Regelmäßig erhalte ich mails von Besitzern reinrassiger Kromfohrländer-Rüden mit mehr oder weniger gleichem Inhalt: sie kommen mit ihrem Kromfohrländer-Rüden nicht mehr zurecht, da er zunehmend im Verhalten Probleme bereitet, sei es mit Besuch fremder Menschen im Haus und/oder im Umgang und der Begegnung mit fremden Hunden.

Vor Kurzem erhielt ich eine weitere mail dieser Art welche mir den Anstoß gab, einmal in einem offenen Brief ein paar grundsätzliche Aussagen bezüglich dieser Hilferufe zu treffen.

Auslöser war eine in der mail für mich bestehende Diskrepanz ihrer eigenen Aussagen, denn sie schrieben, dass "...sie stolze Besitzer eines Kromfohrländer-Rüden seien,..." und schilderten ein paar Absätze weiter das unangenehme Verhalten  ihres Rüden nach außen.

Auf der einen Seite also Stolz auf diese Rasse und auf der anderen Seite ein sehr unangenehmes Verhalten des Kromfohrländers in der Öffentlichkeit, welches zu einem negativen bis sehr negativen Bild der Rasse in seiner Umwelt führt - und ich kenne genügend Fälle, wo Kromfohrländer bei anderen Nicht-Kromfohrländerhaltern einen denkbar schlechten Ruf genießen.

Dieses Verhalten betrifft allerdings nicht ausschließlich Rüden, auch mehr oder minder ausgeprägt zickige Hündinnen sorgen für "Meideverhalten" unter benachbarten Hundebesitzern. Also für mich nichts, was mich zu einem stolzen Kromibesitzer machen würde - im Gegenteil!

Die andere Frage, welche sich mir stellt, ist, ob die vom Kromfohrländer sehr typische göttergleiche Erhebung seiner Besitzer auf ein Piedestal die Argumentation der Besitzer rechtfertigt, die negativen Verhaltensweisen mit einem "so sind halt Kromis" quasi vom Tisch zu fegen. Und nicht wenige Kromfohrländerbesitzer neigen außerdem dazu mit ihren Problemen die Asche sich selbst aufs Haupt zu streuen, indem sie die Verhaltensprobleme ihres Hundes in ihrer "mangelnden Konsequenz" suchen, und nicht etwa beim Hund selbst. 

Nach über vierzig Jahren Kromfohrländerhaltung mit Rüden und Hündinnen über einen langen Zeitraum gemeinsam unter einem Dach und jahrzehntelanger Zuchterfahrung kann ich sicher sagen, dass bei den Kromfohrländern bezüglich des Macho und/oder Territorialverhaltens eine genetische Ursache für ein Fehlverhalten vorliegt, welches meines Erachtens nach vollkommen von den Zuchtverantwortlichen ignoriert wird.

Wenn Kromfohrländer unangenehmes Territorialverhalten bezüglich Besuch zeigen und von einem Tag auf den anderen zu vorbildhaften Leinenmachos mutieren und dies gehäuft und seit Jahrzehnten sich wiederholend, dann ist die Ursache weder bei einer "vermeintlichen Unfähigkeit zur Erziehung" beim Besitzer, einer "falschen Aufzucht", negativer Umwelterfahrung im Sinne " er wurde ja von einem großen Hund gebissen" zu suchen, sondern die Zucht als Solche und der ehrliche Umgang der Züchter und des zuchtbuchführenden Vereines sollte von seinen Besitzern dringend hinterfragt werden.

Dies kann jedoch allein durch die betroffenen Halter geschehen!

Wir haben wegen der in UNSEREN Augen bestehenden Uneinsichtigkeit des Rassezuchtvereines der Kromfohrländer bezüglich in erster Linie der Gesundheit, aber auch wegen der offensichtlichen Wesensmängel, welche unserer Meinung nach nicht konsequent bearbeitet werden, diesen verlassen. 

Klar - es ist nicht so, dass man einen Kromi nicht wunderbar händeln kann! Wir hatten auch keine Probleme bei der Haltung unserer gesamten Kromis. Nur: wenn ich diese Rasse als angenehmen Familienhund anpreise, dann komme ich mir schon sehr merkwürdig vor, wenn ich so regelmäßig mails von mehr oder minder verzweifelten Rüdenbesitzern erhalte, welche trotz intensiver Bemühungen in jede Richtung, das für sie schwierige Verhalten ihres Hundes nicht in den Griff bekommen.

Stutzig macht mich allerdings auch, dass keiner dieser Hundebesitzer die Schuld dort sucht, wo sie ihren Ursprung hat: beim Züchter und/oder bei den Zuchtverantwortlichen....

Woran liegt das? Eine Frage, die mich sehr ernsthaft umtreibt, denn will man Veränderungen erreichen, dann tut man das nur, wenn sich eine genügende Anzahl von Personen findet, welche ihren Unmut über, nennen wir es einmal salopp "falsche Versprechungen bezüglich der beschriebenen Charaktereigenschaften der Rasse" an der richtigen Stelle postulieren und berechtigte Klage führen.

