Reinrassig oder nicht???
Reinrassig oder nicht???

"Reinrassig" bedeutet im herkömmlichen Sinne, dass es sich um einen Rassehund handelt, welcher mit einem sogenannten Stammbaum verkauft wird, bei welchem diese "Reinrassigkeit" dokumentiert wird, indem mindestens drei Ahnenreihen des gekauften Hundes aufgeführt sind, also die Elterntiere, deren Eltern von Vater und Mutterseite und wiederum deren Elterntiere. 

Auch wenn verschiedene Verbände darauf pochen, "nur sie stellen korrekte "Originalpapiere" aus", ist die rechtliche Situation in Deutschland doch demokratisch und deshalb so, dass jede natürliche Person für ihre/seine Zucht Papiere ausstellen kann, entweder eigene oder über die eines Verbandes, welchem sie oder er als Züchter angehört.

Für den Laien ist es deshalb häufig das grössere Problem, sich in einem Dschungel von unterschiedlichen Verbänden zurecht zu finden, zumal jeder Verband in aller Regel von sich behauptet, der seriöseste und beste Zuchtverband zu sein.

Wichtig an dieser Stelle ist, dass man beim Hundekauf zwischen Züchtern und Händlern unterscheiden muss, besonders weil Händler sich ebenfalls als Züchter ausgeben.

Händler sind alleine am Verkauf und nicht an einer Rasse, deren Merkmalen und/oder deren Gesundheit interessiert, weshalb diese Welpen von Eltern stammen, über die dem Händler keinerlei Informationen vorliegen.

Züchter hingegen haben nur eine sehr begrenzte Anzahl an Rassen im Fokus, meistens nur Eine, manchmal aber auch Zwei, besonders dann, wenn innerhalb einer Familie Mitglieder zum Beispiel einen unterschiedlichen Hundetyp vorziehen, und ihr Herz schlägt für "ihre" Rasse(n) mit Engagement, Leidenschaft und Liebe.

Wobei auch ein Rassehundezüchter nicht gleich Rassehundezüchter ist, sondern sich die sogenannten "Liebhaber" (Familienhundezüchter) und die "Rassehundezüchter" in ihrer Intention deutlich unterscheiden, allerdings hier für einen Käufer nur wichtig ist, welchen Eindruck er persönlich von den gehaltenen Hunden und der Aufzuchtstätte hat, welche sinnvollerweise besucht werden sollte, bevor man einen Welpen von dort erwirbt.

 

Dass der Begriff "reinrassig" ein Schwieriger ist, zeigt sehr anschaulich das Beispiel der ersten Spitzhündin "Cora" meiner eigenen Eltern: Sie sah definitiv wie ein reinrassiger Spitz aus und wir erhielten beim Kauf von ihr einen Abstammungsnachweis, auf welchem die drei erforderlichen Generationen auch aufgeführt waren. Spätere Recherchen ergaben, dass die in den Papieren aufgeführte Züchterin unter dieser Adresse nie existierte und der Verband, in welchem "Cora" gezüchtet wurde, später als typischer "Händlerverband" entlarvt wurde, wo Abstammungspapiere allein der Fantasie einzelner Personen entsprangen. 

Beruht Reinrassigkeit also nur auf einem definiertem  "Aussehen", oder ist Reinrassigkeit etwas, was mit einem Qualitätssiegel verglichen werden kann?

 

 

Eine Rassebeschreibung beim Kromfohrländer aufgrund seines Aussehens fällt schwer, kennt man die ungemeine Vielzahl an unterschiedlichst aussehenden Kromfohrländern, ein Kennzeichen, welches viele Züchter und Besitzer dazu verführt, kundzutun, "dass genau dies das Salz in der Suppe ist" und "seinen besonderen Charme" ausmacht.

