28. Februar 2018 - aus aktuellem Anlass

Wenn man Kromfohrländer schon 40 Jahre intensiv begleitet, kann man feststellen, dass es auch bei den Erkrankungen regelrechte "Hypes" gibt: Angefangen hat diese Erscheinung in den 90er Jahren mit der "Epilepsie", welche die allererste Erbkrankheit war, welche überhaupt an die Öffentlichkeit drang. Es folgten die Erkrankungen "heriditäre Fußballenerkrankung", die "Katarakt" und ein sehr trauriges Kapitel über diverse Autoimmunerkrankungen. Dieses letzte Kapitel führte dann zu einer Sensibilisierung bezüglich Erbkrankheiten im Rassezuchtverein der Kromfohrländer (RZV) und zum ersten Mal wurden Daten erkrankter Kromfohrländer offiziell gesammelt und auch Züchtern zur Verfügung gestellt - ein großer und züchterisch notwendiger Schritt!!!!

Der letzte große "Hype" beschäftigte sich mit der Erkrankung "Cystinurie" und wie man im untersten Text nachlesen kann, wurden im Umgang mit dieser Erkrankung im RZV leichtsinnig  Zuchteinschränkungen erlassen, welche auf keiner Wissensgrundlage basierten, sondern vermutlich nur beschlossen wurden, um demonstrieren zu können, dass man etwas gegen Erbkrankheiten tut. Die Folge waren unnötig reduzierte Wurfeintragungen, auf welche eine so kleine Population wie die der Kromfohrländer eigentlich nicht verzichten kann...

Und gerade deshalb verfolge ich mit Sorge, dass diese Entwicklung aktuell bei der "von Willebrand-Erkrankung" um sich greift. Auch hier besteht die reale Gefahr, dass aufgrund falscher Annahmen züchterische Einschränkungen ihren Lauf nehmen, welche üble Folgen für die Zucht haben können.

Samir von der Holderheide mit Jazzmo Acapella "Katla" = Eltern des T-Wurfes von der Holderheide
Samir von der Holderheide mit Jazzmo Acapella "Katla" = Eltern des T-Wurfes von der Holderheide

 "T. von der Holderheide ist Merkmalsträger für von Willebrand Typ I, homozygot, also per Definition erkrankt... Da T. homozygot (=reinerbig, Anmerkung von mir) ist, müssen sowohl Samir wie auch Katla (die Eltern, Anm.) mindestens je Anlageträger für vW gewesen sein..."

Diese Information ging von einer Züchterin mit wenig Erfahrung und noch weniger Kromfohrländererfahrung ungefragt und unrechtmäßig an Käufer unserer Hunde, weshalb ich mich angesprochen fühle, in aller Ausführlichkeit auf diese Thematik einzugehen, um unnötige Sorge von unseren Hundebesitzern fernzuhalten.

Genetik ist ein sehr trockenes Brot, weshalb ich für meine Leser zuerst in der leichter verständlichen Praxis einsteige, zumal diese "gelebt", bewiesen und deshalb auch nachvollziehbarer ist!

Blutererkrankungen machen sich darin bemerkbar, dass bei betroffenen Hunden (aber auch Menschen, denn sie können ebenfalls erkranken ) die Blutgerinnung nicht normal stattfindet: kleine Wunden bluten länger, wollen nicht aufhören zu bluten, Nasenbluten, Hämatome auf der Körperoberfläche, auch verlängerte Läufigkeiten gehören zu diesem Bild, schlechtere Ausheilung von Operationswunden etc.

Katla (die Mutter von oben besagtem T.) wurde über 15 Jahre alt und hat mit fünf Würfen 34 Welpen geboren. Dass eine Geburt genau so eine Situation ist, wo eine Blutererkrankung eine hohe Gefahr darstellt, dürfte jedem verständlich sein! Die höchste Welpenzahl bei einer Geburt von Katla lag bei 13 Welpen, eine enorme Anstrengung für den Körper, Katla hatte jedoch alle Geburten OHNE Probleme gemeistert, in keinem einzigen Fall kam es zu Blutungen oder gar zu Blutungsstörungen!

