Ein Spruch, welcher nur von Menschen kommen kann, welche keine Kromis kennen bzw. aus dem Munde von Vertretern der "Futtermittelindustrie", von Tierärzten oder Hundetrainern kommt. 

Ein Kromfohrländer ist kein Beagle und kein Cocker - und auch kein Mops oder Labrador. Es gibt viele Rassen, die anstandslos fressen, was immer ihnen von Frauchen oder Herrchen vorgesetzt wird - und genügend Vertreter dieser Art bemühen sich sehr, einen Nachschlag zu ergattern.

Prima, diesen Hunden ist der Spruch: "Es ist noch kein Hund vor dem vollen Futternapf verhungert" auf den Leib geschneidert und diesen Fällen stimme ich 100% zu. Fressende Hunde verhungern nicht!

 

Kromfohrländer hingegen haben eine vollkommen andere Sicht und Einstellung hinsichtlich ihres Futters. Sie sind grundsätzlich der Meinung, dass es deutlich wichtigere Dinge gibt im Leben als Fressen.

Und weil das so ist, empfinden sie im Gegensatz zum Beagle Futter einfach nicht wichtig als Ressource und entsprechend ist ihr Verhältnis dazu.

 

Man kann fressen - aber man muss nicht fressen, so lautet das ihnen eigene Credo. Wer als Besitzer damit nicht umgehen kann, hat hinfort kein leichtes Spiel, denn Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Und so fühlen wir Hundebesitzer uns auch am Wohlsten, wenn unser Hund frisst. Und was er bekommt, ist in aller Regel hochwertig und von bester Qualität! Kein Grund also, das Futter zu verweigern...

 

Und doch verzweifeln genügend Kromfohrländerbesitzer am Fressverhalten ihrer Hunde bzw ihren eingekreuzten Lieblinge.

 

Oder an den "wohlmeinenden", aber in der Regel nicht zielführenden Ratschlägen anderer Hundebesitzer, deren Hunde "dieses" Fressproblem überhaupt nicht haben...

"Man muss das Futter nach zehn Minuten konsequent wegräumen, nur so lernt der Hund, dass gefressen werden muss, solange das Futter vor ihm steht". 

"Einfach hungern lassen, der frisst dann schon!"

"Das Futter, welches ich füttere frisst JEDER Hund! Probier´s mal aus!"

"Pass nur auf, wenn du jeden Tag was Anderes gibst, frisst er bald gar nichts mehr!"

"Dein Hund hat dich halt schon hervorragend erzogen, wenn du ihm täglich was Anderes gibst!"

"In der freien Wildbahn muss er auch nehmen was er bekommt und kann nicht wählerisch sein"

 

Die Liste lässt sich beliebig fortführen, und als Betroffener merkt man recht schnell, dass mit wirklich verwertbaren Ratschlägen nicht zu rechnen ist, sondern diese "Ratschläge" genau das sind, was sie auch im Wort beinhalten: Schläge...

Leckerlis gehen immer :-)   Hier Tarantella und Katinka von der Holderheide
Leckerlis gehen immer :-) Hier Tarantella und Katinka von der Holderheide

Ein erfahrener Züchter hat seine Käufer bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass der reinrassige Kromfohrländer zum Futtermäkeln neigt und deshalb auch bei eingekreuzten Hunden durchaus damit zu rechnen ist. Das ist der Moment, wo die zukünftigen Besitzer diese Info dankbar aufnehmen, aber sich sicher sind, dass sie dieses Problem in den Griff bekommen werden…

Und scheinbar macht der eigene Welpe tatsächlich keine Probleme beim Füttern. Er frisst, was man ihm hinstellt und ist auch mit verhältnismäßig wenig Abwechslung durchaus zufrieden. Dieser Kelch scheint also vorüber gegangen zu sein....

Drusilla von der Holderheide  aus dem D2-Wurf
Drusilla von der Holderheide aus dem D2-Wurf

Aber die Betonung liegt auf "scheint". Die Hündinnen haben ihre erste Läufigkeit erfolgreich hinter sich gebracht, die Jungs werden halbstark, deutliche hormonelle Veränderungen, welche offensichtlich auch das Fressverhalten beeinflussen.

