Das Auge im Blick....
Das Auge im Blick....

"Sie" ist weiblich, es heisst nämlich

"die Katarakt" - und macht dennoch für den Hund keinen Unterschied. Ein Hund, welcher an einer Katarakt erkrankt, läuft definitiv in Gefahr zu erblinden.

Und was als "hereditäre Katarakt" sehr unverständlich klingt, wird mit der Übersetzung aus dem "fachchinesisch" gleich im wahrsten Sinne des Wortes erhellender: es handelt sich hierbei um den erblichen grauen Star!

 

 

Dank unserer umfangreichen Kontakte mit den finnischen Kromfohrländerzüchtern in den 90er-Jahren wurden wir schon früh als Züchter mit diesem Problem konfrontiert, denn in Finnland war diese Erkrankung längst offiziell bekannt und es bildete eine der finnischen Zuchtvoraussetzungen, daß die Zuchttiere über ein freies Augenuntersuchungsergebnis verfügen mussten. Auch wurden in Finnland die Welpen im Alter von 8 Wochen einem Augenfacharzt vorgestellt und in der Folge betroffene Welpen konsequent gemerzt, da erkrankte Welpen nicht verkauft werden sollten, um eine weitere Ausbreitung dieser Erbkrankheit zu verhindern.

 

Nachdem wir für unsere Zuchtstätte zwei finnische Kromfohrländer importiert hatten, (Minimaxin Saturnus, "Elgin" und Jazzmo Acapella, "Katla") war es für uns selbstverständlich, in unserem Zwinger freiwillige Augenuntersuchungen durchzuführen.

Allerdings informierten wir auch den für uns zuständigen Verein im VDH von der finnischen gesundheitlichen Situation, welcher umgehend reagierte, indem er alle Kromfohrländer mit finnischer Abstammung ausschliesslich mit einem freien Untersuchungsergebnis bezüglich einer Katarakt zur Zucht zuliess.

 

Die Gesundheit spielt in unserer Zucht eine tragende Rolle und so beliessen wir es nicht bei der Untersuchung von unseren "Nordlichtern", sondern liessen auch unsere anderen, deutschen Kromfohrländer und deren Nachzucht untersuchen - mit einem sehr aufschlußreichen Ergebnis, denn es erwies sich, daß auch die deutsche Zucht ganz offensichtlich mit einem bis dato nicht erkannten gesundheitlichen Problem zu tun hatte - die Untersuchungsergebnisse der deutschen Kromfohrländer lieferten ebenfalls positive Kataraktbefunde!

 

Paradoxerweise war nicht etwa eine Pflichtuntersuchung der Zuchttiere auf Katarakt, wie in Finnland, die Folge der im VDH veröffentlichten Untersuchungsergebnisse, sondern eine Rücknahme der Pflichtuntersuchung der finnisch-stämmigen Kromfohrländer und die Aufforderung des offiziellen Vereines an die Züchter, freiwillig die entsprechenden Untersuchungen durchführen zu lassen. Um diese Situation an Absurdität noch zu toppen, wurde ausserdem im offiziellen Organ der Kromfohrländer veröffentlicht, daß nur ein einziger Zwinger mit dieser Erkrankung Probleme hat...

Ein echtes Paradebeispiel dessen, wie unterschiedlich man mit dem Thema Gesundheit/Erbkrankheiten umgehen kann und wie Züchter, welche sich dieses Problemes ernsthaft annehmen, von offizieller Seite geoutet werden, denn jedem Insider war natürlich klar, daß hier nur der Zwinger von der Holderheide gemeint sein konnte - da der einzige Zwinger, welcher seine Hunde regelmässig untersuchen liess und deshalb auch erkrankte Tiere nachgewiesen hatte.

Fazit: Nicht untersuchen heisst, die Hunde sind gesund und ich kann weiterzüchten!

 

Würde ein Zuchthund (freiwillig!) auf Katarakt untersucht werden und von einem offiziellen Augenfacharzt den Befund "nicht frei" oder "vorübergehend nicht frei" attestiert bekommen, kann er, auch wenn ein Verein KEINE Augenuntersuchung vorschreibt, nicht mehr in der Zucht eingesetzt werden, da die Untersuchungsergebnisse automatisch erfasst und an den zuchtbuchführenden Verein weitergeleitet werden. Dieser muss aufgrund des festgestellten Befundes den betreffenden Zuchthund für die Weiterzucht sperren, da der Dachverband (VDH) die Zucht mit einem an einer Erbkrankheit erkrankten Hund verbietet.

Deshalb scheuen viele Kromfohrländerbesitzer diese freiwillige Untersuchung, müssen sie doch befürchten, daß ein positives Ergebnis das "aus" für die Weiterzucht bedeutet.

