Hundesymposium in Aschau, November 2015

Mitte November war es wieder einmal so weit - das Hundesymposium von animal learn lockte mit überaus interessanten Themen und nachdem auch mein Lieblings-Hundetrainer Anders Hallgren mit zwei Vorträgen vertreten war, lag die Teilnahme von Haus aus auf der Hand.

Am Freitag den 13. September um 13:00 Uhr eröffnete Clarissa von Reinhardt das Symposium und pünktlich um 13:30 Uhr startete Anders Hallgren seinen ersten Vortrag mit dem Thema:


"Die Kehrseite der Medaille - über die Schattenseiten von Obedience-Training".

Für mich ein kurzfristig irreführender Titel, da ich automatisch den Begriff  "Obedience-Training" in die "Sportschublade" getan hatte, Anders Hallgren jedoch ganz allgemein das Gehorsamstraining bei Hunden ansprach. Sein Anliegen war es diesmal, die Anwesenden dafür zu sensibilisieren, dass im Moment ein mainstream auf einen sehr folgsamen und führigen Hund gelegt wird, und zwar unabhängig von seinem Alter, d.h. es wird bereits von sehr jungen Hunden eine ausgesprochene Folgsamkeit erwartet, welche in diesem Alter in der gewünschten Form vom Hund selbst nicht erbracht werden kann. Anders Hallgren macht unter anderem auch das Fernsehen mit seinen bekannten Hundetrainern für diesen Trend verantwortlich, denn die zusammengeschnittenen Sendungen spiegeln nicht die Realität eines auf die Entwicklung des Hundes zugeschnittenen Trainingsprogrammes wider, sondern zeichnen ein verzerrtes Bild eines schnell erzogenen Vierbeiners, welcher in kurzer Zeit erfolgreich zu einem "Ritter-Sport-Hund" erzogen werden kann. Die Bedürfnisse des Individuum "Hund" werden dabei sträflich vernachlässigt und ein Ansteigen von Verhaltensproblemen durch viel zu viel Druck und einer zu hohen Erwartungshaltung an das bellende Familienmitglied sind die Folge. Sein Résumé ist ein Plädoyer für den achtsamen Umgang mit unseren vierbeinigen Freunden, welcher nicht von Überforderung durch zu hohe und nicht altersangepasste Ansprüchen geprägt werden soll, sondern an der Freude miteinander, am gemeinsamen Lernen in einem Umfeld, wo sowohl Mensch als auch Hund Rücksicht aufeinander nehmen und besonders die Besitzer darauf achten, das Lerntempo den eigenen und den Fähigkeiten des Hundes anzupassen.

All dies sollte natürlich auch in einem Rahmen geschehen, in welchem es dem Hund ermöglicht wird, überhaupt lernen zu können - was nur möglich ist, wenn der Hund nicht einer ständigen Kontrolle unterliegt. Wird ein Hund permanent überwacht, sinkt seine Fähigkeit im gleichen Maß, Eigeninitiative zu entwickeln und lösungsorientierte Arbeit ist ihm kaum mehr möglich. Denkt man aber an die hervorragenden Möglichkeiten der Nasenarbeit, ist es genau dieser Bereich, in welchem zum Beispiel Eigeninitiative beim Hund gefordert ist - ganz abgesehen davon, dass Eigeninitiative stark mit einem ausgewogenen Selbstbewusstsein einhergeht - und ein sicheres Wesen fördert. Und ein sicheres Wesen zeichnet in aller Regel souveräne Hunde aus - genau dies also, was unsere Hunde in der heutigen reizüberfluteten Umwelt benötigen!

Seine Kernthese: Nie wird die Trainingsmethode in Frage gestellt, sondern entweder der Hund, der Hundehalter oder der Trainer. Eine Trainingsmethode, welche zum Beispiel bei jungen Hunden auf Kontrolle wie "Leinenführigkeit", statt auf altersgerechte Auslastung basiert, führt früher oder später zu Problemen. Und wie er zum Schluss auch treffend anzumerken wusste:

"Ausgelastete (Jung-)Hunde laufen ganz wunderbar fast von selbst an der Leine..."

