Kennen Sie solche und ähnliche Aussprüche: "Schau, das macht (das Kind) genau wie die Oma!", "Na, da merkt man wieder, da hat die musische Begabung der "Meyers" mal wieder durchgeschlagen", oder "Ich konnte als Kind auch nie verlieren - das hat er von mir;-)".

Man könnte solche Sätze in unendlicher Folge fortsetzen und immer wieder werden Eltern oder Großeltern bei ihren Kindern bzw Enkelkindern Verhaltensweisen und Anlagen wiedererkennen, weil sie entweder ihnen von sich selbst bekannt vorkommen oder von der Mutter, dem Vater oder einem anderen lieben Verwandten. 

Und was in keinem Fall je von Eltern oder Großeltern in Frage gestellt würde ist, dass sich bei den Kindern Anlagen und Verhaltensweisen widerspiegeln, welche wir von uns selbst oder unserer Familie kennen.

Und so erklären sich im Umkehrschluss auch viele Probleme von Adoptiveltern, welche nicht auf den Fundus ihrer eigenen Erfahrungen und Anlagen zurückgreifen können, was das "fremde" Kind für Adoptiveltern viel schwerer begreifbar und verstehbar macht.

 

Nun, bei unseren Hunden möchte uns die Wissenschaft vermitteln, dass genau die oben beschriebenen - und uns bei Menschen vollkommen selbstverständlich erscheinenden ererbten Verhaltensweisen bei Hunden praktisch nicht existieren, bzw um es im Fachjargon auszudrücken:

"Die Vererbung des Verhaltens ist bei Hunden ist nur gering heritabel". 

So nachzulesen in vielen kynologischen Fachbüchern, zuletzt von mir gehört beim Vortrag von Frau Professor Sommerfeld-Stur in Düsseldorf, siehe unter Fortbildung.

 

Wir sind als kritische Züchter bekannt und haben gelernt, Sachen und Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern zu hinterfragen und liest man sich in die entsprechende Fachliteratur ein, so stellt man ziemlich schnell fest, dass viele Quellenangaben in anerkannten Büchern veraltet oder ungenau sind. Da wurde nur ein einziger Wurf untersucht, aber das Ergebnis als allgemeingültig übernommen, es wurde Verhalten nur in einer streng eingegrenzten Phase untersucht, unterschiedliche Rassen vereinheitlicht usw., usw. Jeder Leser möge sich hier einmal selbst auf die Reise begeben und die Quellenangaben genau unter die Lupe nehmen, es ist eine sehr lehrreiche Erfahrung, die man dabei machen darf.

 

Warum "erdreisten" wir uns nun als offizielle "Nicht-Wissenschaftler" so kritisch mit anerkannten Fachleuten umzugehen, bzw. diese in Frage zu stellen? Wie kommen wir dazu?

 

Zum Einen, weil uns ein gutes Wesen unserer Hunde in der Zucht ein ernsthaftes Anliegen ist und wir uns deshalb ausführlich mit diesem Umstand beschäftigt haben - und das fängt schon mit der Definition an, "Was ein gutes Wesen" überhaupt ist, und zum Anderen, weil wir neben der Theorie über eine ausgesprochen umfangreiche Praxis verfügen, welche bei der Rasse der Kromfohrländer prädestiniert ist, Behauptungen wie: "Hundeverhalten ist nur gering erblich" zu widerlegen.

Die Rasse der Kromfohrländer ist auf eine praktisch auf Deutschland begrenzte Zucht (die wenigen ausländischen Zuchten sind tatsächlich zu vernachlässigen, dank des hohen Inzuchtkoeffizienten in der Rasse sind die Daten und Ergebnisse aber absolut vergleichbar) mit im Jahr rund 200 Welpen, mal mehr und mal weniger. Es geht auch hier nicht um die exakte Zahl, sondern darum, festzuhalten, dass die Nachzucht überschaubar ist in ihrer Menge und sich deshalb Studien zum Wesen und zum Verhalten sehr leicht durchführen lassen. Eltern, Großeltern, Urgroßeltern - alles lebt in Deutschland und kann zu großen Teilen - klammert man die persönlichen Kontakte aus - auf Ausstellungen, Spaziergängen, Körungen und anderen Veranstaltungen regelmäßig in der Öffentlichkeit beobachtet werden.