Für viele Kynologen dagegen ist dies ein Kennzeichen unprofessioneller Vermehrung und entsprechend kritisch wird die Rasse von Fachleuten oft beurteilt, bedenkt man außerdem, dass in sechzig Jahren der Reinzucht der Standard bereits sieben Mal dem gerade gezüchteten Kromfohrländer angepasst wurde, also nicht ein Hund nach dem Standard gezüchtet wurde, sondern der Standard den jeweiligen gezüchteten Kromis angepasst wurde, weshalb es eine unübersehbare Anzahl unterschiedlichst aussehender Kromis gibt: angefangen mit der von Frau Schleifenbaum in seiner "Urfassung" gezüchteten kurz-rauhaarigen Version hin zu rauhaarigen Kromfohrländern in jeder Haarlänge mit erwünschter rauher oder unerwünschter weicher Haarqualität, kurzhaarige -also bartlose Kromis mit kurzem, anliegenden Haar und langhaarige Kromfohrländer (ohne Bart) mit unterschiedlich langem Haar, gerne auch mal gewellt, und von hell - bis braun, über tricolor bis rein schwarz-weiss ist auch farblich jede Variante vertreten, Fehlzeichnungen sind nicht ungewöhnlich und auch die Ohren reichen von korrekt über "Korkenzieherohren" bis zum Stehohr hin.

Dies legt den Schluss nahe, dass - zumindest beim Kromfohrländer - die Reinrassigkeit nicht über ein definiertes Aussehen, sondern allein über den Abstammungsnachweis erfolgen kann.

 

Über das Aussehen mag man streiten - was jedoch das Wesen eines Hundes anbelangt, so haben die meisten Käufer hier konkrete Vorstellungen, welches explizit Rassehundeinteressenten auszeichnet, denn sie suchen einen Hund in aller Regel nach bestimmten Wesensmerkmalen aus, deren Erfüllung für sie von einiger Bedeutung sind.

Eine Familie mit vier Kindern wird zum Beispiel der Kinderfreundlichkeit bei der Rassehundeauswahl ein entsprechend starkes Augenmerk widmen, genauso, wie sehr sportliche Menschen danach trachten werden, eine bekannt "sportliche" Rasse zu wählen und das dürfte in diesem Fall kein ChowChow sein;-)

 

Beim Kromfohrländer gilt für die Wesensbeschreibung das Gleiche wie für das Aussehen: Der Kromfohrländer ist ausgesprochen uneinheitlich in seinem "Wesen", d.h. die allgemeine Rassebeschreibung mag auf einige Kromfohrländer zutreffen, sie tut es aber längst nicht auf alle! Und leider werden die problematischen Wesenszüge zunehmend in der reinrassigen Zucht unter den Tisch fallen gelassen, was zur Folge hat, dass keine züchterische Verbesserung stattfinden kann.

 

Somit gilt ganz allgemein ein reinrassiger Kromfohrländer dann als "reinrassig", wenn er über einen Abstammungsnachweis des Rassezuchtvereins der Kromfohrländer (RZV) verfügt, also im Verband des deutschen Hundewesens (VdH) gezüchtet wurde, unabhängig davon wie ein einzelner Hund aussieht - also inwieweit er dem Standard entspricht - und wie er im Wesen ist.

 

Ein kritischer Züchter wird immer beide Seiten der Medaille sehen und danach streben, die unerwünschten Eigenschaften zu minimieren, im Idealfall zu merzen, offen aufzuklären, um dem Käufer eine ehrliche Entscheidung zu ermöglichen, im Interesse der Rasse und der Käufer.

 

So wie es immer Züchter geben wird, welche Würfe machen und den Kromfohrländer unreflektiert als freundlich, unproblematisch und gesund verkaufen werden.

 

Und wenn Sie, lieber Leser, an dieser Stelle noch einmal an den Satz denken, in welchen beschrieben ist, dass es auch einen Unterschied zwischen Familienhundezüchtern und Rassehundezüchtern gibt, so sind wir an dieser Stelle angekommen, wo eine Erklärung dazu folgt:

Rassehundezüchter zeichnet eine oft jahrzehntelange Treue zu "ihrer" Rasse aus, sie versuchen beständig die Rasse zu verbessern, gehen kritisch mit ihrer Zucht um und kennen den Rassesstandard in- und auswendig. Sie investieren viel "Herzblut" in ihre Rasse und können Interessenten stundenlang über die Vorzüge und Probleme in der Rasse informieren.

Sie scheuen keine weiten Wege, sei es zu Rüden oder zu Veranstaltungen und dass es damit zu einem teuren Hobby wird, ergibt sich von selbst. Ihre Kompetenz beruht nicht nur auf jahrelange, sondern häufig jahrzehntelanger Erfahrung, sowie dem Austausch mit Züchtern anderer Rassen, mit dem Besuch von Fortbildungsveranstaltungen und Fachliteratur findet man in deren Bücherregalen zuhauf....

