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Meine Zuckerschnute

Viva ist mein „Kängeruhund“ - das war sie schon immer! Am liebsten würde sie in meine nicht vorhandene Bauchtasche kriechen, um immer ganz dicht bei mir zu sein und ginge es nach ihr, dann würden auf einen Schlag in diesem Haus keine weiteren Hunde und auch keine Katzen mehr leben. Dann hätte sie ihren Traum erfüllt: mich ganz alleine haben!

 Da dies nicht möglich ist, erfüllt sie einen anderen Job und das dafür hervorragend, denn sie ist unsere Rudelchefin. Souverän, ausgeglichen, führungssicher….

Und sie hat uns in den letzten Wochen Sorgen bereitet, denn ihre Läufigkeit wollte und wollte nicht aufhören. Ein Gang zum Tierarzt war fällig. Und der Ultraschall brachte es zu Tage, Madame hatte mindestens drei Zysten in den Eierstöcken.

Kastration oder Alternativbehandlung?

Erst die homöopathische Alternativbehandlung - vielleicht klappt es ja. 

Die Läufigkeitssymptome nahmen innerhalb von drei Wochen deutlich ab, juhu!

Bis ihre Tochter „Auri“ läufig wurde. Die Läufigkeitssymptome nahmen sofort wieder zu. Also doch keine Chance, wir müssen sie kastrieren lassen.

Nein, anders gesagt: Ich WILL sie kastrieren lassen. Ich will sie kastrieren lassen, weil sie aktuell super Werte hat, absolut fit ist und in der besten Kondition, um eine Narkose problemlos zu überstehen. Ich will NICHT abwarten, was die Zysten bei ihr so weiter treiben und zusehen, wie sich ihr Zustand unmerklich verschlechtert und dann operieren MÜSSEN - mit einem deutlich höheren Operationsrisiko….

Zwei Baustellen können nach einer erfolgten Kastration auftreten: Harnträufeln - dagegen gibt es Tabletten und: das Fell verändert sich! Gerade bei rauhaarigen Hunden kann es passieren, daß Unterwolle „explodiert“ und die Fellstruktur dichter und weicher wird.

Was bei Viva fatal wäre, denn sie ist eh schon ein Hund, der aufwendig zu trimmen ist, da sie festes, längeres Deckhaar mit viel Unterwolle hat und an Brust Hals und Oberkopf eine insgesamt weiche und SEHR schlecht zu trimmende Textur besitzt.

Deshalb trimme ich sie vor der Operation perfekt ab, um die Veränderung zwar nicht verhindern zu können, aber sie in einer Kondition zu haben, welche die geringsten OP-Folgen hat. Es ist einfach immer wieder bestechend, wie jung sie aussieht, wenn sie frisch getrimmt ist!!!!! 

Beim Tierarzt will sie am OP-Termin aus dem offenen Fenster des Behandlungszimmers springen - das hat sie noch nie vorher versucht und mir wird ganz schlecht. Hat sie Vorahnungen? Will sie der Operation entkommen - weil sie vielleicht schief gehen kann?

Und als sie eingeschlafen ist, tut mir das Herz weh, denn so schlaff und leblos scheinen sich ihre Vorahnungen zu erfüllen. War es richtig, sie operieren zu lassen?

Mein Herz sagt „nein“ , der Verstand sagt „ja“. Und auf den höre ich in diesem Fall!

Da Viva Epileptikerin ist und aus einer Linie stammt, in welcher eine erhöhte Blutungsgefahr besteht, habe ich mit dem Tierarzt den frühesten OP-Termin vereinbart, damit genug Zeit für Beobachtung und Nachsorge bleibt. 

Eine Stunde lang ist mein Herz nun bang und ich kann mich nicht überwinden, den Parkplatz zu verlassen. So sitze ich beim Tierarzt vor der Türe im Auto und warte und hoffe.

Dann kommt die Tierarzthelferin zum Auto mit dem erlösenden Satz: Sie ist fertig, es geht ihr gut! Zehntausend Wackersteine fallen von meiner Seele…

Eine halbe Stunde verbringe ich mit ihr in einem Nebenraum und rede ihr beim Aufwachen gut zu. Sie ist taumelig, aber gut ansprechbar und will nur Eines: raus!

Vorher bespreche ich jedoch die Nachbehandlung mit dem behandelnden Tierarzt, und er berichtet von der OP. Es war genau der richtige Zeitpunkt. Mehrere Zysten und die Gebärmutter war bereits leicht angegriffen, es wäre auf keinen Fall ausgeheilt, sondern im Laufe der Zeit immer schlechter geworden.

Außerdem hatte ich eine Geschwulst am oberen linken Canini entdeckt, auch die konnte er entfernen  - eine andere Baustelle in der Narkose gleich mit erledigt👍🏻.

Sie hat wie erwartet mehr geblutet, aber auch das hatte er im Griff - wie hilfreich ist es doch, wenn man die Zipperlein seiner Hunde gut kennt und den Tierarzt vorwarnen kann.

Nun bleibt nur noch das Bezahlen und dann bringe ich Viva ins Auto, wo ich alles für sie vorbereitet habe: Matratze mit Rundumpolster, weiche Decken, alles, damit sie bequem liegen kann. 

Aber sie ist im Auto unruhig und deshalb fahre ich mit ihr zur nahegelegenen Donau und laufe mit ihr eine Runde. Sie hat weder Halsband noch Leine, in der Aufregung habe ich das glatt vergessen mitzunehmen. Macht nichts, sie käme sowieso nicht auf die Idee wegzulaufen und so gehen wir auf dem Damm, am Anfang noch ziemlich wackelig, mit wachsender Entfernung aber immer sicherer werdend. Ich bin unvorstellbar glücklich darüber, daß alles gut gegangen ist und der Verstand die richtige Entscheidung getroffen hat…