Dies zu beleuchten ist uns auch deshalb ein hohes Anliegen, weil durch die Fachliteratur einerseits vermittelt wird, dass sich das Wesen wenig vererbt, auf der anderen Seite das Wesen bzw Verhalten durch den Züchter, bzw durch die Aufzucht angeblich maßgeblich geprägt wird - und eben nicht durch das Wesen der Eltern!

Wobei der Mutterhündin ein gewisser Stellenwert zugeordnet wird durch ihr eigenes Verhalten, welches sich auf die Welpen positiv oder negativ auswirkt.  Auf einen einfachen Nenner gebracht: Kläfft die Mutter in der Welpenstube auffällig, ist es auch nicht erstaunlich, dass dies die Welpen später tun, denn: "sie haben es ja von der Mutter gelernt". Die Frage, ob es eine Grundwesensart der Mutterhündin ist, zu kläffen, diese Frage wird nicht gestellt - das wird lediglich den Deutschen Spitzen unterstellt, denn "die sind Kläffer!"

Und hier haben wir sie schon die Crux: War erst das Ei da, oder doch erst die Henne?

Gab es einen einzigen Spitz, oder seien wir großzügig, zufällig mehrere, welche ohne Grund kläfften - und hat sich das im Laufe der Zucht potenziert, so dass die Spitze - eigentlich dann doch zu Unrecht? - als Kläffer verschrien werden???? Oder wurden Welpen aus welchen Gründen auch immer zum kläffen animiert, was sie dann locker flockig wieder an die eigenen Welpen weitergegeben haben? Also erlerntes Verhalten weitervererbt haben?

 

Manchmal hilft es, absurde Fragen zu stellen, um einem wahren Kern auf die Spur zu kommen!

 

Eines der Hauptkritikpunkte bei einer Diskussion um ein "gutes" Wesen wird immer sein, dass Wissenschaftler, Kynologen, Züchter und Hundebesitzer dazu eine ganz eigene Vorstellung haben.

In der Wissenschaft besteht grob zusammengefasst Einigkeit darüber, dass das Wesen die Gesamtheit aller ererbten und erlernten Eigenschaften in Bezug auf die Umwelt und den Menschen ist - und uns damit keinerlei Hilfestellung darüber gibt, was unter einem guten Wesen zu verstehen ist.

Von Rassezuchtvereinen wurden von Wissenschaftlern aufgestellte sogenannte "Wesenstests" zur Überprüfung von Zuchttauglichkeiten übernommen und durchgeführt - mit in aller Regel unbefriedigenden Ergebnissen, da man schnell festgestellt hat, dass unter Prüfungsbedingungen die Hunde sich anders darstellen als im "Normalzustand" und bestimmte Prüfungsteile "eingeübt" werden können, was eine reelle Wesensüberprüfung ad absurdum führt. So wird beim Wesenstest der zu körenden Kromfohrländer ein Aneinandervorbeilaufen von zwei gleichgeschlechtlichen Hunden gefordert - was bekanntermassen zu Leinenaggression führen kann. Und um diesen Umstand zu verhindern, wird vor der Körung fleißig geübt, so dass der Hund an exakt diese künstlich herbeigeführte Einzelsituation gewöhnt wird und auf den Punkt genau so wie gewünscht reagiert - nämlich ruhig und gelassen am fremden Hund vorbeigeht. Wir unterschlagen hier das Wissen, dass Kromfohrländer mit Hunden ihrer eigenen Couleur von Haus aus weniger Schwierigkeiten haben und so mancher Hund dank der Pharmaindustrie sehr gelassen zu reagieren vermag...

Man darf sich aber ruhig fragen, warum einer Wesensüberprüfung soviel Aufmerksamkeit geschenkt wird, wenn sich das Wesen doch so gering vererbt! Ein Widerspruch an sich...

