Vorab:

In der heutigen Zeit legen viele Menschen besonderen Wert auf eine gesunde Ernährung und dieser positiven Entwicklung entspricht unsere Nahrungsmittelindustrie umfassend, indem sie eine ausgewogene und gesunde Fertig-Tiefkühlkost für Menschen anbietet. Eine Vielfalt an Gemüsepfannen für Vegetarier sind ebenso im Angebot wie zum Beispiel klassisch Geschnetzeltes, aber auch Fan´s asiatischer Küche kommen durchaus auf ihre Kosten.

Alle angebotenen Nahrungsmittel sind wissenschaftlich getestet und entsprechen genauestens dem benötigten Mineralstoff- und Vitaminerfordernissen von Menschen.

Es erübrigt sich zu erwähnen, daß mit diesem Angebot die Ernährung kinderleicht gestaltet wird, denn viele Produkte müssen nicht einmal aufgetaut werden, sondern können entnommen und sofort in den Backofen oder in die Mikrowelle zum Erhitzen verbracht werden und sind in kürzester Zeit verzehrfertig.

Leichter und sicherer kann Ernährung nicht sein!

Wer dennoch auf ein paar Handgriffe nicht verzichten will, dem seien die sogenannten "Fix-Produkte" an´s Herz gelegt! Auch diese sind exakt auf die menschlichen Bedürfnisse abgestimmt und mit wenigen Zutaten, welche auf der Packung angegeben sind, lässt sich im Handumdrehen ein zauberhaftes Menü kreieren. Und Sie können sich des Lobes ihrer Familie oder ihrer Gäste sicher sein!

 

Dass es sich bei dem gerade gelesenen Artikel um eine Persiflage handelt, ist Ihnen sicher sehr schnell klar geworden!

Und natürlich wird über alle öffentlichen Institutionen hinweg heute ein Bewusstsein für gesunde Ernährung gefördert, welches bereits im Kindergarten den Kindern mit unterschiedlichen Angeboten vermittelt wird, sei es durch den morgendlichen Obst - und Gemüseteller oder über die "Gesundheitslok", mit welcher den Kindern beigebracht wird, was gesunde und was ungesunde Lebensmittel sind.

 

Ersetzen Sie nun jedoch bitte in der obigen Persiflage den Menschen durch das Wort "Hund".

 

Verstehen Sie, auf was ich hinaus will?

 

Was für uns Menschen eine klar erkennbare Persiflage ist, ist für unsere Hunde die bittere Wahrheit!

Tatsächlich hat es die Hundefuttermittelindustrie geschafft, uns Menschen zu vermitteln, daß Industrienahrung für unsere Hunde die bessere Ernährungsform ist, weil wissenschaftlich abgesichert -  und nicht etwa frische und sichtbare Qualität das entscheidende Kriterium für eine gesunde Ernährung ist, sondern allein industriell hergestelltes Futter unbedenklich ist, während Fleisch und "gesunde Essensreste vom Menschen" aufgrund nicht wissenschaftlich bekannter Zusammensetzung gefährlich ist und zu einem vorzeitigen Tod des Hundes führen kann....

 

Kaum einem Menschen wird man wahrhaftig vermitteln können, daß Tiefkühlpizza besser und gesünder ist als diejenige, welche ich mit frischen Zutaten zuhause selbst zubereite.

Beim Hundefutter hingegen glauben viele Hundebesitzer genau das Gegenteil!

Sie sind der festen Überzeugung, daß Fertigfutter besser ist als Frischfutter.

 

Wie kann es bei gleichen Inhalten zu so konträren Gesichtspunkten überhaupt kommen?

