Tagesseminar mit Professor Dr. Sommerfeld-Stur zum Thema:

Bekämpfung von Erbschäden und Qualzucht

am 10. November 2013 in Düsseldorf

 

Um die Teilnehmer an das Thema heran zu führen, bildete die Einführung von Frau Sommerfeld-Stur einen knappen und prägnanten Exkurs in die Genetik, auf welche eine Darstellung der unterschiedlichen Methoden der Erbfehlerbegranzung folgte.

Ihr Fazit aus diesen unterschiedlichen Methoden ist jedoch, daß in der Rassehundezucht mit ihren weit über 750 bekannten Erkrankungen eine Zucht von gesunden Hunden nicht mehr möglich ist. Deshalb liegt der sinnvollste Weg darin begründet, alle bekannten Erkrankungen einer Rasse methodisch zu sammeln und aufzulisten, um anhand dieser Daten feststellen zu können, welche Krankheiten primär bekämpft werden müssen. Dies sind in der Regel solche Erkrankungen, welche für die betroffenen Tiere und ihre Halter sowohl in pyhsischer als auch in psychischer Hinsicht am meisten Leiden verursachen, und erst danach werden Erbkrankheiten bekämpft, welche dem Tier kaum bis wenig Schmerzen zufügen oder leicht therapierbar sind.

Hier spricht man von dem "Krankheitswert", welcher eine Erkrankung für ein betroffenes Tier darstellt und abhängig vom der Höhe des Krankheitswertes fliessen die Daten in ein darauf ausgerichtetes Zuchtprogramm ein.

Liegt für die nach dem Krankheitswert festgestellte und züchterisch zu bekämpfende Erkrankung ein Gentest vor, kann die Erkrankung erfolgreich bekämpft werden.

Ist dies nicht der Fall, so sollte von den Zuchtverantwortlichen die Voraussetzung zur Entwicklung der relevanten entsprechenden Gentest´s geschaffen werden, denn nur über effektive und neueste Zuchtmethoden ist eine erfolgversprechende Bekämpfung von Erbkrankheiten überhaupt möglich.

Wichtig hierfür ist auch eine breite Aufklärung bei den Züchtern über genetische Zusammenhänge, da die praktische Erfahrung in Zusammenhang mit den Ergebnissen von Gentest´s gezeigt hat, daß Züchtern oft nicht bewusst ist, daß aufgrund eines Gentestes die Gesamtpopulation einer Rasse vollständig genetisch genutzt werden kann, unabhängig vom Ergebnis eines Einzeltieres.

 

Ein weiteres Problem in der Erbfehlerbekämpfung stellt die Zucht mit den sogenannten "popular sires" dar, welche auch schon im Buch "Hundezucht 2000" von Dr. Hellmut Wachtel zu Recht angeprangert wurde. Erfolgreiche Rüden werden viel zu häufig eingesetzt, denn erkrankten popular sires selbst oder erweisen sich als "Vererber" einer bestimmten Erkrankung, ist häufig ein irreparabler Schaden in der Rasse manifestiert.

Obwohl die Erkenntnisse über popular sires vielen Züchtern mittlerweile bekannt sind, hat sich in der Praxis wenig geändert. Das hat oft unterschiedliche Gründe, sie liegen, wie so oft, in der menschlichen Natur begründet und heissen beispielsweise: weite Anfahrten zu einem anderen Rüden, der höhere Verkaufswert der Welpen, wenn sie einen erfolgreichen Vater vorweisen können, die Deckerfahrung eines solchen popular sires, sein Erfolg, mit dem man dann von der eigenen Hündin bessere Welpen erwartet, in der Regel eben kurzfristige Entscheidungen, welche für den popular sire sprechen, aber keine langfristigen Planungen was die Zucht in ihrem Gesamtgeschehen betrifft.

Züchter, welche nur ein oder zwei Würfe aufziehen, machen sich üblicherweise deshalb wenig Gedanken über die Zukunft einer Rasse, grosse Züchter graben sich auf Dauer beim wiederholten Einsatz von popular sires selber "den Graben ab" - zum Schaden sowohl der kleinen, als auch der grossen Züchtern, vom Schaden für die Rasse ganz zu schweigen.

 

Sie werden sich als Leser nun sicher fragen, wie es denn bei den Kromfohrländern aussieht, zieht man die Schlussfolgerungen von Frau Sommerfeld-Stur heran.

Nun, der Kromfohrländer gehört zu den kleinen Zuchtpopulationen, da die Zucht auf ein Hauptland, Deutschland, begrenzt ist. Nennenswert sind die nordischen Ländern mit Finnland und Schweden, wo man von einem Zuchtgeschehen sprechen kann und anderenorts ist die Zucht von Kromfohrländern sicher Liebhaberei, aber nicht von züchterischer Relevanz.

