Um es aus unserer langjährigen Erfahrung gleich vorneweg zu sagen:

Nicht jeder Hund passt zu Jedem und man kann einen Hund besitzen und ihn lieben - aber dennoch nie diese innige Bindung dazu entwickeln, wie es vielleicht bei einem anderen Hund der Fall gewesen wäre.

Woher kommt das?

Nun, wie bei allen Lebewesen, haben wir als Menschen eine Affinität zu bestimmten Dingen, wie es in einem bekannte Werbeslogan so schön heisst: Dinge, welche uns antreiben. Aber es sind nicht nur "Dinge", sondern in aller Regel auch besondere Eigenschaften, welche uns zum Beispiel bestimmte Menschen symphatisch erscheinen lassen - oder eben nicht! Und genau darüber sollte man sich vor einem Hundekauf Gedanken machen: Was treibt mich dazu an, gerade in diesem Moment einen Hund kaufen zu wollen? Was sind die Hintergründe und was suche ich eigentlich?

  • Einen  Hund für die Kinder - weil sie mich schon seit Monaten/Jahren deshalb nerven?
  • Einen  Hund für mich - weil ich mein Leben um ein Lebewesen erweitern möchte?
  • Einen  Hund - weil der Ruhestand naht und ich etwas zu tun haben möchte?
  • Einen Hund - weil ich endlich dafür Zeit habe?
  • Einen Hund - weil ich schon immer Einen haben wollte?
  • Einen Hund - weil der Arzt mir Einen empfohlen hat?
  • Einen Hund - weil ich sonst nie rauskomme?
  • Einen Hund - weil ich Beschäftigung benötige?

Ein Hund kann unendlich Freude schenken - aber er kann auch viele Sorgen bereiten!

Er gibt tausendfach an Liebe zurück, was man ihm schenkt - aber falsch behandelt sorgt er für Kummer und Leid.

Auf der Welt gibt es über 400 Hunderassen - und daraus Mischungen in unendlicher Form - wer also ernsthaft den zu sich passenden Hund sucht, muss zuerst herausfinden, über welches Wesen und welche Charaktereigenschaften das neue Familienmitglied verfügen soll, und - weil wir Menschen dazu neigen, dem äusseren Erscheinungsbild einen hohen Stellenwert zuzuweisen, auch wie er aussehen soll.

Der Büchermarkt hält einiges an Hundeliteratur genau zu diesem Aspekt bereit, weshalb ich diesen hier nicht vertiefen will.

 

Was ich an dieser Stelle aber gerne tun will, ist Sie an unseren praktischen Erfahrungen teilhaben zu lassen, denn immer noch glaube ich, daß Beispiele aus der Praxis die Folgen eines - richtigen oder falschen - Hundekaufes am ehesten illustrieren...

Cora

Unser erster Hund hiess "Cora" - und sie war das Ergebnis konstanten Insistierens meiner Schwester und mir. "Mama, wann können wir denn einen Hund haben?"

Jahrelang geisterte dieser Satz durch unsere Wohnung in Stuttgart und stets hiess die zuverlässige Antwort meiner Mutter: "Der Hausbesitzer erlaubt es nicht. Erst wenn er die Zustimmung erteilt, könenn wir einen Hund kaufen!". Und meine Mutter verliess sich darauf, daß unser damaliger Hausbesitzer hart blieb.

Das Haus bestand aus drei Parteien, unten im Erdgeschoß die Vermieter, im ersten Stock befand sich unser Refugium und das Dachgeschoß bewohnte eine ältere Witwe.

Als diese verstarb, suchte unser Vermieter nach passenden Mietern - welche er in einem jungen, kinderlosen Ehepaar fand - welches in seinen Augen nur einen Nachteil besass: eine wunderschöne Langhaar - Dackeline. Da jedoch sonst alle Voraussetzungen stimmten, nahm er "Kessi" billigend in Kauf - ohne  zu ahnen, was dies für weitreichende Folgen haben sollte!

Glücklicherweise mochte das neue Ehepaar Kinder und so dauerte es nicht lange und wir waren Stammgäste im Dachgeschoß.

Aber nicht nur das. Jetzt war das von unserern Eltern entscheidende Argument gegen einen Hund, welches sie ins Feld geführt hatten, hinfällig und meine Schwester und ich intensivierten entsprechend unser Bitteln und Betteln nach einem eigenen Hund.

Lange Rede, kurzer Sinn, die Eltern gaben nach und entsprachen unserem Hundewunsch - allerdings unter der Voraussetzung, daß meine Mutter darüber entschied, welcher Rasse unser Vierbeiner angehören sollte. Eine Voraussetzung, mit welcher wir Kinder gut leben konnten, war doch der massgebliche Wunsch nach einem eigenen Hund in erreichbare Nähe gerückt.

