Ein Kromfohrländertreffen - viele Hündinnen, wenige Rüden. Das hat bekannte Gründe.

Wir hatten bei diesem Treffen unseren eigenen Kromfohrländerrüden dabei und kaum waren wir aus dem Auto gestiegen und ein paar Meter gelaufen, kam der erste Rüde auf den Unseren zugelaufen, Besitzer sichtbar, aber in einiger Entfernung. Unserer noch an der Leine, der Andere frei. Die Ansage des anderen Rüdenbesitzers: „Einfach Leine ab machen und laufen lassen, die machen das untereinander aus! Da passiert nichts!“

 

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viele mir komplett fremde Menschen meinen Hund kennen!

Ich kenne den anderen Kromfohrländer wohlgemerkt nicht  - und weil ich ihn nicht kenne, halte ich meinen inzwischen unangeleinten Rüden bei mir. Was den Besitzer des anderen Rüden nicht tangiert, denn er lässt ihn weiterhin zu unserem Rüden hin.

Und klar: es sind zwei vergleichbar große Rüden und natürlich könnten sie jetzt untereinander etwas „ausmachen“ - bei unserem eigenen Rüden kennen wir den Ausgang dieses Spieles ganz genau! Er ist das Modell, „okay, du willst was?“ „Dann komm her!“

Und wir kennen seinen Charakter, er lässt nichts anbrennen….

 

Würden wir die zwei Rüden jetzt also genau für diese paar  - netten und  gemeinsamen - Stunden etwas „ausmachen lassen“, bedeutet dies, daß einer der Halter mit seinem Hund zum Tierarzt fahren muss und das Treffen damit beendet ist. Und es wird NICHT unser Rüde sein, welchen man zum TA fahren muss.

 

Der Besitzer des anderen Rüden zeigt völlig Unverständnis, aber läuft nun vorne, während wir uns am Ende des Spazierganges halten und die netten Gespräche genießen, während wir ein Auge natürlich auf die Hunde haben.

 

Auf dem Rückweg passiert, was zu erwarten war: der andere Rüde ist nicht mehr unter Kontrolle und greift im Vorbeilaufen unseren Rüden an.

Wohlgemerkt: unser Rüde ist so erzogen, daß er von sich aus weder Streit sucht noch irgendeinen Angriff starten würde. Wird er jedoch angegriffen, dann macht er Ernst, weshalb wir ihn ausserdem so ausgebildet haben, daß er in JEDER Situation abrufbar ist.

Und das ist das Glück des anderen Rüden, denn da ich meine Hunde immer im Blick habe, sehe ich, was gleich passieren wird und rufe „Elgin“ ab - welcher sofort abdreht und zu mir gerannt kommt, OBWOHL der andere Rüde gerade auf Angriff gebürstet ist.

 

Glück für den anderen Rüdenbesitzer, daß Elgin so gut folgt, obwohl er dieses Glück gar nicht zu schätzen weiß - denn der Besitzer ist immer noch der Überzeugung, liesse man die beiden Rüden zusammen, dann würde die „das klären“ und danach jeder „friedlich seines Weges ziehen“.

 

Bei diesem Beispiel handelte es sich tatsächlich um ähnlich große und schwere Hunde. Wenn die also tatsächlich „etwas untereinander ausmachen“, besteht eine gute Chance, daß die Auseinandersetzung glimpflich ausgeht. 

Nur, was haben wir als Hundebesitzer von so einer Auseinandersetzung????

Die sowieso schon mit anderen Rüden wenig verträglichen Kromfohrländerrüden werden mit jeder Auseinandersetzung, welche sie führen „müssen“, nur noch „griffiger“, die Auseinandersetzungen bedeuten für die betroffenen Hunde einen enormen Stress, welcher mit jeder Auseinandersetzung steigt und haben irgendwann zur Folge, daß eine entspannte Teilnahme an einem Kromfohrländertreffen mit einem erwachsenen Rüden nicht mehr schön ist.

