…aber schwarz-weiße Kromis sind doch auch hübsch!

…und das sind sie natürlich, denn bekanntermaßen liegt Geschmack im Auge des Betrachters und wer schwarz-weiße Hunde liebt, wird selbstredend auch einen schwarz-weißen Kromfohrländer attraktiv finden.

 

Also: warum nicht einfach auch schwarz-weiße Kromfohrländer züchten?

 

Da der Kromfohrländer eine deutsche Hunderasse ist, hat der deutsche Zuchtverband Standardhoheit, heißt, er kann eine Standardänderung beantragen. 

Und er wurde tatsächlich in den Neunziger-Jahren den gezüchteten Hunden angepasst, als unter anderem im Zwinger „vom Antareshof“ ungleich viele Kromfohrländer geboren wurden, welche schwarz-weiß daherkamen - allerdings bei genauerem Betrachten des Unterfells darunter braun waren. Und weil der Züchter im Vorstand vertreten war sowie eine Mehrheit im Vorstand gewinnen konnte, wurde der Standard dem „aktuell“ in diesem und anderen Zwingern gezüchteten Kromi angepasst. Hinfort hieß es im Standard nicht mehr nur „weiß-braun“, sondern es galt der Zusatz „erlaubt ist schwarz-weiß mit brauner Unterwolle“.

 

Beim Verband für das deutsche Hundewesen, davon darf man getreulich ausgehen, macht man sich mit solchen Standardänderungen nicht wirklich beliebt, weisen sie doch auf wenig züchterische Kompetenz hin, denn Hunde züchtet man nach dem Standard - und nicht umgekehrt, zumal man den züchterischen Umgang mit diesen Exemplaren genausogut intern hätte regeln können…

 

Schwarz-weiß, mit Stehohren, mit Vorbiss, mit Rückbiss - wenn man alles was gefällt einfach ändert, hat man Rassehundezucht nicht verstanden.

Ein früherer Langhaarzüchter formulierte die vom VDH in den Achtziger-und Neunziger Jahren zu Recht kritisierte Uneinheitlichkeit der Kromfohrländer einmal so:  

“Wir sind halt bei denen das Sand im Getriebe“.

Auch eine Ansicht, aber kein Zeichen dafür, sich mit Rassehundezucht je auseinandergesetzt zu haben.

 

Was es bedeutet, einfach mal die Augen zuzudrücken und die REINE Farbe schwarz-weiß in der Zucht zuzulassen, kann man in der Vergangenheit und bis heute sehr schön nachvollziehen und dank des überschaubaren Zuchtbuches = kleine Population, auf Deutschland überwiegend begrenzt - auch nachweisen.

 

Die Besitzer der schwarz-weissen, rauhaarigen „Druschka vom Weddern“ waren mit ihrer Hündin auf einer nicht vom VDH-anerkannten Ausstellung und erhielten aufgrund mangelnder Fachkenntnisse des Richters ein „CACIB“ - eine irreführende Bewertung, mit welcher aber die Besitzer dann tatsächlich eine Zuchterlaubnis vom Rassezuchtverein der Kromfohrländer erhielten und einen Wurf (glücklicherweise nur Einen!) mit ihrer Hündin aufzogen. Der A-Wurf „vom Markenrain“ sollte allerdings in die Geschichte eingehen, denn in diesem Wurf fiel eine wunderschöne Hündin und ein auffallend hübscher, braun-weisser, rauhaariger Rüde namens „Allan“, welcher von seiner Besitzerin sehr erfolgreich ausgestellt wurde und ihn auch zur Zucht zur Verfügung stellte: „Allan“ und „Aiga“ , seine ebenfalls zur Zucht eingesetzte Schwester setzten ihrer schwarz-weißen Mutter ein bis heute andauerndes Denkmal, denn aufgrund deren massiven Einsatzes in der Zucht fallen bis heute regelmässig schwarz-weiße Welpen!

Es bedurfte tatsächlich vor über dreissig Jahren nur eines einzigen „mal beide Augen zudrückens“ bei dem Einsatz eines nicht dem Standard entsprechenden Kromfohrländers und die Folgen sind bis heute sichtbar. 

