Juri, er gehörte zu den wenigen unserer Welpen, welche uns haben spüren lassen, daß sie sich "verkauft" fühlten und freuten sich auch seine Geschwister regelrecht "das Bein ab", wenn sie uns als Züchter wieder sahen, so ignorierte uns Juri stets vollkommen. Ganz oder gar nicht lautete seine Devise und nach dieser lebte er auch.

Ein sehr prägendes und für Kromfohrländer ungemein typisches Erlebnis verbindet uns mit ihm. Juri war knapp ein Jahr alt und seine Familie nahm zum ersten Mal an unserem Holderheidetreffen teil. Schon vorher hatten wir telefoniert, denn es taten sich Verhaltensprobleme auf, welchen seine Familie mit Sorge entgegensah...

Was war geschehen? Nun, Juri kam in die Pubertät  und entwickelte die für viele Kromfohrländer typische Zurückhaltung gegenüber fremden Menschen. Dazu zählen auch Tierärzte und da dieser keinerlei Einfühlungsvermögen gegenüber der sensiblen Kromfohrländerseele zeigte, war sein Urteil schnell und hart gefällt: "Das wird ein richtig aggressiver Hund, mit dem Sie noch ordentlich Schwierigkeiten bekommen werden!"

Und seine Prophezeiung schien in Erfüllung zu gehen, denn Juri zeigte sich immer unfreundlicher gegenüber Fremden und im Haus wollte er sie nicht dulden.

Aber wir kennen unsere Hunde und ich war mir sicher, die Ursache seines Fehlverhalten´s klären zu können. Am Telefon lässt sich der ganze Sachverhalt jedoch schlecht erläutern und so nahmen wir das Treffen als Anlass, um im persönlichen Gespräch das Problem zu besprechen bzw. zu lösen. Und am Treffen stellte sich auch heraus, daß genau der Fall eingetreten war, welchen ich befürchtet hatte: Die Besitzer trauten ihrem eigenen Hund nicht mehr, nachdem der Tierarzt sie hat am guten Wesen von Juri hatte zweifeln lassen. Und dieser spürte nun das Misstrauen seiner Besitzer - und reagierte ganz nach Kromfohrländermanier, denn auch er verlor das Vertrauen zu seinen Besitzern. Nichts Schlimmeres kann einem Kromfohrländer passieren und gebietet man hier nicht sofort Einhalt, kommt es zur "selbsterfüllenden Prophezeiung" und paradoxerweise hat der Tierarzt dann Recht - ohne zu wissen, dass er selbst im Falle von Juri der Verursacher dieser Probleme war!

Ganz gezielt - und in diesem Fall war es von Vorteil, dass Juri keine Bindung mehr zu uns zeigte, auch wenn dies das Züchterherz schmerzt - nahm ich ihn an die kurze Leine und sorgte mit meinem Verhalten dazu, dass er eine starke Aggression gegen mich zeigte - ich ärgerte ihn derart, dass er gezwungenermaßen sich gegen mich zur Wehr setzten musste, denn die kurze Leine ließ ihm keine andere Wahl. Und er reagierte wunschgemäß: jeder Mensch in 20 Meter Umkreis dachte sicherlich, Juri würde mich zerfleischen, so heftig biss er immer wieder in meine Hand um frei zu kommen, nahm die Pfoten zu Hilfe, um dem Zwang zu entgehen. Die Besitzer sahen diesem Moment fassungslos zu, so böse hatten sie ihren Hund noch nie erlebt.

Bevor die Situation eskalieren konnte, bekam er wieder lange Leine und so schnell wie er sich hochgefahren hatte, so schnell kam er auch wieder herunter!

Den Besitzern stand der Schreck in den Gesichtern geschrieben, entsetzt hatten sie das Geschehen verfolgt. Und erwarteten nun blutige Hände und richtige Bissverletzungen, wie sie aus dem Knurren und "Beißen" ihres Hundes meinten zu schließen.

Aber weit gefehlt! Einzig ein paar Kratzspuren zierten meine Hände, denn ein Hund mit Beißhemmung mag sich furchtbar aufführen - allein, er beißt nicht!

Und diese Demonstration genügte, um den Besitzern vor Augen zu führen, dass sie einen Hund hatten, auf den sie sich verlassen konnten. Wie umgewandelt war sein Verhalten nach dem Holderheidetreffen - seine Besitzer hatten ihr ursprüngliches Vertrauen in Juri wiedergefunden und Juri dankte es ihnen mit dem erwünschten Verhalten.

Leider erlag Juri mit sieben Jahren einem Krebsleiden....

 

Ohne Juri war das Haus nun still geworden und so dauerte es nicht allzulange und mit Roderich von der Holderheide zog wieder Freude und Leben in den Haushalt ein:-)

 

Nachbemerkung: Bitte versuchen Sie nicht, ähnliche Demonstrationen auszuprobieren - die Gefahr, daß es hierbei zu einem Trauma für alle kommt, ist viel zu hoch und es gehört extrem viel Fingerspitzengefühl dazu, genau einschätzen zu können

a) ob eine Beisshemmung beim betreffenden Hund grundsätzlich vorhanden ist und

b) die Aggression so auszulösen und zu halten, daß sie nicht negativ verknüpft wird!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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