Präventive Hundeerziehung???? Noch nie davon gehört????

Nein, denn sie ist just mit diesem Artikel aus der "Taufe gehoben worden".

Schon wieder eine "neue Methode" - wird sich so mancher Leser denken - aber Stopp: In diesem Artikel ziehe ich "nur" ein ganz persönliches Resumée aus meinen über vierzig Jahren Hundehaltung, Erziehung und Zucht, speziell bezogen auf den Erziehungsaspekt.

Denn seien wir mal ehrlich: das Internet bietet uns eine unüberschaubare Fülle von Informationen über die "richtige" und die "falsche" Hundeerziehung, über die Methoden und Nicht-Methoden, mal mehr, mal weniger dogmatisch und am Ende steht ein Hundehalter, welcher nicht mehr weiß, was eigentlich richtig und was falsch ist.

Er muss sich für einen Weg entscheiden und in aller Regel folgt die Methode "Versuch und Irrtum". Die erste Hundeschule war ein Fehlgriff und leider hat auch die zweite Hundeschule nicht die erwünschte Erleuchtung gebracht. Vielleicht hilft ein Privattrainer? Ein Versuch ist es wert, aber keine Garantie für Erfolg, um welches Problem auch immer es sich handeln mag: Beim reinrassigen Kromi ist es in aller Regel die Leinenaggression, das Rüdenmachoverhalten und das übersteigerte Territorialverhalten, welches den Besitzern Bauchweh bereitet.

Der Anlass zu diesem Artikel war, wie so häufig, ein Problem einer Hundehalterin, welches an mich herangetragen wurde.

"Seit ein paar Wochen beobachte ich folgendes Verhalten immer wieder: Meine Hündin führt sich an der Leine bei Begegnungen mit fremden Hunden (auch angeleint) unmöglich auf. Sie kläfft und tobt. Der andere dann zurück, aber meine hat angefangen. Ich habe sie direkt gepackt und ihr einen fetten Anschiss verpasst. Aber ob das von meiner Seite auf Dauer reicht? Ich bezweifle es"

Meine direkte Antwort lautete folgender-massen: 

Der fette Anschiss war richtig, aber vermutlich zu spät, denn wenn das negative Verhalten schon begonnen hat, dann ist der Hund bereits in der Erregung - und dann KANN er oft gar nicht mehr hören. Das ist nicht anders wie bei Kindern: wenn sie schon heftig am Zanken sind, sind sie viel schwerer zur Ruhe zu bringen! Wenn ich Kinder aber beobachte, dann kann ich in aller Regel einwirken, bevor ein Streit losgeht. Es kommt bei Kindern immer wieder zu Situationen, wo man weiß, jetzt streiten sie gleich: wenn nur ein einzelnes begehrtes Spielobjekt vorhanden ist oder nur eine Süßigkeit, statt Zwei. Dann regle ich das im Vorfeld: die Süßigkeit wird geteilt und mit dem Spielzeug wird im Wechsel gespielt und wenn man dies mit den Kindern im Vorfeld schon klärt, ensteht erst gar kein Streit.

Genau so ist es mit den Hunden: ich achte als Besitzer auf fremde Hunde und lasse schon gar nicht zu, dass mein Hund den anderen Hund fixiert/anschaut (das ist unter Hunden ein grob unhöfliches Verhalten) und BEVOR mein Hund eine Aggression gegen den anderen Hund zeigt, verbiete ich das meinem Hund!!!! Dies erfordert vom Besitzer Konzentration (kein Ratschen, kein Handygespräch) und Gelassenheit, damit es klappt - Gelassenheit deshalb, weil eine eigene Erregung sonst sofort auf den Hund übertragen wird und dieser in seinem Reaktionsvermögen behindert wird. Eine gut sitzende Grundausbildung erleichtert dieses Training enorm, aber ohne Training wird sich das Aggressionsverhalten nicht ändern, sondern festigen. Ursache eines solchen Verhaltens mag sein, dass die Hündin "erwachsen" geworden ist und als reinrassiger Kromi oder mit Kromihintergrund (als eingekreuztes Exemplar) keine fremden Hunde für ihr Glück und Wohlbefinden benötigt, sondern ihr ausschließlich ihre Besitzer zu ihrer Zufriedenheit genügen und sie deshalb "zickiges" Verhalten gegenüber Artgenossen zeigt - oder die Hündin ist unausgelastet, weil man mit ihr nur spazieren geht und sie zu wenig Kopfarbeit hat.

