Kromfohrländer sind sehr vielschichtige, intelligente und sensible Wesen, ihre Lebensphilosophie ist jedoch sehr einfach:

Was Herrchen/Frauchen nicht verbietet, ist erlaubt!

 

Konkret sieht die Entwicklung eines Kromfohrländer´s in der Praxis normalerweise zum Beispiel so aus:

  • Von Welpen an gehen wir mit unserem jungem Kromfohrländer die gewohnten Wege spazieren, ohne daß es zu Auffälligkeiten kommt. Man trifft Freunde, die Hunde spielen miteinander, man unterhält sich, trennt sich und geht wieder seiner Wege, d.h. irgendwann nach Hause.

 

  • Unser Welpe wächst aus der Welpenphase heraus und kommt in die Pubertät und wir gehen immer noch wie gewohnt unsere Runde. Anders als gestern, bellt er jedoch an der Leine auf einmal einen fremden Hund an. Das vorher unbeschwerte Spiel mit Artgenossen ändert sich, mittendrin rennt er auf fremde Hunde los, schnappt "spielerisch" nach ihnen und macht sofort wieder kehrt.

 

  • Dieses Verhalten macht uns nachdenklich und wir fangen an zu überlegen, woher dieser Wechsel rührt: Gab es eine unangenehme Begegnung? Hat ihn ein anderer Hund provoziert? Es wird gegrübelt...

 

  • Mittlerweile wird nicht  nur ab und zu ein Hund an der Leine angebellt, sondern es entwickelt sich ein regelmässiges Machoverhalten an der Leine. Ohne Leine geht es deutlich besser, aber ein unbeschwertes Toben lassen mit jedem Hund ist nicht mehr möglich. Hunde, welche unser Kromi von klein auf kennt, sind jedoch kein Problem!

 

  • Die Zweibeiner zeigen mittlerweile deutliches "Ausweichverhalten", indem sie stark von Hunden frequentierte Park´s und Hundeauslaufwiesen meiden und vorzugsweise zu Zeiten gehen, wo die Wahrscheinlichkeit am geringsten ist, andere Hunde zu treffen.

 

  • Weder die erste Hundeschule noch der zweite Hundetrainer konnte das Verhalten erklären, geschweige denn, es effektiv beseitigen.

 

  • Nun wird das www zu Rate gezogen und unter Zuhilfenahme von bestimmten Suchbegriffen/Schlagwörtern gezielt nach Informationen gesucht und in verschiedenen Foren sich ausgetauscht, um hilfreiche Tipps und Ratschläge zu erhalten.

 

  • Und wir stellen fest, daß wir mit diesem Problem gar nicht alleine sind....

 

Natürlich gibt es Abweichungen von diesem "Muster", es wären ja keine Hunde, wären alle gleich. Aber genügend Kromfohrländerbesitzer finden sich in dieser Beschreibung zumindest in unterschiedlichen Teilen wieder und kämpfen somit an der gleichen Front:

 

Was mache ich jetzt nur?

 

Daß sich eine Leinenaggression entwickeln konnte, ist der Tatsache geschuldet, daß der Besitzer erst nach dem "Warum" in der Verhaltensänderung fragt und sich damit ausführlich beschäftigt, statt wie erforderlich, das Fehlverhalten sofort und auf der Stelle so zu sanktionieren, daß der pubertierende Vierbeiner umgehend feststellt, daß Bellen an der Leine und "Scheinattacken" ohne Leine tabu sind!


Ein Beispiel: Stellen Sie sich bitte in diesem Moment Ihre Kinder beim Zähneputzen vor:

Haben Sie hier jemals daran gedacht, sich mit Gummibärchen neben sie hinzustellen und ihnen zu sagen:"Wenn du jetzt brav deine Zähne putzt, bekommst du danach auch ein Gummibärchen!"

War es im Gegenteil nicht so, daß Sie an Ihre Kinder eine klare Ansage gemacht haben in Form von: "Du gehst jetzt bitte sofort die Zähne putzen!!!"

Und haben sicher nicht Stunden und Tage damit zugebracht herauszufinden, warum Ihr Kind einfach nicht die Zähne putzen will, sondern haben das Zähne putzen angeordnet, wenn es noch nicht gemacht wurde?

Über Gründe, warum ihr Kind nicht Zähne putzen will, wie zum Beispiel: "Ein Zahn wackelt, da tut es halt weh" oder "Er hat eben einen sensiblen Zahnhals" haben Sie sich wohl eher weniger Gedanken gemacht.


Ganz anders bei ihrem Vierbeiner!

