"Das muss Einem doch zu denken geben, wenn jemand ständig den Verein wechselt" - so und ähnlich hört es sich wohl an, wenn man unsere Vereinslaufbahn betrachtet.

Und ja, mir persönlich gibt so eine Aussage immer zu denken - so wie wir uns stets auch mit unserer Zucht kritisch auseinandergesetzt haben, setzen wir uns natürlich auch mit den Fragen auseinander, welche sich uns um die Hunde herum stellen und von Anderen in den Raum gestellt werden.

 

Warum können wir nicht einem Verein treu bleiben?

Warum nicht dem nächsten, welchen wir sogar selbst initiiert hatten?

Nicht als Verein, aber als Zusammenschluß von Menschen mit den gleichen Interessen, nämlich gesündere und im Wesen stabilere Kromfohrländer zu züchten.

 

Und kann man diese Frage überhaupt beantworten, ohne gleichzeitig eine Schlammschlacht zu initiieren? Und damit Konflikte wieder heraufzubeschwören, welche schon längst der Vergangenheit angehören sollten?

 

Ich will den Versuch wagen und hoffe, daß mir eine sachliche Darstellung gelingt.

Dazu muss ich jedoch ausholen.

Es gibt verschiedene Wege, in die Rassehundezucht hineinzuwachsen, keinen dieser Wege sucht ein Züchter sich in der Regel aus, sondern in erster Linie sind es die Umstände, welche ihn von einer bestimmten Stelle aus starten lassen.

In der Holderheide lagen die Umstände in der Rasse begründet: Kromfohrländer wurden seinerzeit ausschliesslich im Rassezuchtverein der Kromfohrländer (RZV) im Verband des Deutschen Hundewesen (VDH) unter der Schirmherrschaft der Fédération Cynologique International (FCI) gezüchtet, d.h. mit dem Kauf eines Kromfohrländers kam man automatisch seinerzeit mit dem VDH in Berührung, eines Verbandes, welcher sich dem Wohle der Rassehundezucht verschrieben hat. Ungefähr 30% der Rassehunde tragen den Stempel dieses Verbandes, der Rest der Rassehunde rekrutiert sich aus anderen Quellen.

Und für uns lagen die Vorteile einer Zucht im VDH auf der Hand:

Zucht als Liebhaberei, Limitierung des Zuchteinsatzes von Hündinnen um Ausnutzung zu verhindern, Seriosität als Handlungsgrundlage, ein gut organisiertes Ausstellungswesen, alles Punkte, die uns als Züchter das Gefühl vermittelten, in diesem Verband gut aufgehoben zu sein.

Und da ich zur Hundezucht kam, wie die sprichwörtliche "Jungfrau zum Kinde" fiel ich sehr unvorbereitet dieser Leidenschaft anheim - und als Leidenschaft hatten mich die Kromfohrländer schnell gepackt: ihr sensibles Wesen, ihre uneingeschränkte Liebe zu ihren Besitzern, ihre ideale Grösse, ihre Intelligenz - ruckzuck hatte ich mich emotional gebunden und die Liebe, welche meine Hunde mir schenkten, versuchte ich ihnen nicht nur direkt zurück zu geben, sondern ich verschrieb mich ihrer Zucht aus vollem Herzen.

 

Und fing an, meine ersten Erfahrungen zu sammeln.

Zum Beispiel auf Ausstellungen. Die grosse Freude darüber, daß der eigene Hund gewinnt - und die Folgen bei der Konkurrenz.

Das Sprichwort "Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten" erhielt eine neue Dimension, denn mit dem Erfolg schwanden die "Freunde". Und sie waren überaus erfolgreich, unsere Hunde - und im gleichen Masse wie unsere Hunde Lorbeeren einheimsten, stieg auch der Neid - nicht offen zur Schau getragen, aber fein und verletzend.

Rückhalt können hier nur gute Freunde geben und die hatten wir glücklicherweise.

 

Will man etwas für die Hunde tatsächlich erreichen, so kann man dies nur an der Quelle tun - und die Quelle hiess: RZV

So wurde ich im Laufe der folgenden Jahre WUFF-Redakteurin, Zuchtwartin, Vorstandsmitglied - immer mit der Idee im Hinterkopf, für die Hunde etwas erreichen zu wollen.

Aber was?

Zum Beispiel bei einer von der FCI angeforderten Standardänderung im Standard festzuschreiben, daß mangelnder Jagdtrieb als Anforderung an das Wesen in den Standard eingearbeitet wird.

Von sieben Vorstandsmitgliedern sah ich dies als Einzige als berechtigte Forderung: keine Nebensache, denn für viele Käufer ist der in der Rassebeschreibung aufgeführte mangelnde Jagdtrieb ein Auswahlkriterium mit ausgesprochen hohem Stellenwert!