Ganz grundsätzlich gilt für die Denkweise der Hunde: "Was nicht verboten ist, ist erlaubt!". Wenn ich als Besitzer also unangemessenes Verhalten nur beobachte, aber nicht reagiere, zieht der Hund den Schluss, dass es sich um ein erlaubtes, wenn nicht gar erwünschtes Verhalten handelt. Weshalb manche Ausbildung von Hundetrainern so kontraproduktiv ist, wenn sie die dogmatische, aber in diesem Fall falsche Lehrmeinung vertreten, dass man negatives/falsches Verhalten durch "Ignorieren" aus der Welt schafft!!!

(Näheres siehe unter dem Punkt "Ignorieren")

Es spielt außerdem überhaupt keine Rolle, "welcher Hund angefangen hat" - das kann nämlich ein Hund im Gegensatz zum Menschen nicht: zwischen unterschiedlichen Situationen genau differenzieren. Explizit der Kromi kann nur "Freunde" erkennen, das sind jene Hunde, welche ihm von Welpen an bekannt sind und eben "andere Hunde". Bei Freunden macht der eigene Hund sowieso nichts und bei fremden Hunden gilt: es wird weder geknurrt noch in die Leine gesprungen oder gar gekläfft - UNABHÄNGIG davon, welcher Hund zuerst angefangen hat zu brummen oder zu bellen.

Menschliches Gerechtigkeitsempfinden hat NICHTS mit dem der Hunde zu tun, weshalb die Kenntnis der Hundesprache für das Verständnis unseres vierbeinigen Partners Hund von entscheidender Bedeutung ist. Wenn Sie der Meinung sind, dass IHR Hund bellen und knurren darf, WEIL er ja vom anderen Hund angebellt oder angeknurrt wurde, dann ist es ausschliesslich IHR Gerechtigkeitssinn, welcher nach menschlichen Prinzipien funktioniert und IHREM Hund damit die Erlaubnis erteilt, beim anderen Hund zurückzupöbeln. 

Was IHR Hund gelernt hat durch IHREN Gerechtigkeitssinn: Pöbeln ist erlaubt und zusätzlich hat IHR Hund bei dieser negativen Hundebegegnung richtigen Stress mit einem hohen Erregungsniveau abgespeichert, welchen er dann bei der nächsten Begegnung sofort parat hat und erst gar nicht mehr ruhig an die nächste Hundebegegnung herangehen kann.

Prävention in der Kindererziehung ist allen Eltern geläufig, man könnte in vielen Fällen auch von einem  Vorhandensein eines "eingebauten Präventionsverhalten der Eltern" sprechen, so selbstverständlich ist uns dieses!

Nehmen wir zum Beispiel Kleinkinder und die Verkehrsstraße: Kein Elternteil würde auf die Idee kommen, sein Kleinkind durch "Versuch und Irrtum" zum Verkehrsteilnehmer werden zu lassen. Verständlicherweise, denn die Gefahr, das Leben zu verlieren ist viel zu hoch.

Was tun Eltern? Sie bringen ihrem Kind bei, wie es sich richtig im Straßenverkehr verhält!

Wenn Kinder in die Schule gehen, kommt gerne das Thema "Hausaufgabenmanagment" auf: Sie beobachten, dass Ihr Kind die Hausaufgaben vernachlässigt oder nicht sorgfältig genug erledigt. Auch hier greifen Eltern in aller Regel sofort ein und kontrollieren ihr Kind engmaschig, um schulische Probleme zu verhindern. Und dies so lange, bis sich die Hausaufgabenmoral sichtbar verbessert hat.