Deshalb trifft hier zu, was Frau Sommerfeld-Stur zu kleinen Zuchtpopulationen anmerkte:

Sie erzeugen eine hohe Inzucht mit der Folge von Inzuchtdepression (dazu gehört der Verlust von Fitness, kleine Würfe, Leerbleiben von Hündinnen, Fehlgeburten, vermehrtes Auftreten von Anomalien, negative Wesensveränderungen wie übersteigerte Ängstlichkeit - was sich bei einigen Kromfohländern bereits deutlich zeigt, etc.) und in der Folge verbreiten sich auch Defektgene weitaus schneller.

Der Vorteil der kleinen Population wird vom offiziellen Rassezuchtverein mittlerweile sehr gut genutzt, denn der überwiegende Teil der Kromfohrländerbesitzer und Züchter lebt in Deutschland und durch den Versand von Fragebögen zur Gesundheit ihres Hundes an die Hundebesitzer besteht ein hoher Informationsgehalt über die bei den Kromfohrländern vorkommenden Erkrankungen , welche da sind:

Epilepsie, Autoimmunerkrankungen verschiedenster Art, digitale Hyperkeratose, Cystinurie, Katarakt, Ellenbogendysplasie, Patellaluxation, von Willebrandt um nur die geläufigsten zu nennen.

Eine ideale Voraussetzung also, um erfolgreich die Empfehlung von Frau Sommerfeld-Stur umzusetzen. Auch wird ein von ihr emfpohlenes Zuchtwertschätzungsprogramm professionell eingesetzt - allein, es krankt an der Entscheidung der Zuchtverantwortlichen, denn das umfangreiche Programm wurde beim Kromfohrländer allein auf die Epilepsie beschränkt und Paarungsempfehlungen basieren in erster Linie auf einem zu errechnenden Mittelwert der Elterntiere.

So wird allein der "Epilepsiewert" in den Fokus der Züchter gerückt und dies zu Lasten anderer Erkrankungen, welche durchaus einen ähnlichen Krankheitswert darstellen.

 

Ein Sonderfall stellt die digitale Hyperkeratose dar, sie kann an einer Körveranstaltung durch blossen Augenschein festgestellt werden und betroffene Tiere sind von der Zucht ausgeschlossen. Damit gehört diese Erkrankung zu den glücklichen Fällen, wo mit einfachsten Mitteln eine erfolgreiche Selektion hinsichtlich der Eleminierung dieser Erkrankung in der Rasse durchgeführt werden kann.

Vergleichbar erfolgreich wurde schon vor Jahrzehnten auch die digitale Hyperkeratose beim Irish Terrier bekämpft, die einzige Rasse, bei welcher diese Erkrankung ebenfalls manifest war.

 

Die ganz offizielle Möglichkeit phänotypisch geeignete Hunde in der Kromfohrländerzucht mittles Registereintragung zu integrieren, was einer weiteren Inzuchtdepression Einhalt gebieten würde, wird vom offiziellen Rassezuchtverein im Verband des deutschen Hundewesen (VDH) abgelehnt.

Das ist für die Rasse ausgesprochen bedauerlich, wäre es doch ein gangbarer und einfacher Weg heraus aus den bekannten gesundheitlichen Problemen.

Diese Reaktion von Zuchtverantworlichen wird von Frau Sommerfeld-Stur sehr treffend als "Reinzuchtdogmatismus" verurteilt.

 

Zurück zum Seminarinhalt: Als sehr interessant erwies sich ebenfalls das Thema Epigenetik. Hier verwendete Frau Sommerfeld-Stur einen sehr bildhaften Vergleich:

"Stellen Sie sich einen Computer vor, die Gene stellen hier die sogenannte "Hardware" , die Epigenetik stelle hingegen die "software" dar.

Das bedeutet, daß epigenetische Wirkungen Gene beeinflussen können, das heisst:

ob ein Gen aktiv ist oder nicht, hängt nicht nur von der Erblichkeit eines Genes ab, sondern wird auch von äusseren Faktoren, epigenetischen Faktoren, beeinflusst und zwar sowohl positiv als auch negativ in ihrer Auswirkung - beide Möglichkeiten bestehen.

Es wird also nicht eine DNA-Frequenz verändert, sondern durch epigenetische Modifikationen kann die Auswirkung eines Genes unterdrückt werden. Im Einzelfall können epigenetische Faktoren bis zu drei Generationen weitergegeben werden!

Was sind epigenetische Faktoren im Einzelnen?

Dazu zählen alle Umwelteinflüsse (Fütterung, Stress, soziale Zuwendung, Rauchen, Bewegung, Schimmeltoxine, Pflanzenschutzmittel, Verwendung von Desinfektionsmitteln in der Wurfkiste etc.), besondere Wirkung entfalten diese in sogenannten sensiblen Entwicklungsphasen von Welpen, weshalb diesen besondere Aufmerksamkeit gegönnt werden sollte.