 

Kehren wir zum Kromfohrländer und unserer Zucht zurück. Ich habe mit "Ruma vom Weddern" die Holderheidezucht begründet und mit ihrer Enkeltochter und ihrer Urenkeltochter eine Zuchtlinie gezogen. Wir hatten einen Zuchtrüden, welcher über einen großen Kindersegen verfügt mit reichlich Nachzuchten und eine weitere Mutterlinie, aufbauend auf unsere finnische Importhündin "Katla". Zu allen Käufern haben wir in aller Regel (immer ist nicht zu schaffen) einen sehr guten, normalerweise lebenslangen Kontakt und auch große eigene Treffen wie das Holderheide-Treffen konnte eine enorme Übersicht über die Verhaltensweisen unserer Nachzucht liefern. So vererbt sich als Wesenszug das sogenannte "Lachen" von Hunden. Betroffene Hundebesitzer wissen jetzt, was ich meine: es ist das spontane hochziehen beider Lefzen und verleiht dem Hund ein grinsendes Gesicht. Katla´s Mutter konnte es und auch Katla selbst und viele ihrer Kinder zeigen dieses Lachen - bei Katla konnte ich es auslösen, indem ich sie in einer bestimmten Art und Weise angelacht habe:-) Lachen wird von manchen Hunden dann auch als Übersprungshandlung verwendet, wenn sie nicht wissen, wie sie sich in einer bestimmten Situation verhalten sollen und gerne wird das Lachen auch bei der Begrüßung gezeigt. 

Um ein gutes Wesen zu erkennen, hatten wir uns als Züchter angewöhnt, Kromfohrländer in ungewohnten Situationen, also denen, in welchen sie Stress ausgesetzt sind, zu beobachten. Immer wieder konnten wir dabei auf internationalen Ausstellungen Hunde verfolgen, welche beim Zähnezeigen nicht das erlaubte Meideverhalten zeigten, sondern aktiv nach dem Richter schnappten. In unseren Augen gute Richter sanktionierten dieses Verhalten entsprechend und entweder musste der Hund den Ring verlassen oder er wurde mit einer schlechten Bewertung abgestraft. Verfolgte man nun die Nachzucht von solchen Kromfohrländern, konnte man eine familiäre Häufung feststellen - eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Nachkommen ließ sich ebenfalls vom Richter die Zähne nicht kontrollieren. Gleiches konnte man beobachten, als der Verein die vereinseigene Körung, statt eines oder mehrerer Ausstellungsergebnisse zur Zuchtzulassung einführte: Immer wieder wurden Kromfohrländer vorgestellt, welche entweder nicht messbar und oder die Zähne nicht kontrollierbar waren. Trotzdem zur Zucht zugelassen - denn der Verein hat hier ja Entscheidungsfreiheit (was bei Ausstellungsergebnissen nicht der Fall ist) - zeigen auch hier wiederum die Kinder und Enkelkinder die gleichen Schwierigkeiten bei der Beurteilung der Zähne und oder der Größe. 

Probleme macht auch vielen Halten das bei Kromfohrländern zeitweilig ausgeprägte Territorialverhalten - dies geht soweit, dass keine Besucher in die Wohnung oder das Haus gelassen werden. Und nicht jedermann oder frau ist willens, einen fletschenden Kromirüden einfach zu ignorieren um in die Wohnung oder das Haus zu gehen! Von einem Zuchtrüden mit ausgeprägtem Territorialverhalten haben von 21 Kindern neunzehn ausgeprägtes Territorialaverhalten gezeigt, was einige Besitzer regelrecht vereinsamen ließ. Die Schwester dieses Rüden hingegen zeigte überhaupt kein Territorialverhalten und deren Besitzer hatten keine Probleme mit Gästen aller Art und auch die Nachzucht der Hündin zeigte sich als gut händelbar in diesem Bereich.

Ich höre das Argument, keine Sorge! Der Faktor Umwelt und Erziehung! Der Rüde kann ja dank Erziehung und Umwelt sich stark territorial entwickelt haben!  Stimmt! Aber warum zeigen dann 19 seiner Nachkommen dieses Verhalten? Sind es zufällig 19 Besitzer, welche gleich reagiert haben? Das scheint mir wahrlich extrem unwahrscheinlich...

