.

 

Eine andere Tierfreundschaft hatte sich ausserdem zwischen Penny und meinem Isländer "Leiftri" angebahnt. Für Penny gab es nichts Schöneres auf der Welt, als mit mir und Leiftri die traumhaft schöne Landschaft der schwäbischen Alb zu erkunden. Stundenlang waren wir gemeinsam unterwegs, im Schritt, Trab und Galopp.

Letzteres genossen besonders Leiftri und Penny, denn sie hatten witzigerweise ihren Spaß daran gefunden, sich gegenseitig ein Wettrennen zu liefern, bot sich Gelände und Umfeld dafür an. Dann sass ich zwar oben auf, aber Augen füreinander hatten nur Pferd und Hund.

Mein Vater hatte einmal die Möglichkeit, so ein Wettrennen zu beobachten und er war vollkommen fasziniert davon, wie so unterschiedliche Spezies trotzdem kommunizieren konnten.

 

Pferde und Hund erfüllten neben der Schule meine Freizeit komplett, denn nicht nur Reiten war angesagt: wir waren "Selbstversorger", d.h. ich versorgte die Pferde in unserem angemieteten Stall mit Auslauf komplett alleine. Das bedeutete zum Beispiel für mich, morgens bereits vor der Schule ( ich fuhr mit dem Schulbus eine halbe Stunde ans Gymnasium der ehemaligen Kreisstadt Münsigen) mit Penny zum Stall und nach den Pferden sehen und sie versorgen. Damit hatte auch Penny gleich ihren morgendlichen Auslauf, denn der Stall lag im Ort und unser Haus am Ortsrand.

Mittags und Abends wiederholte sich dies und zur Weidezeit mussten die Pferde ausserdem auf und von der Weide geholt werden und - da im Landschaftsschutzgebiet gelegen - der mobile Weidezaun regelmässig ab- und aufgebaut werden. Natürlich immer mit dabei: Penny!

Wir drei, Leiftri, Penny und ich genossen tatsächlich grenzenlose Freiheit und ich bin meinen Eltern dafür ungemein dankbar, daß sie mir dies alles ermöglichten!

 

Aber, das Abitur rückte näher und eine Sorge begann mich sehr zu drücken - Penny hatte enorme Scheu vor fremden Menschen. Bei den Ausritten machte sie riesige Bögen, um ihnen auszuweichen und von sich aus näherte sie sich niemanden, der ihr nicht vertraut war. Das Wort "Hundeschule" war uns vollkommen unbekannt, weder gab es so etwas in der Nähe noch wäre ein Besuch logistisch möglich gewesen. Was Penny gelernt hatte, verdankte sie meinem an den Pferden geschulten Sachverstand (alle Drei hatten eine jeweils unterschiedliche Verhaltensstörung, bevor sie zu uns stiessen)  und den Rest meinem Bauchgefühl. Nur, es war klar, nach dem Abitur heisst es für uns Beide raus aus dem Hotel Mama und ab in die Zukunft. Und dafür musste sie ihre Scheu ablegen, denn die weitere Ausbildung, egal ob Studium oder erst einmal Lehre erfolgte sicher in einer Stadt - mit vielen, vielen Menschen....

 

Wie günstig, daß just zu dieser Zeit der Regisseur des Naturtheater´s Hayingen auf uns zutrat und anfragte, ob es mir denn möglich sei, mit meinen Pony´s mindestens eine Saison lang mitzuspielen. Das war DIE Gelegenheit für mich, mit Penny Menschenmengen zu trainieren und umgehend ergriff ich die Gelegenheit am Schopf und sagte zu. So sorgten wir mit Pferd und Hund für viel Spaß bei den Zuschauern und Penny erfuhr das beste Menschentraining überhaupt: Jede Pause ging ich mitten durch die Menschenmenge hindurch und wollte Penny mir folgen, so musste sie sich einen Weg hindurch suchen. Das umging sie anfänglich, indem sie versuchte aussen und über die Bühne mich im Auge zu behalten - aber mit jeder Aufführung mehr lernte sie, daß keiner etwas von ihr wollte und ihre Scheu liess zunehmend nach.

