· 

Ernsthaft? Keine Zucht mehr?

Scheckennachwuchs wird es in der Holderheide nicht mehr geben. Und das hat einen guten Grund, einen Grund, welcher sich wie ein roter Faden durch unsere Zucht zieht: Das Thema Gesundheit.

Schon früh habe ich begonnen, meine Zuchtbücher so zu führen, daß ich die erkrankten Hunde gekennzeichnet, indem ich rot die Erkrankung und dazu die Quelle notiert habe. Die Quelle war mir sehr wichtig, denn sie sagt alles über die Seriosität ihrer Daten aus. Es ist ein Unterschied, ob „Hörensagen“ und „stille Post“ eine (vermeintliche) Erkrankung bekannt machen, oder ob der Besitzer oder Züchter selbst von einer Erkrankung berichtet.

Was aus „Hörensagen“ entsteht, das haben wir vor zwei Jahrzehnten in einer sehr witzigen Form erlebt. Wir haben im Laufe unseres Züchterlebens drei Deckrüden neben unseren Hündinnen gehalten, einer davon war „Janko vom Weddern“, ein Hund mit einer eigenen Geschichte - die es vielleicht auch wert ist, einmal erzählt zu werden.

Janko wurde von uns auf Ausstellungen vorgestellt, war ein zugelassener Deckrüde und deshalb in der Kromfohrländerszene recht bekannt. Er befand sich schon über eine Handvoll von Jahren in unserem Besitz, als wir einen Anruf einer sehr guten Bekannten erhielten. „Sie wolle die stille Post einfach mal durchbrechen, und von uns persönlich wissen, an welcher Erkrankung oder an was denn nun unser Janko eigentlich gestorben sei?“

Pause am Telefon. „Wie bitte?“ . „Na ja, euer Janko ist doch tot und es wird so viel darüber gemunkelt, an was der gestorben sei...“

Es ist sehr dankbar, wenn man als Betroffener direkt angerufen wird - man kann Dinge so schön einfach klären. Ein Telefonat und die Kromfohrländergemeinde erfuhr, das Janko weder krank noch tot war - er wurde bei uns über 15 Jahre alt und war nie in unserem Besitz krank.....

 

Die Seriosität von Daten ist die eine Seite, welche einer planvollen und zielführenden Zucht dient. Die andere Seite ist die menschliche und zwar, ob ich dafür überhaupt ein Interesse entwickeln will!

Tatsächlich kann ich auch ganz einfach züchten, indem ich meine Hündin zur Zucht zulasse, aus einer Deckrüdenliste einen Rüden aussuche, welcher mir persönlich gefällt, einen Wurf aufziehen und die Welpen im Alter um zehn Wochen herum abgeben. Das ist unkompliziert, macht im besten Fall viel Freude und am Ende bleibt gar etwas für die Urlaubskasse übrig.

Im ersten Jahr findet noch ein Austausch zwischen Züchter und Käufer statt, aber dieser wird immer weniger und verliert sich im Laufe der Jahre komplett - und das ist vollkommen NORMAL!  

Im Laufe meiner Jugend hatten wir hintereinander zwei Kleinspitzdamen  und einen Kleinspitzrüden. Wir haben diese gekauft und hatten danach keinerlei Kontakt mehr zu den Züchtern. Einfach weil kein gegenseitiges Interesse an einem Austausch bestand. Wir wollten einen Familienhund (allerdings sind Spitze für Kinder nach meiner Erfahrung eher ungeeignet), den haben wir bekommen und es gab „Welpen gegen Bares“ und das wars.

Und kein Problem war, denn unser Hund war unser vierbeiniges Familienmitglied und mit dem Kauf hatten wir die Verantwortung für dieses kleine Wesen übernommen. Und dieser Verantwortung gerecht zu werden, ist Aufgabe der neuen Besitzer.

 

Aber es war nie mein Weg. Ich wollte immer schon wissen, und zwar vom ersten Wurf an, wie es „meinen“ Hunden geht, wie sie sich entwickeln und bereits bei den ersten Würfen haben sich unglaublich nette menschliche Kontakte entwickelt. Aus dem allerersten Wurf meiner „Penny“, welcher 1982 geboren wurde, habe ich zum Beispiel vor ca. sieben Jahren einen Bruder unserer Zuchthündin „Maggie“ vermittelt - weil wir uns auch nach so langer Zeit nie aus den Augen verloren haben und obwohl die neue Besitzerin zwischenzeitlich einen anderen Hund besessen hatte. 