Der lapidare Kommentar eines Vorstandsmitgliedes und Züchters dazu:.

"Dann kann ich meine Kromfohrländer ja nicht mehr einsetzen, die jagen doch!"

und schon war der Punkt vom Tisch. Was tun bei sechs gegen eine Stimme?

 

Im Laufe der Jahre zog ich aus der Vorstandsarbeit viel ernüchternde Erkenntnisse, Erkenntnisse, wie sie wohl vielen Politikern all zu bekannt sein dürften: Um etwas zu erreichen, erfordert es eine Vielzahl von Krompromissen...

Zu Kompromissen muss man jedoch bereit sein - und ich war es nicht, wollte es auch nicht und so endete mein Ausflug in die höheren Etagen des RZV.

 

Warum aber wollte ich/ wollten wir, mein Mann und ich,  keine Kompromisse mehr eingehen? Es wäre doch nur vernünftig gewesen, denn alles andere ist die sehr unbeliebte "Ein Mann/ein Frau - Politik" - oder etwa nicht?

 

Dazu muss man unsere Zucht etwas genauer unter die Lupe nehmen.

In der Zucht existieren verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung:

Man verpaart Hunde untereinander, die einem selbst gefallen, zieht die Welpen liebevoll auf und gibt sie in gute Hände ab - freut sich über die eine oder andere Rückmeldung, aber mit der Abgabe ist das aktuelle Zuchtgeschehen für den Zücher mehr oder weniger abgeschlossen  - bis zu einem eventuellen nächsten Wurf.

Oder, was bei den Kromfohrländern glücklicherweise noch seltener der Fall ist, aber durchaus vorkommt, man sieht darin einen angenehmen Nebenerwerb, leicht gemacht, dank hoher Nachfrage bei der Rasse, dann geht die Zucht über das reine Aufziehen und die Abgabe der Welpen nicht hinaus.

Oder man hat sich der Rasse verschrieben und will den Fortbestand der Rasse sichern - das sind die Züchter, welche eine Rasse tragen, da sie ein Interesse in ihr selbst und im Fokus ihre Zukunft hat. Gemeinhin als Idealisten bekannt;-)

 

Gehört man letzterem Genre an, dann kann man die Hundezucht kritisch betrachten - aber man kann es auch lassen.

Wir haben es nicht gelassen und unsere Hunde haben uns dazu auch mehr oder weniger gezwungen. Denn wir suchen den Kontakt zu unseren Käufern und wollen wissen, wie sich unsere Welpen nach der Abgabe weiter entwickeln, welche Freude sie unseren Käufern bereiten - aber auch, was für Leid.

Und glauben Sie mir lieber Leser, im Nachhinein wäre es besser, man wüsste nicht gar so viel über das Leid und viel mehr über die Freude. Aber so funktioniert züchten leider nicht. Und ich spreche hier nicht über die züchterischen Probleme an sich, die gehören zu einer Zucht immer dazu zu, es sind die Probleme beim Decken, wenn es einfach nicht klappen will, über Geburtsschwierigkeiten, Missbildungen bei Welpen - alles Dinge, welche die Züchterfreude überschatten und man viel Stehvermögen aufbringen muss, will man weiterzüchten. Denn es ist ja nicht irgendein Hund, von dem man Welpen erwartet - es ist ein Familienmitglied und entsprechend tief gehen die Empfindungen und Probleme sind dann nicht einfach Probleme, welche gelöst werden, sondern sie hinterlassen Spuren, Spuren die uns verändern.

 

Wir haben Problemen stets in die Augen gesehen und versucht, sie zu lösen, aber auch deren Auftreten kritisch zu hinterfragen.
Unser Interesse an unseren Welpen auch nach dem Verkauf, bereicherte uns als Menschen ungemein, denn in vielen Käufern fanden wir treue Freunde und Bekannte, Menschen, welche wir lieb gewannen. Umso schlimmer war es für uns, wenn dann Hunde aus unserem Zwinger erkrankten - und es erkrankten viele, für unseren Geschmack eindeutig zu viele. So viele, daß wir anfingen uns über die Gründe Gedanken zu machen. Und anfingen Daten über erkrankte Kromfohrländer systematisch zu sammeln.

 

In der Folge machten wir uns allerdings im Verein recht unbeliebt. Unbequeme Züchter sind ungern gesehen, auch von dieser Erkenntnis blieben wir nicht verschont.

Und unsere Recherchen deprimierten uns zusehends, nimmt man unsere gesicherten Zahlen/Daten als Grundlage, erkranken mindestens ein Drittel aller gezüchteten Kromfohrländer an diversen Ekrankungen, zum Teil sehr schwer, zum Teil leiden manche Kromfohrländer auch an mehreren Erkrankungen gleichzeitig.