Was gestern gerade noch gnädig gefressen wurde, wird heute nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Wer Stehvermögen hat, probiert auch noch am folgenden Tag das gleiche Futter aus, frei nach dem Motto, der Hunger wird es schon reintreiben!

Jedoch: Fehlanzeige! Unser Hund - frisst einfach: Nichts.....

Sind die Ratschläge der selbsternannten Kynologen alle mangels besserer Alternativen durchgetestet, hilft nun der Gang in die Futterabteilung für Hunde im Tierladen unseres Vertrauens. Aus Erfahrung klug geworden, wird ein breit gefächertes Sortiment an unterschiedlichen Dosenfutter- und Trockenfuttersorten eingekauft, in der Hoffnung, DAS Futter zu finden, welches unser Kromi wirklich mag.

Voller Hoffnung wird der Heimweg angetreten, im festen Glauben, dass bei dieser Auswahl sicher etwas dabei sein muss, was unser "Kummerhund" fressen mag.

 

Und siehe da: die dritte angebotene Sorte ist ein Volltreffer! Was ein Genuss, zuzusehen, wie unser Hund ALLES anstandslos auffrisst und sogar bereit wäre, einen kleinen Nachschlag zu verzehren. Aber wir haben ja gelernt vorsichtig zu sein - den Nachschlag heben wir uns sicherheitshalber lieber für morgen auf!

Und siehe da - auch am nächsten Tag wird das Futter nicht verweigert und oh Wunder, auch am dritten Tag wird einfach nur gefressen. Das ist der Moment frohen Mutes dieses Futter in mindestens einer Monatsration zu bevorraten, denn ENDLICH hat man ja etwas gefunden, was der eigene Hund mag. In verschiedenen Sorten - versteht sich von selbst. Wir haben ja dazugelernt!

 

Was nun folgt, ist eine Erfahrung, welche so einige Kromfohrländerbesitzer teilen: Ist eine größere Menge des vermeintlich vom Hund geschätzten Futters im Keller eingetroffen, wird dieses zielsicher künftig ignoriert. Es ist wie verhext! Da meint man, endlich ein tolles und hochwertiges Futter gefunden zu haben, freut sich, kauft gleich wirklich reichlich ein und wie wenn der Hund es vorhersehen könnte, wird dieses Futter am nächsten Tag prompt verweigert. Und auch am übernächsten Tag. Und am überübernächsten Tag auch.

Sie wissen wie es weitergeht?

Genau - das Tierheim freut sich wieder einmal über eine tolle Futterspende!

Und wie wenn das Futtermäkeln alleine nicht genügen würde, mussten wir Zweibeiner in dieser ganzen Zeit auch lernen, dass Klingeln an der Haustüre, unvorhergesehene Bewegungen diverser Familienmitglieder, "komische" Geräusche und einiges mehr unseren Hund erfolgreich das Fressen beenden lässt- und mit nichts mehr zu bewegen ist, das Fressen fortzuführen.

Was zur Folge hat, dass man unbedingt vermeidet, den Hund beim Fressen in egal welcher Art zu stören. Keiner bewegt sich mehr, jeder verharrt an seiner Stelle, immer hoffend, dass es zu keiner Störung kommen wird und der Hund in Ruhe ALLES im Futternapf frisst. Na ja. Wie so ein Kromi halt auch frisst. Das alleine ist auch schon eine eigene Geschichte wert, denn ein Kromi frisst ja nicht "einfach so". Da muss Kromi aus der Distanz erst einmal feststellen, ob das Futter nicht doch noch lebt und ihn vielleicht angreifen könnte. Also nähert sich unser Kromi  dem Napf erst einmal sehr, sehr vorsichtig. Dann muss man das Futter erst einmal misstrauisch beäugen, könnte ja gefährlich sein!

Ist bis dahin alles glatt gelaufen, senkt sich die Hundenase über den Futternapf und das Fressen wird argwöhnisch berochen. Und festgestellt, dass das oder andere Bröckchen doch ganz lecker zu sein scheint. Also wird genau dieses aus dem Napf geangelt und auf den teuren Wohnzimmerteppich getragen - etwas Luxus muss schon sein...