Aber auch bei Jugendlichen hört diese Arbeit nicht auf, denkt man hier an die Drogenprävention: In aller Deutlichkeit wird den Jugendlichen vor Augen geführt, welche Folgen mit einem Drogenkonsum verbunden sind.

Und nun haben wir das Wort "Prävention" aufgegriffen: Denn was ist Prävention sonst, als der Versuch und die Hoffnung, ein negatives Verhalten von Beginn an oder sobald es gezeigt wird, zu verhindern beziehungsweise diesem entgegenzuwirken!

Versuch deshalb, weil der Erfolg von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängt: Von der Kompetenz der Eltern (das Problem als solches rechtzeitig erkennen zu können), von der Beziehung der Eltern zu dem Kind (Erziehungsstatus), vom eigenen Willen ein Problem wirklich lösen zu wollen (Auseinandersetzung mit dem Kind) , und von den Faktoren, auf welche Eltern weniger Einfluss haben, nämlich die Umwelteinflüsse (Schule, Eltern, Mitschüler) und deren dynamischen Prozesse.

Was Eltern bei Kindern so absolut selbstverständlich ist, dieses präventive Vorgehen, um Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen, scheint bei der Hundeerziehung hingegen komplett zu versagen, denn in ganz vielen Berichten, schildern die Besitzer, dass sie ein Verhalten "beobachten". Stellen Sie sich hier wieder ein Kleinkind vor: Sie würden ganz sicher nicht "beobachten", wie ein Kleinkind auf eine verkehrsreiche Strasse läuft - sondern sofort eingreifen. Entweder halten Sie das Kind zurück oder Sie erklären ihm - zurückgehalten - auf was im Straßenverkehr zu achten ist und leiten es bei den nächsten Straßenüberquerungen so lange an, bis Sie sicher sind, dass eine sichere Straßenüberquerung gewährleistet ist.

Warum aber schaut man bei seinem Hund - der wie ein Kind einfach nur "Erziehung benötigt" über Wochen zu, wie er sich an der Leine furchtbar gebärdet, er knurrt und kläfft?

Warum beobachtet man, dass der eigene Hund an der Haustüre immer unfreundlicher reagiert - und greift nicht ein????

Erst wenn das negative Verhalten nicht mehr zu kontrollieren ist, fängt ein Großteil der Hundebesitzer überhaupt damit an, sich zu fragen, WARUM sich der eigene Hund so verhält. Und verharrt allzuoft in dieser Frage, während der Hund immer noch an der Leine pöbeln darf und/oder zuhause Besuch nicht mehr zur Türe rein lässt.

Für alle Verhaltensweisen gibt es ziemlich sicher einen Auslöser - nur wenn Sie als Hundehalter sich diese Frage zum Thema machen, vergessen Sie Eines ganz sicher: das Verhalten Ihres Hundes ändert sich dadurch NICHT!!!  In ganz vielen Fällen lässt sich ein Auslöser für ein bestimmtes Verhalten nicht mehr feststellen, das ist ein Fakt. Und die Frage ist überhaupt, warum ich mich mit dieser Frage beschäftige STATT am eigentlichen Problem zu arbeiten? Manche Verhaltensweisen sind "von heute auf morgen" einfach da - siehe die vielen am Tag vorher noch zu anderen Hunden freundlichen Kromis, welche über Nacht mutieren und hinfort fremde Hunde anknurren oder gar angreifen! Es ist vollkommen sinnlos zu überlegen, woher dies kommt denn wichtiger ist in diesem Moment: bevor sich dieses "neue" Verhalten festigen kann, wird es umgehend abtrainiert - und wird dadurch erst gar nicht zu einem Problem.