Bei ihm haben Sie erst einmal nachgedacht, warum ihr Hund sich auf einmal an der Leine so aufführt! 

Und haben dabei vergessen zu reagieren!

Folglich konnte sich das Fehlverhalten manifestieren!

Habe ich erwähnt, daß Kromfohrländer schnell lernen????

Sie haben es nicht verboten - also, hat Ihr Hund klugerweise gefolgert, ist es erlaubt!

 

Und nun stehen Sie vor der schwierigen Aufgabe, ihm dieses Verhalten wieder abgewöhnen zu wollen...

                                                                                      

Um dies sinnvoll tun zu können, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, daß Ihr Hund in einer Verhaltensspirale regelrecht gefangen ist! Sein Fehlverhalten hat gering angefangen, ist successive angestiegen und bewegt sich inzwischen auf einem sehr hohen Niveau, das heisst, es braucht keine grossen Auslöser mehr, um ihren Kromfohrländer in Rage zu bringen. Er ist sozusagen sofort auf 180!


Um überhaupt eine Chance auf eine Verhaltensänderung zu haben, ist ein absolut hundertprozentiges "Platz, Bleib!"-Kommando erforderlich. Und wenn ich hundertprozentig meine, dann heisst dies, daß Ihr Hund auch unter Ablenkung absolut zuverlässig liegen bleibt, wenn Sie dies von ihm verlangen.

Wenn Ihr Hund das nicht kann, ist es höchste Zeit, ihm dies beizubringen.

Wie immer in kleinen Schritten: Erst Platz, dann Platz über einen steigenden Zeitabschnitt, dann Platz mit kurzem Abstand zum Hund. Wenn dies klappt, steigt der Abstand zum Hund und die Zeit, in welcher er im Platz zu liegen hat.

Sitzt diese Übung, beginnt der gleiche Prozess unter Ablenkung mit einem fremden Hund: Hund wird in´s "Platz, Bleib" gelegt, anderer Hund geht in grosser Entfernung vorbei, Besitzer steht neben dem eigenen Hund. Im nächsten Schritt steht der Besitzer etwas weiter weg, anderer Hund ist noch so weit entfernt, daß er unseren Hund nicht provozieren kann und unser Hund sich nicht provoziert fühlt. Abstand zum Hund steigert sich in dem Maße, wie es der Gehorsam erlaubt.

Im nächsten Schritt wird der Abstand zum anderen Hund verringert, wieder beginnt die Übung damit, daß der Besitzer mit "Platz,Bleib" den Hund fixiert und anfänglich neben ihm stehen bleibt. Dann werden die Abstände zum eigenen Hund immer grösser, ohne jedoch zu riskieren, daß der eigene Hund das Kommando selbst auflöst bzw. auflösen kann.

Im Endstadium macht mein Hund sicher "Platz,bleib", ich kann als Besitzer etliche Meter entfernt sein und ein anderer Hund kann relativ dicht an meinem Hund vorbeigehen, ohne daß dieser sich aus dem Platz erhebt.

Und bitte: Achten Sie bei den anderen Hunden darauf, daß es sich nicht um die Todfeinde Ihres Kromfohrländer´s handelt - das wäre kontraproduktiv und sehr unprofessionell!

 

Es erstaunt mich bei meinen Beobachtungen immer wieder, wie viele Tricks und Spielereien manche Hunde beherrschen - jedoch bei der wichtigen "Platz,Bleib"-Übung mehr oder weniger vollkommen versagen. Dabei gehört diese Übung zur absolut notwendigen Grunderziehung - aber selbst eine regelmässige Teilnahme an Hundekursen generiert all zu oft kein sicheres und zuverlässiges Platz!

 

 Warum ist dieses "Platz-Bleib!" Kommando aber so wichtig?

 

Zwei Gründe spielen hier eine Rolle, beide stehen wieder sehr spezifisch im Zusammenhang mit den besonderen Eigenschaften eines Kromfohrländer`s.

Wie an anderer Stelle bereits niedergeschrieben, zeichnet sich der Kromfohrländer durch seine extreme Bindung an seine Besitzer aus, welche dazu führt, daß er "seine" Menschen definitiv Artgenossen vorzieht. Sehr plakativ erlebt man dieses Verhalten als Kromibesitzer bereits in der Welpenschule, wenn IHR Kromi sich auf einen einzigen Zuruf von Ihnen aus dem Spiel mit den anderen Welpen sofort löst und begeistert zu Ihnen rennt, während die anderen Hundebesitzer beim Abruf aus dem Spiel mit deutlichen Schwierigkeiten kämpfen, denn die anderen Welpen sind so in´s Spiel mit ihren Artgenossen vertieft, daß das Abrufen daraus regelmässig geübt werden muss.

