Fütterung und Kromfohrländer

- eine never ending story.....

Was in meinem Leitartikel so einfach klingt, bei Kromfohrländern sieht, wie so häufig, die Realität ganz anders aus!

Es wäre natürlich toll, wenn man einen Kromi so ganz einfach auf Rohfütterung umstellen könnte - was tatsächlich manchmal klappen mag, immer vorausgesetzt man hat den richtigen Kromi dazu.

Wir hatten die in den seltensten Fällen!!!!


Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Hundefutterladen und wollen für Ihren Kromi etwas zu Fressen einkaufen: Neben Ihnen steht ein sogenannter "Futterberater", welcher Ihren Ausführungen zu den Problemen bei der Fütterung ihres Kromfohrländer´s interessiert lauscht. Und wie sich das Mienenspiel verändert, je länger Sie über das Mäkelverhalten ihres Vierbeiners berichten. Sie können nun fast zusehen, wie sich das interessierte Lächeln des Futterberaters so langsam in eine etwas herablassende, "Mein Gott, Sie haben ja wirklich keine Ahnung" - Mimik verwandelt. Mitleidig, aber bestimmt werden Sie nun zu dem "wirklich guten und perfekt auf den Bedarf ihres Kromfohrländer´s abgestimmten Trockenfutter" geführt und dürfen sich nun von der Kompetenz des Futterberaters live überzeugen.

Und werden regelrecht erschlagen von seinen Argumenten, woraufhin sie immer stiller werden und ohne rechte Überzeugung dann doch dieses sehr hochwertige Trockenfutter kaufen, denn bislang hat ja laut Verkäufer noch jeder Hund dieses Futter gefressen!

Aber dafür nur die kleinste Verpackungseinheit - denn SIE kennen ja ihren Hund zuhause;-)

 

Ich erhielt meinen ersten Kromi als Jugendliche und so ganz genau kann ich mich an die Fütterung nicht mehr erinnern - aber eines weiss ich noch ganz genau: Wie oft ich beim Metzger für sie einkaufen war...In aller Regel Hackfleisch, sicherlich sogar Gemischtes, was aber kein Problem war, da ich es eh immer für meine Hündin anbriet. Auch Wurstreste wurden von mir mitgenommen, Hauptsache ich hatte etwas, womit ich das Hundefutter "aufpeppen" konnte, denn ansonsten wurde der Napf oft genug mit Missachtung gestraft.

Am besten funktionierte das Fressen bei ihr, wenn ich von unseren Mittagessen die Reste untermischte - man musste dann nur aufpassen, daß sich Reste und Hundefutter gut vermischt hatten, denn sonst blieb das Hundefutter drin und die leckeren Reste vom MIttagessen waren vertilgt.

Aber offensichtlich war es eine gute Mischung, denn als Reitbegleithund war sie oft Stunden täglich mit mir draussen unterwegs und stets zeigte sie eine hervorragende Konstitution - wobei sie nie dick war.

Aber dicke Kromfohrländer trifft man auch extrem selten, sollte die Zukunft und gefühlte hunderte von Kromfohrländertreffen später zeigen.

Witzigerweise frass Penny trockenes Brot, wenn ich es den Pferden brachte - da wirkte die Konkurrenzsituation unter den Vierbeinern offensichtlich auch bei artfremden Tieren. Wobei ich sicher behaupten kann, daß meine "Penny" und mein Isländer "Leiftri" eine echte Tierfreundschaft verband.

 

Noch während unserer Studienzeit in München begannen mein damaliger Freund und jetziger Mann und ich mit der Nachfolgerin von "Penny" das Aussstellungswesen kennen zu lernen. Und testeten im Laufe der Ausstellungenbesuche jede Menge unterschiedliche Futtersorten, knieten uns in das Thema regelrecht hinein und wälzten viele Fachbücher dazu. Was uns aber in der Praxis nicht viel weiterbrachte, denn unsere Kromfohrländer, mittlerweile waren es mehrere - einte eine Gemeinsamkeit:

sie waren allesamt Futtermäkler.