Hält man jahrelang Kontakt zu den Käufern, erlebt man die kleinen und die großen Freuden hautnah mit - aber auch die Schattenseiten.

Und da stellt sich dann schnell die Frage: Wie gehe ich mit diesen um?

Einfach ausblenden? Ignorieren? Verleugnen? Unter den Teppich kehren? Schön reden? 

Möglichkeiten gibt es reichlich. Wir, mein Mann und ich, haben schon früh begonnen, uns mit den Krankheiten, aber auch den Wesensproblemen der Rasse zu beschäftigen - einfach deshalb, weil es uns interessiert hat. Wir wollten verstehen, was in unserer Zucht passiert und wir wollten für unsere Zucht Entscheidungen treffen, zu denen wir stehen können.

Wir haben ungezählte Vorträge zum Thema Gesundheit und Wesen besucht, uns mit kynologischer Literatur eingedeckt und Daten über Kromfohrländer gesammelt, um etwas über ihre Genetik zu erfahren und zu lernen. So wird aus einem Hobby ein Steckenpferd und man erweitert sein eigenes Wissen enorm. 

 

Was habe ich mit Kromfohrländerbesitzern telefoniert, um Informationen zu erhalten - es sind Lebensmonate, die ich damit verbracht habe, meinem Steckenpferd zu frönen. Und hatte dabei das Glück, einen Partner zu haben, welcher dies alles zu hundert Prozent unterstützt hat. Sonst wäre eine solche Entwicklung in unserer Zucht auch tatsächlich gar nicht möglich gewesen, denn in den Neunziger Jahren waren wir noch Mitglied des Rassezuchtvereins für Kromfohrländer und an sehr vielen Wochenenden in Sachen Kromi in ganz Deutschland unterwegs: Spaziergänge in Dülmen bei Frau von Westarp, Süddeutsches Treffen von Herrn Koschnicke (Zwinger vom Antareshof), Austellungen von Süd nach Nord (und immer in Dortmund auf der Bundes- und Europasiegerausstelllung), auf internationalen Hundeausstellungen im Ausland und immer mit dem Wunsch, „am Puls der Zeit“ zu sein, denn wir reden von einer Zeit ohne Handy und Internet. Wenn man etwas erfahren wollte, musste man präsent sein - oder telefonieren.....

 

Lernen bereichert, das kann ich definitiv unterschreiben - und ich möchte diese ganze Zeit nicht missen, zumal wir durch dieses Hobby immer wieder unglaublich nette Menschen kennenlernen durften.

Aber die Schattenseiten der Zucht holten uns unweigerlich ein und in mehreren unserer Würfe traten Autoimmunerkrankungen auf. Das Leid der Hunde und seiner Besitzer ist unbeschreiblich - und wir waren mitten drin und erlebten den ganzen Horror hautnah mit.

Und suchten uns eine Alternativ-Rasse. Wir waren am Boden - mit unseren Nerven und mit unserer Zucht. Der Berger de Pyrenee sollte es richten und wir wurden Mitglied im Verein.  Informierten uns, besuchten eine Züchterin - und ließen die Finger davon.

Nicht ohne die Erfahrung, wie ganz anders man Zucht betreiben kann, denn tatsächlich gehörte der CBP zum innovativsten Zuchtverein seiner Zeit im VdH. Wir haben dort unendlich vie gelernt!

Wie auch übrigens unser Ausflug in die Terrierzucht unsere Kromfohrländerzucht enorm vorangebracht hat. Ein Blick „über den Gartenzaun“ inspiriert unendlich.

 

Aber all unser erarbeitetes Wissen änderte nichts an der Tatsache, daß eine Zukunft der Kromfohrländer für uns nur im Einkreuzen liegen konnte und so beschäftigten wir uns konkret mit den Möglichkeiten im VdH dazu. Wir haben alle Szenarien durchgespielt, mit Vorstandsmitgliedern gesprochen („Die Rasse hat keine gesundheitlichen Probleme“, „...sie hat keine rassespezifischen Erkrankungen“) und fanden im Vorstand für solch ein ambitioniertes Projekt keine Fürsprecher.

 

So sind wir vor über zehn Jahren ausgetreten, um „unseren Weg“ zu gehen. Ein Weg, welcher basiert auf jahrzehntelangen Erfahrungen, umfangreichem Wissen über Genetik und „historischem“ Wissen über die Rasse. Solide Grundvoraussetzungen, um diesen Weg beschreiten zu können.

