Wenn Kromfohrländer negativ auffällig werden, ist ein geflügeltes Wort der betreffenden Halter oder Züchter dafür: "Die sind halt so...".

In einem der vielen Kromiforen, hier eines von den Anfängen, war eine 16 Wochen alte Hündin negativ auffällig, da sie bereits in diesem zarten Alter fremde Hunde an der Leine anknurrte. Die Besitzerin berichtete von diesem Vorfall im Forum persönlich und ihr Beitrag endete mit den Worten: "Aber das ist ja typisch für die Kromis.."

 

Solche Aussagen sind in meinen Augen die Bankrotterklärung jeglicher Halter und Züchter, spiegeln sie doch in direkter Weise  die Bereitschaft wider, an bestehendem Problemverhalten oder züchterischem Mangel weder zu arbeiten, die Situation zu verändern oder gar verbessern zu wollen, schlimmer noch, eine sachliche Diskussion wird mit dieser Haltung sofort im Keim erstickt!

Den meisten Lesern dürfte ein solcher Ausspruch allerdings am prominentesten in der Dackelszene geläufig sein, denn auch hier heißt es ganz allgemein: "Dackel sind halt unerziehbar" und bildet so den Freibrief für Generationen an Dackeln, welche tun und lassen dürfen was sie wollen!

 

"Wenn  man diese Rasse nicht so liebt, wie sie ist, dann sollte man sich eine andere Rasse zulegen", ist das Zitat einer Kromfohrländerzüchterin, welche eine menschenfreundliche, aber mit anderen Hunden vollkommen unverträgliche Zuchthündin besitzt.

Und Züchtern, welche die Probleme durchaus kennen, reagieren auf Lösungsansätze in einer anderen, aber sehr vergleichbaren Art und Weise, nachzulesen hier und hier.

Einkreuzen, andere Rassehunde und Mischlinge werden in einem Zuge verteufelt und eine Position bezogen, welche weitere Diskussionen jedwelcher Couleur allumfassend ausschließt.

 

Bedauerlicherweise sind solche Aussagen nicht nur schädlich für die Entwicklung einer jeden Rasse - Einkreuzen ist ja keine Methode der modernen Hundezucht, sondern ein bewährtes Instrument schon seit einer Vielzahl von Züchter- und Hundegenerationen - es wirft auch ein trauriges Bild darauf, über wie wenig kynologisches und genetisches Wissen ein  Züchter verfügt.

Dass eine Rasse, welche jung ist und sich auf drei Ahnen beruft und welche sechs Jahrzehnte nur reinrassig gezüchtet wurde, sehr schnell über ein Inzuchtproblem verfügt, sagt einem Laien schon alleine der gesunde Menschenverstand. Mit dem Hinzufügen einer Fremdrasse oder eines Mischlinges wird auf jeden Fall aufgrund der Erweiterung der genetischen Vielfalt eine Verbesserung erreicht, nachzulesen in jedem Fachbuch über Genetik.

Während mit der Unfähigkeit eines Halters, seinen Hund gut zu erziehen die Erklärung "Die sind halt so.." noch ziemlich nachsichtig umgegangen werden kann, solange nicht andere Hunde und ihre Halter durch den unerzogenen Hund zu Schaden kommen, sieht es auf der Züchterseite ganz anders aus. Indem von Haus aus akzeptiert wird, dass "die Hunde so sind wie sie sind" und im gleichen Atemzug das einzige Instrument zur Verbesserung der Situation, nämlich das Einkreuzen, auf polemische Art und Weise denunziert wird, kommt es mit dieser Haltung NIE zu einer Verbesserung von Problemen in der Rasse, sei es in Bezug auf die Gesundheit oder in Bezug auf das Wesen.  

