Als Züchter mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Zucht von reinrassigen Kromfohrländern und aus Überzeugung mittlerweile eingekreuzt züchtend, werden wir regelmäßig von Besitzern reinrassiger Kromfohrländer angeschrieben, welche uns aufgrund der informativen, ehrlichen und kritischen Homepage anschreiben und uns um Rat in diversen Angelegenheiten fragen. Die Probleme finden sich entweder im gesundheitlichen oder verhaltensspezifischen Bereich und wo wir helfen können, da helfen wir gerne.

Nun wurden wir jedoch von einer Frau angeschrieben, welche "nur" die Nachbarin eines nebenan lebenden Kromfohrländers mit seinem Besitzer ist - und diese bat mich darum, eine Sensibilisierung der Besitzer von Kromfohrländern anzustoßen, damit ein verständnisvolles Miteinander im Umgang mit anderen Hunden entsteht und es nicht immer wieder und andauernd zu den von ihr erlebten Konflikten mit reinrassigen Kromfohrländern kommt.

Wer unsere Homepage durchgelesen hat weiß, dass reinrassige Kromfohrländer erwachsen geworden Probleme im Sozialkontakt mit anderen Hunden außerhalb  ihrer "Sandkasten-Freunde" haben! Sie verhalten sich bekanntermaßen nicht wirklich nett zu ihren Artgenossen! Wie sich dieser Gegenüber fühlt und welche Meinung er/sie dadurch zu der von uns so geliebten Rasse vertritt, darüber lohnt es sich allerdings einmal nachzudenken und die formulierte Kritik auf sich wirken zu lassen, sollte man betroffener Kromibesitzer sein.

Ich kann Vieles in den folgenden Aussagen zu 100 % bestätigen und finde es extrem schade, wenn durch uneinsichtiges Verhalten dem Ruf unserer Rasse so nachhaltiger Schaden entsteht! 

Mangelnde Aufklärung durch den Züchter, die falsche Hundeschule, die falschen Voraussetzungen - es gibt viele Gründe, warum ein Kromi Aggressionsverhalten zeigt - dieses zu ignorieren und rücksichtslos zuzulassen, dass andere Hundebesitzer mit ihren Hunden durch rüpelhafte und unkontrollierte Begegnungen gestresst werden, wirft das denkbar schlechteste Bild auf die Rasse Kromfohrländer.

Gegenseitige Rücksichtnahme sollte eine Selbstverständlichkeit sein - das Schreiben belegt leider das Gegenteil und dies ist mehr als nur sehr schade - Mundpropaganda wirkt langsam, aber sie wirkt und in den beschriebenen Fällen wirkt sie sich sehr negativ aus....

Aber lesen Sie selbst:

Sehr geehrte Frau Nass,

 

mit Interesse habe ich Ihre Tipps für den Umgang mit aggressiven Kromfohrländern gelesen.

Ich selbst hatte noch nie einen Kromfohrländer, sondern bislang einen Rottweiler-Mischling, einen Mops, eine Bordeauxdogge und aktuell einen Bernhardiner. Bis auf den Mops waren alle Hunde Tierschutzhunde; der Mops stammte von einem anerkannten VDH-Züchter. Der Kromfohrländer war uns jedoch immer präsent, da wir mit einem Enkel von Ilse Schleifenbaum befreundet sind. 

Leider haben wir bislang sowohl früher beim Agility als auch derzeit in der Nachbarschaft nur negative Erfahrungen mit Kromfohrländern gemacht, z.B. indem Kromis unsere Hunde während eines Agility-Turniers und während des Trainings attackierten und somit disqualifiziert wurden. Derzeit attackiert ein junger, männlicher Kromfohrländer fast täglich unsere Bernhardiner-Hündin.

 

Auf der Suche nach hilfreichen Tipps für unseren Nachbarn stieß ich auf Ihre Seite.

(Ich habe aber Zweifel, dass er sie lesen wird)

 

Ich finde Ihre Erziehungstipps sehr gut und begrüße auch Ihren erstaunlich ehrlichen Umgang mit den nicht selten anzutreffenden Verhaltensproblemen dieser Rasse. Dennoch würde ich mir wünschen, wenn Sie die Halter/innen von Kromfohrländern mehr dafür sensibilisierten, welche Auswirkungen das Verhalten ihrer problematischen Hunde für andere Hunde hat.