Unser Nachwuchs wurde mess- und überprüfbar gesünder, das Züchten machte wieder richtig Freude und wenn auch das Einkreuzen kein Garant für gesunde Hunde sein kann, so zeigten die Ergebnisse doch ganz klar, daß wir auf dem richtigen Weg waren.

 

Und dann erreichte uns aus dem Nichts heraus eine Hiobsbotschaft vollkommen unvorbereitet und absolut unerwartet: Aus dem I2-Wurf leidet eine Hündin an einer Autoimmunerkrankung. Aus einer Verpaarung, von der wir nie gedacht hätten, daß hier eine AI auftreten würde - wie niederschmetternd diese Nachricht für uns war, lässt sich in Worten nicht beschreiben!

Der Zeitpunkt war der letzte Tropfen, welcher ein Fass dann auch überlaufen liess, denn unser von uns allen heissgeliebtes Möpschen hatte einen Unfall und drohte zu erblinden.  Musste zweimal in der Woche nach München in die Augenklinik um zu retten, was zu retten ist. Musste über acht Stunden täglich viertelstündlich getropft werden, damit die Augen erhalten bleiben können. Und muss heute noch 5x am Tag Augentropfen bekommen...

Unsere Katze wurde so schwer angefahren, daß sie bis heute noch unter den Folgen leidet. Die inneren Organe wurden in Mitleidenschaft gezogen und sie hatte jegliche Funktion in ihrem Schwanz verloren. Er schleifte nur noch am Boden und jeder einzelne Wirbel war sicht- und spürbar. Urin und Stuhl konnte sie nicht selbstständig absetzen. Wir hatten mit ihr den „worst case“.

Wir hatten ein Wurf mit einigen Wochen alten Welpen, deren zukünftigen Besitzern wir mitteilen durften, daß in direkter Verwandtschaft eine Autoimmunerkrankung aufgetreten ist. Und sie selbstverständlich vom Kauf zurücktreten dürfen.

Und - auch wenn man glaubt nach jahrzehntelanger Zucht alles erlebt zu haben: Die Welpen hatten unserer Hundemama eine Zitze komplett abgebissen und die andere zur Hälfte. Unsere Tierärztin war fassungslos, denn auch sie hatte so etwas noch nie erlebt oder je davon gehört.

Und sie war fasziniert von ihr, denn die Behandlung der Zitzen dauert über eine Stunde und war leider nicht schmerzlos. Itzybitzy lag auf der Seite und hat sich in unendlicher Geduld behandeln lassen und nicht ein einziges Mal war von ihr auch nur ein Ton des Jammerns oder des Protestes zu hören. Diese Tapferkeit zeichnet so viele Hunde unserer Zucht aus und sie sind das, was ich unter einem guten Wesen verstehe.

Noch unglaublicher: sie hat ganz selbstverständlich weiter gesäugt und ihre Welpen aufgezogen, als wenn sie nichts hätte. Unvorstellbar, wenn man die Wunden gesehen hat!

 

„Wir kreuzen ein, weil wir nie mehr mit Autoimmunerkrankungen in unserer Zucht zu tun haben wollen“. Dies war unser Leitsatz und er hat uns auch immer über die Tiefen der Zucht, die es natürlich auch beim Einkreuzen gibt, hinweggetragen.

Und so ist uns auch die Entscheidung, mit der Zucht aufzuhören, nicht schwer gefallen. Grundsätzlich, und weil es Fakt ist, daß alle unsere drei Zuchthündinnen untereinander und somit mit der erkrankten Hündin verwandt sind. Und das Risiko erkrankte Hunde zu züchten, gleich welchen Rüden man nehmen würde, uns zu hoch ist. 

Und wir an einem Punkt angelangt sind, wo wir uns mit leichtem Herzen verabschieden können, denn als (aus Überzeugung) vereinslose Züchter im momentanen Umfeld ist es uns auch nicht mehr möglich, Rüden einsetzen zu können, welche unseren Ansprüchen tatsächlich genügen. Und so hat sich auch unsere Frage erledigt, welche wir uns vor gut anderthalb Jahren gestellt hatten: Sollen wir uns einen eigenen Kromfohrländerrüden holen, um auf vernünftiger Basis weiterzüchten zu können?

 

Wie es nun weitergeht und welche Ideen wir haben? 

Ich bin selbst gespannt. Vielleicht ist der blog erst einmal Mittel zum Zweck. Im Moment eine Katharsis. Es ist ein Prozess und es wird sich zeigen, wohin der Weg führt...