Franka + Ciska von der Holderheide
Franka + Ciska von der Holderheide

Die Beschreibung von einem "Wesen" ist immer ein sehr schwieriges Unterfangen, da keine objektiven und messbaren Beurteilungskriterien existieren.

Um dieser Falle zu entgehen, möchte ich sehr typische Fallbeispiele aufführen, welche das Wesen des Kromfohrländer am besten beschreiben.

 

Das erste Beispiel bezieht sich auf die Welpenschule, in welcher man einen für Kromfohrländer sehr typischen Wesenszug beschreiben kann:

Der Ablauf in einer Welpenstunde ist sich in aller Regel sehr ähnlich, es befinden sich fünf bis zehn Welpen in einer Gruppe und zu Beginn befinden sich alle Welpen im Freispiel. Danach folgen Sequenzen, in welchen kleine Übungen stattfinden.

In dieser Abfolge ist beim Kromfohrländerwelpen am Auffälligsten, dass er sich praktisch mitten aus dem tollsten Spiel mit anderen Welpen abrufen lässt und sofort zum Besitzer rennt - ohne dass ein Abrufen je vorher geübt wurde.

Bei den folgenden Unterordungungs-Übungen sticht der Kromfohrländer ebenfalls heraus, denn er versucht sie so perfekt wie möglich zu zeigen, um seinem Besitzer eine Freude zu bereiten.

Dieses Verhalten beweist er jedoch nicht nur in der Welpenstunde, auch in großen oder kleinen Hundegruppen im Park lässt sich dieses Verhalten mitten im Spiel erleben: Hier bedarf es in der Regel nicht einmal eines Abbruchsignales - sobald sich der Besitzer umdreht und weggeht, läuft der junge Kromfohrländer seinen Besitzern hinterher. Und diese werden in der Folge von anderen Hundebesitzern gerne gefragt, wie "sie das gemacht haben", dass der Welpe schon so gut folgt...

 

Dass es sich hierbei um ererbtes Verhalten handelt, konnte ich in einer Verhaltensstudie bei der Ammenaufzucht eines Kromfohrländer- "Einzelkindes" bei einer Zwergschnauzerhündin beobachten: Da der Welpe ein Einzelkind war, wurde er im Alter von zwei Tagen der Zwergschnauzerhündin mit drei eigenen, gleich alten Welpen "untergeschoben" und nach anfänglichem Zögern von der Schnauzerhündin vollständig adoptiert.

So wuchs der kleine Kromfohrländerrüde komplett unter Zwergschnauzerbedingungen auf.

Als die Kleinen langsam flügge und die Besuche interessanter wurden, spielte sich stets das gleiche Bild  ab: Die Schnauzerwelpen und der einzelne Kromfohrländerwelpe stürzten sich gemeinsam voller Begeisterung auf die Zweibeiner und ließen sich vom Besuch durchknuddeln.

Keine fünf Minuten später jedoch wurden den drei  Schnauzerwelpen die Menschen langweilig und sie machten sich auf die Suche nach neuen Abenteuern.

Lief hier der kleine Kromfohrländer mit seinen Adoptivgeschwistern mit, wie man es meinen sollte?

Nein! Er blieb immer in der Nähe der ihm bekannten Menschen. Nur wenn keine bekannte Menschen in der Nähe waren, widmete er sich intensiv seinen "Geschwistern" und spielte mit ihnen. Und diese waren immer mehr an ihrer Umwelt und deren Erkundung interessiert, als dass sie sich bei den eher langweiligen Zweibeinern aufhalten wollten.

Obwohl der kleine Kromfohrländer von seinen Pflegegeschwistern ein vollkommen anderes Verhalten vorgelebt bekam und auch seine Ersatzmutter nie auffällig die Nähe von Menschen suchte, zeigte er von Anfang an extreme Nähe zu seinen Menschen, welche er dem Spiel und der Mutter vorzog.

 

Diese Eigenschaft ist Grundlage der unter manchen Kromfohrländerbesitzern bekannten "symbiotischen" Beziehung, d.h. eine Beziehung, welche so eng ist, dass Mensch und Hund zu einer Einheit verschmelzen.

 

Aber auch hier gilt: Keine Seite ohne die Andere!. So wunderbar diese innige Beziehung des Kromfohrländer´s zu seinen Menschen ist, so einfach sich die Welpenzeit darstellt, so problematisch ist die negative Auswirkung dieser starken Bindungsfähigkeit in der Zukunft...

 

Eingelullt von dem hervorragenden Gehorsam des jungen Kromfohrländers wird schnell übersehen, dass auch diese Rasse nicht selbsterziehend ist und der Besitzer verstrickt sich im Glauben, das unbefangene Spiel mit anderen Hunden, die tolle Abrufbarkeit und die Freundlichkeit gegenüber fremden Menschen seien zementierte Werte ihres Hundes, welche unveränderlich ihr Leben lang so bleiben.

Jedoch - weit gefehlt!

