· 

Auri

Der A2-Wurf von der Holderheide feiert heute seinen siebten Geburtstag.

Zeit für ein kleines Resumé:

 

Dieser Wurf war Viva‘s zweiter (und letzter) Wurf und wir hatten uns im Vorfeld sehr viele Gedanken darüber gemacht, was zu ihr und zu unserem Einkreuzprojekt passen könnte.

Da Viva eine Griffonmutter hat, bekanntermaßen ein Jagdhund, auch wenn ihre Mutter „sucre“ in diesem Fach aufgrund mangelnder Jagdleidenschaft seinerzeit an uns abgegeben wurde, so steckt das Jagen doch in den Genen. Eine Eigenschaft, welche wir auf keinen Fall fördern wollten, weshalb wir unser Augenmerk gezielt auf Rassen hielten, welche Hütehundeeigenschaften zeigten und möglichst über kein Jagdverhalten verfügen sollten.

 

Als dafür geeignet erschien uns die Rasse „Schapendoes“, holländische Hütehunde, etwas höher im Stockmass wie die Kromfohrländer, aber insgesamt in unser Konzept passend, da neben dem zu unseren Vorstellungen passendem Wesen unter anderem die für unsere Zucht wichtige Rauhaarigkeit abgedeckt ist. Auch vom Gebäudeaufbau eine zu den Kromis passende Rasse, da keine Abweichungen im Typ vorhanden sind. Schecken, ein weiteres wichtiges Kriterium, denn die Zucht von Zeichnungsschecken wie dem Kromfohrländer bedürfen hohen genetischen Wissens, da ansonsten die typische Zeichnung verloren gehen kann, passt man hier nicht besonders auf. Ein in der Zucht schleichender Prozess, welchen ich mit Sorge beobachte, denn die Zeichnungsfehler bei den reinrassigen wie bei den eingekreuzten Hunden häufen sich bedenklich.

 

Mit „Joscha“ fanden wir einen im Wesen passenden Schapendoes in einem Alter, wie wir es bevorzugen: schon so alt, daß man viele Erkrankungen ausschließen kann (11 Jahre zum Deckzeitpunkt) und für sein Alter sehr fit. 

Mit elf Welpen hat Viva eine enorme Leistung erbracht und wie schon beim ersten Wurf, hat sie die Kinderschar unglaublich liebevoll und fürsorglich aufgezogen.

 

Unsere Kinder waren in der Zucht stets involviert und haben ihren Teil in der Aufzucht dazu beigetragen, allerdings mehr im praktischen als im „theoretischen“ Bereich. Was letztendlich dazu führte, daß ein „A-Ling“ bei uns sein Zuhause fand, obwohl wir das rein züchterisch so gar nicht geplant hatten: Konstantin hatte sich in diesem Wurf in eine Hündin verliebt und es war für uns keine Frage, daß er „seine“ Hündin für sich behalten darf: Auri!

Soooo gerne hätte er sie uns für die Weiterzucht zur Verfügung gestellt und es war sein Herzenswunsch, daß sie in der Holderheide weiter wirken darf und er mit ihr züchten und ihre Welpen aufziehen darf. Allein, die Erkrankung von Viva machte alle diese Pläne zunichte und das gehört sicher zu den wirklich bitteren Pillen in einer Familienzucht, wenn man am eigenen Leib miterleben muss, wie das eigene Kind unter unserer konsequenten Zucht von gesunden Hunden leiden und er seinen Traum eines Wurfes mit Auri letztendlich begraben musste.

 

Auri erwies sich als ambitionierte Arbeitshündin und mit Konstantin hatte sie einen sehr geduldigen und bereitwilligen Hundeführer, welche sie von Welpen an komplett selbst ausgebildet hat - und natürlich hatte sie ihren festen Platz in seinem Zimmer, wie auch ihren Schlafplatz dort. Er ist mit ihr durch dick und dünn gegangen und so ist es auch kein Wunder, daß sie auch heute noch, wenn er auswärtig nächtigt, treu in seinem Zimmer schläft und auf ihn wartet. 