Sämtliche kleine Verletzungen, welche ein Hund im Laufe seines Lebens erfährt, verheilten bei ihr normal und schnell - bis auf zwei Ausnahmen: Die Operationswunde nach einer Milz-OP blutete sehr lange nach und zweimal hatte sie Zahnfleischbluten, welches auch mich erschreckte, da die Blutung überlang dauerte.

Von Willebrand" ?????? Die Frage drängt sich geradezu auf, hört man von dieser Symptomatik und wie unsere Leser wissen, sind wir viel zu ehrlich, um so ein Geschehen unter den Tisch fallen zu lassen!!!!!!

Dann gehen wir doch einfach einmal davon aus, dass sie, wenn nicht selbst erkrankt, so doch Trägerin dieser Erkrankung war (viele Kromfohrländer sind Träger VIELER Erbkrankheiten, bitte behalten Sie als werter Leser diesen Fakt im Hinterkopf!).

Katla hatte einen Wurf mit "Minimaxin Saturnus", genannt Elgin, dies war der P-Wurf von der Holderheide. Obwohl Elgin nie auf vW getestet wurde, kann man bei ihm davon ausgehen, dass er mindestens Träger, möglicherweise aber auch tatsächlich betroffen war aufgrund seines Krankheitsbildes.

Im P-Wurf fielen fünf Welpen, wovon eine Hündin an einer Autoimmunerkrankung litt (Nebennierenrindeninsuffizienz) und KEIN Nachkomme auch nur ansatzweise Symptome einer Blutgerinnungsstörung aufwies. Gerade aber in diesem Wurf hätten Symptome erkennbar werden MÜSSEN, stimmt die Behauptung, wie sie von dieser Züchterin aufgestellt wurde....Jetzt züchten wir ja wirklich schon SEHR, sehr lange Kromfohrländer, wir gehören mit dem Zwinger "vom rauhen Stein" zu den Züchtern, welche der Rasse bisher am längsten treu geblieben sind und haben dadurch auch den jahrzehntelangen background, was Erkrankungen betrifft.

Meine Datensammlung zu erkrankten Kromfohrländern (auf welche unter anderem sowohl IGRK als auch der VRK) zurückgreifen, zeigen aber nur vereinzelte Fälle einer Blutererkrankung, diese aber in einer schlimmeren Form als der des Typ I. Die betroffenen Kromfohrländer verstarben entsprechend früh.

Natürlich GIBT es diese Erkrankung bei den Kromfohrländern, das ist unbestritten -  aber ist die Situation wirklich so DRAMATISCH, wie sie von dieser Züchterin und ihrem Umfeld dargestellt wird?                                                                                                      

S-Wurf von der Holderheide
S-Wurf von der Holderheide

Wir sagen: NEIN!

Wie schon bei der Cystinurie heißt es auch bei von Willebrand züchterisch keine fatalen züchterischen "Schnellschüsse" abzugeben, sondern sorgsam die Fakten gegenüber theoretischen Ergebnissen abzuwägen und damit zu einem sinnvollen und vor allen Dingen für die Zucht vernünftigen Ergebnis zu kommen.

In unserem jahrzehntelang bestehenden Zwinger wurden im Laufe der Jahre über hundert reinrassige Welpen geboren und KEINER hatte mit den typischen Symptomen einer Blutererkrankung zu kämpfen. Und wir gehören zu jenen Züchtern, welche in regelmäßigem Kontakt zu fast allen Käufern stehen.

Hätten jedoch die Testergebnisse, welche über die diversen Gentests im Moment kursieren einen REALEN Hintergrund, dann müssten rein wissenschaftlich zurückgerechnet unglaublich viele Kromfohrländer mit deutlichen Symptomen der von Willebrand-Erkrankung bekannt geworden sein - zumindest in einem so aktiven und an der Gesundheit interessierten Zwinger wie dem unseren! Dies ist jedoch nicht so! Und das hat auch seinen Grund, denn die bekannten Testergebnisse liefern bisher noch GAR KEINE Aussage darüber, inwiefern diese zutreffen. Es wird AUSSCHLIESSLICH die Aussage darüber getroffen, dass an besagtem Genort eine Mutation festzustellen ist - es wird damit aber KEINE AUSSAGE DARÜBER GETROFFEN, DASS KRANKHEITSSYMTOME BESTEHEN!