So hatte ich nach einer Attacke durch einen Kromi während eines Turniers neben den entstandenen Verletzungen an meinem Mops erhebliche Probleme damit, dem Hund Turniere wieder "schmackhaft" zu machen.

Unsere Bernhardiner-Hündin ist sehr freundlich und gelassen, obwohl sie bereits mehrfach von anderen Hunden so gebissen wurde, dass sie tierärztlich behandelt werden musste.

Allerdings stressen sie die fast täglichen Attacken durch den jungen Kromi-Rüden unserer Nachbarn sehr. Mich selbst stressen sie auch und ich bin mir nicht sicher, ob unsere Hündin mittlerweile nicht einen derartigen Groll gegen den Hund hegt, dass sie ihn verletzen würde, wenn sie könnte. Obwohl ich diesen Groll bestens nachvollziehen kann, darf ich meinem Hund natürlich nicht erlauben, den kleinen Kromi zu attackieren.

 

Meiner Meinung nach setzt Ihr Tipp, einen Kromi abzusetzen oder abzulegen und sich dann vom Hund zu entfernen, Hunde und Halter, die mit diesem Hund bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben, noch mehr unter Stress. Unsere Hündin erkennt sehr klar, ob der Krawallmacher unserer Nachbarn an der Leine ist oder nicht. Ist er an der Leine, ignoriert sie ihn vollkommen, ist er jedoch frei, bleibt sie zwar im Gehorsam, geht aber sehr angespannt mit aufgestelltem Nackenhaar bei Fuß an ihm vorbei, bis er attackiert. Der Besitzer ist leider so unvernünftig, seinen Hund bisweilen an einer Flexi-Leine zu führen und lässt ihn dann knurrend bis auf ca. 1 Meter an einen kleinen Pudel heran, mit dem wir häufig spazieren gehen. Dann rastet unsere Hündin komplett aus, selbst wenn der Kromi an der Leine ist, da sie ihrem kleinen Pudel-Freund in jedem Fall verteidigen möchte.

Mittlerweile verbellt der Kromi nicht nur Jogger und Radfahrer, sondern auch "normale" Spaziergänger.

 

Es wäre wirklich schön, wenn die Züchter mehr darauf achteten, an wen sie ihre Hunde verkaufen, denn ich habe bislang in der Tat noch keinen einzigen sozialverträglichen und gehorsamen Kromfohrländer getroffen und habe den Eindruck, das viele Kromi-Besitzer glauben, ihre Hunde seien halt "Charakterhunde" und das (angst-)aggressive Verhalten sei normal.

Meine Erfahrung mit mehreren vorbelasteten Hunden aus dem Tierschutz (abgebrochene Schutzdienstausbildung, Deprivationsstörung etc.) ist, dass man jeden Hund so führen kann, dass er weder für andere Menschen noch für andere Tiere eine Belästigung oder gar Gefahr darstellt. Dies bedarf jedoch einiger Mühe und vor allem großer Rücksicht und Verantwortung.

Wenn man einem kleinen Kromi wieder und wieder erlaubt, einen wesentlich größeren Hund zu attackieren, kann es zu einem Unfall zu Lasten des kleinen Hundes kommen. Ich müsste nur stolpern oder anderweitig einen Fehler machen, wenn der Kromi unsere Hündin attackiert, und es stünde schlecht um diesen Hund. Selbst wenn ich juristisch die Folgen tragen müsste, so hätte doch der kleine Hund den physischen Schaden.

 

Zudem glaube ich, dass viele Besitzer von Kromis, auch wenn für ihn das Wohl anderer Hunde offensichtlich nicht zählt, ihre eigenen Hunde stressen, indem sie immer wieder solche Situationen entstehen lassen. Auch dies sollten meiner Meinung nach Züchter den Käufern ihrer Hunde vermitteln. Es handelt sich bei dem Aggressionsverhalten nicht um lustiges Rüpelverhalten, sondern um eine für alle Beteiligten stressige und verunsichernde Situation.

