Welpe mit typischem Persianerfell
Welpe mit typischem Persianerfell

Corny feet lautet der umgangssprachliche Ausdruck für diese erbliche Erkrankung, von welcher offiziell nur zwei Rassen betroffen sind: Neben dem Kromfohrländer ist das Auftreten nur noch beim Irish Terrier bekannt, wobei die Erkrankung bei dieser Rasse dank zuchthygienischer Massnahmen dort so stark zurückgegangen ist, daß es kein gesundheitliches Problem mehr darstellt.

 

Wie so häufig charakterisiert die umgangssprachliche Bezeichnung die Erkrankung sehr treffend: körnige Füße - es bedeutet, daß der sonst glatte, rundliche und elastische Ballen unserer Hunde bei dieser Erkrankung spröde, trocken und rissig ist, es zu Wucherungen an den Ballenrändern kommt, welche im schlimmsten Fall zu Stellungsveränderungen führen können - was bei entsprechender Pflege jedoch nie eintritt....

 

Als Erbkrankheit beschrieben wurde corny feet zuerst beim Irish Terrier und nachgewiesenermassen ist es unserer Zuchtstätte zu verdanken, welche  Besitz und Zucht von Irish Terriern und Kromfohrländern zeitweise gleichzeitig betrieben hat, daß diese Erkrankung bei den Kromfohrländern überhaupt als solche erkannt werden konnte.

 

Es handelt sich um eine Erbkrankheit mit autosomal-rezessivem Erbgang, was bedeutet, daß zwei vollkommen gesund erscheinende Eltern erkrankten Nachwuchs haben können - es handelt sich dann jeweils um Trägertiere für diese Erkrankung.

Betroffene Tiere geben diese Erkrankung gesichert weiter, wobei je nach Partner sofort betroffene Hunde fallen können oder ein kompletter Wurf aus Trägertieren bestehen kann, aber nicht äusserlich sichtbar erkranken.

Der Erbgang lässt sich bei Vorliegen von dem entsprechenden Datenmaterial einfach nachvollziehen und nachdem die Erkrankung keinerlei die Lebensdauer eines betroffenenen Hundes einschränkende Wirkung hat, gehört sie zu jenen mit geringem Krankheitswert.

 

Vier beim Hund deutlich erkennbare und stets gemeinsam auftretende Kennzeichen sichern eine eindeutige Krankheitszuordnung ab:

  • spröde, trockene und rissige Ballen
  • Krallen, deren Enden wie abgehackt aussehen
  • Bart/Tasthaare, welche sich kräuseln
  • Persianerfell beim neugeborenen Welpen

Wenn diese vier Faktoren vorhanden sind, ist der Hund an digitaler Hyperkeratose erkrankt.

Nachdem erfahrene Züchter schon bei der Geburt das "Persianerfell" erkennen können, ist ein Merzen der Erkrankung sehr leicht, da diese Hunde nicht in der Zucht eingesetzt werden. Die Ballenkontrolle bei einer Zuchtzulassung verhindert den Einsatz unerkannt betroffener Hunde ausserdem und so ist aus zuchthygienischer Sicht die Erkrankung dauerhaft eliminationsfähig.

 

Für Besitzer betroffener Hunde ist es wichtig zu wissen, daß diese Erkrankung Parallelen zur beim Menschen auftretenden "Psoriasis" aufweist und deshalb adäquate Anwendungen sowohl bei erkrankten Menschen als auch betroffenen Hunden Erleichterung schaffen. Dies betrifft besonders Anwendungen mit Produkten/Cremes aus dem Bereich "Totes Meer Salz"!

An digitaler Hyperkeratose erkrankte Hunde bilden ihre Symptome in Meernähe deutlich zurück, während sie sich im Landesinneren wieder verschlechtern....

Das A&O bei der Haltung eines betroffenen Hundes ist die tägliche Pflege der Ballen mit den passenden Cremes und die regelmässige Einkürzung der deutlich schneller wachsenden Krallen beim corny-feet Hund. Auch die an den Ballenrändern sich bildenden Wucherungen sollten immer wieder zurückgeschnitten werden, damit sich auf lange Sicht keine Stellungsfehler entwickeln können.

 

Betroffene Hunde meiden verständlicherweise Wege mit kleinkörnigen Kieselsteinen, da diese in die Risse eindringen und ziehen Wiesenränder und Asphalt vor - wenn also Ihr Hund nicht anständig neben Ihnen laufen will, so kann dies eine Ursache dafür sein!

Im Winter dringt Salz schneller in die durch die Risse empfindlicheren Ballen ein und so sollten diese Hunde besonders geschützt werden - entweder durch Aufsprühen von einem sogenannten "Sprühpflaster" oder eventuell durch Hundeschuhe, wenn Laufen auf gesalztem Untergrund unausweichlich ist.

 

Wissenschaftler neigen dazu, Krankheiten in Kategorien einzuteilen und so wurde auch die digitale Hyperkeratose in drei Grade eingeteilt:

 

Grad 1 - leichte Form

Grad 2 - mittlere Form

Grad 3 - schwere Form

 

Wir selbst haben die schwere Form nie erlebt, jedoch wissen wir aus gut informierten Irish-Terrier-Kreisen, daß es hier Hunde gab, welche noch vor Erreichen des ersten Lebensjahres aufgrund der Schwere der Erkrankung eingeschläfert werden mussten - sie konnten nicht mehr laufen....

