Charisma vd Zolltafel und unser eigener Zuchtrüde Minimaxin Saturnus (Elgin), Rassebester Clubschau Schweiz
Charisma vd Zolltafel und unser eigener Zuchtrüde Minimaxin Saturnus (Elgin), Rassebester Clubschau Schweiz

Ausstellungen - Muss man diese besuchen? Sinnvoll oder nicht?

 

Und  ja, wir waren in unserer Zeit der reinrassigen Zucht von Kromfohrländern in diesem Bereich sehr aktiv - und auch überaus erfolgreich! Erfolgreich deshalb, weil es unser Ziel war, gute Hunde zu züchten, was da sind: Hunde, welche in hohem Masse dem Standard entsprechen UND - für uns besonders wichtig - auch über ein gutes (sprich freundliches) Wesen verfügen.

Um zu wissen, wo man als Züchter mit seinen Hunden steht, ist es sinnvoll, sie von "neutralen" und kompetenten Fachleuten beurteilen zu lassen -  und das sind im Allgemeinen ausgebildete Zuchtrichter. Dazu reicht eine einzige Ausstellung/Bewertung allerdings längst nicht aus, denn jeder Richter hat einen eigenen Blick auf die Rasse und setzt seinen Schwerpunkt woanders, so dass erst mehrere Richterberichte im Vergleich einen sinnvollen, objektiven Blick auf den eigenen Hund zulassen: nämlich in genau allen übereinstimmenden Punkten der Richterbeschreibungen. Nebenbei lernt man auf diese Art viel über die zentralen Punkte, welche bei der Beurteilung eine Rolle spielen, wie Gangwerk, Gebäude, das Ausstellungswesen an sich und viele weitere wichtige Faktoren, welche in der Rassehundezucht von Bedeutung sind.

 

Penny schaffte es bis zur Bundessiegerin
Penny schaffte es bis zur Bundessiegerin

Ich selbst war zugegebenermaßen sehr voreingenommen bezüglich Ausstellungen, was eindeutig daran lag, dass ich das Buch von Heiko Gebhardt, "Du armer Hund" regelrecht "inhaliert" hatte und dieser sich sehr negativ über diesen Bereich des Hundewesens ausgelassen hatte.

Meine Züchterin, Gräfin Westarp, wusste mit diesem Ressentiment bestens umzugehen: "Nur was du selbst erlebst, kannst du wirklich beurteilen", ein Satz, der mich dauerhaft geprägt hat und dazu führte, dass ich meine allererste Hündin, "Ruma vom Wedern", genannt Penny, tatsächlich ausstellte.

Dass man, wie bei den "Göttern in Weiß", Richter durchaus auch mal in Frage stellen darf, lernte ich allerdings bereits auf meiner ersten Ausstellung.

Bei Penny´s Beurteilung bemängelte nämlich ihr Richter deren mangelnde Muskulatur und selbst als damaliger kompletter Laie war mir klar, dass diese Aussage definitiv falsch war, begleitete meine Hündin mich doch täglich bei meinen Ausritten und bestand eigentlich nur aus Muskeln. Ein böser faux pas, welcher mich aber für die Zukunft auf dem Boden der Tatsachen hielt und mich von Anfang an zu einer kritischen Ausstellerin formte.

Unser Aennchen: Weltsiegerin und Rassebeste
Unser Aennchen: Weltsiegerin und Rassebeste

Aber es machte Spaß, nette Gleichgesinnte zu treffen, welche über ganz Deutschland verteilt wohnten und welche man sonst nie getroffen hätte.

Und es bot für mich als Züchterin seinerzeit die Möglichkeit, Interessenten zu treffen, denn damals gab es noch kein Internet und die Welpenvermittlungsstelle verstand es hervorragend, Züchter mit den "falschen" Hunden zu ignorieren, weshalb es für mich oft die einzige Möglichkeit überhaupt war, für die Welpen passende Plätze zu finden. Und dies ist tatsächlich ein enormer Vorteil der heutigen Zeit: seine Hunde und seine Zucht unabhängig von übergeordneten "Schaltstellen" präsentieren und eine interessierte Leserschaft unbeeinflusst erreichen zu können.