Wer also mit einem frischen und energiegeladenen Junghund morgens die erste Gassirunde antritt und sich wundert, warum sein Hund nicht leinenführig ist und darin ein vermeintliches Problem erkennt, ist auf dem besten Weg sich in einem Labyrinth von fehlgesteuerten Hundetrainingsmethoden zu verlieren.

Auch der anschließende Vortrag von Frau Dr. Brigitte Glöwing war für mich Anlass, am Symposium teilzunehmen, stand doch ihr Vortrag unter dem Motto:

"Flimmern im Kopf - Epilepsie beim Hund".

Wer wie wir schon sehr lange mit der reinrassigen Zucht von Kromfohrländern vertraut ist, weiß, dass gerade diese Erkrankung eine häufig auftretende ist und somit lag es nahe, sich hier auf den neuesten Stand bringen zu wollen. Und für absolute Neulinge war es sicher ein interessanter Vortrag - für mich selbst eher enttäuschend, da die Referentin keine eigene praktische Erfahrung im Rahmen von epilepsieerkrankten Hunden aufweisen konnte, sondern lediglich auf den erkrankten Hund einer Freundin ihr Wissen aufbaute. 

Deshalb bot der Exkurs auf die generalisierte Form der Epilepsie für mich keine neuen Erkenntnisse, auch wenn eine Wiederholung und Auffrischung auf jeden Fall empfehlenswert ist! Interessanter war dann der "Ausflug" zu den fokalen Anfällen und dazu war auch ein sehr aufschlussreicher videoclip zu sehen.

Als praktischen Nutzen konnte man zwei Sachen herausfiltern, welche direkt aus der Praxis stammen und von Besitzern an Epilepsie erkrankter Hunde wert sind, überprüft zu werden:

Dies ist die Aussage, dass sich VOR dem Anfall die Pupillen vergrößern - ein wichtiger Hinweis für Besitzer um rechtzeitig einen Anfall zu erkennen und entsprechend reagieren zu können,

und als Zweites, dass die Anfälle deutlich kürzer sind, wenn man den Hund aus der liegenden Position in eine stehende bringt, also während des gesamten Anfalls so hält, dass der Hund dabei permanent stehen kann.

Und dies hat den Vortrag es wert gemacht teilzunehmen - praktische Tipps sind ungemein hilfreich für Betroffene und deshalb an dieser Stelle auch zu finden.

 

Damit endete der erste Tag des Symposiums und ein sehr netter "Nebeneffekt" des Symposiums war ebenfalls schon eingetreten, denn ich hatte ein ungemein nettes Gegenüber: eine ehemalige Züchterin von Basenji´s, einer Rasse, welcher ich ebenfalls sehr zugeneigt bin und ich habe mich sehr gefreut, mehr über die Zucht und Haltung erfahren zu können.


Der Blick aus dem Fenster in Aschau - Berge pur....
Der Blick aus dem Fenster in Aschau - Berge pur....

Am Samstag startete das Symposium pünktlich um 9:00 Uhr mit dem Vortrag von Jaqueline Löhr. Und wer wie ich das Buch von Dieter Kreuzkamp: "Husky-Trail" gelesen hat, wird bestätigen können, dass die mediale Darstellung des Schlittenhundesportes eine durchweg positive ist. Unter dem Titel:

