Update Januar 2016

"Arosa von den Regentaler Auen"
"Arosa von den Regentaler Auen"

Knapp ein Jahr ist es nun her, dass ich die Einkreuzhündin einer Freundin zur Registrierung für den Sport beim Rassezuchtverein der Kromfohrländer (RZV)  in Steinhausen an einer offiziellen Körung vorgestellt habe. 

Vorab, um Klarheit bezüglich einer Registrierung zu schaffen: Im VDH, dem übergeordneten Verband des RZV, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, einen Hund, welcher nicht über Papiere des VDH verfügt, zur Registrierung vorzustellen. Entspricht der vorgestellte Hund dem Standard - hier muss mindestens ein durch den VDH zugelassener Richter sein Urteil abgeben - dann besteht die Möglichkeit, dass er im Zuchtbuch eines VDH-Vereines aufgenommen werden kann. Dafür hat der VDH neben der Führung des regulären Zuchtbuches einen Anhang vorgesehen, in welchem diese Hunde separat geführt werden, das sogenannte Registerbuch.

Man unterscheidet zwei unterschiedliche Verfahren:

Erstens: die Vorstellung eines Hundes für die Zucht, d.h. der Besitzer beantragt mit der Vorstellung eine Zuchtgenehmigung, um den vorgestellten Hund im VDH-Verband eingliedern und ihn somit in einem VDH-Verband zur Zucht einsetzen zu können. 

Zweitens: Der Antrag auf Registrierung für den Sport. Hier steht nur der Gedanke im Vordergrund, dass ein Hund ohne VDH-Papiere zum Beispiel nicht an einer Weltmeisterschaftsveranstaltung im Bereich des Agility-Sportes teilnehmen kann, weshalb allgemein viele nicht im VDH bzw. in der FCI, dem Dachverband des VDH - eingetragene Hunde zur Registrierung in den diversen zuständigen Vereinen vorgestellt und auch eingetragen werden. Nur wenn diese Sporthunde eine Registrierbescheinigung der FCI vorweisen können, sind sie startberechtigt. Für den Laien nicht wirklich nachvollziehbar, aber dies ist der Fakt....

Für die Zucht haben diese Hunde keine Zulassung, diese Registrierung dient nur dazu, eine Teilnahme an hochkarätigen Sportveranstaltungen zu ermöglichen.

"Arosa von den Regentaler Auen" wurde für zweiteres Verfahren angemeldet, da ihre Besitzerin mit ihr erfolgreich Agility betreibt und sich die Möglichkeit offen halten wollte, an einer derartigen Sportveranstaltung teilzunehmen. Der Antrag auf Registrierung lautete also ganz klar für den Sport und NICHT für die Zucht!!!!!

Der Tag der Körung verlief insgesamt sehr harmonisch, häufig wurden wir von Körteilnehmern gefragt, aus welchem Zwinger Arosa stamme - ein schönes Indiz dafür, dass sie nicht aus dem Rahmen des Kromfohrländer-Standards fiel, erkannte doch kein Teilnehmer an ihr die "Nicht-Reinrassigkeit". Die Vorführung von Arosa verlief vorbildlich, sie zeigte sich im gleichmäßigen Trab, auf dem Tisch ließ sich sich von allen sechs Händen der drei Gutachter betatschen, durchtasten und begutachten, die Zähne zeigte sie anstandslos und die Richterin trug ihre Exterieurkennzeichen in den allgemeinen Körbogen des RZV ein. Es wurde kein Mangel eingetragen den ich mitbekommen hätte, und ich stand direkt neben dem Tisch der Schreiberin.

Einzig die an der Hinterhand etwas durchscheinende Hautpigmentierung - welche von der Richterin als völlig normal eingestuft wurde (und ja auch ist, da Schecken IMMER über eine pigmentierte Haut verfügen!!!!) monierte der Zuchtleiter.

Kein Anzeichen während der Beurteilung ließ erkennen, dass Arosa nicht in allen Punkten dem Standard entsprach und mit dieser Erkenntnis verließen wir den Ring, da das Richtergremium sich besprechen wollte, was auch nachvollziehbar ist. Als wir wieder in den Ring gerufen wurden, wurde uns erklärt, dass dies der erste Antrag auf Registrierung ist, welcher je an den RZV herangetragen wurde und sich das Gremium nicht sicher ist, wie genau die Bestimmungen des VDH bezüglich einer Registrierung seien.

(Info: Der Antrag lag offiziell genau so lange vor, wie die Zuchtanträge der vorgestellten reinrassigen Kromfohrländer, hatte also die gleiche Bearbeitungszeit von sechs Wochen im Vorlauf...)