Der Hund ist ein Lebewesen genau wie der Mensch auch und wenn seine Priorität im Gegensatz zum Menschen überwiegend auf Fleisch liegt - so hat er doch als Selbstversorger und Kanivor stets frisches Fleisch bevorzugt und seine Lebensdauer wurde nicht von der Qualität des Fleisches, sondern von den Umwelteinflüssen gesteuert, welche seinen Lebensbereich umgab. Dies waren Faktoren wie Konkurrenz, Nahrungsangebot, Witterungseinflüsse, Rudel und Status darin - und mitnichten die Art und die Zusammensetzung seiner Nahrung - hier spielte allenfalls die Menge eine Rolle, denn ohne ausreichend Futter drohte der Hungertod....

 

Wie konnte es der Hunde/Katzenfuttermittelindustrie also gelingen, praktisch parallel zu einer Sensibilisierung der Menschen bezüglich der eigenen gesunden Ernährung mit frischen Lebensmitteln, eine Fütterung bei den eigenen Tieren zu etablieren, welche diesen Grundsätzen exakt widersprach bzw. widerspricht?

 

Zwei Grundvoraussetzungen stellten hierfür die Basis dar.

Zum Einen eine Gesellschaft mit freier Kaufkraft, das heisst, es musste genügend Hunde- und Katzenbesitzer geben, welche ausreichend finanzielle Mittel besassen, um sich ein spezielles Futter für ihre Vierbeiner leisten zu können, - und zum Anderen eine Gesellschaft, in welcher das Tier einen so hohen Stellenwert einnimmt, daß der Tierbesitzer bereit ist, finanzielle Anstrengungen für die Verbesserung der Lebensqualität seines Tieres zu unternehmen.

Beide Voraussetzungen waren ab den späten Siebzigerjahren gegeben und ungefähr ab diesem Zeitpunkt "entdeckte" die Futtermittelindustrie sozusagen ein "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Und fing an, dieses "Land" gezielt zu bearbeiten.

Und holte sich kompetente Kräfte: versierte Werbefachleute und ein weiteres, überaus wichtiges Klientel -  nämlich das der Tierärzte.

Und damit gelang ihr ein Coup, welcher kaum zu toppen ist, denn wer, als ein Gott in Weiss, wird wohl am ehesten wissen, was für Ihren Liebling gesund ist?

Wenn schon der eigene Tierarzt ein Futter empfiehlt, dann MUSS es sich zwangsläufig um ein besseres Futter handeln, als jenes frische und gesunde Fleisch, mit welchem sich unsere Hunde und unsere Katzen jahrhundertelang erfolgreich ernährt haben.

 

Und die Hunde/Katzenfuttermittelindustrie war und ist omnipräsent: Man begegnet ihr auf der Strasse in Form von grossflächigen Plakaten, im Fernsehen durch entsprechende Werbespot´s, bei den Printmedien selbstverständlich in allen unsere Haustiere betreffenden Magazinen und Fachzeitschriften,  jedoch auch in Publikationen, welche nicht das Tier zum Mittelpunkt haben, das Käuferklientel als fachfremd, jedoch passend ausgefiltert wurde.

Alle Arten von Einkaufsmärkten, ob kleiner Einzelhändler oder grosser Discounter, wurde markttechnisch berücksichtigt und zwar unabhängig davon, ob es sich um einen Lebensmittelmarkt oder eine Drogeriekette handelte.

 

Als weiterer Schachzug wurde, angelehnt an den englischen Vorreiter, das Ausstellungswesen von der Hunde und Katzenfuttermittelindustrie ausgesprochen erfolgreich genutzt (und damit be-nutzt), indem sie als Sponsor auftrat und im Gegenzug ihre Produkte sehr offensiv bewerben durfte.

Auch in diesem Bereich gelang der Futtermittelindustrie ein genialer Schachzug, indem sie ihre Ausstellungs/Verkaufsstände durch TIERÄRZTE ergänzte, oft Studenten der Tiermedizin, - also angehende Tierärzte -  welche durch diese Dienste ihre Kasse aufbesserten - und oft unmerklich so in die erfolgreichen Werbemechanismen der Futtermittelindustrie eingebunden wurden.

Und beisse ich die Hand, welche mich füttert? Nein, natürlich nicht!

