Gäbe es ein Unwort des Jahres, nein, des Jahrhundert´s in der Kynologie, ich hätte längst meinen Favoriten: Dominanz


Selten hat ein kleines Wörtchen so viel Unheil angerichtet, wie das Wort "Dominanz" in der Erziehung  von Hunden und insbesondere bei Kromfohrländern!

 

MIt dem Wörtchen "Dominanz" ist stets ein und derselbe Aussbildungsverlauf gekennzeichnet:

Ihr Hund will Rudelführer werden und damit er das nicht wird, muss ihm ein für allemal gezeigt werden, "wer Herr im Hause ist"!

Deshalb darf Ihr Hund nicht erhöht liegen, er darf nicht als Erster fressen und keinesfalls darf er vor Ihnen durch die Türe gehen....die Liste lässt sich beliebig fortführen.

 

Und kaum hat Ihr Hundetrainer, Tierarzt oder versierter Hundefreund bei Ihrem Hund scheinbare  Ansätze von "Dominanz" entdeckt: Das erste Signal findet sich bereits auf dem Hundeplatz beim Welpenspielen, Ihr Kromfohrländerrüde reitet nämlich auf den anderen Welpen, ob Männlein oder Weiblein, auf und beweist erste "Dominanz" - schon ist die Weiche für die weitere fatale Ausbildung contra vermeintlichem Fehlverhalten ihres Kromfohrländer´s gestellt und die Erziehungskatastrophe nimmt ihren Lauf.

Sie endet in der Regel damit, dass ihr Hund die Welt nicht mehr versteht, Bindungsprobleme entstehen und tendenziell eine Aggressivität geweckt wird, die bis dato nicht vorhanden war.

Dass Kromfohrländerrüden gerne hypersexuell sind und sein Aufreiteverhalten triebgesteuert ist und dies mit Dominanz überhaupt nichts zu tun hat, wird hierbei komplett übersehen und unter den Folgen falscher Einschätzung von Verhalten leiden dann Kromfohrländer und Besitzer gründlich.

 

 

Wir halten und züchten seit über dreißig Jahren Hunde, haben Erfahrung mit sehr unterschiedlichen Rassen bzw. Mischlingen - was wir jedoch in unserer ganzen Hundelaufbahn noch nie aufgezogen oder gehalten haben, ist:

Einen dominanten Kromfohrländer!

 

Das heißt nicht, dass dieses Exemplar eines dominanten Hundes womöglich irgendwo zu finden ist - allein, uns ist so ein Exemplar einfach noch nicht untergekommen.

 

Wir haben mit den Kromfohrländern extrem sensible und empfindliche Hunde im Wesen, im Gegensatz zum Beispiel zu unseren Irish-Terriern, welche wir ebenfalls als Familienhunde gehalten haben: sie zeichnen sich durch große Selbstsicherheit aus und in den Flegeljahren wollen sie durchaus wissen, ob das Sofa ihnen alleine gehört, oder ob sie es teilen müssen.

Hätten wir unseren Iren "Flynn" getreu allen Regeln der Dominanz erzogen, er hätte seinen wunderbaren Charakter und seinen natürlichen Schutztrieb nie entwickeln können, denn die innige Bindung, welche unsere Beziehung zu ihm kennzeichnete, hätte nie entstehen können, da die unabdingbare Nähe, welche zu einer gegenseitigen Liebe gehört, mit einer Erziehung nach "Dominanz"-Grundsätzen nicht möglich gewesen wäre.

 

Wollen wir also unseren Hund richtig erziehen, ist es am allerwichtigsten, zuerst einmal zu erkennen, welches Wesen mein eigener Hund auszeichnet. Hat man dies herausgefunden, dann, und erst dann, kann sinnvolle Erziehung beginnen und das bedeutet:

Einem sensiblen Hund begegne ich  mit einer sensiblen Erziehung,

einen selbstbewussten Hund erziehe ich selbstbewusst.

 

Dieses Vorgehen nennt man "spiegeln", d.h. ich spiegele in der Erziehung das Wesen meines Hundes - und hier liegt oft schon der Ursprung dessen, wo es zu vorhersehbaren Unstimmigkeiten in der Haltung und Erziehung des eigenen Vierbeiners kommt.

