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Die Bitte eines rauhaarigen Hundes

Liebe Zweibeiner,

Ich bin ein rauhaariger Hund. Im Gegensatz zu meinen Artgenossen bin ich eine Varietät, welche durch Mutation entstanden ist.

Meine langhaarigen Hundekollegen haben es leicht: sie können grundsätzlich ihren Fellwechsel auch ohne „fremde“ Hilfe vornehmen. Dazu müssen sie nur durch Gestrüpp mit Haken und Dornen, und schon können sie die lose Unterwolle abstreifen und sind ihren warmen Pelz los. Aber in den meisten Fällen wird der Fellwechsel von den Besitzern unterstützt und die lose Unterwolle herausgekämmt.

 

Bei mir ist das anders. Meine Haarart ist in der Natur nicht vorgesehen und sie existiert nur auf der Grundlage menschlichen Willens. Deshalb habe ich auch viel mehr Probleme mit dem Fellwechsel, denn bei mir bleibt die Unterwolle dran und nur das Deckhaar wächst, stirbt ab und muss entfernt werden. Das merken meine Besitzer in der Regel daran, daß ich wie wild auf dem Teppich „wetze“, am liebsten auch noch mit einem Spielzeug darunter, denn das tote Haar juckt gewaltig.....

 

Mein totes Haar ist keine lose Unterwolle, sondern totes Deckhaar und sitzt zu fest, als daß ich es selbst herausbekommen könnte. Aber meine Zweibeiner können diese toten Haare wunderbar herauszupfen. Mir fehlt dazu leider der Daumen!

Das Herauszupfen nennt man „Trimmen“ und ich fühle mich wie runderneuert, wenn der alte Pelz nicht mehr juckt und das schöne, neue Haar wächst. Und es macht mich auch gleich viel jünger - sagen alle, die mich kennen😀.

 

Würde man mein Fell scheren, geht es mir nur kurzfristig besser, denn die Schermaschine entfernt nicht das tote Haar aus der Haarwurzel. Das Fell ist zwar kurz, aber leider wird beim Scheren auch gleich das schöne, leuchtende neue Deckhaar abgeschnitten. So entstehen mit der Zeit mehrere Schichten Haar und obwohl ich dann kurz aussehe, ist mir immer viel zu warm!

 

Manche Menschen behaupten, Trimmen täte weh - weil ja gezupft wird. Aber das ist vergleichbar wie bei den Zweibeinern das Näfelschneiden: Abgestorbenes zu entfernen tut eben nicht weh.

 

Einige Zweibeiner finden ihren Hund extra süß, wenn er schön strubbelig und länger im Fell ist. Sie finden, getrimmte Hunde sehen so „nackt“ aus. Ich hoffe sehr, daß diese Menschen sich ihren Hunden gegenüber solidarisch zeigen und zum Gassi gehen ihren dicken Mantel anziehen: geteiltes Leid ist dann nur halbes Leid...

 

In diesem Sinne: kommt gut durch den Sommer🌞