Glücklicherweise handelt es sich bei diesem Fall „nur“ um eine Farbe, die Praxis weiß über genügend Fälle, wo bei gesundheitlichen Mängeln nicht vorausschauend gehandelt und mit Hunden gezüchtet wurde, welche katastrophale Folgen für die gesundheitliche Entwicklung in manchen Rassen zeitigten!

 

Druschka vom Weddern: ZB Nr. 579/86

Eltern: Condor vom Antarashof (aus einer Mischpaarung rau x lang)

            Uva vom Weddern, selbst kurzhaarig, Eltern rauhaarig

 

Wie wichtig ein korrekt geführtes Zuchtbuch für die Zucht tatsächlich ist, kann man in den alten Aufzeichnungen gut erkennen, denn heute ist es für einen interessierten Züchter nicht mehr nachvollziehbar, um was für Hunde es sich seinerzeit gehandelt hat: Angaben zum Haarkleid fehlen vollkommen und bei den Haarfarben wurde wohl mehr als einmal Wunsch statt Realität vermerkt - Druschka ist im Zuchtbuch als „weiß-braun“ vermerkt.

 

A-Wurf „vom Markenrain“: Druschka vom Weddern x Akki vom rauhen Stein

geb. 8.1.1990, vier Rüden und sechs Hündinnen

 

Nachzucht (NZ)

O-Wurf vom Weddern  aus Aiga x Janko vom Weddern (NZ Occa, Opanka)

F-Wurf vom rauhen Stein aus Dina vom r. Stein x Allan (Nachzucht Fevin-Kevin, Flocke )

B-Wurf vom Telgoth aus Jade vW x Allan vom Markenrain (NZ Branca, Birko,Bingo?)

A-Wurf vom Angerkreuz aus Cinja vrSt. X Allan

A-Wurf vom Kuhlenmoor aus Bonja vom Wolfsberg x Allan (NZ Aila)

A-Wurf vom Buchbach aus Aischa vom Redlinghaus x Allan (NZ Amy, Achilles)

P-Wurf vom Weddern aus Alaska vd Hheide x Artus vom Markenrain 

R-Wurf vom Weddern aus Aiga x Alfred v.Löricker Wäldchen (NZ Ragalli)

C-Wurf vom Telgoth aus Jade vW x Allan (NZ Cindy)

B-Wurf vom Hahnhof aus Cilly vrSt. X Allan

T2-vom Weddern aus Aiga x Etzel vom Weddern (NZ Thuja, Taiga)

B-Wurf vom Schäfermoor aus Assi vom Telgoth x Allan (Biggie ZE: zum Teil schwarz ohne    braune Unterwolle)

A-Wurf vom Ebberg mit Ambra vom Markenrain  und Enrico vrSt.

A-Wurf vom Steenbrook mit Chiewa vom Wolfsberg x Allan

 

 

Flocke vrSt bringt mit Beri vom Weddern den schwarz-weissen „Andy“

Flocke vrSt im B-Wurf mit Anton vom Katharinenhof zwei schwarz-weisse Welpen

C-Wurf vom Bienenstück aus Fevin-Kevin mit Bonita vom Bienenstück: Charlie schwarz-w.

A-Wurf von der Napoleonsnase aus Ragalli vW x Caschar Hheide: Aysha schwarz-weiß

B-Wurf von der Napoleonsnase aus Ragalli x Janko vW: vier schwarz-weiße Welpen

H-Wurf vd Hheide aus Anauka vd Napoleonsnase (Tochter von Ragalli) x Bruno vom Buchbach (Mutter Amy vom Buchbach): eine schwarz-weiße Hündin

C-Wurf vom Korlesbach aus Flocke vrSt x Alpf-Bent vom Schlichbach: zwei schwarz-weiße Hunde

 

An diesem einfachen Beispiel zeigt sich einmal mehr, wie essentiell korrekte Eintragungen ins Zuchtbuch sind! Heute lässt sich kaum mehr nachvollziehen, bei wieviel als „dunkel“ eingetragenen Welpen es sich eigentlich um schwarz-weiße Hunde gehandelt hat.

Auch die Fellarten waren häufig falsch eingetragen, so daß man mit dem Zuchtbuch nur bedingt gut arbeiten kann und seinerzeit konnte.

