Kaum hat sich der Winter verabschiedet, geht das leidige Thema "Zecken" wieder los.

Jeder kennt sie und keiner mag sie - warum es sie geben muss und welchen Nutzen sie in der Natur überhaupt haben, diese Frage stellt sich so Manchem - aber darum soll es im folgenden Artikel nicht gehen. Wir bleiben bei unseren Vierbeinern, denn sowohl die Hundebesitzer als auch die Katzenbesitzer müssen sich mit diesem Thema auseinandersetzen, um im Interesse ihrer Tiere, aber auch im Interesse der Zweibeiner handeln zu können.

Hauptanklagepunkt der Zecken ist ihre Gefahr, ein in ihrem Darm lebendes Bakterium zu übertragen und so die Möglichkeit besteht, an einer Borrelieninfektion zu erkranken.

Vom Arzt/Tierarzt, aus dem Internet und diversen Zeitschriften liegen ausreichend Beschreibungen und Gefahrenhinweise vor, weshalb wir hier auf die Theorie nicht eingehen werden.

Aber es gibt einfach einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis und da wir nun seit über 30 Jahren mit Hunden und Katzen und somit auch mit Zecken leben, teilen wir an dieser Stelle unsere praktischen Erfahrungen, die sich durchaus von gängig lesbaren und wissenschaftlichen unterscheiden - so wie es halt immer ist, wenn Theorie und Praxis aufeinander treffen ;-)


Zuallererst ein absoluter Praxistipp für Alle, die nicht so lange und viel lesen wollen:

Anzünden, guillotinieren, zerquetschen, das Klo hinunterspülen - so manche Mordmethode von Zecken könnte einer mittelalterlichen Folter entsprungen sein - erfolgreich sind die meisten.

Bewährt hat sich bei uns aber der Tipp unserer Freundin Antje, welche die Zecke entfernt und dann einfach in ein Tesa abklebt. Simpel, gefahrlos und extrem sicher!

Da viele Hunde nicht nur eine Zecke abbekommen haben sondern derer mehrere, kann man auch in Ruhe alle absammeln und läuft nicht in Gefahr, dass doch noch eine der bereits entfernten Plagegeister entkommen kann....

Und man kann in aller Ruhe nachsehen, ist es der gemeine Holzbock gewesen oder vllt doch die viel gefährlichere Auwaldzecke?

Was die Entfernung von Zecken betrifft, so verwenden wir seit Jahrzehnten die handelsübliche Plastik-Zeckenzange: Menschen sind eben auch  "Gewohnheitstiere" und was sich bewährt hat, wird beibehalten. Bei der Plastikzeckenzange haben wir allerdings festgestellt, dass die Zange, welche im Greifbereich unten ein kleines Loch besitzt, deutlich besser in der Handhabung ist, da dadurch ein Abrutschen beim Rausdrehen verhindert wird.

Wobei wir auch den Zeckenhaken zu schätzen wissen, der im Handel in zwei Ausführungen zu bekommen ist: ein kleiner Haken für die kleinen und ein großer Haken für die großen Zecken. Ansonsten bietet der Markt eine weitere Fülle an Entfernungsmöglichkeiten der Zecken von Schlinge bis Karte an - haben wir teilweise getestet und mit der Schlinge zum Beispiel habe ich erfolgreich alle Köpfe der Zecken im Hund belassen. Ist kein Drama, passiert auch nichts - mit einer feinen Pinzette kann man bei Bedarf den Kopf entfernen.

Am besten also selbst ausprobieren, was funktioniert und was nicht!


Damit kommen wir zum brenzligsten Thema in Bezug auf Zecken, nämlich auf die tatsächliche Übertragungsgefahr der Borreliose.

Ich selbst bin auf der Schwäbischen Alb im Hochrisikogebiet aufgewachsen und auch am jetzigen Wohnort leben wir ebenfalls in einer "roten" Zone. Das bedeutet, dass ich in meinen Leben gefühlt schon eine Million Zecken bei Hunden, Katzen und sogar Pferden entfernt habe - und bei so vielen Tieren und über die Jahre hinweg kommen da wirklich ungezählte Mengen zusammen, da wir praktisch nie unseren Tieren ein Gift gegeben haben.

Und um auch gleich ein aus der Praxis stammendes Verhältnis von Gefahr, Risiko und tatsächlicher Erkrankung voran zu stellen: Keiner unserer wirklich mittlerweile vielen Hunde und Katzen sind je in ihrem und meinem Leben an einer Borreliose erkrankt!!!!!