Was am einen Tag ohne grosse Ziererei verputzt wurde - wobei man sich das so vorstellen muss, daß unsere Hunde erst einmal den Napf genau untersuchten, sich das Ganze erst einmal durch den Kopf gehen liessen und überlegten, ob sie tatsächlich überhaupt Hunger haben. Dann nahmen sie einen Happen in´s Maul, legten ihn daneben und prüften so ein weiteres Mal, ob man a) Hunger hat und b) dieses Futter auch fressen kann.....

Doch wehe, es kam das gleiche Futter am nächsten Tag noch einmal in den Napf!

Ein Blick und der Kromfohrländer wandte sich verächtlich ab!

 

Besonders beliebt ist demzufolge bei Besitzern solcher Kromfohrländer die Aussage vieler Futterberater und Tierärzte: "Es ist noch kein Hund vor dem vollen Futternapf verhungert!"

Was habe ich diesen Spruch "lieben" gelernt und wie gerne hätte ich diesen alles besser wissenden "Fachleuten" einen meiner Hunde für ein paar Wochen überlassen, nur damit sie einmal am eigenen Leib erfahren, wie es ist mit einem Hund zusammen zu leben, für den Futter keine erstrebenswerte Ressource darstellt. Kein Gegenargument galt da und man musste wirklich die Zähne zusammenbeissen, wenn man so von oben herab als kompletter Idiot hingestellt wurde und am liebsten hätte man doch ein paar passende Bemerkungen dazu gemacht.

Aber auch so manch Kromfohrländerbesitzer, welcher das Glück hatte einen gut fressenden Kromi zu besitzen, mokierte sich über die vielen Ratschläge und Tipps, welche an den regelmässig stattfindenden Holderheidetreffen ausgetauscht wurden und mit welchen die Kromi´s zum Fressen überlistet wurden. Wobei es oft nicht ausschliesslich um das Fressen ging - auch die geringe Wasseraufnahme bei den reinrassigen Kromfohrländern stellte die Besitzer gerne vor eine Herausforderung. Wobei viele Kromfohrländerbesitzer noch nicht einmal wissen, daß diese Rasse dazu neigt, zu wenig Wasser bezogen auf den Tagesbedarf aufzunehmen, was besonders bei der Fütterung von Trockenfutter langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

 

Kaum eine Hundefuttermarke, welche wir nicht ausprobierten und gerade im Leistungsbereich zeigte sich recht schnell, welches Futter hochwertig und welches von wirklich minderer Qualität war.

Wir verfütterten unseren Kromfohrländern prinzipiell nur Dosenfutter, da hier von Haus aus genügend Feuchtigkeit im Futter vorhanden war  - es war ja schon so schwer genug, in unsere Kromfohrländer genug Wasser hinein zu bringen, mit Trockenfutter würde das nur unnötig erschwert werden und das wollten wir unseren Hunden und uns ersparen.

Wie zu erwarten führte das Futter mit dem geringsten Fleischanteil (4%) zu einem erschreckenden Leistungsabfall, während das hochwertige Futter neben der Leistungsfähigkeit auch den unschätzbaren Vorteil genoss, daß man im Verhältnis sehr geringe Mengen an Futter geben musste - und dieses Argument wiegt bei einem Kromi viel!

Meine letzte reinrassige Kromfohrländernhündin "Katla" toppte mit ihrem Futtermäkeln allerdings alle unsere vorherigen Kromfohrländer und diese Eigenschaft sollte sie leider auch an viele Kinder weitergeben. Katla frass so wenig, daß ich sie als Junghund sogar der Tierärztin vorstellte, nachdem sich ihr Bauch anfing flächig zentrisch zu röten - ein vorher noch nie beobachtetes Symptom und auf keine äussere Einwirkung zurückführbar.