Meine Situation ist folgende: Wir sind aus den oben genannten Gründen aus dem Rassezuchtverein ausgetreten, sind stets ehrlich und offen mit den gesundheitlichen sowie Wesensproblemen in der Rasse umgegangen. Damit haben wir uns im Rassezuchtverein nicht sehr beliebt gemacht, aber wir wollten auch nicht "everybodys darling" sein, sondern gute Hunde züchten. Gut im Sinne von möglichst gesund und eben: Familienhunde, also Hunde, die für jeden im Positiven ausgedrückt durchschnittlichen Menschen problemlos haltbar sind.

Kein Spezialtraining benötigen, sondern mit dem normalen "Ausbildungsaufwand" gut zu führen sind.

Jetzt kreuzen wir ein, werden von "offiziellen Züchtern" massiv diskreditiert (wobei konstruktive Kritik nichts Negatives wäre...) und trotzdem soll ich die "Suppe" der Reinrassigen ausbügeln, indem ich mit unserer Erfahrung die Hunde und Besitzer wieder "auf Spur" bringe.

Soll das so immer weitergehen? Ich finde nicht und dass es anders auch geht, zeigt uns Schweden vorbildlich. Dort werden Kromfohrländer, wie andere Hunde auch, wenn sie schnappen oder gar beißen, lebenslang von der Zucht gesperrt - und zwar endgültig und unumkehrbar! Da wird nicht nach "Ausreden" gesucht, warum der Kromi das vielleicht getan hat, sondern konsequent gehandelt. Das tut einem einzelnen Hundebesitzer weh, wenn der Traum vom Deckrüden oder der Zuchthündin platzt und sicher trifft es in dem einen oder anderen Fall den Falschen.. Aber: die schwedischen Kromfohrländer verfügen über ein deutlich besseres Gesamtverhalten. Und das kommt nicht einfach so, sondern ist das Ergebnis gezielter Zuchtauslese...

Wir waren in unserer Zeit der reinrassigen Kromfohrländerzucht von Anfang an Gegner einer vereinsinternen Körung. Das hat leicht nachvollziehbare Gründe: bevor die Körung bei den Kromfohrländern eingeführt wurde, musste ein Ausstellungsergebnis mit mindestens "sehr gut" auf einer internationalen Ausstellung erbracht werden - an sich schon eine Minimalanforderung, denn üblich und sinnvoller wäre das Erbringen von zwei Ausstellungsergebnissen mit der Formwertbeurteilung von mindestens "sehr gut" unter zwei verschiedenen Richtern.

Auf einer Ausstellung unterliegt jeder Hund einer gewissen Form von Stress - und unter Stress zeigt sich am Besten seine natürlich Wesensveranlagung. Ein guter Hund verträgt diese Form von zwar nicht üblichem, aber problemlos zu händelndem Stress - Hunde, deren Nervenkostüm labil ist, neigen unter Stress dazu mit Meide- und/oder Abwehrverhalten zu reagieren.

Bestes Beispiel: Wenn der Richter die Zähne des Hundes auf dem Tisch kontrollieren will, verweigert er dies und im negativen Fall schnappt oder beißt er nach dem Richter.

Ein ängstlicher - aber "nur" ängstlicher Kromfohrländer geht ins Meideverhalten und versucht sich loszureißen und vom Tisch zu springen, die Ohren sind nach hinten gezogen und die Rutenspitze kommt fast an der Nasenspitze wieder hervor. Aber er beißt nicht und er schnappt auch nicht, weshalb wir in unserer Zucht vor die Wahl gestellt, stets das ängstliche Naturell vorgezogen haben. Allerdings passierte es, und zwar nicht zu selten, dass ein Richter einen Kromi sehr schlecht beurteilte oder gar disqualifizierte, wenn er schnappte. Das führte dann dazu, dass die Besitzer (und oft unisono auch gleich die Züchter, auch wenn sie nicht dabei waren), den Richter diskreditierten. "Der hat keine Ahnung von Kromfohrländern" sei hier nur als eine der typischsten Aussagen angeführt. In der Folge wird der Fehler nicht etwa beim Hund gesucht, sondern stets bei der Person, welcher negative Kritik gegen den eigenen Hund wagte zu äußern.

Diese Besitzer scheuten sich auch nicht, ihren Unmut über die Richter an den Verein heranzutragen, was dazu führte, das bekannt strenge Richter zu Sonderschauen überhaupt nicht geladen wurden! Manch Besitzer solch schnappender Kromfohrländer musste also oft quer durch Deutschland reisen und viele Ausstellungen besuchen, bis er einen "gnädigen" Richter gefunden hatte und dann endlich nach vielen Mühen die Zuchterlaubnis erhielt. Ob derart zuchtzugelassene Hunde für die Rasse ein Gewinn waren? Nun, irgendwoher müssen die schwierigen Kromfohrländer ja herkommen;-)

Der Verein löste die Situation mit der "schwierigen Erlangung einer Zuchterlaubnis" in meinen Augen sehr kurios, denn er führte die vereinsinterne Körung ein: Hier bilden zwei Vereinsmitglieder (aus Vorstand und/oder Zuchtausschuss) vom Rassezuchtverein sowie ein Richter, welcher vom Verein eingeladen wird, die Körkommission und ob ein Hund zuchtzugelassen wird oder nicht ist nun eine Mehrheitsentscheidung. Problem gelöst, keine lästigen Richter mehr und ein für den Kromi viel angenehmeres, da im Verhältnis zur Ausstellung ruhigeres Umfeld mit Wesensprüfungen, auf die der Besitzer seinen Hund in Ruhe lange, lange Zeit vorher vorbereiten und trainieren kann.