Iditarod - das letzte grosse Rennen der Welt" wusste die Referentin eindringlich die negativen Aspekte dieser Hundesportart uns nahe zu bringen. Eingebrannt in die Netzhaut wird der italienische Musher und Gewinner einer Silbermedaille sein, welcher die totale und engültige Erschöpfung einer Hündin seines Gespannes nicht einsehen wollte und ALLES tat, um sie aus der liegenden Position wieder zum Laufen zu bringen. Man weiß nicht, ob die Hündin das Rennen überlebt hat, der Musher schirrte sie nach dem sehr späten Eingreifen eines Streckenposten aus und legte sie im Schlitten ab - die andere Hündin schikanierte er solange, bis sie taumelnd aufstand und von den anderen Hunden im Gespann dann mitgezogen wurde. Konsequenz: Trotz Aufzeichnung keine Aberkennung der Silbermedaille, lediglich eine Geldstrafe....Wem diese Bilder nicht gereicht hatten, dem gaben die Fakten den Rest und nahmen uns Teilnehmern jegliche Illusion, dass es im Schlittenhundesport um die Hunde geht - es sollte uns nicht erschüttern, denken wir daran, dass wir Menschen als Sportler selbst es sind, welche sich auf Dopingmittel einlassen und viel bereit sind für den Erfolg zu tun, auch mit dem Wissen, dass es dem Körper langfristig schaden wird und ein Sieg nicht wahrhaftig ist. Aber unter Menschen ist es ein selbstgewählter Weg, welcher jeder Sportler sehenden Auges eingeht und seine Leistung findet in einem Umfeld statt, welche ideale Bedingungen für den Erfolg bietet.

Schlittenhunde hingegen vegetieren auf einem Radius von anderthalb Meter vor sich hin, unter unwirtlichen Bedingungen, im eigenen Kot und Urin und mit einer windigen und kalten Hütte als Schutz vor den Unbilden des Wetters und der Temperatur. Nur wenige dieser Hunde sind zu einer Schlittenhundeexistenz bei diesen exorbitant hohen Ansprüchen an Geschwindigkeit, Stehvermögen, Ausdauer und Auszehrung befähigt und wenn von 300 bei einem Musher aufgezogenen Welpen fünf es in diese Auslesegruppe schaffen, dann bleibt die berechtigte Frage, was mit den 295 übriggebliebenen Welpen passiert. Es liest sich dann wie ein Hohn, wenn bei solchen Zwingern die Antwort lautet:

"Sie werden in Familien abgegeben und haben ein schönes Leben als Familienhund."

Will man sich da im wenig besiedelten Alaska wirklich irgendwelchen Illusionen hingeben, WIE viele Schlittenhunde somit tatsächlich überhaupt untergebracht werden können????

Die Gemeinschaft der Musher ist eine eingeschworene Sippe und die Leiden ihrer vierbeinigen Erfolgsträger finden im Verborgenen statt, denn in den Weiten der Strecke und den abgelegenen Gebieten lassen sich Verfehlungen jeglicher Art hervorragend vertuschen. Selten dringt ein videoclip mit negativem Anschauungsmaterial an die Öffentlichkeit und so kann nur ein Boykottaufruf und entsprechendes Bildmaterial eine grundlegende Änderung der bislang verklärenden Sicht auf den Schlittenhundesport den so bedauernswerten Kreaturen helfen.

 

Es folgte ein Referat von Dr. Barbara Wardeck-Mohr über:

"Wenn Hunde vergessen - kognitives Dysfunktionssyndrom"

Dieses Thema lag der Referentin sehr am Herzen und ihr Engagement transportierte das Thema sehr eindringlich hinein in das Symposium. Ein gelungener Vortrag über Demenz bei Hunden und darüber, dass in diesem Bereich echter Forschungsbedarf besteht, denn viel zu wenig ist über Symptomatik und deren Behandlung bei Hunden bekannt.

 

Die Mittagspause bot viel Stoff zum Nachdenken, ein sehr feines Mittagessen und natürlich eine Gelegenheit, die Besitzerin einer Kromfohrländerhündin anzusprechen, welche nicht weit entfernt sass und mir schon am Freitag ins Auge gestochen war;-) Daraus entwickelte sich ein sehr nettes Gespräch und am Sonntag kam ich so zu einem Fototermin mit sogar ZWEI Kromfohrländern. Und dass es sich auch noch um die Verwandtschaft unserer unvergessenen Nauka handelte, machte dieses Treffen zu etwas ganz Besonderem!