Ist dieses Bröckchen artig verzehrt, kommt das Nächste an die Reihe, fein säuberlich herausgepickt. Natürlich wieder auf dem Teppich. Was für unseren Hund keinerlei Konsequenzen hat, denn wir sind ja froh, wenn er überhaupt frisst!

Was auch ganz klar ist: Es bleibt immer ein mehr oder weniger großer Anstandsrest im Napf. Schade, eigentlich könnte man locker damit einen zweiten Hund ernähren.

Konnte man diesem Geschehen noch einige Zeit mit schwarzem Humor begegnen, so ist doch in aller Regel irgendwann ein Punkt erreicht, wo man sich einfach nicht mehr zu helfen weiß und die Erkenntnis Gewissheit erlangt, dass man einen Hund besitzt, auf den alle normalen Futterregeln nicht anzuwenden sind. Das sind die Momente, wo man einem Freund/ Nachbarn/ Kollegen/ Verwandten, all jenen, welche meinen mit einem weiteren sinnlosen Ratschlag aufwarten zu müssen, den eigenen Hund am liebsten in die Hand drücken möchte, mit dem Kommentar: "Mach´s doch besser!"

 

Wir können selbstverständlich aus eigener Erfahrung sprechen, unserer finnische Hündin hatte sich aus dem „Nicht-Fressen“ offensichtlich einen Sport gemacht - ihre Kinder zu großen Teilen übrigens auch! Kennt man genügend Hundefamilien, weiß man, daß hier eine genetische Grundlage für schlechtes Fressen vorhanden ist!

Aber wenn dann diese Hündin mit einem sichtbar großen Wurf zu Gange ist, dann werden die Nerven schon auf eine sehr große Probe gestellt, denn entweder trifft die Hündin der Mangel oder die Welpen - und weder das Eine noch das Andere ist eine Alternative.

In diesem Moment habe ich angefangen, Katla auf einen Stuhl an den Tisch zu setzen, habe die energiedichteste Hundefutterdose auf den Tisch gestellt und ihr einen Löffel davon ins Maul gegeben, zugehalten und gewartet, bis das Futter abgeschluckt war. Dann kam der nächste Löffel dran. Und der übernächste. Und so weiter. Bis die Dose leer war.

Und Katla? Sprang vom Stuhl, machte sich den Bart am Teppich sauber und war zufrieden!

Liess sich zur nächsten Dose anstandslos auf den Stuhl heben, hat brav gewartet bis der Löffel kam, liess sich das Mäulchen zuhalten und schluckte ab.

Und hatte so für den Wurf soviel Energie und Kraft, daß sie ihren 10er Wurf ohne Abstriche und in bester Form aufziehen konnte!

 

Und im Laufe unseres Züchterlebens konnten wir beobachten, daß sich die Aufzucht der eigenen Welpen sehr positiv auf das Fressverhalten der Mutterhündin auswirkte: je mehr Würfe Katla aufzog, umso „anstandsloser“ fraß sie, und nach ihrem Zuchteinsatz hat sie bis zu ihrem Tod mit über 15 Jahren vollkommen problemlos gefressen!

 

Was kein Aufruf sein soll, Würfe zu „produzieren“, nur um einen halbwegs normalen „Fresser“ zu erhalten😉. 

Wir haben im Laufe der Jahrzehnte weitere Beobachtungen bezüglich des Freßverhaltens machen können und so zeigten auch kastrierte Hündinnen eine deutlich bessere Akzeptanz gegenüber Futter. Wobei an dieser Stelle darauf hingewiesen sei, daß 

a) reinrassige Kromfohrländerhündinnen nach einer Kastration zur Inkontinenz neigen und 

b) es bei rauhaarigen Hunden zu negativen Fellveränderungen kommen kann und leicht trimmbare Hunde danach deutlich schwieriger zu trimmen sind!

 

Und es besteht ausdrücklich ein „Narkoserisiko“, denn es ist ein massiver Eingriff! 

(Aus dem Z-Wurf haben die Besitzer „Zwetschge“ auf diese Weise verloren - nur dass die gefressen hat und ausschließlich auf Anraten des Tierarztes wegen der (bei Kromfohrländern kaum vorhandenen) Gefahr von Gesäugetumoren bereits mit einem halben Jahr kastriert wurde…)