Um es noch einmal klarzustellen: Ich bzw. wir sind KEINE Gegner einer Körung, sie sollte jedoch dringend mit dem Erbringen von mindestens zwei Ausstellungsergebnissen mit mindestens dem Ergebnis "sehr gut" in der Zwischen-, bzw offenen Klasse kombiniert werden.

In die Zucht eingesetzt werden kann dann ein Hund nur mit bestandener Körung und dem Nachweis über die geforderten Ausstellungsergebnisse.

Das hat den weiteren Vorteil, dass die zukünftigen Züchter auch angehalten werden, ihre Hunde in der Öffentlichkeit zu präsentieren und viel mehr Besucher auf den verschiedenen Ausstellungen die Möglichkeit hätten, Rassevertreter und ihre Besitzer zu sehen und ansprechen zu können.

Und noch einmal: ein wesensfester Hund hat auf einer Ausstellung keinen nennenswerten Stress! In unserer Umwelt ist der Hund immer wieder Stress ausgesetzt - das gehört zu unserem Leben, auch wenn wir Zwei- und Vierbeiner das gerne anders hätten...

 

Liebe Kromfohrländer-Rüdenbesitzer,

wenn ihr eine Veränderung im Wesen erreichen wollt, dann tut euch zusammen!

Werdet Mitglied im Rassezuchtverein und nehmt den euch zur Verfügung stehenden demokratischen Einfluss auf eure Rasse wahr. Ihr, die ihr ja trotz aller Probleme euren Hund liebt! Beantragt eine Änderung in der Zuchtordnung dahingehend, dass in Zukunft neben der Körung zwei Ausstellungsergebnisse mit mindestens dem Ergebnis "sehr gut" Voraussetzung für eine Zuchtzulassung sind. Ihr habt es in der Hand, die Zukunft der Rasse positiv zu beeinflussen!

Facebook und what`s app sei Dank ist dies heute kein organisatorisches Problem mehr....

 

Last but least gebe ich in einem gewissen Umfang jedoch auch dem mainstream in den Medien Schuld an dieser Problematik. Einem (seriösen) Hundekäufer wird stets vermittelt, dass seine Hauptaufgabe darin besteht, einen Züchter zu finden, welcher seine Welpen nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aufzieht, das da ist im Idealfall eine starke menschliche Prägung, Aufzucht im Wohnzimmer, Anbieten von vielen unterschiedlichen Reizen in allen Bereichen der Sinne des Hundes, Auslauf, und..., und,... und,... - die Liste lässt sich beliebig lange fortsetzten.

Ein genetisch fixiertes Verhalten kann jedoch - auch wenn man dies von Geburt an mehr oder minder versucht - nicht abtrainiert werden.

Oder kennen Sie ein musikalisches Kind, welches gelernt hat unmusikalisch zu sein????????

 

Dutzende von Kromihaltern haben sehenden Auges einen Kromi genommen, OBWOHL sie schon Negativbeispiele persönlich erlebt hatten. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf; dass ihm oder ihr DAS nicht passiert. Frei nach dem Motto:  "Wenn ich frühzeitig dagegen ansteuere, dann kann MIR so ein Hund nicht passieren". Und haben oft genug ziemlich "bedröppelt" geschaut, wenn sich ihr eigener Hund als Abziehbild dessen präsentierte, was sie nie und nimmer haben wollten.

Territorialverhalten ist eine genetische Veranlagung!

Rüdenmachoverhalten ist eine genetische Veranlagung!

Diese Veranlagung kann man ausschließlich züchterisch bearbeiten, indem man Hunde in der Zucht einsetzt, die zwar Territorialverhalten zeigen, aber trotzdem Besuch einlassen.

Welche fremde Hunde für ihr eigenes Glück nicht brauchen, sie aber trotzdem tolerieren!

Man muss einen Kromfohrländer nicht verbiegen auf Kosten seiner vorhandenen positiven Eigenschaften, aber wenn man einen Familienhund erwirbt, dann muss er auch die angepriesenen Familienhundeeigenschaften aufweisen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger...

 

Der Leidtragende dieses Dilemmas ist der in Nöten geratene Kromfohrländerbesitzer mit seinem Hund, denn von offizieller Seite kann er nicht auf Hilfe rechnen und die überwiegende Zahl an Hundetrainern hat mit den sehr speziellen Verhaltensweisen der Kromfohrländer keinerlei Erfahrung und können schon deshalb nur wenig helfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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