 

Viel zu schnell war die Pause dann vorbei und weiter ging es mit dem Vortrag von Sunny Bennett: "Die Gefahren des TV-Hundetrainings"

Da es zu diesem Thema keinerlei Untersuchungen gab, stellte Sunny Bennet sich selbst dieser Aufgabe und legte ein wissenschaftliches Untersuchungsprofil an, um eine differenzierte und fundierte Aussage zu ihrem Thema treffen zu können. Mit dieser ihrer Arbeit wurde sie letztes Jahr in Österreich mit dem Bundestierschutzpreis ausgezeichnet und im Verlaufe ihres Vortrages brachte sie allen Teilnehmern anschaulich nahe, welche Gefahren tatsächlich vom TV-Hundetraining ausgehen und so wundert es nicht, dass sich dieses Referat nahtlos in das von Anders Hallgren vom Freitag einfügte.

Im Fernsehen ausgestrahlte Trainingsmethoden zeigen nur jeweils Ausschnitte von Trainingssequenzen, welche jedoch zu einer geschlossen Folge geschnitten werden und dem Zuschauer eine verzerrte und falsche Realität bei der Ausbildung von Hunden vorgaukelt: Anscheinend funktioniert Hundeerziehung bzw. Umerziehung schnell, effektiv und außerdem problemlos auch unter Zuhilfenahme von Zwangsmitteln.

Ohne Ansehen dessen, ob diese Methode für den eigenen Hund überhaupt passt und ob ich als Besitzer die Fähigkeit habe, meinem Hund das beizubringen, was in einer im Fernsehen ausgestrahlten Form gezeigt wurde, werden die gezeigten Trainingsmethoden übernommen und da es sich um "Profis" handelt, auch nicht in Frage gestellt. Und dass auch "Profis" fragwürdige Methoden anwenden wurde den Teilnehmern spätestens nach diesem Vortrag klar....

Fazit: Sie sind da, die Gefahren des TV-Trainings und man kann nur auf viele kritische Zuschauer setzen, welche erkennen, um was es sich bei diesen soaps handelt:

Um reine Unterhaltung ohne Anspruch auf Wirklichkeit!

 

Der letzte Vortrag des Tages wurde wieder von meinem Lieblingsreferenten zum Thema:

"Die Arbeit als Hundepsychologe - wie soll man mit Problemverhalten umgehen?"gehalten und eigentlich müsste man dazu ein komplettes Kapitel schreiben.

Das ist in diesem Rahmen jedoch nicht möglich und so fasse ich das Thema in den wichtigsten Punkten zusammen.

Problemverhalten impliziert an sich schon ein Problem, nämlich bereits in der Art, wie ich ein Problemverhalten darstelle: Beschreibend oder Funktional bzw. wertend oder nicht wertend.

Und wer glaubt, dass es kein Frage ist, ein Problem objektiv und neutral darstellen zu können, wurde schnell belehrt und wieder auf die richtige Spur gebracht. Die Aussage: "Mein Hund hat den Nachbarn gebissen" weist auf Territorialverhalten hin und vermittelt dadurch bereits ein Diagnoseverhalten, denn die Ursache wurde bereits durch das Territorialverhalten des Hundes diagnostiziert. Die "Bewertung" hat hier, ohne Ursachenforschung überhaupt zu betreiben, bereits stattgefunden.

Ein Hundespychologe hat jedoch die Aufgabe zu hinterfragen, WARUM der Hund gebissen hat und wird sich klare Fakten besorgen anhand von Fragebogen, Vor-Ort-Anschauung und sich ein eigenes Bild durch die Gesamtheit vieler Faktoren machen. Dies schützt den Hund vor voreiligen Schlussfolgerungen und bereitet den Weg zu einer differenzierten Problemlösung, denn abgesehen vom Territorialverhalten kann es natürlich noch sehr viel mehr Möglichkeiten geben, warum " der Hund den Nachbarn gebissen hat". So wie wir mit einer Erkältung zum Arzt gehen, dieser seine Diagnose stellt und uns das entsprechende Medikament als "Therapie" verordnet gehen auch viele Hundetrainer vor - welche Ursache die Erkältung jedoch hatte, wird in dieser Vorgehensweise allerdings nicht hinterfragt und auch nicht, wie man das in Zukunft vermeiden kann. Und so ist es auch bei der Analyse von Verhaltensproblemen bei Hunden ein entscheidender Faktor, nach der Ursache zu suchen und nicht einfach eine Therapie zu verordnen, welche nicht das Grundproblem löst.