Auch haben Gespräche unter Züchtern durchaus Unterschiede in der Erscheinungsform der Erkrankung aufgezeigt, so konnte kein Irish-Züchter je von einem betroffenen Irishwelpen berichten, welcher mit Persianerfell geboren wurde.

 

Relativ früh haben wir in unserer Zucht einen Zusammenhang zwischen Grad der Ausprägung und Frühkastration erkannt und in unseren Kaufverträgen betroffene Hunde günstiger abgegeben, jedoch verpflichtend mit einer Kastration von Hündinnen vor der ersten Hitze und bei den Rüden bevor sie die Geschlechtsreife erreichen, also maximal bis zum achten Monat. Dadurch lag bei uns kein schlechterer Grad als die leichte Form vor und die Hunde führten ein relativ uneingeschränktes Leben.

Dieser Zusammenhang wurde nie wissenschaftlich belegt, sondern fusst auf praktischen Erfahrungen. Skeptiker und wissenschaftsgläubige Züchter und Besitzer stellen diesen Zusammenhang ohne Ansehen dessen, was es für einen Vorteil für das betroffene Tier bedeutet, in Frage und negieren diesen aus der Praxiserfahrung gewonnenen Zusammenhang. Das ist schade für die betroffenen Hunde und nicht in deren Interesse, leider jeoch allzu menschlich. Eine Kastration nach der Geschlechtsreife bewirkt leider keine Verbesserung mehr.

 

Nachdem beim Irish-Terrier eine Früherkennung der Erkrankung nicht in dem gleichen Masse möglich war wie beim Kromfohrländer, zeigten sich die Irish-Terrier-Züchter sehr an der Entwicklung eines Gen-Testes für diese Erkrankung interessiert. Durch unsere Kontakte mit der Irish-Terrier-Szene wurde von der Schweiz (Dr. Schelling) aus in unserem Zwinger angefragt, ob man auch die Kromfohrländer in eine wissenschaftliche Untersuchung einbeziehen könne. Dafür würde man Blutproben entnehmen, wofür sich die jährlich stattfindenden Holderheidetreffen anbieten würden.

Um eine breitere Streuung von möglichst wenig verwandten Tieren zu erreichen, empfahlen wir Dr. Schelling, sich direkt an den Rassezuchtverein der Kromfohrländer zu wenden, welcher das Angebot annahm. Wie es dann konkret weiterging entzieht sich unserer Kenntnis, da in der darauffolgenden Zeit diesbezüglich keine Kontakte mehr zu uns stattfanden.

 

Im Frühjahr 2014 konnte dann ein Gentest für die digitale Hyperkeratose entwickelt werden, und um diese Zäsur auch sprachlich korrekt darzustellen, wurde die Erkankung in heriditäre Fussballen-Erkrankung umbenannt. Hereditär bedeutet "erblich", also erbliche Fussballen-Erkrankung.

In Schweden kommt dieser Test definitiv zum Einsatz, allerdings sollte jedem Züchter in diesem Fall klar sein, daß es sich hierbei um eine Erkrankung handelt, welche von Haus aus sehr leicht zu bekämpfen ist, indem man auf einer Zuchtzulassungs-Veranstaltung konsequent erkrankte Tiere von der Zucht ausschliesst.

So ist es auf der einen Seite toll, daß der genetische Status von Eltern bei einer Erbkrankheit vorher festgestellt werden kann, eine Erkrankung, welche erfahrene Züchter schon bei der Geburt der Welpen feststellen können, auf der anderen Seite aber Epilepsie oder Katarakt spontan und nicht vorhersehbar auftreten und hier ein Gentest sehr viel hilfreicher wäre.

Dennoch kann ein Gentest, richtig interpretiert, auch hier wertvolle Dienste leisten.

 

Sorge bereitete mir deshalb die Aussage in Schweden, daß dank des Gentestes Trägertiere nicht mehr in der Zucht eingesetzt werden. Dies ist stets die erste und in meinen Augen auch für eine kleine Population die schwierigste Aussage zu den Ergebnissen von Gentests.

In einer Zuchtbasis, welche von Haus aus klein ist, werden durch den Verzicht des Einsatzes von Trägertieren wertvolle Hunde der Zucht entzogen, welche DANK des Gentestes aber hervorragend in der Zucht eingesetzt werden können: angepaart mit einem freien Partner, werden gesichert keine kranken Hunde mehr generiert, aber das betroffene Trägertier konnte bei seinem Zuchteinsatz seine in anderer Hinsicht wertvollen Gene weitergeben.

In Zusammenhang mit dem geringen Krankheitswert der hereditären Fussballen-Erkrankung passiert so leicht das Gegenteil vom erwünschten Effekt: eine sehr gefährdete Zuchtbasis wird ohne konkreten Nutzen zum Nachteil der Gesamtpopulation genetisch noch weiter eingeschränkt - durch den Verzicht des Einsatzes von Trägertieren, welche Dank Gentest aber unbedenklich sind......

 

 

 

                                                                                  copyright Sybille Nass / August 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

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