Ausserdem, wenn Abnehmer der Futtermittelware, seien es Händler oder Tierärzte, im Jahr soundsoviel Einladungen zu vermeintlichen Fachveranstaltungen erhalten, bei welchen in einem vorzüglichen Hotel eine hervorragende Bewirtung stattfindet und jeder Teilnehmer eine erholsame, aber geschickt als Fortbildung deklarierte  "Auszeit" nehmen kann, dann wird keiner dieser Teilnehmer hinterher etwas Schlechtes über das Produkt dieses Futtermittelhersteller´s verlauten lassen!

 

Aber die Futtermittelindustrie ging mit jedem Jahr successive weiter, um Schritt für Schritt die Etablierung ihres Industriefutter´s voranzutreiben.

Grosse Firmen leisteten sich bald eigene Forschungszentren, in welchen speziell im Bereich Ernährung "geforscht" wurde - und die geschickte Verwendung des Begriffes "Forschung" verschleiert tatsächlich, daß hier ausschliesslich Forschung für den eigenen Profit betrieben wird, denn der Ausdruck "Forschung" steht synonym für den Begriff "Wissenschaft" - und vor dieser verneigen wir uns gerne. Oft vorbehaltlos und ohne kritisches Hinterfragen, was eigentlich dahinter steckt....

 

Hundezüchter boten und bieten ein weiteres umfassendes Synergiepotential und erwiesen sich gleich in mehrfacher Hinsicht als ideale Multiplikatoren für Industriefutter .

Eine Vielzahl von Futtermittelfirmen boten und bieten dem Züchter sogenannte kostenlose "Welpenpakete" an. In einem ansprechenden Äusseren befindet sich ein kleines, passendes Geschenk, ein Adressanhänger, ein Spielzeug oder Ähnliches, über welches sich sowohl Zwei - als auch Vierbeiner freuen können, sowie Hundefutterproben, abgestimmt auf das Welpenalter mit beiliegend der entsprechend pseudowissenschaftlichen Produktprobenerläuterung, vielfach eingebettet in einen praktischen Ratgeber zum Umgang mit Welpen, um sicherzustellen, daß auch der Kernpunkt Fütterung durchgelesen wird.

Der Züchter ist vom Vertreiber angehalten Sie als Käufer den Erhalt des Welpenpaketes unterschreiben zu lassen und "schwupps" - schon verfügt die Futtermittelindustrie über Ihre Adresse. Nicht allzu offensichtlich für Sie - Ihr Einverständnis für die Weitergabe ihrer Adresse haben sie mit der Annahme des Welpenpaketes geleistet und dies steht auch im Kleingedruckten, was in ihrer Vorfreude über den Hund in aller Regel überlesen wird - und wird sichtbar, wenn die ersten mails in Ihrem Ordner landen mit Informationen zur Fütterung ihres neuen Vierbeiner´s.

Die Züchter können sich durch die Abgabe der Welpenpakete beim Käufer profilieren, denn er erweist sich so als kompetent und vertrauenswürdig, indem er zum Einen ein ansehliches Welpenpaket abgibt und zum Anderen die in vielen Welpenbüchern angeregte Beibehaltung des "gewohnten Futter´s"  in Form von Futterproben für den Übergang anbietet - und nicht zuletzt "schenkt" er dem neuen Besitzer etwas, worüber dieser sich, ohne die Hintergründe zu erkennen, erst einmal freut!

Und welcher zukünftige (und noch ahnungslose) Hundebesitzer würde sich nicht freuen, wenn man vom Züchter so ein tolles Startpaket geschenkt bekommt?

Aber nicht nur Welpenpakete werden für den Zücher geschnürt: Auch er selbst bekommt Einladungen zu sogenannten "Fortbildungsveranstaltungen", in welchen interessante Themen locken und "quasi nebenbei" eine Fütterung mit den "richtigen" Produkten nachhaltig zementiert wird. Diese Veranstaltungen sind oft kostenlos, beinhalten einen kostenfreien Snack und Getränke und man bekommt sogar noch Produktproben mit nach Hause - die man selbstverständlich nicht bezahlen muss! Ein Service welcher verpflichtet.....