Dies ist ein enorm entscheidender Unterschied, denn alleine eine vorhandene Mutation löst noch nicht zwingend eine Erkrankung aus.

Und dass man bei allen diesen Aussagen vorsichtig sein muss, hat uns bereits die Cystinurie gelehrt: Beim IrishTerrier liegt bereits dann eine Erkrankungsgefahr vor, wenn Cystin UND Lysin in den Werten hoch sind, weshalb beim Irish Terrier eine Formel gilt, dass alle vier Werte der Aminosäuren zusammengenommen nicht einen Wert von 500 übersteigen sollen.

Die Datensammlung zur Cystinurie bei den Kromfohrländern hingegen ergab, dass diese zwei Aminosäuren beim Kromfohrländer NICHT korrelieren und deshalb die beim Irish Terrier angewandte Formel kontraproduktiv und falsch in der Zucht der Kromfohrländer ist!

  • Nicht wilde Panikmache ist also der Weg bei der von Willebrand-Erkrankung, sondern ein sachliches und wissenschaftliches Vorgehen. Nicht das Verrücktmachen von den Besitzern steht im Fokus, sondern das nüchterne Sammeln von Daten - je mehr, umso aussagekräftiger.
  • Besonders wichtig ist hierbei das Zusammentragen von Daten ERKRANKTER Kromfohrländer, denn nur diese lassen die erforderlichen Rückschlüsse auf die festgestellte Mutation zu, wobei schlussendlich jeder auffällige Kromfohrländer in Bezug auf eine Blutgerinnungsstörung zählt, um einen Gentest zu dem zu machen, was er sein soll: eine Hilfe für die Zuchtplanung von gesunden Hunden.
P-Wurf von der Holderheide
P-Wurf von der Holderheide

Ihnen ist sicherlich das Sprichwort bekannt, welches da sagt, man "solle nicht gleich den Teufel an die Wand malen"...

Ich denke, genau so sollte man mit den Ergebnissen der Gentests bezüglich vW umgehen. 

Katla´s Tochter Taia hatte zum Beispiel ebenfalls dieses gruselige Zahnfleisch-bluten: macht sie das aber sofort zu einem betroffenen Hund? 

Muss denn zwangsläufig jedes Symptom sofort ein Indiz auf eine schlimme Erbkrankheit sein - oder ist es nicht so, dass Symptome auftreten und NICHT immer einen schwerwiegenden Hintergrund haben?

Manche Kromfohrländerbesitzer machen sich mittlerweile schon regelrecht "verrückt", wenn ihr Hund irgendein Symptom zeigt und kommen fast um vor Sorge um ihren Hund!

Oft vollkommen unbegründet, denn ein Durchfall zum Beispiel kann ganz einfache Ursachen haben - und nicht von Willebrand ist der Auslöser, sondern etwas Anderes, ganz Banales.

Damit will ich keine Erkrankung kleinreden, Erbkrankheiten sowieso schon nicht - aber mit Panikmache ist der Rasse genauso wenig gedient, wie mit dem Gegenteil...

Zwei intensive Gespräche mit zwei verschiedenen Genetikern der Fa. LaboKlin sorgen dafür, dass in diesem Artikel nichts falsch oder gar ungeprüft ins Netz gestellt wird und ganz sicher lassen wir unsere Hunde testen, sobald ein real und in der Praxis aussagefähiger Test vorhanden ist.

Und um den Fokus bezüglich der Erkrankungen etwas zu verändern: was mir selbst sehr viel mehr Sorge bereitet, ist die zunehmende Anzahl an Herzerkrankungen!  Diese erscheinen mir persönlich viel gravierender und für die Hunde nachteiliger, als zum Beispiel vW.

Um beim Beispiel "Katla" zu bleiben: diese wurde problemlos 15 Jahre alt - ich kenne reinrassige Kromfohrländer, welche mit 8 Jahren an Herzproblemen erkranken und bereits ein Jahr später tot sind.

Konzentrieren wir uns im Sinne der Rasse also bitte nicht nur auf die im Moment "gehypte" Erkrankung "von Willebrand", sondern auf die ALLE in der Rasse vorkommenden Erkrankungen - unsere Hunde werden es uns danken!