Kein Wunder, wenn Sie und ihr Hund bewundert werden und jeder fragt, wie SIE das hinbekommen haben - und wer wäre in so einer Situation nicht stolz auf seinen Kromi!

 

Viele Kromfohrländerbesitzer schliessen aus dieser scheinbaren Folgsamkeit, daß sie einen gut und leicht erziehbaren Hund besitzen und sehen in aller Regel wenig Notwendigkeit, die normalen Grundkommando´s zu üben - denn: Warum etwas üben, was unser Kromi doch so offensichtlich bereits kann????

 

Sie erinnern sich, was ich über die Intelligenz dieser Rasse geschrieben habe?

Nun, genau an diesem gerade beschriebenen Punkt hat Ihr Kromfohrländer Sie bereits erfolgreich ausgetrickst:-)

Denn: Nicht etwa SIE haben darüber entschieden, ob Ihr Kromi als Welpe und Junghund zu ihnen kommen möchte, sondern IHR Kromi hatte in dieser Entwicklungsphase stets grosse Lust zu IHNEN zu kommen! Und dieses Verhalten ist der genetischen Grundlage bei Kromfohrländern geschuldet, Sie als Zweibeiner eigenen Artgenossen vorzuziehen....

Es bedeutet aber keineswegs, daß SIE einen folgsamen Kromfohrländer besitzen - er war ihnen einfach nur zu Gefallen und nicht mehr und nicht weniger!

Daß dies so ist, wird Ihnen in dem Moment bewusst, wenn Ihr Kromi in die Pubertät kommt und von heute auf morgen völlig verändertes Verhalten zeigt - und eben nicht mehr auf Abruf kommt!!!!!!

 

Sie stehen also zum Einen vor dem Problem, daß Ihr folgsamer Hund eigentlich kein folgsamer Hund ist, und spüren das auf der anderen Seite mittlerweile sehr unangenehm bei den Hundebegegnungen während der Spaziergänge, welche mittlerweile nicht mehr eitel Sonnenschein sind.

 

Ursache für dieses Verhalten ist die Entwicklung vom Welpen zum erwachsenen Kromfohrländer. So nett und sozial Kromfohrländerwelpen bis zu ihrer Pubertät auch sind - erwachsen zeichnet sie aus, daß sie ihre Besitzer jedem Hund vorziehen und zu ihrem Hundeglück KEINEN anderen Hund brauchen (und dies oft genug auch den anderen Hunden zeigen!)

Diese Eigenschaft unterscheidet sie massgeblich von anderen Hunderassen und dieses Wissen ist ausgesprochen wichtig für alle Kromfohrländerbesitzer - nur so kann man ihr typisches Verhalten richtig interpretieren und damit adäquat umgehen!

 

 

                                                                                            copyright Sybille Nass 10/2014

Aus unserer jahrzehntelangen Kromfohrländererfahrung können wir eine Fausregel aufstellen, welche sich bislang bei allen Kromi´s bewährt hat:

"Je weiter der Besitzer von seinem eigenen Kromi entfernt ist, umso entspannter verhält sich dieser!"

 

Zwei Beispiele hierzu:

Im ersten Beispiel handelt es sich um einen mir bekannten Rüden, welcher auf dem Tisch steht und sich vom Richter die Zähne kontrollieren lassen soll. Der Rüde will dies jedoch nicht und verweigert die Zahnkontrolle durch Knurren und Haare aufstellen. Die Besitzerin bekommt dieses Verhalten nicht unter Kontrolle und Richter und Besitzer stehen vor einem Patt. Ich greife ein, indem ich den mir bekannten Hund übernehme und die Besitzerin nach ausserhalb des Rings schicke. Die Besitzerin kennt mich und ist deshalb damit einverstanden, zumal sie gerne für den Rüden eine Bewertung möchte.

Ich spreche mich kurz mit dem Richter ab und vereinbare mit ihm, daß ich ihm selbst die Zähne zeigen werde und er sie sich nur ansehen wird, ohne den Hund selbst anzufassen. (NIcht alle Richter stimmen diesem Procedere zu!) Der Rüde lässt sich problemlos die Zähne kontrollieren und zur Gangkontrolle übernimmt ihn wieder die Besitzerin.

Im zweiten Beispiel handelt es sich um eine typische Hundebegegnung, bei welcher unser Kromirüde einen unbekannten Rüden sieht und wir als Besitzer schon genau wissen, was sich gleich abspielen wird, falls wir der Begegnung nicht ausweichen können.