Nach dem Wälzen von etlichen Rassebüchern stand fest: Ein orangefarbener Kleinspitzrüde soll es sein. Wie wir zu diesem kommen, darum sollten wir Kinder uns kümmern. Und taten dies mit Begeisterung. Alle Zeitungen wurden durchforstet und alle möglichen Rassen wurden angeboten - zu dieser Zeit hoch im Kurs stand der Cockerspaniel ebenso wie der Dackel - nur Spitze fanden sich nicht!

Nach wochenlangem Suchen - und noch Lichtjahre vom Internetzeitalter entfernt - endlich das heißersehnte Angebot: Außerhalb von Stuttgart wurden endlich unter anderem Kleinspitze inseriert. Nie wurde ein Wochenende sehnsuchtsvoller erwartet als jenes, welches den Hundewunsch nun endlich wahr machen sollte...

Schließlich war es soweit: Mein Vater, meine Schwester und ich fuhren zur angegeben Adresse, welche sich als adrettes und gepflegtes Wohnhaus erwies. Hinter dem Haus konnte man stabile Zwinger erkennen, aus denen es munter bellte. Wir wurden jedoch in den gefliesten Keller geführt, welcher an zwei Wänden entlang in Abteile getrennt war. Jedes Abteil beherbergte bis zu fünf Welpen auf sauberen Hobelspänen und alle Welpen waren rassenmässig getrennt. Entzückende Cockerspaniel, Foxterrierwelpen mit strahlendem weiss, Dackelwelpen mit riesen Ohren und in der Raummitte das ersehnte Abteil der Spitzwelpen. Drei Hundekinder sassen darin - zwei "Bunte" und ein Schwarzes. Kein orangefarbener Welpe weit und breit. Unsere Entäuschung war unvorstellbar...

Die Händlerin legte meinem Vater jedoch das schwarze Spitzmädchen in die Arme und bugsierte ihn taktisch klug in ihr Büro mit dem Hinweis, er könne doch Zuhause anrufen und klären, ob es nicht auch ein Mädchen in schwarz sein dürfe.....

So zog "Cora" zu uns ein. Und wurde als allererstes sterbenskrank. Was bei Händlerhunden nicht ungewöhnlich ist, wie wir später eruierten, als Heiko Gebhardt das überaus empfehlenswerte Buch mit dem Titel "Der arme Hund" geschrieben hatte.

Und noch etwas stellte sich schnell heraus: Spitze sind sogenannte "Einmann-Hunde", in unserem Fall war es ein "Einfrau-Hund", denn Cora zeigte an uns Kindern nicht das geringste Interesse.

Wollten wir sie länger bei uns im Zimmer behalten, mussten wir sie bestechen, Gassi-gehen ging ausschließlich an der Leine, ohne kehrte sie sofort um und lief nach Hause.

Die Zeit der Hundeschulen war längst noch nicht angebrochen und viel Aufheben´s wurde um einen Hund damals nicht gemacht - und nachdem sich Cora ganz auf meine Mutter eingeschossen hatte, war die Frustration bei uns Kindern entsprechend hoch. So liess auch unser Interesse naturgemäß nach, denn zwar hatten wir einen eigenen Hund, aber eigentlich besass ihn nur unsere Mutter - wir Kinder waren für Cora nicht existent.

Für uns Kinder ein bitteres Brot, waren wir doch diejenigen, welche sich den Hund gewünscht hatten.  Gemeinsam spazierengehen, etwas erleben, dem Hund etwas beibringen, ihn bei sich haben zu können und mit ihm zu kuscheln - alles was Kinder mit einem Hund gemeinsam erleben können ging mit unserer "Cora" nicht.

Meine Mutter hingegen hatte "ihre" Rasse gefunden. Auf Cora folgten noch zwei weitere Spitze und auch mit den Nachfolgern war meine Mutter stets glücklich und zufrieden.

Eine auf die Bedürfnisse von Kindern ausgerichtete Rassewahl hätte uns mit Sicherheit glücklicher gemacht und meine Schwester vielleicht zu einer größeren Hundeliebhaberin gemacht, als sie dies heute ist....

Der Wunsch nach einem eigenen Hund war bei mir selbst allerdings ungebrochen.

Und eines Tages zog "Tommy" bei uns ein....

Tommy

Meine beste Freundin fragte mich eines Tages, ob ich nicht Lust hätte, die Sommerferien mit ihr zu verbringen. Sie sei bei ihrer Tante eingeladen, welche ein Tierheim leiten und sich über engagierte Hilfe freuen würde. So ein Angebot kann man als Tierliebhaberin natürlich nicht ausschlagen und mit dem Einverständnis meiner Eltern konnte das Abenteuer "Tierheim" starten.