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie unsere Erfahrungen mit Kromis in die Kromi-Community trügen und dadurch erreichen könnten, dass mehr Hundehalter/innen auf ein gutes Miteinander bedacht sind.

 

Mit freundlichen Grüßen, Muriel Kasper  (April 2018)

 

 

Meine Antwort lautete folgendermaßen:

 

Hallo,

 

klasse Schreiben!!! Sie sprechen mir so etwas von aus dem Herzen, Sie können sich das gar nicht vorstellen!!!!

 

Aber warum glauben Sie, sind wir erst aus dem Rassezuchtverein der Kromfohrländer ausgetreten, haben die von uns selbst gegründete Interesssengemeinschaft für Kromfohränder verlassen und auch dem danach mit uns aufgestellten "Verein für rauhaarige Kromfohrländer" gehören wir nicht mehr an: Nach dieser unserer Erfahrung verhält sich so ziemlich der überwiegende Anteil an Kromfohrländerbesitzern sehr ignorant und zwar sowohl in Bezug auf die Haltung als auch bezüglich der Zucht!

Es ist meines Erachtens nach ein vollkommen hoffnungsloses Unterfangen, bei einem Kromfohrländerzüchter - oder Halter an eine wie auch immer geartete Vernunft zu appellieren!

 

Ich kann Sie soooo gut verstehen- mit Viva hatte ich eine absolut souveräne Hündin, welche NIE Probleme mit anderen Hunden hatte. Aber in unserer Umgebung leben viele Hunde auf ehemaligen Bauernhöfen und laufen dort frei. Nachdem Viva zum vierten Mal von solch freilaufenden Hunden überfallen wurde, hat sie mittlerweile vor ALLEN Hunden Angst und geht komplett ins Meideverhalten. Dadurch, dass sie am Fahrrad immer frei laufen kann, kam es immer wieder zu gefährlichen Situationen, da sie diese Höfe mittlerweile all zu gut kennt und "weiträumig" ausweicht - wenn es sein muss auch auf die befahrene Strasse. 

Nun habe ich also eine tolle, folgsame und verträgliche Hündin, die eigentlich am Rad ohne Leine laufen kann, muss sie aber regelmäßig an die Leine nehmen, weil ich sie nur so beschützen kann!!! Und natürlich muss ich immer griffbereit das Pfefferspray parat haben...

 

Unsere Käufer SIND auf typische Macken der Kromis sensibilisiert und in aller Regel zeigen unsere eingekreuzten Modelle nicht in dieser reinen Form das von Ihnen so treffend beschriebene asoziale Verhalten - beeinflussen können wir nur diesen eigenen, begrenzten Personenkreis- für Züchter und Halter reinrassiger Kromis sind wir, die wir Einkreuzen in aller Regel "Abschaum" und als solche weder glaub- noch diskussionswürdig!

(Auch wenn ich über 20 Jahre im RZV/VDH reinrassig gezüchtet habe - das zählt nicht mehr. Wir sind "Verräter"...)

 

Man kann über das Kromi-Lager häufig nur den Kopf schütteln und das ist traurig genug, wenn ich dies als "Insider" so formulieren muss - ändern können Sie dort Niemanden. Und wir haben das jahrzehntelang - erfolglos!- versucht. 

Da kann man nur verzweifeln. Und dann austreten!

 

Sie schreiben außerdem:

"Meiner Meinung nach setzt Ihr Tipp, einen Kromi abzusetzen oder abzulegen und sich dann vom Hund zu entfernen, Hunde und Halter, die mit diesem Hund bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben, noch mehr unter Stress."

Nein, das funktioniert bei den Kromis hervorragend! X-fach schon getestet. Das große Problem ist eher, dass viele Kromis kein sicheres "Platz, bleib!" beherrschen, was die Grundvoraussetzung für dieses Vorgehen ist. Ich trainiere ganz regelmäßig leinenaggressive Macho-Kromirüden und die konsequenten Kromirüdenbesitzer bekommen ihre Rüden alle so in den Griff, dass sie für ihre Familie und für die Umwelt unauffällig sind - da müssen Sie mir einfach glauben und/oder vertrauen...