 

Ein sehr großer Fehler liegt häufig in einer falschen Einschätzung der eigenen Erziehungsfertigkeiten und damit verbunden entsprechend häufig in der Wahl der falschen Hunderasse, bzw. eines Hundes, welcher zum Wesen seines Besitzer´s nicht passt.

So benötigt ein sehr selbstbewusster Hund einen Menschen, der mit diesem Selbstbewusstsein umzugehen weiß, ebenso wie ein empfindlicher Hund wie der Kromfohrländer einen Besitzer sucht, welcher mit diesen Empfindlichkeiten umgehen kann.

Ist dies nicht der Fall, wird es in aller Regel so laufen, dass sich Vier- und Zweibeiner über lange Zeit hinweg versuchen "zusammenzuraufen", werden jedoch nie das erfahren, was eine tiefe und innige Hundebeziehung ausmacht:

 

Und haben wir gerade die Bestätigung dafür erhalten, wie intelligent Hunde tatsächlich sind und wurde sogar wissenschaftlich der Nachweis erbracht, zu welch eigenständigen Verknüpfungsmöglichkeiten der Hund in der Lage ist, so wird unserem Vierbeiner diese Leistung in der "dominanten" Erziehungsform prompt wieder entzogen.

 

Ein Klassiker als Beispiel:

"Lassen Sie Ihren Hund ja nie auf das Sofa springen - die erhöhte Liegeposition stärkt seine Rudelstellung (je höher, desto stärker) und  einmal erlaubt, springt er überall auf das Sofa."

Zwei Dinge sind in diesem Satz enthalten:

Erstens: Getreu der Dominanztheorie hat das Leittier Vorrechte, dazu gehört erhöhtes Liegen, was ein Rangniederer nicht darf. Lassen Sie zu, dass Ihr Hund auf das Sofa darf, dann erhöhen Sie seine Position und er wird sich ranghöher fühlen als sein Besitzer.

Zweitens: Ihr Hund ist nicht in der Lage, zwischen Ihrem Sofa im eigenen Heim und dem der Schwiegermutter in Buxtehude zu unterscheiden.

 

Jedoch: Die obigen Aussagen sind FALSCH!: Im Gegenteil, Ihr Hund ist sehr wohl in der Lage, zwischen Ihrem Sofa zuhause und dem Ihrer Schwiegermutter zu unterscheiden!

Es ist allein eine Sache der Erziehung, ihrem Hund zu vermitteln, auf welches Sofa er darf - und auf welches nicht.  Seine Intelligenz ermöglicht es ihm, zwischen verschiedenen Sofa´s zu unterscheiden: zwischen denen die tabu sind, genauso wie zwischen denen, welche zur Benutzung freigegeben sind - und das sogar in der Kategorie Benutzung mit "seiner" Decke darauf oder Nutzungsverbot solange "seine" Decke nicht auf dem Sofa liegt.

  

Unreflektiert und gedankenlos wird in der Hundeerziehung unserem Welpen regelmäßig unterstellt:

"Passen Sie ja auf, dass ihr Hund nicht dominant wird, er steht sonst mit einem Jahr vor Ihnen mit gefletschten Zähnen und macht nur was er will!"

 

Es gibt in der Hundeerziehung keine "Dominanz".

Es gibt nur eines: Erziehung!

Und diese richtet sich nach ihrem Hund.

 

Stellen Sie zu allererst zu ihrem Welpen eine Bindung aus Vertrauen und Sicherheit her - es ist ein Hundekind und als solches ist dies sein wichtigster Anspruch in seinem neuen Zuhause.

Bedenken Sie: Sie haben ihm alles an Vertrauen genommen was die Mutter, die Geschwister, das gewohnte Umfeld und seine Zweibeiner bislang waren.

Wagen Sie das Abenteuer "Erziehung" gemeinsam, indem Sie herausfinden, wie Ihr Hund "tickt" und wie Sie gemeinsam zum Ziel kommen - ein Ziel, welches vorher individuell definiert werden muss und sich nicht allein nach Buchwissen ausrichtet.

 

Wie Kinder sind Hunde nicht geboren, um in möglichst kurzer Zeit die Autorität seiner Besitzer zu untergraben, sondern Hunde sind hochsoziale Lebewesen und wollen als solche wahrgenommen  - und erzogen - werden. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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