Auch unsere sehr engagierte Tierärztin stellte diese Veränderung vor ein Rätsel, dafür hatte sie ein spezielles Aufbaufutter für mich parat, welches ich beim Spaziergang von Hand verfütterte - die einzige Zeit, in welcher man Futter in sie hineinbekam.

 

Die Rötung verschwand im Laufe der Zeit ohne Nebenwirkungen, die Futtermäkelei blieb und stellte uns vor eine besondere Herausforderung, als Katla trächtig war und sich abzeichnete, daß sie einen grossen Wurf erwarten würde. Sie brachte mich zur Verzweiflung, denn trotz Trächtigkeit verweigerte sie konsequent das Futter - ein absolutes no-go, denn Mutter und Welpen benötigen gerade in dieser Zeit viele Nährstoffe!

Kurzerhand besorgten wir das energiedichteste Dosenfutter, welches der Markt hergab und setzten Katla auf einen Stuhl und Löffel für Löffel schob ich ihr nun das Futter in das mit meiner linken Hand geöffnete Maul. Zugegeben eine etwas mühselige Angelegenheit, aber von Erfolg gekrönt! Und wer denkt, daß sie nun handscheu wurde und bezüglich von Stühlen ins Meideverhalten ging, der sei eines Besseren belehrt: Katla hatte überhaupt kein Problem damit, gefüttert zu werden, mir ging es jedoch Klassen besser, wusste ich nun sicher, daß sie genügend Nährstoffe zu sich nahm.

Glücklicherweise nimmt das Futtermäkelverhalten mit jedem Wurf, welchen eine Hündin aufzieht, kontinuierlich ab und nach ihrem fünften Wurf konnten wir Katla komplett auf Rohfütterung umstellen und kamen gut damit zurecht.

Natürlich musste nach wie vor jede unnötige Bewegung um sie herum vermieden werden, wenn sie frass und natürlich dauerte es immer noch eine geraume Zeit, bis sie sich entschied, daß das Futter nicht angreift, sondern gefressen werden kann. Aber sie frass - und das war die Hauptsache!

 

Letztes Jahr mussten wir Katla mit über 15 Jahren gehen lassen und seither umgeben uns nur noch Hunde, für welche das Wort "Futtermäkeln" ein absolutes Fremdwort ist!

Und nach über dreissig Jahren Mäkelfresserei ist das eine sehr nette Abwechslung, welche von uns sehr hoch geschätzt wird.

Heute bereiten wir das Futter zu und alle Hunde sitzen schon mit erwartrungsvollen Gesichtern neben und hinter uns. Dann wird das Futter verteilt und ein paar Minuten später kann man die Näpfe wieder einsammeln - fertig!

 

Sollten Sie aber einen wie oben beschriebenen futtermäkelnden Kromi besitzen, dann lassen sie sich nicht einreden, daß Sie selbst das Problem sind!

Tatsächlich hat Futter für viele Kromfohrländer nur einen sehr geringen Stellenwert und entsprechend gering ist sein Interesse daran. Was nicht heisst, daß sie es nicht gegen andere Vierbeiner verteidigen können - und es dennoch nicht fressen....

Viele Kromfohrländerbesitzer haben ihren futtermäkelnden Kromfohrländer tagelang hungern lassen und konseqent immer das gleiche Futter gegeben - das hat manchmal geklappt, in vielen Fällen führte es jedoch nur zu einer erschreckenden Abmagerung des Hundes.

Dann beginnt ein regelrechter Teufelskreis, denn mit der Abmagerung geht ein Verlust von Vitamin E einher. Und Vitamin E - Mangel erzeugt wiederum Fressunlust!!!!!

Es gilt bei futtermäkelnden Kromfohrländern also eine gewisse Gratwanderung zu beherrschen von einer angebrachten Abwechslung im Futter und einer gewissen Konsequenz gegenüber dem Hund, damit ihr Kromfohrländer nicht ausschliesslich diktiert, was er heute zu Fressen wünscht ;-)

 

 

 

 

 

 

 

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