Zwei Grundursachen sieht er aus seiner Erfahrung als Auslöser für Verhaltensprobleme:

Stress, ausgelöst durch ein unausgeglichenes Verhältnis zwischen Aktivität und Ruhe, sowie

Schmerz, welcher bislang unerkannt auf den Hund einwirkt und negatives Verhalten auslöst.

Deshalb ist es unabdinglich, bei Verhaltensauffälligkeiten unbedingt eine Gesundheitsabfrage durchführen zu lassen bzw. einen Gesundheitscheck beim TA durchführen zu lassen.

Denkt man an Kromfohrländer, könnte plötzlich auftretende Ängstlichkeit zum Beispiel durch eine nicht erkannte, beidseitig vorliegende Katarakt entstehen - der Hund ist dann so stark durch sein verringertes Sehvermögen eingeschränkt, dass er mit zunehmendem Angstverhalten auf seine Umwelt reagiert.

Viele Beispiele wurden von Anders dokumentiert und anhand dieser konnte man sich gut in die Materie hineinversetzen und das Verständnis für die Problematik im Umgang mit verhaltensauffälligen Hunden wurde anhand dieser Anregungen umfassend vertieft - unnachahmlich ist hier Anders Hallgren Multiplikator für das Verständnis unserer Hunde und wenn auch keine Teilnahme die graue Theorie ersetzt, seine Bücher sind vorbehaltlos empfehlenswert....

Damit endete Tag Zwei mit einem gemütlicher Ausklang des Abends...

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Lissy und Dolce Vita vom Isarflimmern :)
Lissy und Dolce Vita vom Isarflimmern :)

Der letzte Tag startete mit einem Vortrag der Gründerin von animal learn, Clarissa von Reinhardt über "Mehrhundehaltung".

Und um in das Thema korrekt einzuführen, legte sie zuerst einen Grundstein, was ein Rudel und was eine Gruppe überhaupt ist. Denn als "Rudel" bezeichnet man primär einen Familienverband, welcher sich aus verwandten Tieren zusammensetzt, eine Gruppe hingegen ist eine willkürliche Zusammensetzung von Tieren und so kann man bei der "Mehrhundehaltung" korrekterweise von einer "Gruppe mit rudelartiger Struktur" sprechen.

Nachdem die Veranstalterin selbst schon über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg über Erfahrung in der Mehrhundehaltung verfügt, war ihr Vortrag anschaulich, interessant und informativ. Und sie scheute sich auch nicht, öffentliche Kritik  zum Thema "Kastration" zu äußern, nachdem in einem Buch zweier bekannter Autoren über Kastration beim Punkt der gemeinsamen Haltung von einer unkastrierten Hündin und einem potenten Rüden postuliert wurde, dies sei unproblematisch und rechtfertige keinesfalls eine Kastration. Die Anmerkung der Referentin, dass die Autorin selbst vier Hunde hält und davon drei kastriert seien und der Autor über keinerlei Erfahrung in der Mehrhundehaltung verfügt tat das ihrige und solch pikante Informationen nebenbei erhellen manche Hintergründe, auch wenn man die Richtigkeit solcher Aussagen zur Sicherheit selbst noch einmal nachprüfen sollte!

Und ich erinnere mich natürlich noch genau an die Teilnahme vorheriger Symposien, wo auch an diesem Ort vehement jegliche Kastration verteufelt wurde - eine kritische Auseinandersetzung mit einem offenen Ohr für unterschiedliche Sachargumente hilft meiner Meinung nach Dogmatismus zu vermeiden und dient der Sache der Hunde sicherlich am meisten.

Ein weiteres Anliegen war der Referentin das Thema "Passung", ein noch wenig beachteter Themenkomplex, welcher nicht nur in der Mehrhundehaltung unterschätzt wird, sondern häufig auch die originäre Mensch-Hund-Beziehung beeinflusst und viele Probleme durch falsche Passung bereits im Vorfeld erkennbar sind.

