Mit schöner Regelmäßigkeit erreichen mich "Hilferufe" von Kromfohrländer-Rüdenbesitzern, verbunden mit der Fragestellung: "Warum benimmt sich mein Rüde plötzlich wie ein Berserker an der Leine, wo er doch bis vor Kurzem noch ein vollkommen unauffälliger Vierbeiner war? Und hilft eine Kastration, um das rüpelhafte Benehmen meines Rüden in den Griff zu bekommen? Eigentlich möchte die Züchterin, dass wir ihn zur Zucht zulassen - aber macht das mit diesen Problemen überhaupt Sinn?

 

Hier ist guter Rat oft im wahrsten Sinne des Wortes teuer, kaum eine Hundeschule kann anhaltende Erfolge im Training verbuchen und die betroffenen Rüdenbesitzer fühlen sich hilflos und alleine gelassen in ihren Nöten...

 

Exemplarisch an dieser Stelle einer dieser "Hilferufe":

 

"Als Hundeanfänger hatten wir immer mit Kleinigkeiten zu kämpfen, aber mittlerweile macht uns das Verhalten unseres Kromfohrländerrüden´s zunehmend Sorgen. Vor einiger Zeit hat er begonnen, einen Hund zu attackieren und etwas später einen Weiteren, wieder einen Rüden, und kam mit einem Büschel Haare im Maul zu uns zurück. Seither sind Begegnungen mit Geschlechtsgenossen für uns ein Problem, denn es wird immer schwieriger, Hunden zu begegnen, ohne dass es zu Konfrontationen kommt. Von verschiedenen Fachleuten haben wir bereits versucht Rat zu holen, unser Tierarzt empfiehlt eine Kastration und die zwei konsultierten Hundetrainer haben uns nicht wirklich helfen können. Leider ist unser Rüde auch auf Welpen nicht sehr gut zu sprechen und verhält sich ihnen gegenüber sehr griffig, was wir nicht verstehen, da diese doch Welpenschutz besitzen.

Nachdem unser Züchter uns nahegelegt hat, unseren Hund zur Zucht zur Verfügung zu stellen, beschäftigt uns diese Thematik ebenfalls, denn wir wissen nicht, ob ein Hund mit diesen Eigenschaften überhaupt zur Zucht geeignet ist.

Können Sie uns raten oder weiterhelfen?

Meine Antwort darauf:

 

"Grundsätzlich ist es sehr schwierig, mit Tipps von diversen Hundetrainern in Bezug auf Kromfohrländer umzugehen, denn in aller Regel haben diese vorher noch keinen Kromfohrländer kennengelernt und wissen von daher wenig über die rassespezifischen Eigenschaften. Es bleibt außerdem zu bedenken, dass gerade diese Rasse, so unterschiedlich im Aussehen sie ist, auch unterschiedlich im Wesen ist. Was also für den einen Kromi recht ist, muss für den nächsten deshalb nicht unbedingt billig sein, das heißt, zu ihm passen....

 

Kromfohrländer haben wie oben erwähnt rassetypische Eigenschaften und das macht sie auf der einen Seite so wert und teuer, aber - wie überall - sind viele Vorzüge begleitet von Nachteilen und es gilt, sich derer bewusst zu werden und zum Nutzen aller, zu lernen damit umzugehen.

 

Ich möchte Ihnen eine dieser negativen Eigenschaften  - eine ausgesprochen typische für diese Rasse - anhand eines Beispiels versuchen näher zu bringen.

 

Kromfohrländer haben einmalige Wesensveranlagungen und eine ganz besondere ist seine extreme Anhänglichkeit an seine Besitzer. Nie muss man ihn rufen, er kommt schon im Welpenalter  sehr zuverlässig und dank dieser Anhänglichkeit kann man ihn unbesorgt überall ohne Leine laufen lassen, einfach weil er gar keinen Sinn darin sehen würde, seinen Besitzer zu verlassen - auch nicht für seine vierbeinigen Freunde!

(Rüden vielleicht für eine läufige Hündin - aber das ist eine ganz andere Baustelle...)

 

Wir besitzen also ein Tier, welches trotz des Reizes von Artgenossen von klein auf den Kontakt zu Menschen vorzieht - und das ist auch der Knackpunkt: Kromfohrländer sind in höchstem Maße MENSCHENHUNDE, ihnen fehlt die Komponente der innerartlichen Kommunikation. Ich hoffe, Sie haben schon von Turid Rugaas und ihren Beschwichtigungssignalen gelesen oder gehört: der Kromfohrländer kennt und kann nur einen Bruchteil der beschriebenen Beschwichtigungssignale, welche zur sozialen Kompetenz gehören, ausführen! Entsprechend schlecht ist seine Kommunikationsmöglichkeit unter Artgenossen.