 

Wie schwierig korrekte Eintragungen sind, stellten wir beim J-Wurf von der Holderheide selbst fest. Von den acht Welpen waren sieben rauhaarig und eine Hündin kurzhaarig.

Die in Sachen Bärtigkeit unerfahrene Zuchtwartin (wir viel Würfe, sie wenig Würfe und nur bartlos aufgezogen) konnte die rauhaarigen Hunde nicht erkennen und trug diese als bartlos bzw mit Fragezeichen ein. Wir insistierten, allerdings erfolglos, einigten uns dann darauf, daß wir die Bärtigkeit im entsprechenden Alter nachweisen würden. Die Rauhaarigkeit wurde später jedoch AUSSCHLIESSLICH in der Ahnentafel eingetragen.

Unsere Nachfrage, warum die Angaben nicht im Zuchtbuch korrigiert würden, waren einfach: es macht zu viel Arbeit und was drin steht, steht eben so drin!

Für Züchter eine absolut desaströse Auskunft und für den Verein ein Armutszeugnis.

Der Nachweis für uns, daß auf die im Zuchtbuch gemachten Angaben keinerlei Verlaß ist!

 

Ich kenne Aussagen von Einkreuzvereinen, welche salopp postulieren:

“Hauptsache gesund, der Rest ist unwichtig“ oder „das kann man dann später in Angriff nehmen, wenn man die Gesundheit im Griff hat“.

Das so zu äußern ist nicht nur leichtsinnig, es hat auch züchterisch gravierende Folgen, denn auch eingekreuzt muss das letztendliche Ziel ein standardgerechter Kromfohrländer sein.

 

Wie bei gesundheitliche Diskussionen auch, gilt es aufgrund der bekannten genetischen Voraussetzungen, nur da großzügig zu sein, wo wissenschaftlich gesehen keine nachhaltigen negativen Veränderungen im Rahmen einer Zucht nach Standard zu erwarten sind.

Tolerant, da leicht züchterisch zu bearbeiten, kann man in punkto Größe sein:

ein paar Zentimeter nach oben oder unten machen keinerlei Probleme für die Zukunft einer Rasse, denn der Faktor „Größe“ lässt sich sehr leicht korrigieren. Auch die Felllänge und die Stellung der Ohren ist in dieser Hinsicht gut zu vernachlässigen.

Bei Körungen im RZV scheinen jedoch genau DIESE züchterisch leicht zu bearbeitenden Faktoren entscheidend über einen Zuchteinsatz zu sein.

Schade, gerade bei einer Rasse das Augenmerk auf „unwichtige“ Faktoren zu legen, denn es gibt deutlich gravierendere Probleme, betrachtet man zum Beispiel die in meinen Augen mangelnde Gesundheit und das teilweise sehr schwierige Wesen der Rasse…

 

Komplizierter wird es mit der Farbe „brindle“ (gestromt), wie sie in manchen Würfen bei eingekreuzten Kromfohrländern vorkommen - brindle „verfolgt“ einen Züchter farblich extrem anhaltend und der Einsatz muss auf jeden Fall gut kontrolliert werden. Das Beispiel „schwarz“ führt deutlich genug vor Augen, warum man sich den Einsatz von „schwierigen“ Farben gut überlegen sollte…

 

Neunmal insgesamt hat Allan vom Markenrain gedeckt - für eine so kleine Population wie dem Kromfohrländer kommt dies einer Bankrotterklärung nahe, zumal, wenn man bedenkt, daß auch noch die Schwester dreimal in der Zucht eingesetzt worden war.

Bekannte Kynologen haben bereits vor Jahrzehnten vor dem Einsatz von „Stempelrüden“ gewarnt: sie verhindern die notwendige genetische Vielfalt, was gerade in kleinen Populationen verheerende Auswirkungen hat. Glücklicherweise wurden rechtzeitig genug die entsprechenden Anträge gestellt, welche den Einsatz von Deckrüden begrenzen.

Wobei selbstverständlich der Einsatz der Nachzucht entscheidend ist - hat ein Rüde viel gedeckt, ohne daß Nachzucht in der Zucht eingesetzt wird, muss eine mögliche Ausnahmegenehmigung in Betracht gezogen werden können!

Wie immer gilt: in der Zucht gibt es keine einfachen Lösungen!