Zayna vd Holderheide, fröhlich + verspielt...
Zayna vd Holderheide, fröhlich + verspielt...

Für meine Mutter stand von vorneherein fest: Bei uns zieht nur und ausschliesslich eine Hündin ein! Und so machte ich als Jugendliche als erstes mit einer Hündin Bekanntschaft und übernahm, ohne darüber nachzudenken, auch die Vorurteile meiner Mutter gegenüber Rüden....

 

Rufen wir uns noch einmal die Vorteile einer Hündin in´s Gedächtnis:

  • sie ist anhänglicher
  • sie laufen nicht (so weit ) weg
  • sie sind einfacher in der Erziehung

Soweit die gängigsten Argumente, welche allgemein aufgeführt werden und scheinbar für den Erwerb einer Hündin sprechen.

Als Nachteil wird in der Regel die im Schnitt ein - bis zweimal im Jahr auftretende Läufigkeit aufgeführt, welche häufig als sehr lästig empfunden wird.

 

Ist eine Hündin tatsächlich anhänglicher?

Nein, sie ist einfach nur anders als ein Rüde.

Ein Rüde wird, potent, mehr oder minder täglich über seinen Trieb gesteuert, wohingegen Hündinnen triebgesteuert nur während der ca. drei Wochen andauernden Läufigkeitsperiode reagieren und nur in der wenige Tage anhaltenden Standhitze zur Paarung bereit sind.

Eine Hündin ist also eher bereit, ihren Radius in einem engeren Verhältnis zu ihren Besitzern zu halten, da sie nicht wie ein Rüde, über das "Zeitung lesen" ständig versucht herauszufinden, was denn so in der Nachbarschaft los ist und wann wo die nächste Hündin läufig wird.

Typische, über den Trieb gesteuerte Verhaltensweisen werden deshalb gerne falsch interpretiert und Hündinnen als "anhänglicher" gewertet, weil sie von Haus aus nicht die gleichen Geruchsinteressen wie ein Rüde aufweisen. Das macht sie aber nicht "anhänglicher" im Sinne von "treuer", sondern ist nur das sichtbare Zeichen eines anders funktionierenden Hormonsystems.

 

Anhänglichkeit ist stets das unverkennbare Zeichen einer innigen Beziehung zwischen Hund und Halter und sie hängt viel mehr von Rasse, Aufzuchtbedingungen, Umwelt, der Fähigkeit des Halter´s auf die Bedürfnisse seines Hundes eingehen zu können, dem zeitlichen Aufwand, welchen man bereit ist in einen Hund zu investieren und einigen weiteren Faktoren, jedoch nie von der Tatsache ab, ob ich eine Hündin oder einen Rüden besitze!

 

Fazit: Ein Hündin hält sich aufgrund des weiblichen Hormonsystem´s im näheren Bereich zu seinen Besitzern auf als ein Rüde - was nichts mit einer ausgeprägteren Anhänglichkeit der Hündin gegenüber einer verminderten Anhänglichkeit von Rüden zu tun hat!

 

Während beim Rüden die Sexualprozesse in einem sichtbaren Zusammenhang stattfinden, dazu zählt zum Beispiel das klassische Markieren, finden bei einer Hündin die hormonellen Prozesse in einem für den Besitzer nicht sichtbaren Kontext statt.

Besitzer von Hündinnen stellen zwar immer wieder zwischendurch fest, daß ihre Hündin Phasen von Aggression gegen gleichgeschlechtiche Artgenossinnen zeigt, ihnen ist jedoch oft nicht klar, woher diese rühren.

Daß auch eine nicht gedeckte Hündin einem gleichen hormonellen Zyklus wie der einer tatsächlich tragenden Hündin unterworfen ist und ähnliche, manchmal mehr, manchmal weniger stark ausgeprägte Anzeichen dafür aufweist, wissen in der Regel nur Hündinnenbesitzer, welche mit den Folgen der Scheinträchtigkeiten zu tun haben und erkennen oft auch nur diese als einziges Symptom der vorangegangenen Läufigkeit.

Tatsächlich läuft auch bei der nicht gedeckten Hündin eine "Geister-Schwangerschaft" ab, d.h. sie kann zwischen der dritten und fünften Woche nach dem Deckzeitpunkt (in der Regel zwischen dem 11. und 13. Tag vom ersten Blutstropfen an gerechnet) Futtermäkeln aufweisen und kurz vor dem theoretischen Wurftermin erste Anzeichen von Aggression gegen andere Hündinnen zeigen, welche sich bis drei Wochen nach der scheinbaren Geburt verstärken, um dann successive wieder abzunehmen.