Und nun switche ich genau aus diesem Grund zu unseren Hunden zuhause. Dort hatten meine Eltern als letzten Hund einen Mittelspitz, welcher fern vom Züchter in einer Kleingartenanlage aufgezogen wurde. Der Züchter kam nur tagsüber stundenweise, um die Welpen zu versorgen, die restliche Zeit waren sie sich selbst überlassen. Folgt man dem mainstream, müssten wir einen ziemlich schlechten Welpen bekommen haben, denn alles, was ein guter Züchter zu tun hat, wurde hier unterlassen: keine Kontakte mit fremden Menschen, keine Gewöhnung an Haushaltsgeräte, Autofahren, Knallen - nichts von dem hochgepriesenen Angebot, was unsere Hunde laut Literatur zu angeblich wesensfesten Hunden macht wurde diesen Welpen vermittelt. Und dennoch war "Chachacha" ein grundfreundlicher, verträglicher und menschenfreundlicher Hund, der bis auf die mangelnde Stubenreinheit keinerlei Probleme bereitete. Jedoch wurden wir auch von seiner Mutter, welche bei der Abholung natürlich im eigenen Heim war, freundlich begrüsst und willkommen geheißen! Dito haben wir mit unserer eigenen Irishhündin in der Zucht erfahren: Brandy war freundlich zu Mensch und Tier, immer belastbar, konnte überall frei laufen und war für uns der Inbegriff eines guten Wesens: konsequent anhänglich, gut zu Zwei- und Vierbeinern, eine liebevolle Mama, verträglich im Rudel, leicht erziehbar und von einer Züchterin, welche - man höre und staune - auf ein gutes Wesen hohen Wert legt!

Ich will auf keinen Fall an dieser Stelle den Anteil an Erziehung und Umwelt in Frage stellen, welche die Hunde eindeutig verändert - zum Positiven, wie zum Negativen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ein gutes Wesen vorhanden ist  - oder eben nicht, und ein fähiger Hundeführer aus einem schlecht veranlagten Hund das Beste hervorzuholen mag, während der unfähige Hundeführer aus einem gutveranlagten Hund nur seine schlechten Seiten zeigt. Und es ist Aufgabe des Züchters, sich hier nicht blenden zu lassen!

So hatten wir im J-Wurf insgesamt vier Rüden, wovon ein Rüde ein uns bekannt schlechtes Wesen hatte. Er ließ sich von seinem Frauchen nicht anfassen, wenn er es nicht wollte, knurrte dann und fletschte auch die Zähne und auch andere Macken ließen sich nicht verhehlen - was der Liebe des Besitzers zu seinem Hund allerdings keinerlei Abbruch tat, denn es erwies sich, dass dieses Team im Hundesport ungemein erfolgreich agierte. So erschien der Rüde nach außen hin als wesensfest und souverän, da er an durchhängender Leine an jedem Hund, und sei er noch so groß oder ekelhaft, kommentarlos vorbeiging. In Kombination mit seinem Erfolg eine verlockendes Zuchtpotential. Eine von uns erkannte Autoimmunerkrankung wurde von der behandelnden Tierärztin als unrichtig verworfen und so stand einem Zuchteinsatz nichts im Wege. Ich brauche an dieser Stelle weder aufzuzählen, wie viele Kinder an einer Autoimmunerkrankung erkrankten, noch mit was für Wesensproblemen die Besitzer seiner Kinder hatten. Und auch wenn ich eindeutig Züchter auf diesen Umstand hinwies - geglaubt haben sie mir dies nicht - zu toll war der Eindruck, welcher Hund und Hundeführer hinterließen.

Sein Bruder hingegen war das genaue Gegenteil: Der Umwelt unerzogen erscheinend, nicht ausgebildet und eher unangenehm auffallend. Aber: Ein sicheres und freundliches Wesen! Hatten wir beim Einen Angst, wenn unsere kleinen Kinder mit zu Besuch waren und achteten sehr darauf, dass sie dem "Sportsmann" nicht zu nahe kamen, so war es im anderen Fall immer sehr entspannend, denn nie hätten wir beim Bruder Sorge gehabt, dass unseren Kindern etwas passieren könne.

 

 

 

 

 

 

 

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