Um Ihnen das in einem praktischen Beispiel näher zu bringen, ein kurzer Schwenk zu Kindern:

Wie wir haben Sie möglicherweise ebenfalls Kinder und ich gehe davon aus, dass es sich bei den ihren ebenso verhält wie bei den unseren: sie haben zwar die gleichen Eltern, sind aber im Wesen sehr unterschiedlich. Bei uns ist der eine Sohn künstlerisch sehr begabt, während sein Bruder von dieser Begabung nur rudimentäre Bruchstücke besitzt. Nun könnten wir ihn zwingen, diesen künstlerischen Mangel durch entsprechenden Unterricht zu kompensieren, in der Hoffnung, dass er irgendwann der Fähigkeiten seines Bruders entsprechen. Aber wir werden bei diesem Projekt scheitern, und deshalb fördern wir ihn da, wo ER seine Begabungen hat - und die liegen eindeutig NICHT im künstlerischen Bereich!


Sie müssen sich das nun vorstellen wie bei unserem Sohn und seiner praktisch nicht vorhandenen künstlerischen Veranlagung -  es macht bei einem Kromfohrländer keinen Sinn, soziale Kompetenz zu verlangen oder anzutrainieren - ER BESITZT SIE NICHT!

Darin ist auch eine der Ursachen zu sehen, warum Ihr Rüde mit Welpen nicht umgehen kann: er kann deren Sprache nicht "lesen" und deshalb kennen sie auch keinen "Welpenschutz" bei Welpen.

 

Bis zur Pubertät verhalten sich Kromfohrländer in aller Regel unauffällig gegenüber Artgenossen, mit Einsetzen der Pubertät ändert sich dies im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht und hat ein Rüde gestern noch mit allen Hunden gespielt und ist ihnen freundlich begegnet, so zeigt er am nächsten Tag ein vollkommen anderes Gesicht - Sie haben es ja kennengelernt, als er unvermutet andere Hunde ohne einen ersichtlichen Grund angegriffen hat. Die Defizite im sozialen Bereich kommen im Welpenalter und während der Jugendzeit nicht zum Tragen, aber mit dem "Erwachsenwerden" werden sie nun unmittelbar präsent und haben eine folgenreiche Auswirkung. Und werden durch einen weiteren Umstand verstärkt, welcher ebenfalls zu den angeborenen Verhaltensweisen des Kromfohrländers gehört: er ist von ängstlicher Wesensveranlagung, was ihn - leider - zu einem typischen "Asterix-Hund" macht: Angriff ist die beste Verteidigung....

 

Die Pubertät geht mit einer Hormonumstellung einher und damit enden vorbehaltlose Spiele mit Artgenossen. Kromfohrländerrüden definieren sich nun neu und testen einen "anderen" Umgang mit - besonders - gleichgeschlechtlichen Artgenossen! Ihre ängstliche Natur wird hierbei durch ihre Intelligenz und Schnelligkeit kompensiert, denn frei nach dem Motto "Ich greife einfach mal an und sehe dann, was passiert" attackieren sie nun fremde Hunde (die Jugendfreunde werden in aller Regel von diesem Verhalten ausgenommen!), testen, wie weit sie mit diesem Verhalten kommen und stellen schnell fest, dass ihre Strategie des Hinrennens, ein paar feindliche Haare rupfen und gleich wieder wegrennen, aufgeht.

So schnell kann sich der attackierte Gegner gar nicht umdrehen, da ist der kleine Kromi schon über alle Berge und lacht sich in das Pfötchen - kein Wunder, wenn er dadurch Oberwasser bekommt und dieses Verhalten ausbaut. Und er scheut sich nicht, selbst sehr große Hunde in dieser Manier anzugreifen!

In dieser Situation wäre es für Kromfohrländerbesitzer grundlegend wichtig, schon bei der Abgabe über dieses Verhalten aufgeklärt zu sein, denn wie ich Ihnen anhand dem Beispiel unserer beiden Söhne bereits erklärt habe, ist es unmöglich, nicht angeborene Veranlagungen durch Unterricht im betroffenen Bereich, und sei er noch so intensiv, nachhaltig zu verbessern. Deshalb scheitern viele Hundetrainer zwangsläufig, wenn sie diese Hunde in sogenannte "Sozialgruppen" verdonnern, um ihnen soziales Verhalten anzutrainieren - mit dem Ergebnis, dass alle Beteiligten, Zweibeiner wie Vierbeiner, einer enormen Frustration ausgesetzt sind.

 

Da Kromfohrländer ungemein schnell lernen, spielt nicht nur seine angeborene Veranlagung eine Rolle, sondern maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist die Interaktion zwischen Besitzer und eigenem Hund auf der körpersprachlichen Ebene. Und um diese zu beurteilen, bedarf es eines persönlichen Kontaktes, nur hier lassen sich weitere wichtige Erkenntnisse im Team Mensch-Hund ableiten.

 

Viele Missverständnisse sowohl bei Besitzern, Tierärzten, aber auch Hundetrainern beruhen auf Fehlinterpretationen in der Körpersprache unserer Kromis.