Nachdem "die Hunde nicht gefragt werden, ob sie zusammenleben möchten", ist es der Mensch, welcher ein Hunde-Gefüge schafft, das harmonisch funktionieren soll - und dass dies so einfach nicht gelingt oder zuweilen überhaupt nicht gelingen kann, auch darüber wusste Clarissa von Reinhardt aus eigener Praxis zu berichten.

Das ist für uns umso interessanter, als dass man sich anhand dieses Referates einmal vergleichen kann in den Methoden der Mehrhundehaltung und so ist es wichtig zu erkennen, dass jeder Mehrhundehalter für sich den passenden und gangbaren Weg finden muss, um ein Rudel im Sinne der Hunde, aber auch in dem für den Menschen selbst machbaren Bereich zu halten. Und so ist sicherlich der grösste Unterschied in der Mehrhundehaltung von der Autorin und uns darin zu finden, dass wir unsere Hunde "nicht fragen, ob sie zusammen leben wollen", sondern unser Rudel selbst strukturieren, um unseren Hunden eine entspannte und stressfreie Lebensweise zu ermöglichen. 


"Angst sucht Vertrauen - Pille gegen die Angst", so lautete der Titel von Bettina Specht und als Inhaberin der "Hundeschule Tirol" eine praxiserfahrene Hundetrainerin, welche anfing, die von ihrer Kundschaft vorgelegten "Pillen gegen Angst" einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Da Angst mit dem "Gehirn" zu tun hat, folgte von ihr eine schematisch kurze und knappe, aber auf den Punkt gebrachte Einführung in die Materie der Neurotransmitter als Botenstoffe im Gehirn und wie Angstreize dort verarbeitet werden.

Ihr Bericht zeigt auf, dass bei Angststörungen bzw Problemen zunehmend die schnelle Lösung in Form von einer "Pille gegen die Angst" gesucht wird, um die zeitaufwendige und intensive Lösung über die Suche nach dem Grundübel, sprich dem Auslöser der Angst und eine darauf folgende Desensibilisierung zu vermeiden.

Auf dem Markt stehen dem Hundebesitzer zwei Möglichkeiten offen: ein durch den TA verschriebenes Medikament oder ein frei verkäufliches Präparat, welches aus Gründen der Arzneimittelprüfung als "Nahrungsmittelergänzung" deklariert ist. Was sich dann hinter den Inhaltsbezeichnungen tatsächlich versteckt, gestaltete sich als abenteuerliche Reise durch die Welt der Neurotransmitter, gespickt mit viel Eigenironie und Witz (wer käme auf die Idee Neurotransmitter mit facebook zu vergleichen? ;-) sowie der Fähigkeit, dem Zuhörer auch die komplexesten Zusammenhänge verständlich darzulegen. Wer sich hier genauer informieren möchte, dem sei das Skript ans Herz gelegt, welches auch über das Symposium 2015 herausgegeben wird und sicherlich über den animal learn-Verlag zu beziehen ist.

Der Vortrag sensibilisierte auf jeden Fall erfolgreich alle Teilnehmer am Symposium zum Thema Tabletten/Nahrungsmittelergänzungen bei Angst und es ist der Referentin ausgesprochen erfolgreich gelungen, aufzuzeigen welche Grenzen so einer Pille gegen die Angst hat und  - das ist Bettina Specht besonders wichtig, auch zu sagen, wo die Eingabe einer "Pille gegen die Angst" tatsächlich Sinn macht, denn eines ist ganz klar: es gibt einen sinnvollen Einsatz! Diesen jedoch abzuwägen und kritisch dazu Stellung nehmen zu können, das hat die Referentin vollumfänglich erreicht.


Mit diesem Vortrag endete für mich das Symposium, da ich den Nachmittag anderweitig verplant hatte und ich die letzte Referentin dafür sausen ließ. Wer sich also für den Vortrag von Nora Flückiger: "Hunde als Helfer in Not - -Erläuterung der tierschutzrechtlichen Rahmenbedingungen" interessiert, dem sei an dieser Stelle noch einmal das vorhandene script vom Symposium 2015 ans Herz gelegt.


 

 

 

 

 

 

 

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