Auch sei diesem Gremium die Aussage einer einzigen eingetragenen VDH-Richterin zu wenig, weshalb beschlossen wurde, dass Arosa an einer weiteren Körung unter einem anderen Richter ein zweites Mal vorgestellt werden muss, um ein eindeutiges Urteil zu erhalten.

Man habe als Besitzer außerdem kein Anrecht auf irgendwelche offiziellen Unterlagen, wie die des ausgefüllten Körbogens. Übergeben wurde uns ein handschriftliches "Butterbrotpapier", auf welchem die Teilnahme von Arosa zur Registrierung bestätigt wurde und damit wurden wir entlassen.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass wir jederzeit die Bereitschaft signalisiert haben, Arosa auf einer weiteren Körung vorzustellen, da dies dem Procedere des VDH zur Registrierung entspricht!

Kurz bevor die Besitzerin dies tun wollte, kam es jedoch ganz anders:

Wenige Wochen nach der offiziellen Vorstellung von Arosa erhielt die Besitzerin einen Bescheid des RZV, unterschrieben vom neuen ersten Vorsitzenden, in welchem ihr mitgeteilt wurde:"....dass "Arosa von den Regentaler Auen" nicht im HÖCHSTEN Maße dem Standard der Kromfohrländer entspricht..." und deshalb eine Registrierung abgelehnt würde!..."

 

Wer wie wir höchste Auszeichnungen mit reinrassigen Kromfohrländern im offiziellen VDH-Aussstellungswesen erreicht hat, weiß, dass kein Kromfohrländer  je in höchstem Maß dem Standard entsprechen kann, denn er spiegelt das Ideal einer Rasse wieder und kein Hund ist fehlerfrei!

 

Nahtlos zu diesem Thema passte dann auch das Vorwort im offiziellen Organ des RZV, dem "WUFF", worin ein Fragebogen zum Thema "Einkreuzen" enthalten war. Im Vorwort betonte der erste Vorsitzende, wie ausgesprochen wichtig ein sachlicher Umgang mit diesem Thema sei.

Dass eine Hündin zur Registrierung vorgestellt worden war, wurde an dieser Stelle ebenfalls mitgeteilt, jedoch unterschlagen, dass ausschließlich eine Registrierung NUR für den Sport vorlag. Weder Bild noch Name des Hundes wurde veröffentlicht, so das sich kein einziger interessierter Leser ein Bild vom Hund machen konnte....

Es wurde betont, dass im Heft jeweils ein Artikel "für das Einkreuzen" und ein Artikel "gegen das Einkreuzen" veröffentlicht wird, jeweils OHNE Autorenangabe. Dadurch konnte vom Leser in keiner Form nachvollzogen werden, über wie viel Erfahrung und Kompetenz die beiden Autoren im züchterischen Bereich verfügten.

(Okay, ich kann demzufolge also ab sofort ohne Probleme Fachartikel über Agrarpolitik schreiben, anonym natürlich;-)

Ohne auf den Inhalt einzugehen, bleibt festzustellen, dass der Artikel "pro Einkreuzen" über anderthalb Seiten ging, dem Artikel "contra Einkreuzen " hingegen zweieinhalb Seiten zur Verfügung standen.

Die Schlüsse daraus und aus der vorherigen Beschreibung der Registrierung mag jeder bitte selbst ziehen.....

 

Fazit: Eine sachliche Auseinandersetzung durch den RZV erfolgt ganz offensichtlich nicht, wie die obige Schilderung darlegt. Registrierungen werden, selbst wenn es sich nur um eine Registrierung für den Sport handelt und es die Zuchtdomäne des RZV nicht betrifft, abgelehnt, auch wenn ein Richter den vorgestellten Hund als dem Standard entsprechend einordnet.

In jedem anderen Zuchtverein des VDH sind Registrierungen von nicht im VDH gezüchteten Hunden üblich und erweitern positiv den Genpool - nicht so im RZV.

 

Die Frage, warum diese Haltung des RZV so wenig nachvollziehbar und gegenläufig zum üblichen Registrierungsverfahren bei anderen Zuchtvereinen im VDH ist, kann an dieser Stelle leider nicht beantwortet werden, was sehr schade ist.

Ich denke, dass es sehr viele Leser interessieren würde, welche Ängste oder Ressentiments seitens der Vertreter des RZV gegen eine Registrierung selbst bei einer so harmlosen Registrierung wie die für den Sport vorliegen. 

Ist es denn nicht eine tolle Sache, wenn ein Kromfohrländer bei einer Agility-Weltmeisterschaft das zweite Treppchen erringt, wie es vor zwei Jahren geschah?