Sie sind gestorben an Erkrankungen erblicher Art, zugezogener Gebrechen, Unfälle und an natürlichen Todesursachen wie sehr hohem Alter - und dies gilt auch für unsere gesamte Nachzucht, die so wenig nicht ist!

Viele Hundebesitzer wundern sich über "unterschiedliche" Zecken: Ich habe deshalb einmal auf den unten folgenden Bildern eine männliche und eine weibliche Zecke dokumentiert, wie man sie häufig am Hund findet: die weibliche Zecke verfügt über einen rot-braunen Schild, welcher kontinuierlich während des Blutsaugens an Umfang zunimmt und damit einhergehend seine Farbe von rötlich-braun zu grau ändert - das kleine, schwarze Männchen sucht auf dem Hund prinzipiell nur ein Weibchen und heftet sich dann an dieses an, wie man auf dem ersten Bild gut erkennen kann - selten sind sie in Not und saugen selbst, weshalb man am Hund festgesaugte Männchen eher selten findet. Auch beim Entfernen des Zeckenpärchens bleiben diese aneinander haften und müssen mit Druck gelöst werden - siehe Bild zwei und drei. Gelöst kann man gut beobachten, dass das Männchen sich deutlich schneller fortbewegt als das Weibchen - was in seinem Fall auch sehr sinnvoll ist ;-) Wie immer, schön abgeklebt kann man die Zecken in Ruhe betrachten....

Nur, - warum gibt es dann so einen wahnsinnigen "hype" wegen einer doch erfahrungsgemäß relativ geringen Erkrankungsgefahr?

Ich lehne mich jetzt einmal ganz weit aus dem Fenster und lasse meinen gesunden Menschenverstand sprechen: Wer verdient denn mit den mindestens pro Hund neunmal im Jahr auf den Nacken geträufelten Giften am meisten?

Und verfügt über Geld und Lobby????????

Der Hersteller, sprich die Pharmaindustrie. Sie kann einfach kein Interesse daran haben, dass ihr Produkt nicht eingesetzt wird! Stellen Sie sich vor, es spricht sich herum oder wird gar wissenschaftlich belegt, dass der Nutzen gegenüber den Schäden sich extrem in Grenzen hält!

In Deutschland leben über 5 Millionen Hunde - und wenn diese neun Monate hinweg ein spot-on bekommen, kann sich jeder selbst einmal ausrechnen, von welchen SUMMEN wir reden!

Warum sollte also die Pharmaindustrie Käufer anregen darüber nachzudenken, ob die ab dem achten Lebensjahr auftretenden vielen Krebserkrankungen und Organschäden bei ihrem Hund möglicherweise die Folge einer kontinuierlich über die Jahre hinweg ansteigenden Kumulierung von im Körper angereichertem Gift sein könnten - und warum gibt es darüber so überhaupt keine Studien?????

Andersherum gefragt: Wie würden Sie sich denn fühlen, wenn Sie eine Suspension auf die Haut auftragen könnten und jede anfliegende Mücke, welche landet und saugt, fällt bei dem Umtrunk Ihres Blutes mehr oder weniger sofort tot um?

Vom erfreulichen Ergebnis einmal abgesehen - möchten Sie so etwas in Ihrem Körper/Blut haben, mit solch einer heftigen Wirkung?

Und weiter gefragt: nachdem uns die Plagegeister ja ebenfalls belästigen: Warum gibt es denn so eine Wunderwaffe für uns Menschen nicht - wo sie doch so angeblich vollkommen nebenwirkungsfrei für unsere Haustiere ist????

Ohne Kompetenzen in Abrede stellen zu wollen, ist hinlänglich bekannt, dass die Pharmaindustrie Tierärzte zu gesponserten Vorträgen einlädt - und über genügend geschulte Kräfte verfügt, Ärzten ihr Produkt schmackhaft zu machen. Und ist es nicht so, dass man in einer verständlich menschlichen Reaktion bei einer angenommenen kostenlosen und gut "verpackten" Veranstaltung so ein bisschen ein schlechtes Gewissen hat, wenn man dann nicht im Gegenzug das vorgestellte Produkt goutiert?

Und mit einem weiteren menschlichen "Knopf" weiß die Werbung aller Branchen gleichfalls hervorragend zu punkten: wecke Ängste bei des Menschen liebsten Tier und er wird alles tun, um dessen Gesundheit mit den angepriesenen Mitteln zu schützen!