 

Nachtrag: Mittlerweile hat auch der Rassezuchtverein der Kromfohrländer offiziell auf ein öffentliches Schreiben von ProKromfohrländer in Bezug auf das Thema "von Willebrand" reagiert und ein entsprechendes statement auf der vereinseigenen Homepage veröffentlicht.

Dieser Artikel spiegelt inhaltlich exakt wider, was ich im obigen Text so niedergeschrieben habe. Bedauerlich ist hierbei nur der Ton des Textes, welcher alle Bemühungen anderer Vereine diskreditiert und ins Lächerliche zieht, statt anzuerkennen, dass trotz eines falschen Ansatzes bei diesen Vereinen nur eines im Fokus steht: die Gesundheit der Rasse!

 

Die von Willebrand - Erkrankung

Minimaxin Saturnus "Elgin"
Minimaxin Saturnus "Elgin"

Die von Willebrand-Erkrankung, kurz vW, gehört mit zu den häufigsten erblichen Blutererkrankungen. Betroffene Tiere zeigen eine unterschiedlich stark verringerte Blutgerringungsfähigkeit, jedoch stehen diesen Tieren natürlich auch Trägertiere gegenüber, welche keinerlei Symptome zeigen, den Gendefekt jedoch tragen und ihn weitervererben.  

 

Die Erkrankung wir in drei Schweregrade eingeteilt:

Grad III: Der Plasmaspiegel liegt bei unter 0,1%, gleichzeitig ein niedriger Spiegel an Faktor VIII. Eine Blutgerinnung findet fast nicht mehr statt, man kann von einem sehr schweren Krankheitsverlauf ausgehen!

 

Grad II: Hier ist die Plasmakonzentration niedrig, Multimere über 0,75 d fehlen fast völlig und die Plättchenaggregation ist schwer gestört. Auch hier liegt ein schwerer Krankheitsverlauf vor!

 

Grad I: Hier ist die Plasmakonzentration verringert, die Molekularstruktur normal, intakte Multimere, Blutungen meist erst unter 50 % des Referenzwertes. Die meisten Hunde mit Blutungen weisen einen Plasmaspiegel unter 30% auf.

Der Krankheitsverlauf ist variabel in Abhängigkeit vom Plasmaspiegel.

 

Bei den Kromfohrländern wird ein Vorkommen bei Grad I angenommen. Da in unserem Zwinger noch kein einziger Fall von VW offiziell bestätigt wurde, rechne ich diese Erkrankung zu den Erbkrankheiten, welche man natürlich wie alle anderen Erbkrankheiten nie aus den Augen verlieren darf, aber nicht akut solch schwere Auswirkungen hat, wie die Informationen, welche mich zum Beispiel bezüglich der Herzprobleme bei den reinrassigen Kromfohrländern erreichen. 

 

Jede Erbkrankheit bedarf der genauen Beobachtung, es muss jedoch sehr bedacht mit vielen Informationen umgegangen werden, um in einer Zucht nicht das Gegenteil zu erreichen.

Der RZV hat die fatale Auswirkung einer unangebrachten Zuchtmaßnahme bezüglich der Cystinurie vorgemacht und gezeigt, dass "Schnellschussentscheidungen", wenn sie von Personen getroffen werden, welche mit der Materie nicht vertraut sind und sich nicht differenziert und planvoll damit auseinandersetzen, zu gefährlichen Zuchteinschränkungen führen können

Erst nach der Kontaktaufnahme mit dem im Fachbereich "Cystinurie" forschenden Professor  wurde 2017 die vollkommen überzogene und bereits Jahre zuvor vom Verein getroffene Zuchtmaßnahme mit einer einzigen mageren Erklärung zurückgenommen.

Betroffene Zwinger konnten dafür aber über Jahre hinweg nicht mit den eigenen Hunden weiterzüchten und auch deren Nachzucht fehlte im Zuchteinsatz. In einer so kleinen Population wie die der Kromfohrländer können solch verfehlten Zuchteinschränkungen verheerende Folgen haben!!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herzlich willkommen auf unserer homepage!

Wir freuen uns über Ihren Besuch und wünschen

viel Freude beim schmökern und stöbern:-)