 

Und ja, auch andere Rassen leiden unter Erbkrankheiten!

Aber mal ehrlich: Ist das deshalb ein Grund, mit kranken Hunden weiter zu züchten?????????? Nur, falls dem so wirklich ist, weil andere Rassezuchtvereine und Züchter dies tun? Ist das nicht nur eine bequeme Ausrede, die Züchtern ein passendes Argument liefert, um sich einer Verantwortung zu entziehen?

 

NIcht das Tun Anderer sollte unser Handeln bestimmen, sondern unsere Kenntnisse über die Rasse, ihre Probleme und ihre Vorzüge sollten ehrlich und offen erörtert werden, um langfristig Gesundheit und Wesen zu verbessern.

 

Soweit die Theorie. In der Praxis wird noch nicht einmal über die Haltungsprobleme von Kromfohrländerrüden gesprochen und wären hier nicht private homepages mit ihren Erfahrungsberichten, jeder würde glauben, daß Kromfohrländerrüden per se freundliche und soziale Vierbeiner sind.

Wir waren selbst stolze Besitzer zweier Kromfohrländerrüden und ich bin selbst der festen Überzeugung, daß sich jeder Kromfohrländer händeln lässt.

Aber um dies erfolgreich tun zu können, bedürfte es offener Aufklärung über das Wesen dieser Hunde, insbesondere der Rüden und was bei ihrer Aufzucht unbedingt beachtet werden müsste. Nur - das steht in den entsprechenden Rubiken nirgendwo und ausser dem abgenutzten Tipp, daß Kromfohrländer konsequent erzogen werden müssen, findet sich nur wenig in den offiziellen Seiten.

Und Ratschläge, wie zum Beispiel bei Rüdenmachoverhalten anderen Hunden/Rüden aus dem Weg zu gehen, sind Lösungsvorschläge, welche auf Dauer niemanden befriedigen werden.

 

Wenn aber schon bei einfachen Verhaltensfragen keine Offenheit herrscht, dann kann man getrost davon ausgehen, daß sie auch andernorts nicht zu erwarten ist.

Was wir beim unserem offenen Umgang mit Krankheiten bei Kromfohrländern am eigenen Leib sehr wohl zu spüren bekamen.

Paradox: Unser Zwinger führt bei allen Zuchthunden regelmässig Untersuchungen auf Katarakt durch, da diese Erkrankung in der Rasse manifest ist - auch in Finnland übrigens eine Pflichtuntersuchung bei allen Zuchthunden, allerdings aussschliesslich in Finnland!

Circa 17% aller unserer rein gezüchteten Kromfohrländer wiesen früher oder später einen positiven Befund auf Katarakt auf. Da wir unsere Linien sehr breit gefächert haben und in der Rasse eine sehr hohe Inzucht besteht, kann man diesen Zwingerwert auch ohne Weiteres auf die Gesamtpopulation übertragen.

Da die Ergebnisse der Kataraktuntersuchungen öffentlich sind und stets dem VDH-Verband weitergeleitet werden, hier dem RZV, war der Schluss nicht etwa, daß hier ein gesundheitliches Problem auftritt, welches es auch nach den Zuchtregeln des VDH zu bekämpfen galt, nein, ganz schnell hiess es, daß der Zwinger von der Holderheide kranke Hunde züchtet.

Und hier Stehvermögen zu zeigen und seine Hunde weiter zu untersuchen, mit dem Wissen, daß andere Zwinger nur deshalb "gesunde" Hunde züchten, weil sie schlicht und ergreifend ihre Zuchttiere erst gar nicht untersuchen lassen, das kostet Kraft und Nerven.

 

Und so sucht man Wege und Mittel, wie man verantwortungsvoll weiterzüchten kann, ohne daß das Nervenkostüm permanent angegriffen wird und natürlich ist man dann eher geneigt, auch den kritischen Stimmen bezüglich des VDH sein Ohr zu leihen.

Denn in der Rassehundezucht bewegt sich etwas. Käufer erwerben nicht mehr unkritisch einfach einen Rassehund, sondern die Gesundheit in der Rassehundezucht wird zunehmend thematisiert und viele Käufer sind nicht mehr bereit, Leiden zu tolerieren, welche zum Beispiel durch übertriebene Standardmerkmale zu Einschränkungen in der Lebensqualität der Hunde führen.

Dazu gehört für uns auch das Kleinreden von gesundheitlichen Problemen bei den Kromfohrländern und als uns klar wurde, daß wir weder im RZV noch im VDH werden Kromfohrländer so züchten können, daß wir sie mit gutem Gewissen unseren Käufern überlassen können, wussten wir, daß uns der RZV einfach kein Zuhause mehr für unsere Zucht bieten kann...

 

 

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