 

Bei der Katarakt handelt es sich, wie schon bei der Epilepsie und der Fussballen-Erkrankung, um eine Erbkrankheit mit autosomal-rezessivem Erbgang.

Dies bedeutet, daß die Elterntiere Trägertiere sein und einen freien Befund aufweisen können, in der Nachzucht jedoch dennoch erkrankte Tiere auftreten.

Erschwert wird die Zucht dadurch, daß eine Katarakt jederzeit entstehen kann. Es bedeutet eine einzige freie Augenuntersuchung also nicht, daß der Hund vom Gespenst der Erblindung in Zukunft gefeit ist, sondern ein freier Befund sagt lediglich aus, daß zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Katarakt erkennbar ist. Ein Kromfohrländer kann also in jedem Alter eine Katarakt ausbilden und kranke Nachzucht, so es sich um einen Zuchthund handelt, generieren.

 

Problematisch wird die ganze Situation außerdem noch durch eine weitere, wieder für den Kromfohrländer typische Konstellation: er fällt insofern aus dem Rahmen, als dass die für die Katarakt typische Trübung der Linse in aller Regel erst im Endstadium für den Laien sichtbar wird und in der Folge vorausgesetzt wird, dass es sich um eine altersbedingte Trübung und NICHT um eine erbliche Symptomatik handelt.

Glücklicherweise für die Hunde spielen sich die meisten positiven Befunde der Kromfohrländer unbemerkt von den Besitzern auf nur einem Auge ab, was für die Hunde eine geringe Einschränkung bedeutet, da das andere Auge weiter zum Sehen genutzt werden kann.

 

Unsere Zuchthunde nahmen seinerzeit an einer wissenschaftlichen Reihenuntersuchung zum Thema Katarakt teil und im Laufe dieser Untersuchungen wurde bei unserer Zuchthündin "Anauka von der Napoleonsnase" eine beidseitige erbliche Katarakt diagnostiziert.

"Nauka" wurde von uns vor jedem ihrer Würfe einem Augenfacharzt zur Untersuchung vorgestellt und wurde "frei" befundet. Nach ihrem vierten Wurf wurde mit der folgenden Augenuntersuchung zum ersten Mal ein nicht freier Befund festgestellt.

(Und mit ihr natürlich nicht mehr gezüchtet!)

Die regelmässig durchgeführten Untersuchungen zeigten bei jedem weiteren Befund eine fortlaufende Verschlechterung auf BEIDEN Augen und es war absehbar, daß Nauka erblinden würde. Diese Entwicklung wurde uns auf unseren Spaziergängen sehr präsent gemacht, denn ohne akustische Signale lief Nauka immer öfter in die falsche Richtung und konnte sich nur noch schlecht orientieren. Als sehr kluge Hündin vermochte sie uns jedoch ohne Probleme vermitteln, daß sie erblindet am liebsten mit Geschirr und an der Flexi mitlaufen möchte, da dies ihr ein Höchstmaß an Sicherheit vermittelte. In den eigenen vier Wänden fühlte sich Nauka allerdings so sicher, daß fremdem Besuch ihre Blindheit überhaupt nicht bewusst wurde, zumal man die Linsentrübung typischerweise erst kurz vor ihrem Tod erkennen konnte.

Durch die Teilnahme an der wissenschaftlichen Untersuchung wurde gesichert nachgewiesen, daß Nauka beidseitig am erblichen grauen Star erkrankt war und es sich nicht um eine Alterskatarakt handelte, wiewohl diese erst in höherem Alter bei ihr auftrat.

 

Anhand Nauka´s Katarakt-Problematik kann man allerdings auch schon die züchterischen Schwierigkeiten erkennen, welche mit dieser Form der Katarakt einhergehen!

Exemplarisch dazu die Aussage einer Züchterkollegin, welche postulierte:

,..."daß man sich die Untersuchungen sowieso sparen kann, denn wenn man eh schon Würfe hatte, bevor die Erkrankung auftritt, dann nützt die Untersuchung sowieso nichts!"

Eine Aussage, welcher viele Züchter vorbehaltlos zustimmten und vordergründig auch einleuchtend erscheint - doch:

Nauka war bereits vor ihrer positiven Befundung genetisch erkrankt und hat diese Gene weitergegeben, wenn auch unwissentlich. Jedoch: ihre Kinder wurden mit einem Jahr ebenfalls untersucht und hier stellte sich heraus, daß bereits mit einem Jahr erkrankte Nachzucht nachgewiesen werden konnte - welche dank frühzeitiger Untersuchung aber NICHT in der Zucht eingesetzt wurde und so eine weitere Verbreitung der Erkrankung erfolgreich verhindert wurde!