Erleichtert wurde ihr dies dadurch, daß sie mich stets ohne Leine und Halsband begleitete, so dass niemand nach ihr fassen und auch niemand versehentlich auf die Leine treten konnte.

So legte sie in der ersten Spielsaison ihre Scheu vor Menschen ab, und nach der zweiten Saison machte sie sich über Menschen überhaupt keine Gedanken mehr und war damit bestens für einen Umzug nach Saarbrücken gerüstet, wo ich zuerst eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau absolvieren wollte.

Ganz schnell wurde mein Hund "Inventar" und tatsächlich verhielt sich Penny zur Arbeitszeit so vollkommen unauffällig, daß nur Stammkundschaft überhaupt wusste, daß ich einen Hund dabei hatte. Überall hin begleitete Penny mich, nichts, wo ich sie nicht mit hin schleppte.

In besonderer Erinnerung habe ich behalten, daß ich sie jederzeit im Kaufhaus im Erdgeschoss unter einem beliebeigen Wühltisch ablegen konnte und sie geduldig wartete, bis ich sie wieder abholte.

Auch den wunderschönen Saarbrücker Weihnachtsmarkt verbinde ich mit einer Erinnerung an sie: Der Markt war ungemein gut besucht und zog sich entlang einer Mauer mit mehreren Treppen. Rechts und links davon befanden sich die verschiedenen Stände mit ihren ausgeklappten Tresen. Wie immer hatte ich Penny ohne Halsband und Leine dabei (Sie lief auch in der Stadt ohne Leine und Halsband), aber das Getümmel an Füßen war ihr einfach viel zu viel und so fand sie ganz schnell heraus, daß es für sie am günstigsten ist, wenn sie unterhalb der fussfreien aufgeklappten Tresen läuft. So lief sie parallel zu mir und beobachte immer aus den Augenwinkeln, wo ich mich gerade aufhielt.

Das fiel während des Bummels über den Weihnachtsmarkt auch einer Tierfreundin auf, welche jedoch nicht erkannte, daß Penny gar nicht alleine unterwegs war, sondern sie als armen Hund wähnte, welchen es zu retten galt. Bis ich diese Situation erkannte, waren wir an einem grösseren Platz angekommen und dort schloss Penny dann wieder direkt zu mir auf. Das faszinierte die Tierfreundin sehr, und sie war natürlich auch froh, dass Penny so alleine dann doch nicht war:-)

Den Höhepunkt bildete aber sicher der gemeinsame Besuch eines Zirkus. Bis heute weiß ich nicht mehr, wie ich es geschafft habe, Penny ganz offiziell mitnehmen zu dürfen. Aber wir durften zu Zweit rein und Penny verhielt sich mustergültig, aufmerksam wurde sie interessanterweise ausschliesslich bei der Löwennummer - diese verfolgte sie durchgehend ausgesprochen aufmerksam und auch unruhig. Was man ihr ja nicht verdenken kann...

Penny war mit dem Auszug von zu Hause meine treueste Gefährtin und um nichts in der Welt wollte ich sie missen!

 

Sie allerdings konnte das durchaus. Und diese Tatsache war dem Umstand gedankt, daß ich von Beginn an eine fleissige Briefschreiberin war und meine Züchterin ganz regelmässig über "ihre" Penny auf dem Laufenden hielt.

Und meine Züchterin wiederum verstand es hervorragend, mich für Dinge zu begeistern, an welche ich im Traum nie gedacht hätte.

Ausstellungen waren zum Beispiel so ein Thema: Gut gebrieft durch den Stern-Artikel kam für mich solch ein Affenzirkus gar nicht in die Tüte! Dachte ich...

Frau von Westarp hingegen wusste sehr wohl, wo der Hebel bei mir anzusetzen war und ihre immer noch gültigen Worte lauteten hier: "Man kann nur beurteilen, was man selbst erfährt", sprach´s und hatte bald meine Eltern und mich überredet (zu dieser Zeit immer noch ohne Führerschein), eine Hundeausstellung wenigstes zu besuchen, um mir ein eigenes Bild darüber zu machen, wie das Ausstellen von Kromfohrländern abläuft.

 

 

 

 

 

 

 

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