 

Vielen Dank für Ihr aufrichtiges und zutreffendes Schreiben, dessen Inhalt so dringend an den richtigen Stellen gelesen und umgesetzt werden müsste!

Aber Sie wissen es sicherlich selbst - die Leute, welche sich für diese Probleme interessieren lösen diese und der Rest: ist so wie Ihr Nachbar...

 

Ich würde mich freuen, wieder von Ihnen zu lesen, herzliche Grüsse

 

Hallo Frau Nass,

 

vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Rückmeldung!

Es tut mir sehr leid, dass Sie auch mit Ihrer Hündin Viva so schlechte Erfahrungen machen mussten und dass der Zuchtverband Sie so ignorant behandelt!

 

Es freut mich, dass Sie sich auch um gesunde Möpse bemühen. Unser Mops aus einer VDH-Zucht war extrem krank. Wir haben horrende Summen für OPs in der Uniklinik Leipzig und andernorts für den armen Hund ausgegeben. Das eigentlich Schlimme ist, dass all die Kosten dem armen Hund nicht zu einer vertretbaren Lebensqualität verholfen haben. Der VDH und der Züchter wollten von den gesundheitlichen Problemen unseres Hundes natürlich nichts wissen und sprachen von einem "Einzelfall".

 

Unser Nachbar spricht leider nicht mehr mit uns, ....dem Nachbarn werde ich dennoch Ihre Erziehungstipps in den Briefkasten werfen.

 

Am Tag Ihrer Antwort trafen wir übrigens im Wald einen mir bislang unbekannten Kromi-Rüden. Meine Bekannte und ich sahen ihn von Weitem und blieben an einer Stelle stehen, an der sich eine kleine Bucht im Weg befand. Dort setzten wir unsere Hündinnen (Chihuahua-Mix, englische Bulldogge, Bordeauxdogge und meine Bernhardine, also ca. 150 kg Hund) mit dem Rücken zum Weg ab, damit kein Blickkontakt zum Kromi entstehen konnte. 

Die Halterin nahm ihren Hund an die Leine und ging an uns mit größtmöglichem Abstand vorbei, wobei der Hund knurrte und in unsere Richtung starrte. Daraufhin sagte die Halterin, dass ihr das peinlich sei, da unsere Hunde ja so brav seien, aber sonst sei ihr Hund noch schlimmer, insbesondere wenn Rüden dabei seien. Dann schimpfte sie auf die Rasse der Kromfohrländer. Sie war sehr freundlich  und selbstironisch und wir dankten ihr dafür, das sie den Hund sicher an uns vorbei führte. Es gibt also auch Kromi-Halter, die sich mit der Realität auseinandersetzen!

 

Mein Schreiben dürfen Sie gerne veröffentlichen. Ich bin froh, wenn wenigstens ein Dialog über die Probleme entsteht und gerne stehe ich mit meinem Namen zu meinen Ansichten. Auch wenn sich mittlerweile leider viele Hundebesitzer rücksichtslos verhalten, so finde ich doch, dass dies bei Kromi-Haltern besonders ausgeprägt ist - und in meinen Augen leiden darunter sowohl die Kromis als auch die von ihnen angegifteten oder gar gebissenen Hunde.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer Arbeit zum Wohle der Hunde!

Herzliche Grüße, Muriel Kasper

Nachsatz:

 

Um mein Antwortschreiben in die richtige Relation zu setzen: wir kennen natürlich glücklicherweise sehr viele offene, kritische, ehrliche und engagierte Kromfohrländerbesitzer, sowohl unter den reinrassigen Hunden als auch unter den "Gemixten" - diese haben sich mit den Macken auseinandergesetzt und haben immer schon Rücksicht auf andere Hundehalter genommen und wir sind auch dankbar dafür, Züchter zu kennen, welche ehrlich und offen arbeiten und züchten!

In meiner Antwort spiegelt sich aber sowohl der alles übergreifende Frust über die mangelnde Einsicht der vorhandenen Verhaltensprobleme im RZV/VDH als auch die mangelnde Toleranz in den unterschiedlichen Dissidenzvereinen untereinander wider, weshalb von mir Ton und Aussichten wenig hoffnungsvoll klingen. 

 

 

 

 

 

 

 

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