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Hund im Elektrozaun - was tun?

Elektrozäune haben so ihre Tücken: Man geht friedlich an ihnen entlang, und denkt sich nichts Böses - und dann ist es plötzlich passiert! Der Hund ist an den Elektrozaun geraten. In Panik springen viele Hunde dann auch noch in die Weide oder die Koppel hinein und müssen erst einmal vom Frauchen oder Herrchen gerettet werden. 

So ist es mir gestern mit Karamba ergangen. Allerdings ist sie selbst erschrocken und dadurch erst in den Elektrozaum geraten. Leider ausgerechnet in den mit den Charolais-Bullen😳. Ich hatte wirklich Sorge, daß diese angreifen, denn nebendran waren die Kühe mit Kälbchen.

Sie rausholen schien mir da nicht die optimale Lösung zu sein, also habe ich das Rad geschnappt und bin an das andere Ende der Weide - am Weitesten weg von den Kühen und habe sie durch weiterfahren „rausgelockt“. Was einen weiteren Schlag zur Folge hatte, aber sie war unversehrt draußen, was mir in diesem Moment das Allerwichtigste war.

 

Nun ist es extrem wichtig, sich richtig zu verhalten, damit ein Trauma nicht langanhaltend vom Hund abgespeichert wird und negative Auswirkungen hat.

Auf KEINEN Fall den Hund in den Arm nehmen und trösten oder beruhigen - Hunde sind keine kleinen Kinder und können deshalb nicht „getröstet“ werden. Genau in solchen Situationen ist es wichtig zu wissen, wie Hunde „ticken“, um ihnen den Schock zu nehmen, denn was bei kleinen Kindern hilft, bewirkt tatsächlich bei Hunden das Gegenteil!

Wenn man sie tröstet oder versucht zu beruhigen, verstärkt sich ihre Angst in hohem Maße, weil sie den Zuspruch als Bestätigung für dieses schlimme Ereignisse erfahren - wir bestätigen bei unseren Hunden also mit beruhigen und trösten erst recht recht ihre gemachte Erfahrung und verstärken damit den Schock: Unser Hund denkt nun, daß die Begegnung mit dem Zaun WIRKLICH eine furchtbare Erfahrung war und dies hat Angstverhalten zur Folge. Angstverhalten, welches sich nun manifestieren kann in Form von genereller Angst vor Zäunen, sich nicht mehr Anfassen lassen in der Nähe von Zäunen, Meideverhalten jeglicher Art, die Verknüpfung mit dem Besitzer kann negativ verstärkt werden, so daß der eigene Hund Meideverhalten gegenüber diesem zeigt etc. Traumafolgen sind in aller Regel unvorhersehbar.

 

Karamba hatte einen schweren Schock, angezeigt durch eingezogene Rute, angstgeweitete Augen und Zittern. Ich habe sie mit HOHER Stimme für ihr erfolgreiches Hinauskommen richtig dolle gelobt - eine hohe Stimme bedeutet für Hunde einen positiven Reiz und es ist extrem wichtig, den Hund sofort nach einem solchen Ereignis mit positiven Reizen regelrecht „zu fluten“. Gleichzeitig habe ich versucht, sie aus ihrer Angststarre zu lösen, indem ich sie durch Locken in Bewegung gebracht habe. Als Nächstes habe ich Leckerlis genommen und diese gestreut und versucht sie zum Fressen zu animieren. Das klappt nicht immer gleich (Ein Grund übrigens, warum man IMMER genügend Leckerlis einstecken sollte, und zwar solche, welche ihr Hund wirklich liebt!), aber hier ist es wichtig nicht aufzugeben und den Hund zu ermuntern. Einfach wieder ein paar Schritte gehen, mit hoher Stimme locken, immer weiter weg vom Zaun. Wahlweise gehen auch kleine Spielaufforderungen, jeder Hund reagiert vollkommen anders und man muss seinen Hund beobachten und ausprobieren, was hilft. Man kann ihn auch sitzen lassen (Er muss in dieser Situation keinen Gehorsam zeigen, es geht ausschließlich um Ablenkung!) und wenn er sitzt, wieder mit ganz hoher Stimme loben. Und solche kleine Übungen nur kurz und schnell abrufen, damit der Hund nicht dazu kommt „nachzudenken“ . 

Ganz wichtig: keinen Zwang aus dieser Handlung machen - sich normal verhalten, wenn etwas nicht klappt, einfach etwas anderes probieren, kreativ sein.

 

Warum aber ist es denn so wichtig, sich wie beschrieben zu verhalten?

Hunde speichern - wie Menschen auch - negative Erfahrungen im Gehirn ab und diese können dort manifest werden, was heisst, die negative Verknüpfung ist da und kann jederzeit abgerufen werden. Damit es zu so einer das Leben beeinträchtigenden Verknüpfung erst gar nicht kommt, versucht man das negative Erlebnis SOFORT positiv aufzulösen. Dadurch können sich Synapsen erst gar nicht bilden und das Erlebnis bleibt dann zwar eine unangenehme Erfahrung, hat aber keine Folgen für daraus resultierendes Angstverhalten.

 

Ich konnte mit Futter Karamba nach relativ kurzer Zeit wieder „einfangen“ und bin dann zügig mit dem Rad weitergefahren und habe mich so verhalten, als ob gerade eben gar nichts passiert sei. Das hat sie dann auch fix beruhigt und sie war schnell wieder ganz normal in ihren Reaktionen. 

 

Seither bin ich diese Strecke nicht mehr gefahren, aber ich werde sie dort ganz gezielt einige Zeit vor dieser Stelle an die Leine nehmen und gesichert ganz normal wieder vorbeifahren. Karamba ist bei mir praktisch nie angeleint, in diesem Fall möchte ich jedoch sicher sein, daß sie diese Strecke „safe“ entlanglaufen kann, so daß sie lernt, daß der Zaunkontakt eine Ausnahmesituation war und man da weiterhin ganz normal  vorbeilaufen kann.