Insider wissen es, für alle Anderen: Unser Kromi fährt sich hoch, fängt an zu knurren und sobald der andere Rüde nah dran ist, tobt unser Kromi an der Leine und der Besitzer hat Mühe, am fremden Hund vorbeizukommen.

Ein gut ausgebildeter Rüde kommt mit seinem Besitzer in die gleiche Situation, sein Kromi würde genauso "austicken" - ABER: der Besitzer bringt ihn ins "Platz-Bleib", lässt die Leine neben seinem Hund liegen und geht etliche Schritte weiter und bleibt in diesem Abstand stehen.

Und was passiert? NICHTS!

Der fremde Hund geht so nah am Kromi vorbei, daß sie sich fast berühren können, aber dieser reagiert überhaupt nicht.....

 

Diese zwei Beispiele zeigen sehr eindrucksvoll, welche Auswirkung alleine die Anwesenheit, sprich Nähe seines Besitzer´s auf den eigenen Kromi hat - und mit welch einfachem Mittel man die negativen Folgen dieser Nähe vermeiden kann.

 

Zwei Gründe, ein "Platz-Bleib" - Kommando für einen Kromi aus dem "ff" beherrschen zu lassen, sind also der Grundgehorsam an sich, welcher unserem eher ängstlichen Krominaturell Sicherheit gibt und die Möglichkeit, unangenehmes Verhalten, welches aus zu großer Nähe zum eigenen Kromi resultiert, durch Abstand halten zu vermeiden.

Und dafür müssen Sie sich darauf verlassen können, daß Ihr Kromi bei dem Kommando "Platz - Bleib" auch definitv wie angetackert liegen bleibt!

 

Und so paradox es an dieser Stelle klingen mag: Ihr Kromi ist Ihnen dankbar, wenn er sich nicht mehr so hochfahren muss!

( Nochmals zur Erinnerung: SIE haben es ihm "erlaubt", ergo meint ihr Kromi auch, daß er diesen "Job" übernehmen MUSS! Und umso dankbarer ist er Ihnen, wenn Sie ihn vor diesem - für alle Beteiligten unangenehmen - Job wieder befreien, bzw. es erst gar nicht soweit kommen lassen!)

 

Auch im Beispiel des ausgestellten Rüden hat es sich als erfolgreich erwiesen, die Besitzerin aus der Nähe des eigenen Hundes zu schicken - ohne diese Nähe liess sich der Rüde die Zähne problemlos anschauen.

 

Dennoch ist ein entsprechendes Training für Kromfohrländerbesitzer, welche bereits einen "Leinenmacho" ihr eigen nennen, nicht einfach.

Für Viele stellt es ein gorsses Problem dar, genügend Vertrauen zu ihrem Hund zu haben und ausserdem daran zu glauben, daß ihr "Leinenrüpel" wie oben beschrieben funktioniert. Und es ist leider ein Teufelskreis, denn ohne das Vertrauen des Besitzer´s wird dieser Trainingsansatz wiederum nicht funktionieren.....


Abhilfe kann ein professionelles Training bei einem Trainer schaffen, welcher mit der Problematik der Kromfohrländer vertraut ist und auch entsprechend gefühlvoll auf diese sensiblen Hunde eingehen kann.

Hilfreich ist in diesem Zusammenhang ausserdem ein Training mit der sogenannten "langen Leine". Dieses Training führt, richtig praktiziert, zu einer besseren Führung in Form von einer sogenannten "Durchlässigkeit", bei welcher ein Kromi durch seinem Besitzer mehr Sicherheit und dadurch mehr Vertrauen erhält.


Wichtig zu wissen ist natürlich, daß ein manifestiertes Verhalten, wie es bei einem Leinenmacho vorhanden ist, von seinem Besitzer neben Ausdauer und viel Geduld auch das Festhalten an dem einmal eingeschlagenen und richtigen Weg erfordert, um das Problem erfolgreich und dauerhaft in den Griff zu bekommen. Wiederholtes Ausprobieren von immer neuen Trainingsmethoden führen letztendlich zu einer starkten Verunsicherung des Hundes und bei den Besitzern zu einer hohen Frustration, verbunden mit der falschen Vorstellung, daß sich dieses Problem einfach nicht lösen lässt.

Ein erfolgsversprechendes Training zielt konsequent darauf ab, die "Aggressionsspirale" beim Hund immer weiter abzubauen, um ein "hochfahren" des Hundes erst gar nicht mehr zu ermöglichen. Nur wenn die Frequenz des "hochfahren´s" kontinuierlich verringert wird, kann ein Kromfohrländer lernen, sich anhaltend bei Begegnungen mit fremden Hunden an der Leine zu entspannen.






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