In aller Kürze hier ein klassisches Beispiel aus der Praxis: Rüdenwelpen dieser Rasse sind sehr häufig hypersexuell, das heißt, sie fangen schon sehr früh an, oft bereits noch während sie mit ihren Geschwistern zusammenleben,  auf anderen Welpen aufzureiten. Und zwar unabhängig vom Geschlecht. Dies verführt in Welpengruppen die Trainer immer wieder zu der irrigen Aussage, dass es sich hierbei um ein Dominanzverhalten handelt, mit fatalen Folgen in der weiteren Haltung des betroffenen Kromfohrländers. Dem Besitzer wird vermittelt, dass man solchen Hunden auf jeden Fall salopp ausgedrückt den "Schneid abkaufen muss" durch entsprechenden Umgang. Er darf nicht auf das Sofa, er darf nicht als Erstes durch die Türe, er bekommt erst sein Futter, wenn wir gegessen haben - eben alle "Regeln", welche von sogenannten Hundeprofis für die Haltung von dominanten Hunden erstellt wurden.

Nur dass wir überhaupt keinen dominanten Hund besitzen!

In über dreißig Jahren Umgang mit dieser Rasse bin ich noch keinem einzigen dominanten Kromfohrländer begegnet - und es waren Hunderte! Dass Kromfohrländerrüden als Welpen bereits "rammeln" liegt ausschließlich an ihrem Sexualtrieb und hat deshalb nichts mit Dominanz zu tun! Entsprechende mit dem Triebverhalten einhergehende Probleme sind deshalb für diese Rasse typisch, an dieser Stelle seien die häufig auftretenden Prostata-Probleme angeführt, welche Ursache vieler Kastrationen sind.

 

Ängstliche Naturen sind viel mehr als selbstbewusste Persönlichkeiten auf feste Strukturen und klare Anweisungen angewiesen, um für sich selbst die daraus entstehende Sicherheit ziehen zu können. Das bedeutet in der Haltung von Kromfohrländern, dass sie eine solide Basis an Grundkommando´s sicher und zuverlässig beherrschen sollten, damit sie in schwierigen Situationen "funktionieren" können - müssen sie hingegen selbst ausprobieren, wie sie sich in problematischen Begegnungen verhalten sollen, erzieht man sich zum Beispiel einen Leinenmacho von ganz alleine heran.

Meine Erfahrung in diesem Bereich ist diesbezüglich sehr aufschlussreich, denn viele Hundebesitzer erklären mir überzeugend, dass ihr Hund "Sitz" und "Bleib" kann, sich aber entweder dem "Platz"-Befehl lange verweigert hat und es deshalb nicht mehr weiter geübt wurde - und der Besitzer in der Folge oft zu dem Ergebnis kommt, dass sie das "Platz" ja auch eigentlich nicht brauchen....

In der Praxis sieht es in aller Regel so aus, dass diese Kommando´s ohne Ablenkung sehr zuverlässig ausgeführt werden, aber die Hunde selbstständig entscheiden, wann der Befehl aufgehoben wird und unter Ablenkung klappen diese zu den Minimal-Anforderungen gehörenden Anweisungen mehr schlecht denn recht.

Ängstliche Hunde benötigen aber, um dies zu wiederholen, Sicherheit!

Sicherheit erlangen sie dadurch, dass man ihnen sagt, was sie wie lange zu tun haben. Heben die Vierbeiner die vom Besitzer gegebenen Anweisungen immer wieder selbständig auf, verliert der Besitzer an Respekt - und der Hund an Sicherheit, denn Respekt flösst gleichzeitig auch Sicherheit ein - und die braucht ein Kromfohrländer.

 

Anhand dieser Ausführungen können Sie sicherlich bereits herauslesen, dass es auf offene Fragen keine einfache Antwort geben kann, sondern ein Kromfohrländerbesitzer sich dazu bereit erklären muss, eine neue Herangehensweise an seinen Hund zu lernen.

 

Auf dieser homepage finden sich viele weitere Informationen zu diesen Problemkreisen.

Es ist auffällig, wie viele Besitzer mit der Rüden/Leinenproblematik kämpfen und auf der Suche nach Hilfe sind. Betroffene, welche die Berichte von Teilnehmern an den Rüdenseminaren lesen, schöpfen daraus sehr viel Hoffnung.

Berechtigte Hoffnung, denn die Probleme lassen sich lösen. Der Weg dorthin ist jedoch mit Arbeit verbunden und jene Menschen, welche sich eher quasi einen "Schalter" erhoffen, mittels welchem sie das Fehlverhalten ihres Hundes löschen können, ohne selbst ihren Anteil an Arbeit beizutragen, werden auch weiterhin scheitern!

Manifestiertes negatives Verhalten benötigt eine kompetente Beurteilung, ausführliche Beratung, eine korrekte fachliche Anleitung, hochmotivierte Besitzer, Zeit und letztendlich auch Geld, denn anfallende Kosten wollen ebenfalls gedeckt sein. Nur wenn Sie als Besitzer dazu wirklich bereit sind, werden sich die Probleme lösen lassen - einen "Abschaltknopf" für einen Kromfohrländer gibt es nicht!

 

 

 

 

 

 

 

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