Um es an dieser Stelle noch einmal in aller Deutlichkeit anzuführen: Selbstverständlich geht von der Borreliose eine Gefahr für Vier- und Zweibeiner aus! Deshalb ist es wichtig, über diese Gefahr Bescheid zu wissen, um richtig handeln zu können. Dazu gehört, den Tierarzt bei unklaren Befunden stets darauf hinzuweisen, dass eine Borreliose im Zweifelsfall anhand von einem Antikörpertiter ausgeschlossen werden sollte - und es ist Ihre Aufgabe als Tierhalter, an diesen Umstand zu denken, sollte es der behandelnde Tierarzt nicht tun.

Keiner unserer Tiere hatte je eine Borreliose, jedoch mein Mann und meine beiden Kinder.

Sowohl Torsten als auch Konstantin hatten sehr leicht erkennbare Symptome von Wanderröte an der Zeckenbiss-Stelle und da meine Kinder praktisch nie Antibiotika bekommen haben, da dankenswerterweise sehr gesund und robust, hatte ich auch keinerlei Bedenken, die notwendige Antibiose durchzuführen. Das ist nun fast zehn Jahre her und noch immer sind unsere Kinder gesund und robust - und werden es auch hoffentlich bleiben :-)

Mein Mann hatte sich auf einer Radtour mit den Kindern nach Wien einen "Mückenstich" zugezogen und unverständlich lange eine gerötete und geschwollene Stelle im Durchmesser von mindestens fünf Zentimeter an der Wade. Und KEINEN sichtbaren Zeckenbiss oder gar ein corpus delicti!

Die Untersuchung ergab einen positiven Befund für Borreliose, worauf eine Antibiose auch bei ihm durchgeführt wurde - mit anschließender schneller Ausheilung.

Der Schrecken der "Jägererkrankung" schlummert noch immer in vielen Köpfen und tatsächlich hat eine nicht rechtzeitig erkannte und behandelte Borreliose früher zu einer massiven Beeinträchtigung der Gesundheit und Lebensquailtät der betroffenen Menschen geführt.

Aber weder wusste man damals, wer der Auslöser dieser Erkrankung war - und im Nachhinein ist es sicher leicht, die Zusammenhänge zwischen der Arbeit im Wald und dem bevorzugten "Territorium" der Zecken herzustellen - noch hatte man damals die Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten...

Und auch im Bereich der Tiermedizin hat sich viel getan - moderne Untersuchungs- und Behandlungsmethoden nehmen der Borreliose jeglichen Schrecken.

Allerdings sei an dieser Stelle noch auf einen sehr interessanten und wichtigen Umstand hingewiesen: Die Symptome der Borreliose gleichen im Anfangsstadium so manch einer Autoimmunerkrankung, weshalb eine korrekte und seriöse Diagnostik von entscheidender Bedeutung ist.

Gerade bei reinrassigen Kromfohrländern ist eine auffällig hohe Zahl an Borreliose-erkrankten Tieren gemeldet. In unserer Zucht, wo aus allen rauhaarigen Linien, inländische wie auch ausländische Kromfohrländer eingesetzt worden sind, traten definitiv Autoimmunerkrankungen auf, jedoch in keinem einzigen Fall kam es zu einem positiven Borrelienbefund.  

Man könnte also den Eindruck gewinnen, nur die Holderheide hatte autoimmunerkrankte Kromfohrländer, andere Zwinger haben bei einer extrem hohen Inzucht in der Rasse hingegen "nur" an Borreliose erkrankte Kromfohrländer gezüchtet?

Das mutet mich sehr fragwürdig an und aufgrund unserer Zuchterfahrung können wir sicher sagen, dass viele Züchter nicht geneigt sind, ehrliche Angaben über die Erkrankungen ihrer Hunde und ihre Nachzucht zu treffen.

Womit wir beim Thema Statistik wären: Wie viele Erkrankungen sind real zutreffend und wie viele nicht? Und was hat das züchterisch für Konsequenzen?

Ist dann eine Gesundheitsstatistik per se glaubwürdig und darf nicht in Frage gestellt werden?

Als kritische Züchter hinterfragen wir solche Dinge - tun Sie es auch!

 

 

                                                                                               copyright Sybille Nass, April 2016

 

 

 

 

 

 

 

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