Eine sehr einfache Haltung, denn andernfalls müsste man sich ja eingehend mit einer geeigneten Rasse zum Einkreuzen beschäftigen oder gar über den Sinn eines Einsatzes von Mischlingen nachdenken. Und damit ist es bei weitem nicht getan, denn sinnvolles Einkreuzen bedeutet eben NICHT wahllosen Einsatz von irgendwelchen Rassehunden oder Mischlingen, sondern erfordert fundierte Kenntnisse in Genetik, Standardsicherheit in der eigenen Rasse und jahrelange Zuchterfahrung.

 

Nicht nur, dass man sich als Züchter auf Aussagen, wie "Die sind halt so.." ausruht, man garniert diese Statements gerne mit Sätzen, wie: "Soweit ich es nachlesen konnte ist die F2 Generation kränker als die Ausgangspopulation", pickt also aus dem Zusammenhang gerissene, aber für diese Einstellung passende Texte aus kritischen Berichten heraus, um die eigene Haltung zu untermauern.

"Kromfohrländer mal "andere Rasse" ist nicht gleich gesünder, besser, schöner" - das ist eine Wahrheit, welche auch zwischen solch polemischen Zeilen zu finden ist - nur, dass die Sichtweise aus kynologischer Sicht eine ganz andere ist als die, welche der Autor in diesem Fall wirklich meint.

Autoren solcher Zeilen sind per se der Meinung, dass es keine gesünderen, schöneren und besseren Hunde als den Kromfohrländer gibt - weshalb das Einkreuzen abgelehnt wird.

Unsere Erfahrung mit den eigenen eingekreuzten Würfen zeigt jedoch ganz deutlich anhand unserer Gesundheitsstatisik, dass unsere eingekreuzten Hunde gemessen an vergleichbaren Würfen während unserer reinrassigen Zuchtzeit weniger erkrankte Hunde generiert haben, als dies bei den reinrassigen Würfen der Fall war.

Und wenn sie erkrankt sind, dann ist es auffällig, dass es sich hierbei um Erkrankungen handelt, welche typischerweise bei den reinrassigen Kromfohrländern auftreten.

Somit stellt sich für einen seriösen Einkreuzzüchter eher die Frage, inwieweit es überhaupt sinnvoll ist, in eine kranke Rasse wie den Kromfohrländer einzukreuzen und ob man mit seriösen Mitteln eine Gesundung der Rasse überhaupt erreichen kann!

 

Zwei Beispiele:

In unserer Tierklinik wird eine Kromfohrländerhündin an hämolytischer Anämie und weiteren Erkrankungen behandelt. Die Hündin kann nur mit Maulkorb behandelt werden, da sie beißt. 

Das ist kein Problem, denn dafür sind Maulkörbe auch da.

Bedenklich stimmt mich nur, dass die Besitzerin der Hündin gegenüber der Tierärztin das Verhalten als für Kromfohrländer vollkommen normal bezeichnet und überhaupt kein Problem darin erkennt, dass ihre Hündin nur mit Maulkorb behandelt werden kann. Die Tierärztin hat  - im Gegenteil -  den Eindruck, dass die Besitzerin das aggressive Verhalten der Hündin sogar goutiert.

Im zweiten Beispiel weist ein mir bekannter Züchter seinen Besuch stets darauf hin, seine Hündin nicht anzusehen, da sie sonst knurrt. Nicht alle Besucher halten sich an diese Anweisung oder glauben dies. Was zur Folge hat, dass die Hündin - wie vom Züchter vorhergesagt - sofort knurrt, sobald man sie ansieht. Die Frage, ob man die Hündin anfassen kann erübrigt sich von alleine.

Es handelt sich in diesem Fall um eine Zuchthündin und beim Züchter um einen Vertreter des Vorstandes.

Ganz allgemein erwartet man von Vertretern in bestimmten Positionen eine Vorbildfunktion - seien es Politiker, Sportler oder auch im kleineren Bereich, Vereinsfunktionäre. 