Keiner hat je den Erfolg und das Aussehen dieses Kromfohrländers in Frage gestellt: "Esmeralda hinter der Vest" startet für Österreich und die Österreicher sind zu Recht sehr stolz auf dieses Team, wie etliche offizielle Auftritte dieses Paares belegen - und sie ist eingekreuzt!

Die Besitzer erhielten problemlos die erforderlichen Registerpapiere vom Österreichischen Kynologenverband, ÖKV, welcher dem VDH in Deutschland entspricht.

 

Holderheidenachwuchs: reinrassig (1x), F1 (1x) und F2 (2x)  (Bild: Anna Auerbach)
Holderheidenachwuchs: reinrassig (1x), F1 (1x) und F2 (2x) (Bild: Anna Auerbach)

Einkreuzprojekt - es hat etwas mit "einkreuzen" zu tun....

 

Und seit unserer Gründung der Interessengemeinschaft rauhaariger Kromfohrländer vor circa zehn Jahren hat sich auf diesem Feld so Einiges getan: Bei uns selbst durch die damit gemachten Erfahrungen sowie durch die weiteren stattgefundenen Abspaltungen vom Rassezuchtverein der Kromfohrländer im Verein des deutschen Hundewesens (VDH), welche im Moment sind: der Verein für rauhaarige Kromfohrländer sowie "ProKromfohrländer".

Daneben gestalten einige vereinsfreie Züchter diesen Rahmen und grundsätzlich sollte das Ziel eine Verbesserung eines vorhandenen Rassebestandes sein - der, des Kromfohrländers.

 

Fakt ist, startet man ein Einkreuzprojekt, bewegt man sich außerhalb einer offiziellen Rassezuchtvereinigung und folgt nicht mehr "dieser", sondern beschreitet einen eigenen Weg.

Dies führt zwangsläufig zu Ausgrenzungen, Verleumdung, übler Nachrede und all den bekannten, allzu menschlichen Mechanismen, die ausgelöst werden, wenn eine bestehende Gruppe sich einer vermeintlichen Gefahr gegenübergestellt sieht, welche durch einen neuen Zusammenschluß, wie zum Beispiel derer im Einkreuzprojekt, entsteht.

 

Aber worin genau besteht eigentlich eine Gefahr für reinrassige Kromfohrländer im Einkreuzprojekt?

 

Nun, wir selbst besitzen und züchten nun über dreißig Jahre Kromfohrländer. Sie begleiten mich von meiner Jugend an und aus dem Wunsch, "nur" einen Reitbegleithund haben zu wollen, wurde im Laufe der Zeit eine Zuchtleidenschaft, welche mit meiner großen Liebe zu dieser Rasse ganz einfach zu erklären ist.

Und diese Leidenschaft führte uns dazu, unzählige Ausstellungen in ganz Deutschland, aber auch im Ausland zu besuchen, Zwingertreffen, Mitgliederversammlungen und an Spaziergängen landauf-landab teilzunehmen, unendliche Datenmengen aufzuzeichnen, Kontakte nach Finnland zu knüpfen, in die Schweiz, und, und, und - eben auch intensiv selbst zu züchten.

 

Und wenn so viel Leidenschaft im Spiel ist, dann mag man seine Hundekinder auch nicht einfach "so" verkaufen. Wir möchten wissen, wie sie sich entwickeln, welche Freude sie bereiten - aber auch welche Sorgen....

Man lernt die Menschen kennen, an welche man seine Hunde verkauft - und man schließt Freundschaften, Freundschaften, welche oft nicht nur eine Hundegeneration andauern, sondern darüber hinaus.

Es ist ein Punkt, welcher uns die Zucht mit unseren Hunden noch wertvoller macht: wir bekommen immer wieder als Zugabe Freunde "geschenkt".

 

Aber was passiert, wenn bei lieben und hochgeschätzten Käufern unsere Hunde erkranken? Nicht nur, dass wir erschüttert sind und das mit der Krankheit verbundene Leid mitfühlen können: wir tragen auch ein Stück Verantwortung für dieses Leid, denn wir als Züchter haben, auch wenn in diesem Moment nicht willentlich und wissentlich, dieses Leid "produziert".

 

Für uns in der Holderheide stellte sich irgendwann als Folge der zunehmenden Erkrankungen, unserer Erkenntnisse durch die umfangreiche eigene Datensammlung und Zuchterfahrungen die Frage, wie weit dieses gesundheitliche Leid nicht vielleicht doch von uns akzeptiert wurde.