Aber auch im Ausstellungswesen selbst erleben wir eine komplette Wandlung, bei welcher ich - besonders hinsichtlich meines Besuchs der Welthundeausstellung in Leipzig 2017 - noch nicht sicher bin, ob sie für die Rassehundezucht wirklich von Vorteil ist...

 

Janko, Europasieger in Helsinki
Janko, Europasieger in Helsinki

Einer einzigen Ausstellung ist es zum Beispiel zu verdanken, dass wir - den mit weitreichenden Folgen für die Zucht - finnischen Kontakt schließen konnten, denn wir haben zufällig gleichzeitig in Ingolstadt mit einer finnischen Züchterin ausgestellt und diese im Rahmen dieser Ausstellung näher kennengelernt. Und damit kam ein Stein ins Rollen, der für die finnische Kromfohrländerzucht, welche in Finnland praktisch zum Erliegen gekommen war, der Beginn einer neuen Ära darstellte - und deren Ergebnisse auf der Welthundeausstellung in Leipzig ihre Früchte zeigte.

Unser damaliger Zuchtrüde "Janko vom Weddern" wurde als Folge dieses Kontaktes dann von meinem Mann erfolgreich in Finnland ausgestellt und dort auch zum Decken eingesetzt - in Finnland ist er ein nicht unbekannter Deckrüde, welcher die finnische Zucht sehr stark beeinflusst hat. Seine erfolgreichste Tocher gewann wiederum in Deutschland 10-jährig die Agility-Weltmeisterschaft - in unseren Augen der schönste Erfolg....

Geht es nur um den Erfolg?

Unserer Erfahrung nach ja, wenn vielleicht auch in einem anderen Zusammenhang, als der geneigte Leser dies vermuten mag.

Wir haben mehr als ein Jahrzehnt lang erfolgreich ausgestellt und haben viele Mitbewerber kommen und gehen sehen und ganz klar ist es so, dass keiner der Hundebesitzer seinen Hund mehrfach ausgestellt hat, wenn er nicht erfolgreich war. Was in unseren Augen menschlich und nachvollziehbar ist: warum sollte ich Hunderte von Kilometern mit dem Auto fahren, Stunden über Stunden in einer vollen Ausstellungshalle mit hohem Lärmpegel verbringen und viel Geld regelmäßig für eine mittelmäßige bis schlechte Bewertung meines Hundes bezahlen, wenn ich ihn doch auch ohne eine solche Ausstellungsbewertung über alles liebe?

Kritisch hinterfragt lautet die nächste Frage zwangsläufig: Ist ein erfolgreicher Hund auch ein "guter" Hund? Mit dieser Frage dringt man schon etwas tiefer in die Materie des Ausstellungswesen ein und wird direkt auch mit den Folgen des Erfolges konfrontiert, denn nicht immer ist der erfolgreich bewertete Hund ein "guter Hund". Bleiben wir bei den Kromfohrländern und richten den Blick nach Schweden: hier fallen regelmäßig Kromfohrländer mit Fehlzeichnungen, das heißt, im Kopfbereich ist eines der beiden Augen nicht braun eingefasst, ein oder beide Ohren sind ganz oder teilweise weiß oder es ist gar eine Gesichtshälfte komplett weiß. Hier ist der Standard ganz eindeutig, denn der Kromfohrländer ist eine "Zeichnungsrasse", was bedeutet, dass die Farbverteilung der Flecken im Standard festgelegt ist: braune Flecken am Körper, im Gesicht eine Blesse, beide Ohren müssen braun und die Augen braun eingefasst sein. Eine unregelmässige Farbverteilung im Kopfbereich ist unerwünscht.Dennoch gewinnen in Schweden diese nicht dem Standard entsprechenden Kromfohrländer Preise, was dem Laien den Eindruck vermitteln mag, dass diese Hunde fälschlicherweise KORREKT sind! Nun mag sich mancher Leser denken: Egal! Was macht das schon, wenn ein Ohr weiß ist. Oder: Es sieht doch ganz lustig aus, wenn eine Gesichtshälfte weiß ist - kennt man doch von den Parson auch.