Wenn jedoch Vereinsfunktionäre mit Hunden züchten, welche über grenzwertiges und aggressives Verhalten verfügen - woran sollte sich ein Neuzüchter oder Hundeanfänger denn dann überhaupt orientieren, wenn ausgeprägtes Territorialverhalten und aktive Aggression von Hunden in Vorstandskreisen nicht nur offensichtlich akzeptiert, sondern sogar ganz offensichtlich damit gezüchtet werden darf?

"So sind sie halt..." bedeutet im Klartext, dass der Halter und/oder der Züchter sich mit bestehenden Problemen arrangiert hat und diese damit nicht nur als gegeben hinnimmt, sondern, im Gegenteil, die negativen Auswüchse sogar als positiv zu vermitteln versucht, auch unter Zuhilfenahme von Mitteln des unlauteren Wettbewerbs, indem man kritische und sachliche Auseinandersetzungen negiert oder gar polemisiert.

 

Keine Rasse kann unter solchen Einstellungen gedeihen, denn selbst wenn man ein Gegner eines Einkreuzprojektes ist, was selbstverständlich jedem frei steht, so werden auch in einer reinrassigen Zucht von Kromfohrländern die Probleme nicht weniger, verweigert man Besitzern unzähliger Leinenmachorüden ein offenes Ohr oder beruft sich bei gesundheitlichen Problemen in der eigenen Rasse auf die bestehenden Probleme anderer Rassen, um die eigene Rasse besser dastehen zu lassen.

 

"Sie sind halt so...." ist eine züchterische Bankrotterklärung und ein Zeichen größter Hilflosigkeit, gepaart mit leider enorm hoher Unwissenheit in Bezug auf Lösungsmöglichkeiten...

Für eine Rasse in jeglicher Hinsicht  die schlechteste aller Ausgangslagen!

 

Dass es auch anders geht, zeigt uns in diesem Fall Schweden. Hier werden vielleicht nicht gesündere Kromfohrländer gezüchtet, aber nach meinem Aufenthalt in Schweden wage ich zu behaupten, dass es im Wesen eindeutig die besseren Hunde sind.

Aggressive Hunde werden konsequent von der Zucht gesperrt. Wenn also zum Beispiel ein Hund auf der Ausstellung nach dem Richter schnappt oder gar beißt, wird dies im Richterbericht vermerkt, der Vermerk wird an den Verband weitergeleitet und der Hund lebenslänglich für die Zucht gesperrt - und zwar ohne Einschränkung! 

Wo hier in Deutschland allzugerne die sogenannte "Ursachenforschung" betrieben wird und in letzter Instanz für jeden schnappenden oder bissigen Kromfohrländer eine zufriedenstellende Erklärung gefunden wird, welche ihn dann letztendlich doch zur Zucht zulässt, wird in Schweden die Aggression erst gar nicht in Frage gestellt, sondern reagiert. Mit Erfolg, denn die schwedischen Kromfohrländer haben mich im Wesen überzeugt - und sie spiegeln in direkter Weise wider, was wir in unserer Zucht seit Generationen bereits durchführen: Nur wer konsequent auf ein gutes Wesen seiner Zuchttiere achtet, hat entsprechende gute Nachzucht im Wesen!

 

Nur wer offen und sachlich mit den gesundheitlichen und wesensmässigen Problemen in einer Rasse umgeht und eine kritische Einstellung pflegt, kann diese nicht nur erkennen, sondern tatsächlich angehen und Lösungsmöglichkeiten finden - Polemik und Schönfärberei von Rassebeschreibungen und Gesundheitsstatistiken hingegen sind die falschen Wege....

"Dackel sind so" ist deshalb auch nur als eine faule Ausrede von Haltern zu sehen, welche keine Lust haben sich der Mühe zu unterziehen, welche die Ausbildung eines Hundes nun einmal mit sich bringt!

 

 

                                                                                                          copyright Sybille Nass 5/2016

 

 

 

 

 

 

 

Herzlich willkommen auf unserer homepage!

Wir freuen uns über Ihren Besuch und wünschen

viel Freude beim schmökern und stöbern:-)