Und die zwangsläufig daraus resultierende Frage: "Muss man dies akzeptieren?"

 

Was zu der weiteren Überlegung führte: "Was kann man dagegen tun?"

Nun, das Naheliegendste. Und dies war ein Gespräch anlässlich der Wurfabnahme unseres letzten, im RZV gezüchteten Wurfes mit den offiziellen Vertretern des Vereines und der Frage, inwieweit von ihnen Handlungsbedarf und der Wille via eines Einkreuzprojektes die Gesundheit zu verbessern, besteht.

Unsere auf seriösen Daten basierende Aussage, dass mindestens ein Drittel der Kromfohrländer an unterschiedlichen Krankheiten erkrankt sind, wurde von der offiziellen Vereinsseite in den Bereich der Phantasie verwiesen, in Form der Aussage, dies wäre vielleicht früher einmal so gewesen, aber dank modernster Gesundheitspolitik würde diese Aussage nicht stimmen, so wurde uns beschieden...

Man darf sich natürlich unwillkürlich fragen, wie aus einem - was zugegeben wird - ehemals viel kränkeren Hundebestand mit einer bekanntermaßen sehr eng gezüchteten Rasse auf einmal so deutlich gesündere Kromfohrländer entstehen sollen - aber wie wir zu dieser Datenlage von einem Drittel erkrankter Kromfohrländer kommen, wurde erst gar nicht abgefragt, geschweige sich von offizieller Seite dafür überhaupt interessiert.

(Für Sie als Leser: sie beruhen auf den von Besitzern und Züchtern getroffenen Aussagen über ihre Hunde, welche wir auf den unzähligen Ausstellungen, Spaziergängen, Zwingertreffen und sonstigen Veranstaltungen getroffen haben, mit denen wir telefoniert haben oder Kontakt per email hatten und in unseren Unterlagen ist deshalb auch stets die Quelle und Datum vermerkt, damit Aussagen, wie "das sind ja nur Gerüchte" erst gar nicht entstehen können.)

 

Die Frage zur Möglichkeit des Einkreuzens wurde demzufolge, mangels offizieller Notwendigkeit, ebenfalls eindeutig abschlägig beschieden -

Einkreuzen: auf keinen Fall mit dem RZV!

 

Da standen wir nun mit unserer alarmierenden Datenlage bezüglich der Gesundheit und einer Rasse, bei welcher wir keine Kaufverträge mehr erstellen wollten, in welchen wir die Käufer vorab über die beim Kromfohrländer reichlich vorhandenen Krankheiten informierten und bei sechs geborenen Welpen schon im Vorfeld wussten, dass mindestens zwei Hunde aus diesem Wurf erkranken werden...

 

Was tun?

Die Recherchen ergaben, dass es dank des zu kleinen Genpool´s der Kromfohrländer nicht möglich sein wird, im offiziellen Dachverband VDH einen Zweitverein für rauhhaarige Kromfohrländer zu etablieren, in welchem ein Einkreuzprojekt reelle Chancen gehabt hätte.

Zu gering ist die Zuchtbasis, selbst unter Einbeziehung unserer finnischen Kromfohrländer.

 

Aber, kritische Züchter waren wir längst nicht mehr alleine und so erfolgte ein Zusammenschluss von Züchtern, ohne Vereinsform, welche sich vom offiziellen Verein der Kromfohrländer trennte und beschloss, das dringend erforderliche Einkreuzprogramm ohne das Patronat von VDH und RZV zu wagen - denn diese tolle Rasse hat es verdient, dass man um sie kämpft....

 

Wundersamerweise zog der RZV nach dieser Trennung praktisch sofort nach. Wurde gerade also noch das Einkreuzprogramm vehement vom RZV als offizieller Vertreter der Rasse abgelehnt, so wurde nach der Gründung der Interessengemeinschaft der rauhaarigen Kromfohrländer in der darauffolgenden offiziellen Mitgliederversammlung des RZV als offizieller Verein im VDH ebenfalls die Notwendigkeit des Einkreuzen´s erkannt und ein Antrag auf Einkreuzen beim VDH beschlossen.

 

Konnten die ausgetretenen Züchter diesen indirekten Erfolg durch ihren Protest-Austritt auch nicht feiern, so gelang doch durch die klare Haltung und das Tragen der Konsequenzen ein Aufbrechen zementierter offizieller Vorstellungen, was nur im Sinne der Rasse sein konnte - und damit schien auch das erklärte Ziel, in der Rasse das Auftreten der bekannten Krankheiten deutlich zu minimieren, ein Stück näher zu rücken.

 

 

 

 

 

 

 

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