Jede Rasse wird mit bestimmten Verhaltenseigenschaften beschrieben: beim Kromi ist dies die unbedingte Anhänglichkeit an ihren Besitzer, der mangelnde Jagdtrieb, seine hohe Anpassungsfähigkeit. Kaufe ich einen Hund mit diesen Eigenschaften, dann weiß ich beim Kromi, dass die unbedingte Anhänglichkeit nicht kompatibel zu einem absolut sozialverträglichen Hund ist, da sich der Kromi im Spiel von Welpen an für seinen Besitzer entscheiden wird: das heißt, verlässt der Besitzer die Spielwiese, folgt der Kromi unaufgefordert. 

Wenn ein Welpe bereits in diesem frühen Alter eine so enge Bindung zu seinem Menschen zeigt und lieber auf ein Spiel mit Artgenossen verzichtet um seinem Herrn zu folgen, kann man auch nicht erwarten, dass er sich ausgewachsen für fremde Hunde interessiert - das Gegenteil ist meistens der Fall!

Der mangelnde Jagdtrieb lässt in der Regel ein entspanntes Spazierengehen in der Natur zu, ohne dass sein Besitzer ständig den Horizont checkt, um mögliches Wild bereits vor dem Hund zu sehen und ihn rechtzeitig anleinen zu können - was sich "präventives Verhalten von Hundebesitzern mit einem jagdlich interessierten Vierbeiner" nennt...

Bei der hohen Anpassungsfähigkeit bekomme ich einen vierbeinigen Kameraden, der von sich aus erkennt, dass Herrchen oder Frauchen jetzt beschäftigt sind und keine Zeit für ihn haben. Ist der Kromi jedoch gefordert, ist er sofort zu 100% wach und aktiv, auch wenn er noch eine Minute zuvor den Eindruck erweckt hat, er befinde sich in einer komatösen Tiefschlafphase;-)

Kaufe ich mir hingegen einen Jagdhund, so weiß ich von vorneherein, an welchen Themen ich zu arbeiten habe: ich habe a) einen Arbeitshund gekauft, der entsprechend ausgelastet werden muss und b) einen vierbeinigen Spezialisten, welcher seiner gezüchteten Natur entsprechend geführt werden muss.

Prävention bedeutet also auch, zu wissen, was ich mir als vierbeinigen Begleiter aussuche und nach diesen Vorgaben richtig reagiere, ihn also auch richtig erziehe. Ich warte beim Jagdhund also nicht ab, bis er jagt - wenn ich tatsächlich einen solchen mir als Familienhund ins Haus geholt habe - sondern leite dieses angelegte Verhalten um in die meiner persönlichen Situation angepassten Auslastungsmöglichkeit. Das wären in diesem Fall Nasenarbeit oder mantrailing, um Beispiele für eine rassegerechte Auslastung zu nennen.

Entscheide ich mich für einen reinrassigen Kromfohrländer als vierbeiniges Familienmitglied, dann WEIß ich durch ausführliche Recherchen, dass diese Hunde sich ausgewachsen NICHT für fremde Hunde interessieren und auch NICHT mit fremden Hunden spielen!

Zurückhaltend Fremden gegenüber, auch das sollte klar sein, heißt AUCH, dass die Freunde der Kinder FREMD sind und in aller Regel nicht freundlich willkommen geheißen werden...

Und "Besitzerbezogen" bedeutet in der Praxis, dass es "Mutter´s Hund" ist, da diese sich am meisten mit dem Hund beschäftigt - oft sind hier für Kinder Enttäuschungen vorprogrammiert!

Diese Verhaltensweisen lassen sich nicht "ab-erziehen" sondern sind Veranlagungen, an welchen man "arbeiten"kann- präventiv- aber man macht einen Kromi nicht zum sozialverträglichen Hund indem man zweimal in der Woche die Welpenschule besucht: er wird dennoch im Erwachsenenalter fremde Hunde ablehnen!

Ich kann präventiv ausschließlich daran arbeiten, die Hundebegegnungen stressfrei ablaufen zu lassen!

 

 

 

 

 

 

 

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