 

Nun waren die zwei Rüden ähnlich groß und ähnlich schwer - was aber, wenn ein Großhundebesitzer (zum Beispiel einer mit Rottweiler) zu einem Hundebesitzer sagt:

„Die machen das untereinander aus“, welcher einen zehnmal kleineren und 100 x leichteren Hund führt? Wie sieht es dann da aus, wenn „die Zwei“ was untereinander „ausmachen“?

Genau - mit ein bisschen Pech wars das dann mit dem kleinen Yorkshire-Terrier….

Mit einer gehörigen Portion Glück überlebt der deutlich kleinere Hund „dieses untereinander ausmachen“, aber sowohl Hund als auch Mensch sind danach traumatisiert.

Und Besitzer von großen Hunden wundern sich allenthalben darüber, warum Kleinhundebesitzer bei Begegnungen mit großen Hunde ihre Zwerge sofort auf den Arm nehmen und diese wiederum wie blöd kläffen! Und kommentieren dann wie folgt:

„Kein Wunder, daß große Hunde auf diese nervtötenden Kläffer losgehen“, oder „kein Wunder, das der kleine Kläffer asozial ist, darf ja auch nie normal Kontakt mit anderen Hunden aufnehmen…“

 

Überhaupt frage ich mich wirklich, was für einen grundsätzlichen Sinn dieses „untereinander ausmachen“ haben soll🤷🏼‍♀️.  Hunde, welche sich zufällig begegnen oder nur über eine Spazierganglänge zusammen sind, haben grundsätzlich überhaupt keinen Grund „etwas auszumachen“, denn sie stehen in keinerlei engeren und längeren Beziehung, um etwas klären zu müssen. Und das Zulassen solcher „Klärungen“ hat auch keine dauerhafte Auswirkung, denn lernen tun die Hunde ausser Stress und negativer Erfahrung dabei auch nichts. Bei der nächsten Hundebegegnung werden die Karten ganz neu gemischt und wenn „unser Hund“ beim einen Gegner „unterlegen“ war, so hat das keinesfalls zur Folge, daß er sich in Zukunft vor jedem anderen Hund hinlegen wird. Das Gegenteil ist in der Regel der Fall.

 

Unsere Hunde in der Rudelhaltung machen grundsätzlich nichts „untereinander“ aus, und zwar aus einer ganz praktischen Erfahrung heraus: Wenn Hunde nie gelernt haben, „etwas untereinander auszumachen“, sind es sehr friedliche und kompatible Vierbeiner, die weder mit den eigenen Rudelmitgliedern Stress, noch mit fremden Hunden Probleme haben.

 

Ich bin mir ziemlich sicher, es gibt Anhänger aus der Fraktion derer, die meinen, es sei ein „natürliches Verhalten, etwas untereinander auszumachen“, aber das ist meines Erachtens reine Ansichtssache.

Familienhunde, welche gefüttert, gepflegt und richtig ausgelastet sind, müssen keinerlei Ressource verteidigen, nicht um Futter kämpfen, nichts verteidigen, richtig gehalten nicht eifersüchtig sein und können zufrieden und entspannt leben - und müssen keinerlei Motivation erhalten, aggressives Verhalten zu zeigen - und nichts anderes ist „etwas untereinander ausmachen“!

 

Jeder Hund, der „etwas selbständig mit einem anderen Hund ausmachen darf“, während der Besitzer kommentarlos daneben steht lernt für sich, daß dies ein „erwünschtes Verhalten“ ist und speichert dies genau so für die nächste „schwierige“ Hundebegegnung ab und wird mit jeder weiteren Auseinandersetzung schneller im Sinne von seiner Reaktion auf einen nur „vermeintlichen“ Angriff und wird zunehmend aggressiver reagieren. Dies kann soweit führen, daß entspannte Spaziergänge nicht mehr möglich sind…