Familienhundezüchter unterscheiden sich insofern von Rassehundezüchtern, als dass sie in aller Regel einfach einmal einen Wurf oder vielleicht zwei mit ihrer Hündin aufziehen möchten, ihre eigene Hündin toll finden und ihr Interesse sich nicht auf die Rassehundezucht im Allgemeinen bezieht und somit das Interesse der Rasse im Auge haben, sondern ihre Beweggründe im persönlichen Bereich zu suchen sind. Den Standard kennen sie vom Namen her und ihre Erfahrung basiert auf der normalerweise vor einer Zucht vorgeschriebenen Teilnahme an einem Erstzüchter-Seminar. Das macht sie keinesfalls zu schlechten Züchtern, nur ist die Intention eine Andere und folglicherweise kann man von diesen Züchtern nicht erwarten, dass sie Käufer kompetent zur Rasse oder zum Beispiel zur Haltung von Rüden informieren können - aus dem einfachen Grund, weil sie damit keinerlei Erfahrung haben. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel;-)

Das persönliche Engagement dieser Züchter ist oft sehr hoch und sehr lobenswert, inwieweit jedoch ein "Rassenutzen" aus solchen Verpaarungen entsteht, hängt in solchen Fällen ganz klar von der Beratung ab, welche diesen Züchtern angedeiht. Und das ist auch der Knackpunkt, denn hier scheiden sich oft die Geister: Deckrüden-Auswahl nur aufgrund von Zahlenwerten generiert nicht zwangsläufig gesunde und im Wesen angenehme Hunde!

 

Und leider findet sich auch hier der eine oder andere Züchter, dem es weniger um die Hunde, als eher um den "schnellen" Euro geht, denn noch ist die Nachfrage nach Kromfohrländern hoch genug, um solchen Züchtern das Leben leicht zu machen, können sie doch sicher davon ausgehen, ihre Welpen mit neun Wochen problemlos "an den Mann" gebracht zu haben.

 

Um Probleme in der Rasse zu beheben, müssen diese aber als solche erkannt werden.

Ohne diese Erkenntnis sind keinerlei Veränderungen, und damit Verbesserungen, möglich!

Erkennt man diese Probleme, betreffen sie nun die Gesundheit und/oder das Wesen, dann, und nur dann ist man auf dem besten Weg, der idealen Rassebeschreibung des Kromfohrländers näher zu kommen und ist in der Lage einen Kromfohrländer zu züchten, welcher in hohem Masse dem Standard entspricht. Und hierbei ist es nicht entscheidend, ob die Abstammung reinrassig ist, sondern ob und wie das Ziel erreicht werden kann.

Dazu benötigt man fundierte genetische und kynologische Kenntnisse, ohne diese kann man weder reinrassige Kromfohrländer seriös züchten, geschweige denn einkreuzen.

 

Reinrassigkeit ist also kein "Qualitätssiegel", sondern nur eine Definition als solche und ermöglicht keinerlei Aussage über die Zucht, dessen Züchter und dessen Verband, soweit er in einem solchen organisiert ist.

 

Bei uns in der Holderheide war es zum Beispiel in der reinrassigen Zucht deutlich schwieriger, bezüglich des Wesens zu unserem Zuchtziel passende, reinrassige Kromfohrländer zu finden und so bietet das Einkreuzprogramm eine erfreulich positive Entwicklung in Bezug auf soziale Kompetenz im Umgang mit fremden Hunden mit einem insgesamt aufgeschlossenerem Wesen bei deutlich allgemein geringer auftretender Ängstlichkeit von eingekreuzten Kromfohrländern im Vergleich zu reinrassigen Kromfohrländern.

Und so mag es auch einen berechtigten Grund haben, warum Rassehundezucht ganz allgemein gerade auf dem Prüfstand steht, betrachtet man die aktuellen kritischen Berichte in den Print- und anderen Medien...

 

                                                                                                copyright Sybille Nass, Januar 2016

Reinrassige und Einkreuzkromfohrländer aus der Holderheide
Reinrassige und Einkreuzkromfohrländer aus der Holderheide

 

 

 

 

 

 

 

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