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Gewitter(Schuß-)angst verhindern

Gewitter- oder Schußangst schränken die Lebensqualität unserer Hunde sehr ein, denn die Hunde leiden: sie zittern und hecheln, oft schon, wenn das Gewitter erst im Anzug ist, und dann während der ganzen Dauer. Man kann sie kaum ablenken, sie sind wenig ansprechbar, die Augen sind weit aufgerissen und als Besitzer mag man verzweifeln, weil man seinem Hund diesen Stress nicht nehmen kann. Beruhigen und Trösten verschlimmert erfahrungsgemäß die Situation und oft hilft nur ein individuelles Herausfinden, wie man dem Hund diese Situation wenigstens ein bisschen erleichtern kann.

Auch bei uns litten einige der reinrassigen Kromfohrländer unter diesen Symptomen und wir zählten zu jenen, welche jedes Mittel ausprobiert haben, um den vierbeinigen Familienmitgliedern die Situation zu verbessern helfen.

Wir konnten sie von dieser Angst, ist sie einmal aufgetreten, nie mehr restlos befreien und erst als Katla zum Beispiel altersbedingt ziemlich taub geworden war, machten ihr Gewitter nichts mehr aus. 

 

Aber wir überlegten uns, wie wir in Zukunft das Entstehen dieser Angst verhindern können, damit keiner unsere Hunde mehr Angst vor Gewitter, Schüssen, Überschallknall und/oder Raketen haben muss.

 

Das einfachste Mittel ist auch hier das Erfolgreichste und so stehen bei uns in der Küche die Lekkerlibehälter mit den diversen Snacks. Immer wenn bei uns ein Gewitter im Anzug ist, oder es kam zu einem Überschallknall, was bei uns leider sehr regelmässig der Fall ist, rufe ich mit hoher Stimme „SUPER“ und gehe umgehend in die Küche. Dort verteile ich Lekkerlis - aber aufgepasst: mäkelige Kromis nehmen in solch einer Situation oft keine „normalen“ Lekkerlis, weshalb es bei uns verschiedene Dosen mit unterschiedlichen Inhalten gibt.

Die begehrtesten Lekkerlis sind in einer bestimmten Dose und aus dieser bekommen die „Sensibelchen“ ihr Lekkerli. Die „normal“ fressenden Hunde erhalten entweder die gewöhnlichen Lekkerlis oder ich werfe der Mannschaft auch mal ein- bis zwei Handvoll Lekkerlis auf den Boden. Das hat den Vorteil, daß sie beschäftigt sind und sich auf das Futter konzentrieren und dabei vergessen, was gerade draußen los war/ist.

Heute ist es so, daß unsere Hunde bei einem Überschallknall oder Donnerschlag bereits von sich aus aufstehen und in die Küche rennen. Dort stehen sie dann erwartungsvoll und himmeln mich an, weil sie genau wissen, es gibt gleich etwas Tolles.

 

Wie sehr sich dieses Training bewährt, hat mir zum Beispiel Karamba vor einiger Zeit bewiesen. Mit ihr war ich gerade mit dem Rad unterwegs, ihre Lieblingsbeschäftigung überhaupt, und ehrlich: es hat einen Schlag getan, mich hat es derart gerissen, so heftig war dieser! Karamba hat auch gleich statt einem drei Sätze nach vorne gemacht und ich denke, ohne dieses Training wäre sie weg gewesen - so einen heftigen Überschallknall habe ich vorher wirklich noch nie gehört! Nach meinem kurzen eigenen Erschrecken habe ich sofort „SUPER“ gerufen und Karamba machte nach ihren drei Sätzen eine abrupte Kehrtwendung und hat sich bei mir sofort ihre Lekkerlis abgeholt - glücklicherweise habe ich IMMER Lekkerlis beim Radfahren dabei! Natürlich gab es ein dickes Lob obendrauf und danach ging es weiter, als ob nichts gewesen wäre👍🏻.