 

Auch wusste die Futtermittelindustrie beim Tierbesitzer die richtigen "Knöpfe" zu drücken:

"Sie wollen das Beste für Ihren Hund? Dann MÜSSEN Sie unser Futter füttern!"

Nichts wirkt nachhaltiger auf Hundebesitzer wie der psychologische Druck, man wolle vielleicht nicht das Beste für seinen Vierbeiner!

Und diesen Umstand nutzt die Futtermittelindustrie ausgesprochen erfolgreich und strategisch geschickt.

"Nur unser Futter ist wissenschaftlich genauestens berechnet und auf den Bedarf Ihres Hundes zugeschnitten. Füttern Sie etwas anderes, dann garantieren wir nicht, daß ihr Hund das höchstmögliche Lebensalter erreicht!"

 

Das bedeutet im Umkehrschluß, daß Ihr Hund kein frisches Fleisch und keine Essensreste vom Tisch bekommen darf, da er sonst möglicherweise früher stirbt.

Ein perverser Gedanke, oder nicht?

Wir kaufen für unseren Eigenbedarf gesunde Nahrungsmittel - Lebensmittelqualität! - und unser Hund soll im Gegensatz zu uns daran Schaden nehmen, wenn wir ihm dann unsere Tischreste geben??????

In Europa, einem Land, wo von Haus aus nicht stark gewürzt wird und der Hund davon keinerlei gesundheitliche Einschränkungen zu erwarten hat?

 

Und die Futtermittelindustrie tut sich leicht, solche Aussagen zu ihrem Futter zu postulieren, denn welcher Hundebesitzer könnte je den Nachweis darüber führen, daß es genau jenes Industriefutter war, welches bei seinem Hund eine Futtermittelallergie ausgelöst hat?

 

Interessant wird es auch dann, wenn Konzerne gewisse Anteile an den Printmedien innehaben.

Dann wundern wir uns als Leser nicht mehr, warum in den entsprechenden Zeitschriften ausschliesslich Artikel zu finden sind, welche betonen, daß nur eine "wissenschaftlich abgesicherte Fütterung", eine für das Wohl und die Entwicklung des Hundes richtige Fütterung ist.

Und auch eine auf den ersten Blick objektive Aussage zum Thema "Rohfütterung" wird schnell als Winkelzug der Lobbyisten entlarvt, wenn am Ende des Artikels darauf hingewiesen wird, daß nur eine durch den Tierarzt "zertifizierte" Rohfütterung Sicherheit darüber gewährleistet, daß die eigene Futterzusammenstellung korrekt ist und ausschliesst, daß aufgrund falscher Rohfutterzusammenstellung dem Hund ein frühzeitiger Tod droht. Spätestens dann denken Sie nicht mehr daran, auf Rohfütterung umzustellen!

Ziel erreicht!!!!!!!!!


Ein paar Zahlen zum guten Schluß:

  • 9,1 Milliarden Euro beträgt der jährliche Umsatz im Bereich Heimtiere (2014)
  • 3,7 Milliarden davon entfallen auf den Bereich Futter
  • 1 Milliarde und etwas mehr wird von den Tierbesitzern für Zubehör ausgegeben
  • 1,8 - 2 Milliarden Euro verdient der Tierarzt an unseren Lieblingen
  • 40 Millionen Euro setzen mittlerweile Tierbestatter um


Dies sind 0,32 % des Bruttoinlandsproduktes und liegt zum Vergleich damit auf ähnlichem Niveau wie die des Buchmarktes!

 

 

 

                                                                                     copyright Sybille Nass, November 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

Herzlich willkommen auf unserer homepage!

Wir freuen uns über Ihren Besuch und wünschen

viel Freude beim schmökern und stöbern:-)