Wo Labrador und Co wochen, gar monatelang an der Abrufbarkeit ihrer Hunde gefeilt und viel Zeit und Mühe in den Gehorsam investiert haben, können nun sie mit ihren Hunden die Lorbeeren ernten - denn nach der Pubertät ist es auf einmal unser Kromfohrländer, welcher von heute auf morgen einzelne Hunde scheinbar aus dem Nichts heraus attackiert, den so sicher geglaubten Gehorsam komplett vermissen lässt und sich peu à peu zu einem Leinenrüpel par excellence entwickelt. Hündinnen mögen auf einmal nicht mehr spielen, das Beschnüffeln durch fremde Hündinnen wollen sie nicht mehr dulden und ihr daraus folgendes Abwehrverhalten mit Haare-stellen und Knurren lässt andere Hundebesitzer an Ihrer Kompetenz zur Hundeerziehung zweifeln.

 

Was ist schiefgelaufen?

Nun, in der Regel haben Sie, die Besitzer von betroffenen Kromfohrländern, keine Züchter bzw. Personen gefunden, welche das Wesen der Kromfohrländer kennen und ihn verstehen helfen.

Der Kromfohrländer ist ein Besitzerhund und zeigt er auch als Welpe und Junghund normales Sozialverhalten und ist fremden Menschen gegenüber freundlich, so ändert sich sein Verhalten mit der Pubertät.

Dann entwickelt er seine eigentlichen Charaktereigenschaften, zu denen gehört, dass ihm seine Besitzer wichtiger sind als seine Artgenossen und entsprechend handelt er. Gekoppelt mit seinen mangelhaft vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten mit Artgenossen stellt er damit eine anspruchsvolle Mischung bbesonders für einen hundeunerfahrenen Kromfohrländerbesitzer in der Haltung und Erziehung dar.

Erschwerend kommt hinzu, daß einige typische Verhaltensweisen des Kromfohränder´s  von selbsternannten Fachleuten als Dominanz ausgelegt werden und mit der daraus resultierenden Erziehungsform der bislang nur in einigen Bereichen schwierige Hund noch schwerer händelbar wird.

 

Innerhalb der Familie ist er dagegen ein aufmerksamer und so anhänglicher Hund, wie man ihn sich nicht besser wünschen mag. Auch ist er bei allen Aktivitäten seiner Zweibeiner mit Begeisterung dabei und wer sportliche Ambitionen pflegt - kaum ein Bereich, wo er nicht teilhaben könnte, sei es Radfahren, Laufen, als Reitbegleithund, im Hundesport - sein Potential ist enorm und seine Kommunikationsfähigikeit mit seinem Besitzer spricht Bände für das enge und innige Verhältnis, welches Besitzer und Hund auszeichnet.

 

Diese Bindung lässt so manchen Kromfohrländerbesitzer die auf der anderen Seite auftretenden Probleme, wie sein ausgeprägtes Territorialverhalten und damit unangenehme Benehmen Besuchern und das abweisende Verhalten fremden Hunden gegenüber leider gerne klein reden.

Oft genug sind Kommentare von Kromfohrländerbesitzern, wie: "So sind Kromfohrländer eben", "Die sind halt zurückhaltend", "Sie mögen eben nicht jeden", als Entschuldigung zu hören.

 

Und hier schließt sich der Kreis wieder, denn solche Aussagen sind kontraproduktiv, was die Zucht von modernen Familienhunden betrifft, welche in der heutigen Zeiten sozial kompetent agieren und insgesamt mit einem freundlichen Wesen punkten sollten.

Genügend Hundetrainer, Tierärzte und Richter haben Kromfohrländer von ihrer schlechten Seite kennengelernt, mit Behandlungen, welche nur noch mit Maulkörben möglich sind, Trainern, welche den Kromfohrländer nicht mehr als Rasse empfehlen und Richtern, die von der Rasse noch nie besonders viel gehalten haben.

 

Die offizielle Wesensbeschreibung des Kromfohrländers lautet "liebenswert, temperamentvoll und anhänglich" - allerdings stellen Sie sich darunter keinen Hund vor, welcher Fremde nicht zur Türe reinlässt, mit den Kindern nicht Gassi geht (bzw. gehen kann, da Leinenrüpel), an der Leine ausgeprägtes Machoverhalten zeigt, unverträglich mit fremden Hunden ist, ängstlich und damit alles andere als entspannend...

Und ja, sie sind liebenswert und anhänglich - wenn sie mit Ihnen alleine sind, wenn sie sich in fremder Umgebung befinden, wenn kein Gewitter herrscht, wenn alles zu ihrer Zufriedenheit ist - aber nicht immer und jederzeit und man lügt sich in die eigene Tasche, will man diesen Tatsachen nicht ins Auge sehen.

 

So dient unser Einkreuzprojekt nicht nur einer deutlich verbesserten Gesundheit durch mehr genetische Vielfalt, sondern das Augenmerk liegt auch bei einem Wesen, welches die positiven Eigenschaften des Kromfohrländers sehr zu schätzen weiß, aber deshalb die Negativen nicht aus dem Fokus verliert und in die Zuchtarbeit mit einbezieht.

 

  

 

 

 

 

 

 

 

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