Auch das Fressverhalten ändert sich nach der "Geburt", die Hündin frisst wieder vermehrt und gut und sie zeigt häufig auch Brutpflegeverhalten, indem sie ihr Spielzeug im Körbchen bemuttert. Bei machen Hündinnen schiesst sogar Milch ein, was zu den gefürchteten Gesäugeentzündungen führen kann, weshalb einer Hündin viel Bewegung und Ablenkung um diese Zeit herum geboten werden sollte, um dieses Verhalten zu reduzieren oder ganz zu vermeiden.

Allerdings reagiert jede Hündin sehr unterschiedlich und es ist Aufgabe des Halter´s, sie gut zu beobachten und auf ihre individuelle hormonelle Reaktion entsprechend zu reagieren.

 

Somit wird auch klar, daß Hündinnen nur deshalb nicht so weit weg laufen wie ein Rüde, weil sie nicht dauerpotent sind, sondern triebbedingt wenn, dann nur in der Läufigkeitsphase sich auf die Suche nach einem Rüden begeben - so sie dies überhaupt tun, denn auch hier sind Hündinnen sehr unterschiedlich in ihren Reaktionen. Diese reichen hin von der aktiven Suche nach einem Rüden bis zu einem völligem Desinteresse an Rüden selbst in der Standhitze.

 

Und glauben Sie bitte nicht, nur weil ihre Hündin jahrelang an keinem Rüden Interesse bekundet hat, daß dies ihr Leben lang so bleiben wird!

Unsere Kleinspitzhündin "Cora" wies selbst in der Standhitze die unvermeidlichen Besuchsrüden am Haus eisern ab - nie wären wir auf den Gedanken verfallen, daß sich dieses über die Jahre gleichbleibende Verhalten je ändern würde.

Aber kaum hatte Cora die zehn Jahre überschritten, lief sie in der Standhitze prompt und zuverlässig in´s Dorf zu "Marex", einem Rottweiler-Schäfer-Boxermix und ward stundenlang nicht mehr gesehen!

 

"Hündinnen sind einfacher als Rüden".

Ähnlich und vergleichbar sinnfrei, um ein Lieblingswort meines Mannes zu gebrauchen,  sind Aussagen bei Kindern:

"Mädchen sind einfacher als Jungs"...

Das Zauberwort heisst "Erziehung" und diese hängt nie vom Geschlecht eines Lebewesen´s ab, sondern von Faktoren wie: Herkunft, Umfeld, Umwelt, persönliches Engagement, individueller Veranlagung usw.

 

Häufig ist es nur eine Sache des Bauchgefühl´s, ob man eine Hündin oder einen Rüden bevorzugt und lässt sich deshalb auch nicht objektiv erklären.

Bedauerlicherweise leben wir in einer Zeit, in welcher dem Bauchgefühl wenig Vertrauen entgegengebracht wird, dabei erweist sich das Vertrauen darin oft im Nachhinein als richtig - nur fehlt für solche praktischen Erfahrungen stets der "wissenschaftliche Beweis" und wird deshalb gerne als irrelevant bezeichnet.

 

Ob man für sich und seine Familie einen Rüden oder eine Hündin wählt, kann aber auch an äusseren Faktoren festgemacht werden, will man hier eine Entscheidungshilfe. Leben im der Nachbarschaft überwiegend Rüden, kann dies mit einer Hündin durchaus lästig werden, wenn dann die fremden Rüden in den eigenen Garten eindringen oder die Haustüre belagern und entsprechend hoch der Stress auch bei den Besitzern der Rüden ist. Und da wird man dann schon auch mal recht grob aufgefordert, "endlich mal seine Hündin kastrieren zu lassen!". (Und es ist in diesen Fällen vollkommen überflüssig, Rüdenbesitzer darauf hinzuweisen, daß sie dies bei ihrem eigenen Rüden schon längst hätten tun können...)

 

Auch wird ein/e Besitzer/In mit einem Rüden nicht wirklich glücklich werden, wenn das Markieren des Rüden, typisches Rüdenverhalten wie Aufreiten, testen von Urin bei Hündinnen etc. von vorneherein auf instinktive persönliche Ablehnung stösst.

In diesem Fall sollte man sich immer für eine Hündin entscheiden.

 

 

 

 

                                                                             copyright Sybille Nass, September 2014

 

 

 

 

 

 

 

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