 

Es ist für mich immer wieder schön zu lesen, daß auch die Geschwister ihren Besitzern viel Freude bereiten und sie ihre Hunde so sehr ins Herz geschlossen haben. Ich wünsche allen Besitzern an dieser Stelle weiterhin so viele Freude an ihnen, aber besonders auch, daß sie bis ins hohe Alter gesund bleiben mögen!

 

Was das Projekt betrifft, hat die Zeit allerdings ein Phänomen gezeitigt, welches besonders hinsichtlich des Einkreuzens extrem interessant, leider aber sehr bedauerlich ist.  

Ein Rüde aus dieser Verpaarung ist an Cystinurie erkrankt, eine Erkrankung, welche nach all unseren Recherchen NIE hätte auftreten dürfen, da sie bei der Rasse Schapendoes nicht als Erbkrankheit bekannt ist! Der Wurf von Viva hat einen Kromfohrländeranteil von 25%, was eine Erkrankung aus dieser Richtung hätte ausschließen MÜSSEN. 

Umso bemerkenswerter ist der Umstand, daß eine - ausdrücklich nachgewiesene - Cystinurie aufgetreten ist.

Bei dem Vater handelt es sich wohlgemerkt um einen Rüden aus einer reinrassigen Zucht mit nachvollziehbaren Gesundheitsdaten und noch nie zuvor war bei dieser Rasse von Cystinurie die Rede. Auch in dieser Rasse hatte sich eine Gruppierung gebildet, welche sich explizit der Gesundheit der Schapendoes verschrieben hat und in unseren Augen sehr seriös arbeitet - und ebenfalls keinerlei Aussagen zu dieser Erkrankung tätigte.

 

Für uns ein Zeichen dafür, daß einige Erberkrankungen entweder (noch) gar nicht bekannt sind, oder sie, wie wir das aus unserer praktischen Erfahrung leider lernen mussten, doch mehr oder weniger „unter den Tisch gekehrt“ werden. 

Für uns war dies allerdings erneut eine Bestätigung für unser züchterisches Vorgehen, welches den Einsatz einer einzigen Rasse zum Einkreuzen ablehnt, sondern auf Vielfalt gesetzt hat, um auf solche Ereignisse adäquat, heisst durch Verzicht auf einen Zuchteinsatz von Eltern und Nachzucht, reagieren zu können.

 

Weshalb ein einzelner Züchter letztendlich auch nicht viel bewegen kann, denn Viva erkrankte nach diesem Wurf an Epilepsie und letztes Jahr erkrankte eine Hündin aus unserer Nachzucht an einer Autoimmunerkrankung - das „Aus“ für unsere Zucht, da alle unsere Zuchthündinnen mit der erkrankten Hündin genetisch in Verbindung sind.

Was nicht zwangsläufig den Umkehrschluss zulässt, daß man erfolgreich nur im Verein einkreuzen kann. Hier hängt der Erfolg maßgeblich von den Zuchtverantwortlichen ab und in ihrem Wissen um Genetik und deren Zusammenhänge, sowie der Kenntnis um rassespezifische Eigenschaften und des Standards der zu bearbeitenden Rasse.

Einkreuzen ist viel komplizierter als „nur“ einen reinrassigen Kromi mit einem anderen Rassehund (Hybridverpaarung) oder einem passenden Mischling zu kreuzen.

Und es bedarf deutlich mehr an Engagement, als dies bei einer reinrassigen Zucht erforderlich ist!

 

Wissenschaftlich belegt ist, daß es, um eine Einkreuzpopulation erfolgreich zu etablieren, im Jahr mindestens einer Zahl von hundert geborenen Welpen bedarf - eine Zahl, auf welche momentan alle Dissidenzvereine zusammen mit den „vereinslosen Züchtern“ kommen. 

Man wird also abwarten müssen, wie sich die Vereine im Laufe der nächsten Jahre entwickeln und wie sie untereinander und/oder mit den vereinslosen Züchtern agieren.

Den Hunden sei der Erfolg mehr als gegönnt!