 

Eine Anmerkung zu diesem Training: üblicherweise „schleicht“ man sich aus einem Training heraus und minimiert Frequenz und Anzahl der Belohnungen, damit „eine Übung“ zur Selbstverständlichkeit wird, welche man nicht mehr belohnen muss. So wie das zum Beispiel beim klassischen „Sitz“-Training Usus ist. 

Beim Gewittertraining gebe ich persönlich meinen Hunden IMMER etwas, sobald eine akute Situation vorliegt und zwar ohne Ausnahme! Ich schleiche allein deshalb nicht aus, weil unsere Hunde auch einmal alleine bleiben (müssen) und ich dann keinerlei Kontrolle über das habe, was zuhause passiert! Das bedeutet, wenn in unserer Abwesenheit ein Überschallknall oder ein Gewitter kommt, sind die Hunde in dieser Situation sich selbst überlassen und sind quasi von Haus aus „ausgeschlichen“.

Unsere Hunde sind zwar nicht so oft alleine, aber ihr wißt ja wie das ist: ganz sicher passiert es genau dann, wenn man mal weg ist🤷🏼‍♀️….

 

Was ich zu diesem Thema auch gerne immer wieder höre: „Mein Hund hat KEINERLEI Gewitterangst“!  Ich spüre schon in den Zwischentönen, daß die Besitzer dieses Thema deshalb erst gar nicht interessiert, denn sie wiegen sich in der Sicherheit, daß „ihrem“ Hund so ein Schicksal nicht droht.

Nun sollte man wissen, dass Gewitterangst etwas ist, was oft erst in den mittleren Jahren auftritt, oder der Auslöser ein Geschehen ist, welches der Besitzer als Solches überhaupt nicht mitbekommen hat.

Wir konnten mit unserem „Elgin“ (reinrassiger Kromfohrländer) in jungen Jahren an Silvester vor die Türe gehen und er hat dem Geböller in aller Seelenruhe zugesehen und in keinster Weise auf die Geräusche reagiert.

Damit war es einige Jahre später vorbei und wir haben nie herausgefunden, was der Auslöser für seine folgende Gewitterangst war. Er hatte allerdings seine eigene Methode, damit umzugehen. Er verzog sich ins Badezimmer, welches damals fensterlos war und sprang dann immer freiwillig in die Badewanne. Dort blieb er so lange zitternd stehen, bis das Gewitter vorbei war.

 

Manchmal allerdings hat man das - zweifelhafte - Glück und weiß, warum der Hund Angst vor einem Gewitter hat. So geschehen bei meiner Freundin Marianne mit ihrer Hündin „Lisa“. Dort war ich zufällig zu Besuch, als sich ein heftiges Gewitter ankündigte. Da wir beide gerne den „losgelassenen Elementen“ zusehen, gingen wir mit der gewitterangstfreien Lisa zusammen vor die Haustüre, um das Naturschauspiel hautnah zu erleben.

Und im Nebenhaus schlug mit einem wirklich lauten Krachen auf einmal der Blitz ein - es tat einen solchen Schlag, daß auch wir selbst erst einmal total erschrocken waren.

Von Lisa war auf jeden Fall nichts mehr zu sehen und wir mussten sie erst einmal ziemlich lange suchen.

Sie hatte sich im letzten Winkel verkrochen und wie Elgin, fand sie in Zukunft ihr Heil bei Gewitter in der Badewanne, aus welcher sie mit nichts herauszubekommen war.

Erst wenn das Gewitter vorbei war, kam sie von sich aus wieder aus dem Bad, konnte sich entspannen und am normalen Tagesablauf teilhaben.

 

“Sag niemals nie“ gilt hier also umso mehr, denn es verhindert bei einem solchen vorbeugenden Training auf jeden Fall den Verlust von Lebensqualität durch Gewitter bzw. Schußangst.