Warum Möpse keine Luft bekommen und wie Qualzucht bei Hunden entsteht

Wir Alle kennen Möpse mindestens seit einer dieser knautschigen Gesellen im Haushalt "Loriot" eingezogen ist und daraus sich das geflügelte "Wort" abgeleitet hat: "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos..." wunderbar abwandelbar auf überhaupt jeden Hund :-)

Aber nicht nur dieser Spruch hat Einzug in fast alle Hundehaushalte gehalten, auch das Bild des Mopses wurde damit gesellschaftlich verankert. Und ist damit auch nie aus der Mode gekommen! Im Gegenteil, mehr denn je sieht man Möpse mit ihren Besitzern in Stadt und Land und sie steigen eher in ihrer Beliebtheit, als dass diese sinkt.

Der Unterschied heute besteht allerdings darin, dass mittlerweile sein Ansehen nicht mehr unkritisch betrachtet wird, sondern immer wieder im Fokus seine mangelnde Bewegungsfähigkeit verbunden mit einer ausgeprägten Kurzatmigkeit im Fokus stehen im Sinne einer Qualzucht bei Rassehunden.

Immer wieder stellen sich NICHT-Mops-Besitzer die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte - wie konnte es geschehen, dass Möpse über keinerlei Fang mehr verfügen, die Augen hervorquellen, sie bereits nach geringer Belastung außer Puste sind, diese Operationen zur Vergrößerung der Nasenlöcher erdulden müssen, das Gaumensegel operativ gekürzt werden muss - alles Dinge, welche von außen betrachtet eine doch so offensichtliche Qual für den Mops bedeuten?

Wollen denn die Mopsbesitzer nicht sehen, was sie ihrer geliebten Rasse mit diesen Merkmalen wie kaum Fang, hervorquellenden Augen, Fettleibigkeit usw. antun?

Und vertreten wir als Außenstehende nicht oft genug die Meinung, dass wir als Nicht-Mopsbesitzer frei von solchen Vorstellungen sind und quasi es uns erlauben dürfen, über die Züchter und ihre Besitzer urteilen zu können - sie verurteilen können? 

Können wir uns es zum Beispiel als Besitzer von rauhaarigen Kromfohrländern wirklich erlauben, den Stab über diese Züchter zu brechen, welche für so viel Leid bei den Möpsen verantwortlich sind?

Oder ist es möglich, dass wir im Grunde eigentlich nicht anders "gestrickt" sind? 

Eine provokante Frage, der wir gerne auf den Grund gehen möchten, aber holen wir noch einmal kurz aus: wir sind seit drei Jahren glückliche Mopsbesitzer und damit sensibilisiert für die Probleme dieser Rasse - ABER: wir sind Kromfohrländerzüchter, welche mit Herzblut die rauhaarige Variante züchtet und dies schon einige Jahrzehnte, verbunden mit der entsprechenden Erfahrung und viel praktischem Wissen.

Der rauhaarigen Kromfohrländer unterliegt, wie vielen seiner Gattung, einem im Schnitt zweimal im Jahr stattfindenden Haarwechsel. 

Die Natur hat diesen Haarwechsel beim Wolf und seinen "Haarverwandten" sehr klug eingerichtet, indem er sie mit warmer Unterwolle und schützendem Deckhaar ausgestattet hat, wobei die wärmende Unterwolle im Frühjahr abgestoßen wird und der Wolf mit seinen Haarartverwandten lediglich durchs dornige Gestrüpp streichen muss, um die lose Unterwolle zu entfernen, denn Dornen und spitze Äste verhaken sich zur Freude der Vögel im Frühjahr in der Unterwolle und ziehen diese aus dem Fell der Vierbeiner. Ohne Fremdeinwirkung kann so der von der Natur vorgesehene Fellwechsel problemlos stattfinden! Genial, wie "Mutter Erde" Probleme löst!

Weniger genial ist das, was Menschen machen - denn als es zu einer Mutation bei den Hunden kam, wurde diese vom Menschen für wohl befunden und hinfort gezielt gezüchtet: der rauhaarige Hund ist eine von Menschenhand gewollte Variante des Wolfes/Haushundes - gezüchtet weil: sie uns gefällt!!! Wer sich einmal intensiver mit Rassehundezucht auseinandergesetzt hat, wird festgestellt haben, dass sehr viele Rassen allein dem Willen einzelner Menschen seine Entstehung verdanken - so auch unser Kromfohrländer, welchen es ohne das Stehvermögen von Frau Ilse Schleifenbaum nicht geben würde...

Rauhaarige Hunde - die Variante, welche Frau Schleifenbaum auch anerkennen ließ, verfügen wie alle rauhaarigen Haarvarianten über Unterwolle und Deckhaar - bis dahin also kein Unterschied zum Urahn Wolf. Allerdings nur in der Theorie, vollkommen anders sieht es in der Praxis aus. Wo die Natur bei Wolf und Co es so eingerichtet hat, dass der Fellwechsel vom Wolf aktiv selbst vorgenommen und erfolgreich durchgeführt werden kann, so erfolglos ist diese Praxis für unsere rauhaarigen Hunde!