Dazu sollte man wissen, dass es drei unterschiedliche Arten der Vererbung bei der  Scheckung gibt, welche unterschiedlich schwer zu züchten sind - weshalb gerade für Züchter von Schecken ein genetisches Grundwissen über Farb- und Scheckungsfaktoren grundlegend ist, wenn schon ein Richter es nicht für nötig hält, die Rasse nach dem gültigen Standard zu richten. Warum auch immer er dies tun möge, hier zeigt sich die Gefahr des Richtens sehr deutlich: der erfolgreiche - aber fehlgezeichnete - Kromfohrländer wird als vermeintlich guter Hund in die Zucht eingesetzt, welcher über Generationen messbare Folgen im Auftreten von Fehlzeichnungen haben wird. Die Zeichnung des Kromfohrländers gehört zu den am Schwersten zu züchtenden Scheckungsfaktoren und die Auflösung der Kopfzeichnung führt zu einem anderen Scheckungsfaktor, welcher sich leicht und schnell vererbt - und die für den Kromi so typische Zeichnung, welche im Standard festgeschrieben ist, langfristig verändert. Eine Gefahr, derer sich viele Züchter nicht bewusst sind und welche ich mit Sorge beobachte. Mit Sorge deshalb, weil es gerade der Kromfohrländer ist, welcher beim VDH (Verband des deutschen Hundewesen) wenig Ansehen genießt, da er mehrfach Probleme dieser Art einfach dadurch löste, indem man einfach den Standard geändert hat, statt sich solcher Probleme züchterisch anzunehmen.

Sind Ausstellungen denn dann überhaupt sinnvoll?

Wir selbst können diese Frage heute nicht mehr befriedigend und eindeutig beantworten.

Es ist eine sehr differenzierte Betrachtung auf das Ausstellungswesen notwendig, besonders in Bezug auch auf die moderne mediale Entwicklung. Dank Internet sind alle Informationen überall abrufbar: wer Kromis live erleben möchte, nimmt an einem der vielen Spaziergänge teil, die Rasseinformationen stammen nicht mehr aus den Büchern, sondern sind die Folge einer Recherche am Computer, wichtige Ausstellungen wie Leipzig können online verfolgt werden und zurück bleibt die Frage nach dem eigentlichen Sinn der Ausstellungen. Eine Frage, welche sich zum Beispiel parallel auch den Vereinen bezüglich ihrem vereinseigenen Printmedium Vereinszeitschrift stellt - dies nur mal zum Vergleich anheim gestellt, denn auch hier stellt sich der Nutzen immer mehr in Frage, nachdem die früher so wichtigen Informationen mittlerweile jederzeit online abgerufen werden können.

Viele, viele Jahre nach der Beendigung unserer Aussstellungskarriere (das Ende haben übrigens unsere Kinder eingeläutet, welche uns in diesem Falle einfach wichtiger waren als die intensive Teilnahme an Hundeausstellungen) habe ich eine Kooikerhündin gecoacht und auf deren Ausstellungen begleitet, mit dem Ergebnis für mich, dass diese Zeit für uns tatsächlich abgeschlossen ist. Viele Erfolge werden nicht "objektiv" erreicht, sondern sind ein Ergebnis von entweder Fleiß (auf irgendeiner Ausstellung wird es schon klappen), der Anzahl der gemeldeten Hunde (je weniger gemeldete Hunde auf der Ausstellung, desto höher die Chance auf einen Erfolg), der subjektiven Einstellung des Richters (bevorzugt er bartlose oder bärtige Hunde, kleine oder große..), der Bekanntheit des Züchters (je bekannter und öfter auf  Ausstellungen, desto sicherer ist ein Erfolg) und vielen weiteren Faktoren, welche an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden. 

Trotzdem besuche ich gerne Aussstellungen und habe mich sehr gefreut, in Leipzig an der Welthundeausstellung anwesend sein zu können. Der Bericht hierüber findet sich in der Unterkategorie dieser Seite.

 

 

 

 

 

 

 

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