Wie bereits bei anderen bekannten Erbkrankheiten unserer Hunde, hat sich im tiermedizinischen Bereich eine eigene Fachschaft gebildet, welche sich ganz speziell den Augenerkrankungen unserer Vierbeiner widmet: sie nennt sich "Dortmunder Kreis", hergeleitet von den dort ansässigen Tierärzten, welche diese Fachschaft initiierten.

Diese Augenspezialisten durchlaufen eine zweijährige Fachausbildung und gehören erst dann zur Fachschaft "Dortmunder Kreis", welcher sich jährlich zum internationalen Informationsaustausch trifft, aber seine Mitglieder ausserdem zu regelmässigen Fortbildungen verpflichtet.

Jede Augenuntersuchung wird offiziell protokolliert und auf einem Vierfach-Bogen erfasst, von welchem eine Kopie beim Hundebesitzer verbleibt, eine Kopie erhält der die Rasse betreuende Zuchtverband, ein Exemplar verbleibt beim Tierarzt selbst und das Original geht an die Auswertungsstelle des Dortmunder Kreises.

Vor jeder Augenuntersuchung muss der Hundebesitzer unterschreiben, daß er mit diesem Procedere einverstanden ist. So soll verhindert werden, daß diese ihre Vierbeiner untersuchen lassen, aber im Falle eines positiven Befundes das schlechte Ergebnis nicht an den Zuchtverband weitergeleitet wird, um unabhängig vom Befund weiterzüchten zu können.

Die Augenuntersuchung selbst bedarf keiner Narkose. Es wird zuerst das Auge im "Normalzustand" untersucht, danach wird in jedes Auge Atropin getropft, damit der Augenhintergrund untersucht werden kann. Bis die Wirkung der Tropfen eintritt vergehen ca. 20 - 30 Minuten, erst dann erfolgt die weitere Untersuchung.

Für den Tierarzt ist es wichtig, daß der Hund bei der Untersuchung den Kopf sehr ruhig hält, es macht also Sinn, den eigenen Hund auf diese Untersuchung vorzubereiten, wenn er sehr ängstlich bei fremden Geräten ist, welche sich vor seinem Augen bewegen - wie zum Beispiel die verwendete Spaltlampe.

Eine gute Vorbereitung und ein wesensfester Hund meistern diese Untersuchung jedoch problemlos.

Durch die Linsenerweiterung sollte der Hund nach der Untersuchung vor Sonneneinstrahlung geschützt werden, mehr muss man bei der Sache dann auch nicht mehr beachten.

Wird eine einseitige Katarakt festgestellt, wird diese in aller Regel nicht operiert, da der Hund mit dem anderen, gesunden Auge über ein ausreichendes Sehvermögen verfügt.

Liegt eine beidseitige Katarakt vor, wird man nach bisherigem Wissensstand vorerst nur ein Auge operieren, um dem Hund genügend Sehvermögen zu ermöglichen, denn die Erfahrungen bei operierten Augen haben gezeigt, daß nach einigen Jahren eine Verschlechterung eintritt, welche nicht mehr operabel ist. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, das andere Auge zu operieren, um hier das Sehvermögen des Hundes weiterhin zu erhalten.

 

An dieser Stelle sei noch einmal an die  Aussage der Genetikerin Frau Professor Sommerfeld-Stur erinnert, welche formuliert, daß es in unserer heutigen Zeit nicht mehr möglich ist, vollkommen gesunde Hunde zu züchten, da viel zu viele Erkrankungen bereits in der Rassehundezucht manifest sind.

Eine auf gesundheitliche Faktoren ausgerichtete Zucht ist heutzutage nur möglich hinsichtlich einer Staffelung von Krankheitswerten nach Grad und Schwere der Erkrankungen.

Eine sachliche Auflistung von ALLEN bei den Kromfohrländern momentan auftretenden Ekrankungen und eine damit einhergehende Katalogisierung der unterschiedlichen, mit der Erkrankung einhergehenden physischen und psychischen Schmerzen der betroffenen Hunde, ihre Therapierbarkeit, die Kosten und die psyhischen Leiden der Besitzer würde sicherstellen, daß die Probleme erkannt und nacheinander in ihrer Relevanz bearbeitet werden könnten.

Eine in der Rasse der Kromfohrländer auftretende Erbkrankheit komplett unter den Tisch fallen zu lassen, ist sicher die für unsere Hunde schlechteste Lösung....

 

Der Wunsch unserer Hunde: sehen, solange wie möglich....
Der Wunsch unserer Hunde: sehen, solange wie möglich....

 

 

 

 

 

 

 

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