Wo immer der Mensch in die Natur eingreift, da zeigt sie allzuoft Mängel und so auch beim Fell der Rauhaarigen: hier ist der Haaraufbau nämlich genau umgekehrt wie in der Natur: statt der Unterwolle wechselt die rauhaarige Fellvariante das Deckhaar, während die Unterwolle als dauerhaft bestehende Schutzschicht nicht gewechselt wird..

Der Wechsel des Deckhaares ist jedoch in der Natur NICHT vorgesehen und damit verbunden haben wir dann auch schon das Malheur: unser rauhaariger vierbeiniger Freund kann durch das Gebüsch streifen so viel er will - er bekommt sein Haar einfach nicht los! Zwar juckt es ihn und lose wird es auch, die Deckhaare sind abgestorben und matt - aber auch wälzen auf dem Teppich oder auf dem geliebten Spielzeug führt nicht zum Ziel: das Haar sitzt- locker zwar, da tot - aber doch zu fest, als dass unser Hund es selbst loswerden kann.

Abhilfe wäre leicht zu schaffen, das Wort "Trimmen" ist kein Unbekanntes, ABER: uns - wir als Besitzer! - uns gefällt dieser "Wuschelhund"! Sieht er nicht allerliebst aus mit seinen langen Haaren? Ist es nicht genau das Haar, welches wir uns eigentlich vorgestellt haben, als wir uns für diese Rasse entschieden haben?

Ja! Ja! Ja!

Und weil uns dieses tote, lange Haar so gut gefällt, werden wir den Teufel tun und es entfernen! Dann hätten wir ja einen Hund, welcher auf einmal ziemlich kurz ist und in sein langes Fell erst einmal wieder hineinwachsen muss! Und das dauert!

Dann doch lieber täglich bürsten und die Haare um die Augen herum mit der Schere entfernen - dann sieht er genug und das lange Haar bleibt! Und ganz ehrlich: er fühlt sich doch wohl unser Hund! Wir tun doch alles für ihn! Auch wenn er nicht reden kann mit uns, unser Hund, ich kenne ihn und ich weiß, dass er sich mit diesem langen und toten Haar wohlfühlt!!!!

ICH weiß es, ICH kenne ihn, ICH entscheide, was mit meinem Hund passiert!!!!!

Und wollen wir da wirklich über einen Mopszüchter urteilen, welcher auch nur das züchtet, was IHM gefällt und wo ER der Meinung ist, dass SEINE Vorstellungen dem Hund zumutbar sind?

Haben SIE als Rauhaarbesitzer je ihren Hund "gefragt", ob es ihm gefällt wider der Natur mit Unmengen von totem Pelz auf dem Körper herumzurennen?

Haben Sie je SICH einmal gefragt, ob SIE nicht vielleicht doch alle Hinweise konsequent ignorieren, mit welchen IHR Hund ihnen zeigen will, dass er SEHR WOHL sein totes Haar loswerden will - indem er sich auf Spielzeug wälzt, durch Gebüsch rennt, sich am Baumstamm reibt oder wie auch immer in Hundesprache ausgedrückt klar machen will, dass der Fellwechsel im Gange ist und das Haar RAUS MUSS ?????

Wenn es aber unser eigener Egoismus ist, welcher uns wider der Natur einen Hund halten lässt, der zwar Unterstützung durch Menschenhand im Fellwechsel benötigt, aber aufgrund eines "egoistischen Schönheitsbildes" genau diese erforderliche Unterstützung nicht erfährt - wo fängt dann denn die Grenze an, wo Hunde sich in ihrer eigenen Haut nicht mehr wohlfühlen und ist es dann überhaupt noch die Frage, WARUM es Qualzucht überhaupt gibt? Fängt Qualzucht dann nicht bereits im Kleinen an, ohne dass wir dies wahrhaben wollen?

 

Was mir wichtig ist: ich möchte dazu anregen, über das eigene Verhalten einmal nachzudenken - und zwar im Sinne der Hunde. In unserem Fall im Sinne unserer rauhaarigen Kromfohrländer. Überall im Netz, auf Instagram, auf Facebook - immer wieder sind jede Menge Bilder von rauhaarigen Kromfohrländer zu finden, welche im Leben noch nie einen normalen Fellwechsel durchlaufen durften - und ich kenne die Aussagen vieler Wuschelkromfohrländerbesitzer, die da lauten, dass er genau so am süßesten aussieht und man das auf KEINEN Fall ändern möchte, indem man womöglich den Hund trimmen lässt.

Genau wie der Mops nie gefragt wurde, ob einen Fang haben möchte oder nicht, genauso wenig werden diese rauhaarigen Kromfohrländer gefragt, ob es ihnen gefällt in diesem unnatürlich gewachsenen Pelz...

Der Mops hat gegenüber dem rauhaarigen Kromi allerdings den "großen Vorteil", dass sein Leiden gar so offensichtlich ist und es ein - leider zu kleines - kritisches Klientel an Käufern und Züchtern gibt, welche so eine echte Qualzucht nicht unterstürzen.

Es ist beim Kromi "nur" Haar - und das tut doch nicht weh... Nein, das tut es nicht - aber umso mehr sollten wir jetzt verstehen, wie Qualzucht entstehen kann!

Es zählt einzig was dem Menschen gefällt - und nicht, was dem Hund wohltut!

 

 

 

 

 

 

 

Herzlich willkommen auf unserer homepage!

Wir freuen uns über Ihren Besuch und wünschen

viel Freude beim schmökern und stöbern:-)