Es folgten spannende Wochen, welche meine Einstellung zum Thema Tierheim dauerhaft prägten und nach einem klärenden Anruf zuhause durfte ich nun endlich "meinen" eigenen Hund mit nach Hause nehmen. "Tommy", ein Colliemischling aus diesem Tierheim hatte es mir angetan und ihn wollte ich gerne aus seiner Zwingerhaft befreien.

So durfte Tommy bei uns einziehen. Mittlerweile in ein Haus auf der Schwäbischen Alb, direkt am Rande einer Wachholderheide und mit viel Platz innen und außen für einen großen Hund. Die ersten Wochen verliefen unproblematisch - was sich in fernerer Zukunft als normal für "Hunde aus zweiter Hand" herausstellen sollte, denn in der Eingewöhnungsphase verhalten sich alle abgegebenen Hunde in der Regel sehr angepasst und brav. Es ist, als wüssten sie, daß nur ihr Wohlverhalten einen Verbleib im neuen Zuhause garantieren kann...

Aber dann stellten sich die ersten Probleme ein. "Tommy" jagte nicht nur Radfahrer und alle technischen Fortbewegungsmittel, angefangen mit dem Auto bis über Traktoren - er versuchte hinterherzukommen und zu beissen. Was bei Radfahrern in der Regel die Wade war. Und bei den Traktoren die rollenden Hinterreifen. Und wollte man hier regelnd eingreifen, drehte er sich um und biss ohne zu Zögern nach hinten. Eine Narbe unter meinem Kinn zeugt davon noch heute. Es wurde zunehmend schwieriger mit ihm, da in keiner Form auf ihn einzuwirken war und es sich bei ihm offensichtlich um Affekthandlungen handelte, welche sich jeglicher Einwirkungsmöglcihkeit entzogen. Dafür sprach sein Verhalten, wenn er vom Reifen eines vorüberfahrenden Traktor´s abgelassen hatte - freundlich wedelnd und vollkommen aggressionslos kam er zurück und wollte gestreichelt werden. Sein Verhalten bei Restriktionen wurde allerdings stetig "griffiger" und zunehmend traten Spannungen auf. Weit und breit war keine professionelle Hilfe in Sicht und niemand besass im Umkreis Erfahrung mit verhaltensauffälligen Hunden. Und so geschah es, daß mein Vater bei einem Spaziergang von ihm heftig in den Arm gebissen wurde, als er Tommy am Halsband nehmen wollte, um zu verhindern, daß er auf einen Dackel losgeht.

Am gleichen Abend wurde Familienrat gehalten und für meinen Vater war klar, daß es so nicht mehr weitergehen kann. "Tommy" zeigte zu heftige Verhaltenstörungen und mein Vater wollte nicht, daß weitere Familienmitglieder gebissen werden, aus welchen Gründen auch immer. Um das Tierheim zu konsultieren, wurde "Tommy´s" Impfpass zur Hand genommen - und leider erst zu diesem Zeitpunkt einer genauen Prüfung unterzogen. Leider, denn es stellte sich nun heraus, daß mit einem Jahr bereits vier Besitzer in seinem Impfpass eingetragen worden waren und keiner der Halter wusste mit Tommy umzugehen - alle standen vor dem gleichen Problem wie wir und hatten ihn deshalb wieder abgegeben.

Das liess uns sehr nachdenklich werden und so stellten wir uns die Frage, ob es überhaupt zu verantworten wäre, ihn wieder in ein Tierheim zurückzugeben, womöglich mit schlimmeren Folgen als die Bissverletzung meines Vater´s - was, wenn es das nächste Mal ein Kind trifft?

Schweren Herzen´s entschieden wir uns dafür, ihn in den Hundehimmel zu entlassen - keine leichte Entscheidung, aber eine, die sicher weiteres Leid verhindert hat.

Der Verlust war schlimm und es stellte sich bald heraus, daß nur ein anderer Hund diesen Verlust kompensieren konnte. Aus den Erfahrungen mit Tommy heraus forderte jedoch mein Vater, daß es sich beim Nachfolger um einen Rassehund handeln muss, welcher bestimmte Wesensvorgaben erfüllt und kein so grosser Hund mehr sein darf.

Die Suche nach einem nicht jagenden Reitbegleithund in mittlerer Grösse begann....

....und endete beim Kromfohrländer:-)

Onkel Oscar von der Holderheide mit unserer Katla
Onkel Oscar von der Holderheide mit unserer Katla

 

 

 

 

 

 

 

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