Praktisches Augenmerk sollte hier auf die gerne und viel verwendeten Bällebäder gerichtet werden, welche von Frau Sommerfeld-Stur als ausgesprochen kritisch zu betrachten sind, da die in den Plastikbällen verwendeten Weichmacher ebenfalls epigenetische Auswirkungen haben können.

 

Ebenfalls in praktischer Hinsicht sehr nützlich war die Darstellung des sogenannten "licking effect", erklärt anhand eines Aufzuchtbeispieles von Ratten. Hier wurde untersucht, inwieweit sich "Mütterlichkeit" auf die Nachzucht auswirkt.

Eine fürsorgliche Mutter erzeugte in ihrer Nachkommenschaft wenig ängstliche und sehr stressresistente Kinder, wohingegen eine nachlässige Mutter Kinder generierte, welche sich als ängstlich und stressanfällig zeigten.

Tauschte man nun die Kinder aus, so entwickelte sich die Nachzucht jedoch entsprechend des Mutterverhaltens.

Beim licking effect wird einfach ausgedrückt bei der fürsorglichen Mutter ein Rezeptor aktiviert, welcher bei der "schlechten" Mutter deaktiviert bleibt.

Praktisch heisst dies, daß sehr grossen Wert auf fürsorgliche Mütter gelegt werden sollte, da diese entscheidend Einfluss auf die Entwicklung ihrer Welpen nimmt, auf den Punkt gebracht: gute Mütter gehören in die Zucht, schlechte Mutter aus der Zucht.

 

Für Kromfohrländerzüchter wieder sehr interessant wurde es bei der Erklärung von geschlechtsbegrenzten Defekten. Hier handelt es sich um Defektgene, welche sich entweder auf einem männlichen oder weiblichen Tier manifestiert, hier sei als klassisches Beispiel der Kryptorchismus angeführt, die angeborene Einhodigkeit bei Hunden. Nachgewiesenermassen kann auch hier die Hündin Merkmalsträgerin sein, mangels Hoden kann sie dies jedoch nicht zeigen.

Geforscht wird hier besonders im Bereich der Agrarwissenschaft, um zum Beispiel herauszufinden, welche und wieviel Milchleistung ein Stier vererbt.

An der Gesundheit interessierte Kromfohrländerzüchter dürften in diesem Fall die Erkrankung der Cystinurie besonders im Fokus haben, denn symptomatisch scheint zu sein, daß praktisch nur Rüden von dieser Krankheit betroffen sind.

Die Frage wäre hier, inwieweit Töchter erkrankter Väter ebenfalls Merkmalsträger sind und diese Erkrankung deshalb auch vererben.

 

Da der Inhalt des Seminares sehr umfangreich war, kann ich bedauerlicherweise an dieser Stelle nicht alle Details wiedergeben, aber jene, welche für die Kromfohrländerzucht von Bedeutung sind, möchte ich gerne so vollständig wie möglich darstellen.

So ist auch die Tabelle über die genetische Belastung einer Rasse für die Kromfohrländer wieder von ausgesprochen praktischer .Bedeutung:

In dieser Tabelle wurde die Krankheitsprävalenz der genetischen Belastung gegenübergestellt und legt man den bei den Kromfohrländern bekannten reelllen Wert an von mindestens 30 Prozent erkrankter Tiere in der Gesamtpopulation, dann bedeutet dies, daß bei 30 von 100 erkrankten Hunden  eine genetische Belastung von über 70% vorliegt.

Eine der für mich erschreckendsten Erkenntnissen dieses Seminares, auch wenn uns sehr bewusst ist, wie krank die Rasse der Kromfohrländer nach unseren eigenen Erkenntnissen ist.

 

In diesem Zusammenhang ist auch die Aussage zu sehen, daß ein einziges erkranktes Kind bedeutet, daß sowohl die Mutter als auch der Vater belastet sind, jedoch gilt züchterisch NICHT der Umkehrschluß, daß gesunde Kinder gleichbedeutend für gesunde Eltern sind. Gesunde Kinder sind also kein Beweis dafür, daß die Elterntiere gesund sind, gesunde Kinder beweisén leider: nichts......

Zurück in der Kromfohrländerpraxis heisst dies, daß ein Traumwert bei der Berechnung des individuellen Epilepsiewertes nicht bedeutet, daß ich garantiert gesunde Nachzucht haben werde - in dem Moment, wo ein Elterntier erkrankt, ist dieser Traumwert unwiederbringlich dahin und dieser Moment kann jederzeit eintreten. Ein Traumwert beweist also nicht, daß ich garantiert epilepsiefreie Welpen/Hunde züchten werde.

Erkrankt jedoch ein einziger meiner Welpen, weiß ich, daß sowohl meine Hündin als auch der Vater der Welpen Merkmalsträger sind, d.h. sie selbst sind gesund, vererben jedoch beide Epilepsie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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